Weiderichgewächse

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Weiderichgewächse
Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria), Illustration

Gewöhnlicher Blutweiderich (Lythrum salicaria), Illustration

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Weiderichgewächse
Wissenschaftlicher Name
Lythraceae
J.St.-Hil.

Die Weiderichgewächse (Lythraceae), auch Blutweiderichgewächse, bilden eine Pflanzenfamilie in der Ordnung der Myrtenartigen (Myrtales). Die Blutweideriche zusammen mit dem Sumpfquendel und der Wassernuss sind die einzigen in Mitteleuropa vorkommenden Arten dieser Pflanzenfamilie. Die ältesten Fossilfunde, die der Familie Lythraceae zugeordnet werden, sind Samen aus dem Campanium (Kreide) aus Mexiko und aus dem Paläozän des südlichen Englands, außerdem wurden fossile Früchte, Blätter und Pollen gefunden.

Nutzung[Bearbeiten]

Unterfamilie Punicoideae: Blüte des Granatapfel (Punica granatum)
Brasilianisches Rosenholz (Physocalymma scaberrimum)

Unter den Weiderichgewächsen kommen einige Farbstoff liefernde Pflanzenarten vor. Bekannteste Art ist der Hennastrauch (Lawsonia inermis), aus dem Henna gewonnen wird. Weitere Beispiele sind Woodfordia fruticosa, deren Blätter rote Farbe liefern. Aus Rinde und Holz einiger Lafoensia-Arten werden gelbe Farbstoffe erzeugt.

Der Granatapfel liefert Obst und wird als Zierpflanze verwendet. Die Früchte der Wassernuss werden in Ostasien, Malaysia und Indien als Gemüse gegessen. Von Lythrum portula werden die Blätter roh oder gegart gegessen[1]. Von Ammannia multiflora werden die Samen gemahlen und zum Backen von Kuchen verwendet[1]. Aus den Samen von Cuphea viscosissima kann Öl als Speiseöl[1] oder für die kosmetische Industrie gewonnen werden.

Wertvolle Holzlieferanten aus der Familie sind Brasilianisches Rosenholz (Physocalymma scaberrimum), Guayacan (Lafoensia speciosa) und verschiedene Baumarten der Gattung der Lagerströmien (Lagerstroemia).

Als Zierbäume in warmen Klimazonen werden Chinesische Lagerströmie (Lagerstroemia indica), Hennastrauch (Lawsonia inermis) und Woodfordia fruticosa angepflanzt. Als Zierpflanzen sind Cuphea-Arten, beispielsweise die Zigarettenfuchsie (Cuphea ignea) zu nennen.

In der Aquaristik werden gleichfalls wenige Arten verwendet. Im Aquarium bewährt haben sich unter anderem Bachburgel und Cognakpflanze, beide Arten gelten jedoch auch als anspruchsvoll.

Gewöhnlicher Blutweiderich, Lagerstroemia indica und Heimia salicifolia sind Heilpflanzen[1].

Beschreibung[Bearbeiten]

Unterfamilie Duabangoideae: Illustration von Duabanga grandiflora

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten]

Es sind meist, in den gemäßigten Zonen, einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen; seltener, in den Tropen, verholzende Taxa: Sträucher und Bäume gehören. Die jungen Zweige sind oft vierkantig.

Die Laubblätter sind meistens gegenständig, seltener sind sie wechselständig und spiralig oder wirtelig angeordnet. Die einfachen Blattspreiten sind fiedernervig und besitzen meist eine glatt Rand. Nebenblätter fehlen oder sind nur klein.

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten]

Die Blüten stehen einzeln oder in achsel- oder endständigen zymösen, traubigen, rispigen Blütenständen oder in Scheinquirlen.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch bis zygomorph und besitzen meist eine doppelte Blütenhülle (Perianth). Oft ist ein Hypanthium vorhanden. Die Anzahl der Blütenorgane in den einzelnen Blütenblattkreisen ist bei dieser Familie sehr variabel - drei- bis 16-zählig. Es kann ein Nebenkelch vorhanden sein. Die häutigen bis dick-ledrigen Kelchblätter sind meist verwachsen und oft haltbar. Die frei Kronblätter sind oft zerknittert und können genagelt sein; selten fehlen sie. Es sind meist acht bis 16 (vier bis 100) freie, fertile Staubblätter vorhanden. Meist zwei bis vier (selten bis sechs) Fruchtblätter sind zu einem synkarpen, unterständigen bis oberständigen (siehe Unterfamilien), zwei- bis sechs- oder mehrkammerigen Fruchtknoten verwachsen. Je Fruchtknotenkammer sind viele Samenanlagen in zentralwinkelständiger Plazentation vorhanden. Heterostylie kommt hier häufig vor. Der Griffel endet in einer kopfigen, konisch-schildförmigen oder punktförmigen Narbe. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie).

Früchte und Samen[Bearbeiten]

Es werden meist ledrige Kapselfrüchte gebildet, die sich meist bei Reife öffnen. Seltener werden beerenartige Früchte gebildet. Die Früchte werden meist teilweise bis vollständig von den haltbaren Blütenhüllblättern eingehüllt. Die Früchte enthalten meist viele Samen. Die nur selten geflügelten Samen enthalten kein Endosperm und besitzen einen geraden Embryo mit zwei flachen oder zusammengerollten Keimblättern (Kotyledone).

Chromosomen[Bearbeiten]

Die Chromosomen besitzen eine Länge von 1 bis 4 µm. Die Chromosomengrundzahlen betragen n = meist 8 (5 bis 11). Es ist oft Polyploidie nachgewiesen.

Unterfamilie Lythroideae: Cuphea hyssopifolia
Unterfamilie Lythroideae: Lagerstroemia indica
Unterfamilie Lythroideae: Lafoensia pacari
Unterfamilie Lythroideae: Sumpfquendel (Lythrum portula)
Unterfamilie Lythroideae: Pemphis acidula
Unterfamilie Lythroideae: Pleurophora pusilla
Unterfamilie Lythroideae: Rotala malabarica
Unterfamilie Lythroideae: Woodfordia fruticosa
Unterfamilie Sonneratioideae: Sonneratia caseolaris
Unterfamilie Trapoideae: Wassernuss (Trapa natans)

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Familie Lythraceae wurde 1805 durch Jaume Saint-Hilaire in Exposition des Familles Naturelles, 2, S. 175 aufgestellt. Typusgattung ist Lythrum L..[2] Synonyme für Lythraceae J.St.-Hil. sind: Ammanniaceae Horaninow, Blattiaceae Niedenzu, Duabangaceae Takhtajan, Lagerstroemiaceae J.Agardh, Lawsoniaceae J.Agardh, Punicaceae Horan., Sonneratiaceae Engler, Trapaceae Dum.

Sie kommen weitverbreitet in tropischen und subtropischen Gebieten der Welt vor, einige Arten sind in den gemäßigten Zonen verbreitet.

Die Familie Lythraceae s.l. wird seit Graham et al. 2005 in fünf Unterfamilien und etwa 31 Gattungen [3] gegliedert mit 620 bis 650 Arten:

  • Unterfamilie Lythroideae Juss. ex Arn. = Lythraceae s.str.: Der Fruchtknoten ist oberständig. Sie enthält etwa 28 Gattungen:
    • Adenaria Kunth: Sie enthält nur eine Art:
    • Cognakpflanzen (Ammannia L.): Die etwa 25 Arten sind in den Tropen und Subtropen hauptsächlich in Asien und Afrika verbreitet, nur vier Arten kommen in der Neuen Welt:
    • Capuronia Lour.: Sie enthält nur eine Art:
    • Crenea Aubl.: Die nur zwei Arten sind in der Neuen Welt verbreitet.
    • Köcherblümchen (Cuphea Adans. ex P.Br.): Die etwa 240 Arten sind in der Neuen Welt weitverbreitet, aber keine Art kommt in Kanada vor. Die Blüten sind zygomorph.
    • Decodon J.F.Gmelin: Sie enthält wohl nur eine Art:
    • Didiplis Raf.: Sie enthält nur eine Art:
    • Diplusodon Pohl : Die etwa 85 Arten sind in der Neuen Welt verbreitet.
    • Galpinia N.E.Br.: Sie enthält nur eine Art:
    • Ginoria Jacq. (inklusive Haitia Urb.): Die etwa 15 Arten sind auf den Großen Antillen und in Mexiko beheimatet.[4]:
    • Heimia Link & Otto: Die Blüten dieser Sträucher sind sechszählig. Die drei Arten sind in der Neotropis verbreitet:
    • Hionanthera A.Fern. & Diniz: Mit bis zur vier Arten in Afrika.
    • Koehneria S.A.Graham, Tobe & Baas: Sie enthält nur eine Art:
    • Lafoensia Vand.: Die etwa fünf Arten sind in Mittel- und Südamerika weitverbreitet.
    • Lagerströmien (Lagerstroemia L.): Die etwa 55 Arten sind vom tropischen und subtropischen Asien bis Australien und nach Norden bis Japan verbreitet. In China kommen 15 Arten vor, acht davon nur dort. Es sind Sträucher oder Bäume.
    • Lawsonia: Sie enthält nur eine Art:
      • Hennastrauch (Lawsonia inermis L., Syn.: L. alba Lam., L. spinosa L.): Die Blüten dieses Strauches sind vierzählig. Die Heimat ist Afrika, Indien, Sri Lanka, Pakistan, die Komoren und Seychellen.
    • Lourtella S.A.Graham et al.: Sie enthält nur eine Art:
    • Blutweideriche (Lythrum L.): Die (15 bis) etwa 35 Arten sind weltweit in vielen Klimazonen verbreitet, nur etwa zwei Arten kommen in der Neuen Welt (beispielsweise in Chile) vor.
    • Nesaea Comm. ex Kunth: Mit (25 bis 55) etwa 50 Arten sind hauptsächlich in der Alten Welt verbreitet, nur etwa drei Arten kommen in der Neuen Welt vor.
    • Pehria Sprague: Sie enthält nur eine Art:
      • Pehria compacta (Rusby) Sprague: Sie ist in Mittel- und Südamerika weitverbreitet.
    • Pemphis J.R.Forster & G.Forster: Sie enthält nur eine Art:
      • Pemphis acidula J.R.Forster & G.Forster: Sie ist vom östlichen Afrika über Madagaskar über einige Pazifische Inseln (Marshall-Inseln) bis nach Taiwan und die Ryukyu-Inseln verbreitet. Es ist ein Strauch bis kleiner Baum.
    • Peplis L.: Sie enthält nur eine Art:
      • Peplis alternifolia M.Bieb.: Sie ist hauptsächlich in Europa verbreitet, kommt aber beispielsweise auch in China vor.
    • Physocalymma Pohl: Sie enthält nur eine Art:
    • Pleurophora Don.: Mit etwa sechs Arten in der Neuen Welt.
    • Rotala L.: Die (24 bis 50) etwa 44 Arten sind in den tropischen bis gemäßigten Zonen der Alten Welt weitverbreitet, nur zwei Arten kommen in der Neuen Welt vor.
    • Tetrataxis Hook. f.: Sie enthält nur eine Art:
    • Woodfordia Salisb.: Sie enthält nur zwei Arten:
      • Woodfordia fruticosa (L.) Kurz: Die Heimat ist Südostasien einschließlich China.
      • Woodfordia uniflora (A.Rich.) Koehne: Sie ist in Afrika und auf der Arabischen Halbinsel verbreitet.
  • Unterfamilie Punicoideae (Horan.) S.A.Graham, Thorne & Reveal (Syn.: Punicaceae): Der Fruchtknoten ist unterständig. Mit nur einer Gattung und nur zwei Arten:
    • Punica L.: Von den nur zwei Arten ist die eine in Eurasien verbreitet und wird in vielen Ländern kultiviert, die andere Art ist ein Endemit der Insel Sokotra.
  • Unterfamilie Sonneratioideae (Engl. & Gilg) S.A.Graham, Thorne & Reveal (Syn.: Sonneratiaceae): Der Fruchtknoten ist ober bis halbunterständig. Sie enthält nur eine Gattung:
    • Sonneratia L. f.: Die (vier bis) etwa neun immergrünen Baumarten gedeihen in pazifischen Mangroven-Wäldern von Ostafrika bis Indo-Malesien, Australien, Neuguinea und auf den westlichen Pazifischen Inseln.
  • Unterfamilie Duabangoideae (Takht.) S.A.Graham, Thorne & Reveal (Syn.: Duabangaceae): Der Fruchtknoten ist unterständig. Mit nur einer Gattung:
  • Unterfamilie Trapoideae Voigt (Syn.: Trapaceae): Der Fruchtknoten ist unterständig. Mit nur einer Gattung:
    • Trapa L.: Sie enthält nur zwei Arten, viele veröffentlichte Artnamen sind nur Synonyme von Trapa natans L.:[5]
      • Trapa incisa Sieb. & Zucc. (Syn.: Trapa maximowiczii Korshinsky): Sie ist in Asien von Indien, Laos, Thailand, China, Vietnam, Korea, Russlands Fernen Osten, Japan, Malaysia bis Indonesien verbreitet.
      • Wassernuss (Trapa natans L., es gibt sehr viele Synonyme): Sie ist in Eurasien und Afrika weitverbreitet. In Australien und Nordamerika ist sie ein Neophyt. Sie wird in vielen Ländern angebaut.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Einträge zu Lythraceae bei Plants For A Future. Abgerufen am 14. Oktober 2013.
  2. Lythraceae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Lythraceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  4. Shirley A. Graham: Revision of the Caribbean Genus Ginoria (Lythraceae), including Haitia from Hispaniola, In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Volume 97, Issue 1, 2010, S. 34-90. doi:10.3417/2007028
  5. Jiarui Chen, Bingyang Ding & Michele Funston: Trapaceae, S. 290 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 13 - Clusiaceae through Araliaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2007. ISBN 978-1-930723-59-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Weiderichgewächse (Lythraceae) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien