Vicosoprano

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Vicosoprano
Wappen von Vicosoprano
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden GR
Region: Bezirk Malojaw
Kreis: Kreis Bergell
Politische Gemeinde: Bregagliai2
Postleitzahl: 7603
Koordinaten: 768058 / 135827Koordinaten: 46° 21′ 10″ N, 9° 37′ 20″ O; CH1903: 768058 / 135827
Höhe: 1'067 m ü. M.
Fläche: 54,00 km²
Einwohner: 445 (1. Januar 2010)
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Vicosoprano

Vicosoprano

Karte
Vicosoprano (Schweiz)
Vicosoprano
ww
Gemeindestand vor der Fusion am 31. Dezember 2009

Vicosoprano (in der lombardischen Ortsmundart Visavráng [visɐvr'aŋ],[1] früher deutsch Vespran, rätoromanisch Visavraun) war bis Ende 2009 eine politische Gemeinde im Bergell, Bezirk Maloja, im schweizerischen Kanton Graubünden. Der Name stammt von Vicus supranus, was «oberes Dorf» bedeutet. Durch das Dorf fliesst die Maira.

Auf den 1. Januar 2010 fusionierten die Gemeinden des Bergells Bondo, Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano zur neuen Gemeinde Bregaglia.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: Geteilt von Silber (Weiss) und Schwarz, in Silber ein aufrechter schwarzer, rot bewehrter Steinbock, in Schwarz eine silberne zweitürmige Zinnenburg mit Tor. Nach einem älteren Wappen vereinfacht.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vicosoprano spricht man eine lombardische Mundart. Es gibt seit Jahrzehnten eine grössere deutschsprachige Minderheit. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle:

Sprachen in Vicosoprano
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 43 10,83 % 41 10,43 % 55 12,82 %
Rätoromanisch 8 2,02 % 16 4,07 % 18 4,20 %
Italienisch 342 86,15 % 329 83,72 % 346 80,65 %
Einwohner 397 100 % 393 100 % 429 100 %

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den drei Ortsteilen Vicosopranos wurde die Reformation zwischen 1529 und 1553 eingeführt, in der früher selbständigen Gemeinde Casaccia 1551.

Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Ende 2005 453 Bewohnern waren 420 Schweizer Staatsangehörige.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Casaccia

Vicosoprano war bereits im frühen Mittelalter besiedelt. Der Name taucht erstmals 1096 in der lateinischen Form vicus supranus auf, die sich in der Frühneuzeit schriftsprachlich gegen lombardische Schreibformen wie Visoprano und ähnlich durchgesetzt hat.[1] Die Ortschaft ist Hauptort der Talschaft Bergell und war deshalb Sitz eines Vogts.

1971 fusionierte das rund 6 Kilometer weiter nördlich gelegene Dorf Casaccia mit Vicosoprano.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitsplätze stammen aus Land- und Forstwirtschaft, Industrie und Gewerbe sowie dem Dienstleistungssektor und Gastgewerbe. Im Dorf stehen zwei Hotels zur Verfügung. Oberhalb des Dorfes steht am rechten Ufer der Mera der Campingplatz «Mulina».

Im Ortsteil Löbbia stehen ein Kraftwerk und ein Unterwerk des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ). Das EWZ versorgt neben Zürich auch die Bündner Talschaften, wo ein beträchtlicher Teil des Stroms produziert wird.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vicosoprano wird von der Engadiner Buslinie 4 bedient; Konzessionär ist der Schweizerische Postautodienst.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Kirchen stehen unter kantonalem Denkmalschutz. Reformierte Hauptkirche ist S. Trinità, wesentlich älter ist die reformierte Kirche San Cassiano. Regelmässige Gottesdienste finden auch in der reformierten Kirche Casaccia statt.
  • Katholische Kirche S. Gaudenzio[2]
  • Rathaus[3]
  • Ca d’Prutz[4]
  • Casa Gadina[5]
  • Postgebäude[6]
  • Im Zentrum steht der runde Senvelenturm aus dem 13. Jahrhundert, der in das Rathaus eingebaut ist. An seiner Aussenmauer ist noch der Prangerblock mit der Halskette zu sehen.
  • Am westlichen Dorfrand Vicosopranos steht der «Salisturm», ein sechsstöckiger Wohnturm[7]. Er stammt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert und wurde 1580 für Rudolf von Salis umgebaut. Die Fenster wurden im 16. und 18. Jahrhundert eingebaut, weitere Umbauten erfolgten 1821.[8]
  • Am westlichen Dorfausgang stehen links auf einer Waldlichtung die steinernen Säulen des Galgens.
  • Brücke über die Maira[9]
  • Sogenannter Convento in Casaccia[10]
  • Ruine der Kirchenruine San Gaudenzio in Casaccia[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pier Paolo Vergerio (* 1498 in Capodistria; † 4. Oktober 1565 in Tübingen) war bis 1549 römisch-katholischer Bischof in Koper, 1550-1553 evangelisch-reformierter Pfarrer in Vicosoprano und dann Diplomat und Bibelübersetzer in Tübingen
  • Willy Trepp (* 23. Dezember 1938 in Vicosoprano), ehemaliger Schweizer Radrennfahrer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf Collenberg: Vicosoprano im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Thomas Bitterli: Schweizer Burgenführer. Friedrich Reinhard, Basel/Berlin 1995.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band V. Die Täler am Vorderrhein, II. Teil. Die Talschaften Schams, Rheinwald, Avers, Münstertal, Bergell. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 14). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1943, ISBN 978-3-906131-20-7.
  • Ludmila Seifert, Leza Dosch: Kunstführer durch Graubünden. Scheidegger & Spiess, Zürich 2008.
  • Willy Zeller: Kunst und Kultur in Graubünden. Haupt, Bern 1993.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vicosoprano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 924.
  2. Katholische Kirche S. Gaudenzio
  3. Rathaus
  4. Ca d'Prutz
  5. Casa Gadina
  6. Postgebäude
  7. Wohnturm
  8. Ludmila Seifert, Leza Dosch: Kunstführer durch Graubünden:
  9. Brücke über die Maira
  10. Sogenannter Convento
  11. Ruine der Wallfahrtskirche S. Gaudenzio