Volkwin Marg

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Volkwin Marg (* 15. Oktober 1936 in Königsberg, Ostpreußen) ist ein deutscher Architekt. Er gehört „zu den bedeutendsten Architekten der Gegenwart“[1] und hat es „als Architekt von Stadien zu weltweitem Ruhm gebracht.“[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäisches Patentamt in München
Überdachung des Innenhofes des Museums für Hamburgische Geschichte
Hörnbrücke in Kiel
Umbau, Sanierung und Überdachung Olympiastadion Berlin
Palacongressi in Rimini

Volkwin Marg wuchs in Danzig auf, wo sein Vater Pfarrer an der Marienkirche war,[3] und musste zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit seinen Eltern nach Thüringen fliehen.[4] Von 1949 bis 1957 lebte er im mecklenburgischen Grabow und floh 1957 nach West-Berlin. Von 1958 bis 1964 studierte er Architektur an der TU Berlin und an der TU Braunschweig sowie Stadtplanung an der TU Delft.[5] In Braunschweig bestand Marg 1965 sein Examen und gründete im selben Jahr mit Meinhard von Gerkan das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp).

Im Jahr 1972 wurde Marg an die Freie Akademie der Künste in Hamburg und 1974 an die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung berufen.[6] Von 1975 bis 1983 war er erst Vizepräsident, ab 1979 Präsident des Bundes deutscher Architekten (BDA). Im Jahr 1986 erhielt er einen Ruf an die RWTH Aachen auf den Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung und Werklehre als Nachfolger von Gottfried Böhm. Seit 2007 ist Marg Prinzipal der Academy for Architectural Culture (aac), die er gemeinsam mit den Partnern von gmp-Architekten im Rahmen der gmp-Stiftung gegründet hat. 2010 wurde er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Von 2012 bis 2016 war Marg Mitglied im Beirat der Bundesstiftung Baukultur.[7][8]

Marg engagierte sich vergeblich für den Erhalt der vier Scheibenhochhäuser des City-Hofs in Hamburg[5] und setzt sich für eine Neugestaltung des Berliner Kulturforums ein,[9] insbesondere den Standort für das Museum des 20. Jahrhunderts kritisierte er in diesem Zusammenhang öffentlich.[5][10] Für Hamburg schuf Marg „mit der städtebaulichen Großtat des Grundkonzepts «Hafen-City» einen völlig neuen Stadtteil“,[11] als dessen „architektonischer Vater“[12] er gilt. 1976 gründete er mit anderen Hamburger Traditionsschifffreunden mit dem Museumshafen Oevelgönne Deutschlands ersten Museumshafen.

Preise, Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marg gilt in Deutschland als „einer der einflussreichsten Architekten der Nachkriegszeit.“[13]

1996 wurde Marg der Fritz-Schumacher-Preis der Alfred Töpfer Stiftung verliehen. 2004 bekam er die Plakette der Freien Akademie der Künste Hamburg, 2005 den Großen Preis des Bundes Deutscher Architekten und 2006 den Großen DAI Preis für Baukultur des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine.[14] Am 30. November 2009 wurde er mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[15][16] Am 27. April 2012 wurde ihm vom akademischen Senat der HafenCity Universität Hamburg der Ehrendoktor im Fachbereich Architektur verliehen.[17] 2016 erhielt Marg zusammen mit Meinhard von Gerkan den "BDA Hamburg Baukultur Preis 2016".[18] Er gewann in über fünfzig Jahren zusammen mit seinen Büropartnern mehr als 400 erste Preise in nationalen und internationalen Architektur-Wettbewerben, zahlreiche Bauten wurden mit Auszeichnungen prämiert.[19] Im September 2020 wurde er vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille ausgezeichnet.[20]

Bauten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • (Mit Anke Marg) Hamburg, Bauen seit 1900. Ein Führer zu 120 ausgewählten Bauten. Christians, Hamburg 1969.
  • Entwicklungsstudie Grasbrook-Baakenhafen. Studie zur Entwicklung des innerstädtischen Hafenrandes zwischen Grasbrook und Baakenhafen. Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen, Fakultät für Architektur, Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung. Auftraggeber: Gesellschaft für Hafen- und Standortentwicklung GHS, Hamburg. Aachen 1996 OCLC 245878215.
  • Neue Messe Leipzig. New Trade Fair Leipzig. Von Gerkan, Marg und Partner 1992–1996. Birkhäuser, Basel u. a. 1997, ISBN 978-3-7643-5429-9.
  • La nuova Fiera di Rimini. The new Rimini trade fair. Von Gerkan, Marg und Partners. Motta, Milano 2002, ISBN 88-7179-378-1 (italienisch, englisch).
  • Konstruktion und Deutung. Structure and intention. Hrsg. v. Kristin Feireiss u. Hans-Jürgen Commerell. Aedes, Berlin 2006 ISBN 978-3-937093-66-6.
  • Stadien und Arenen. Von Gerkan, Marg und Partner. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2006 ISBN 978-3-7757-1677-2.
  • Architektur ist – natürlich nicht unpolitisch. Hrsg. von Ingeborg Flagge, Prestel, München u. a. 2009, ISBN 978-3-7913-4284-9.
  • „Der Verstand so schnell, die Seele so langsam.“ Gespräche wegen Architektur. niggli, Salenstein 2016, ISBN 978-3-7212-0962-4.
  • Activ. Geschichten einen Dreimastbramsegelschoners vom Stapellauf 1952 bis heute. 45 Länder, 420000 Seemeilen, 1500 Mitsegler, und es geht weiter…. Delius Klasing, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-667-10836-4.

Als Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hallen 8 + 9. Expo halls 8 + 9. Von Gerkan, Marg und Partner. Deutsche Messe AG. Expo 2000 Hannover GmbH. Prestel, München u. a. 2000. ISBN 3-7913-2136-6.
  • Olympiastadion Berlin. Sanierung und Modernisierung 2000–2004. DZA, Altenburg 2004, ISBN 978-3-936300-16-1.
  • Stadien und Arenen. Stadia and arenas. Von Gerkan, Marg und Partner. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2006, ISBN 3-7757-1677-7.
  • From Cape Town to Brasília. New stadiums by GMP. Prestel, München u. a. 2010, ISBN 978-3-7913-4439-3.
  • (für die Akademie der Künste, Berlin) Gert Kähler: Choreographie der Massen. Im Sport. Im Stadion. Im Rausch. Jovis, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-164-4.
  • Gert Kähler: Auf alten Fundamenten. Bauen im historischen Kontext – Architekten von Gerkan, Marg und Partner. Dölling und Galitz, München 2013, ISBN 978-3-86218-039-4.
  • (mit Hubert Nienhoff) Staatliche Ballettschule Berlin. Jovis, Berlin 2016, ISBN 978-3-86859-332-7.
  • Gert Kähler: Geheimprojekt HafenCity oder Wie erfindet man einen neuen Stadtteil? Dölling und Galitz, München / Hamburg 2016, ISBN 978-3-86218-092-9.
  • (mit Nikolaus Goetze): Deutsches Hafenmuseum Hamburg. Designs for the National Port Museum. Academy for Architectural Culture, aac, Hamburg 2017 (pdf 4,7 MB).
  • (mit Hubert Nienhoff) Neues Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen. Jovis, Berlin 2018, ISBN 978-3-86859-353-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sabine Gundlach: Visionen eines Star-Architekten. In: Die Welt. 14. Juni 2005 (welt.de [abgerufen am 25. April 2020]).
  • HafenCity-Universität Hamburg, Referat für Universitätsentwicklung und Kommunikation (Hrsg.): Verleihung der Ehrendoktorwürde der HafenCity Universität Hamburg an Volkwin Marg. 27. April 2012, Dokumentation. HafenCity Universität, Hamburg 2012, ISBN 978-3-941722-12-5.
  • Hubert Nienhoff (Hrsg.): Reverences - references. Volkwin Marg - Stadium architecture by von Gerkan, Marg and Partners. Callwey, München 2016, ISBN 978-3-7667-2261-4 (englisch, deutsch).
  • Katja Gäbler, Fabian Wehner: Volkwin Marg. Gleichschaltung zum Rhythmus-Applaus ist mir widerlich, da klatsche ich unwillkürlich gegen an. In: Nachbeben. Begegnungen mit deutschen Lebensgeschichten des 20. Jahrhunderts. Duncker & Humblot, Berlin 2015, ISBN 978-3-428-14826-4, S. 95–100, 194–198, 291–295.
  • Was er baut, funktioniert sofort. Volkwin Marg zum 80. In: Der Tagesspiegel. 13. Oktober 2016 (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. April 2020]).
  • Christian Thomas: Volkwin Marg - der Citoyen. In: Frankfurter Rundschau. 14. Oktober 2016 (fr.de [abgerufen am 25. April 2020]).
  • Jürgen Tietz: Politisch bin ich sowieso. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Oktober 2016 (nzz.ch [abgerufen am 25. April 2020]).
  • „Unsere Kultur ist das größte Kapital, das wir haben.“ In: Deutsche Bauzeitschrift. Nr. 1, 2019 (dbz.de [abgerufen am 28. April 2020]).
  • „Die Deutschen waren besessen vom Wiederaufbau.“ Stadion mit Zeltdach, Reichstag mit Kuppel und jetzt ein Preußenschloss. Stararchitekt Volkwin Marg über Politik am Bau, steingewordene Schuld und westdeutsche Ignoranz. In: Die Zeit. 10. November 2019 (zeit.de [abgerufen am 25. April 2020]).
  • Gert Kähler: Grauganseffekte. Hamburg und der Architekt Volkwin Marg. Dölling und Galitz, München/ Hamburg 2021, ISBN 978-3-86218-148-3.
  • Jens Meyer-Odewald: Volkwin Marg: Vom Kriegskind zum Stadtplaner Hamburgs. In: Hamburger Abendblatt. 13. Oktober 2021 (abendblatt.de [abgerufen am 29. September 2022]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Norbert Vojta: „Hamburger Hafencity? Das war eine Politstory der Sonderklasse“. In: Die Welt, 23. April 2018.
  2. Norbert Thomma, Björn Rosen: Stadien: Kathedralen des Fußballs. Architekt Volkwin Marg. In: Der Tagesspiegel, 7. Juli 2016.
  3. Volkwin Marg. Gleichschaltung zum Rhythmus-Applaus ist mir widerlich, da klatsche ich unwillkürlich gegen an. In: Katja Gäbler, Fabian Wehner: Nachbeben. Begegnungen mit deutschen Lebensgeschichten des 20. Jahrhunderts. Duncker & Humblot, Berlin 2015, S. 95.
  4. Volkwin Marg im Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig. In: Bauwelt. Nr. 14, 2017, ISSN 0005-6855, S. 10 (bauwelt.de [abgerufen am 19. Mai 2020]).
  5. a b c Jürgen Tietz: Politisch bin ich sowieso. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Oktober 2016 (nzz.ch [abgerufen am 25. April 2020]).
  6. Baukunst – Mitglieder. Volkwin Marg. Akademie der Künste Berlin, abgerufen am 25. April 2020.
  7. Beirat. Website der Bundesstiftung Baukultur. Abgerufen am 23. August 2012.
  8. Ergebniszusammenfassung des Wahl-Konvents am 4. November 2016. Die Gremienwahl des Konvents 2016. Bundesstiftung Baukultur, abgerufen am 25. April 2020.
  9. Architekt Volkwin Marg zum Kulturforum "Unterführung der Potsdamer Straße stünde technisch nichts entgegen". In: Der Tagesspiegel. 5. Juni 2015 (tagesspiegel.de [abgerufen am 25. April 2020]).
  10. Volkwin Marg: „Standort gegen alle Empfehlungen“. In: heute journal. zdf, 14. November 2019, abgerufen am 25. April 2020.
  11. Was er baut, funktioniert sofort. Volkwin Marg zum 80. In: Der Tagesspiegel, 13. Oktober 2016.
  12. Dirk Meyhöfer: Der Masterplaner. In: Quartier. Magazin für HafenCity, Speicherstadt und Katharinenviertel, Nr. 17, März-Mai 2012.
  13. „Die Deutschen waren besessen vom Wiederaufbau.“ Stadion mit Zeltdach, Reichstag mit Kuppel und jetzt ein Preußenschloss. Stararchitekt Volkwin Marg über Politik am Bau, steingewordene Schuld und westdeutsche Ignoranz. In: Die Zeit, 10. November 2019.
  14. Der Große DAI Preis für Baukultur. Bisherige Preisträger seit 1995. Bundesstiftung Baukultur, abgerufen am 25. April 2020.
  15. Super-Orden für Star-Architekten. Hamburger Morgenpost, 1. Dezember 2009, abgerufen am 30. Dezember 2012.
  16. Meinhard v. Gerkan und Volkwin Marg mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. hamburg.business-on.de, 1. Dezember 2009, abgerufen am 30. Dezember 2012.
  17. Ehrendoktorwürde der HafenCity Universität für Professor Volkwin Marg. (pdf; 75 kB) Pressemitteilung. HafenCity Universität Hamburg, 23. April 2012, abgerufen am 25. April 2020.
  18. BDA Hamburg Baukultur Preis 2016. Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg ausgezeichnet! Bund Deutsche Architekten BDA Hamburg, 4. November 2016, abgerufen am 25. April 2020.
  19. Geschichte. gmp - Architekten von Gerkan, Marg und Partner, abgerufen am 25. April 2020.
  20. „Volkwin Marg mit Bürgermeister-Stolten-Medaille geehrt“, in: Hamburger Abendblatt vom 24. September 2020, abgerufen am 24. September 2020.
  21. Claas Gefroi: … in die Jahre gekommen – Sportforum der Universität Kiel, Deutsche Bauzeitung Heft 3, 2013, S. 56.