Wirtschaft der Niederlande

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Niederlande
NiederlandeNiederlande
Weltwirtschaftsrang 18. (nominal) (2016)
Währung Euro (EUR)
Handelsorganisationen EU, WTO, OECD
Kennzahlen
Bruttoinlandsprodukt (BIP) $ 771 Mrd. (nominal) (2016)[1]
$ 869 Mrd. (PPP) (2016)[1]
BIP pro Kopf $ 45.283 (nominal) (2016)[1]
$ 51.049 (PPP) (2016)[1]
BIP nach Wirtschaftssektor Landwirtschaft: 1,7 %
Industrie: 23,9 %
Dienstleistung: 74,4 %[2]
Wirtschaftswachstum +2,2 % (2016)[3]
Inflationsrate 0,21 % (2015)[4]
Erwerbstätige 8,34 Mio (2015)[5]
Erwerbsquote 79,5 % (2016)[6]
52,5 % (real) (2009)
Arbeitslose ca. 390.000
Arbeitslosenquote 5,8 % (August 2016)[7]
Außenhandel
Export € 567,2 Mrd. (2015)[8]
Exportgüter Maschinen,
Chemieprodukte,
Nahrungsmittel[9]
Exportpartner Deutschland: 24,1 %
Belgien: 11 %
Frankreich: 8,9 %[10]
Import € 456,37 Mrd. (2015)[11]
Importgüter Maschinen,
Chemieprodukte,
Fertigprodukte[12]
Importpartner Deutschland: 19,7 %
Belgien: 9,9 %
USA: 8,5 %[13]
Außenhandelsbilanz € 39,2 Mrd. (2009)[14]
Öffentliche Finanzen
Öffentliche Schulden 58,7 % des BIP (Q2/2017)[15]
Staatseinnahmen 43,8 % des BIP (2016)[16]
Staatsausgaben 43,4 % des BIP (2016)[17]
Haushaltssaldo −0,4 % des BIP (2009)[18]

Die Wirtschaft der Niederlande konzentriert sich vorwiegend auf den sekundären (Industrie) und den tertiären (Dienstleistung) Wirtschaftssektor.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kernelemente der niederländischen Wirtschaft sind traditionell Handel und Distribution. Fischerei und Seefahrt bilden die historische Grundlage für die Entwicklung des Außenhandels und der Industrie. Entsprechend seiner Geschichte als Handelsnation hat sich das Land zur Distributionsdrehscheibe Europas entwickelt. Die Niederlande sind seit 1952 Mitglied der Europäischen Union und gehören daneben der Benelux-Gemeinschaft, der NATO und den Vereinten Nationen an.

Die wirtschaftlichen Eckdaten aus 2009[19][20] sehen wie folgt aus:

Das niederländische Planungsamt (Centraal Planbureau, CPB) erwartet für 2010 ein leichtes Wachstum des BIP um 1,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit lag im Februar 2010 bei 5,7 Prozent und sollte laut Analysten weiter auf 6,5 Prozent ansteigen. Im März 2010 lag die Inflationsrate bei 1 Prozent, wies also eine geringfügige Verbesserung gegenüber 2009 mit 1,2 Prozent auf.

Wirtschaftsgeographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niederlande sind eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas. Die Bevölkerung konzentriert sich in der Randstad, dem Gebiet zwischen den westlichen Großstädten Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag. Die Voraussetzungen der Randstad als Motor für die niederländische Wirtschaft sind denkbar gut: Viele auf dem Seeweg angelieferte Waren werden über die beiden großen Häfen Rotterdam (Güterumschlag 2009: 385 Millionen Tonnen) und Amsterdam (Güterumschlag 2009: 73 Millionen Tonnen) in das europäische Hinterland transportiert. Gleichzeitig beheimatet die Hauptstadt Amsterdam mit dem Flughafen Schiphol auch einen der größten internationalen Flughäfen. 2009 war Schiphol mit einem Frachtaufkommen von ca. 1,3 Millionen Tonnen und 44 Millionen Passagieren der fünftgrößte Frachtflughafen Europas. Neben großen Warenumschlagplätzen verfügen die Niederlande über eine leistungsfähige Infrastruktur, hochqualifizierte Arbeitskräfte, unternehmerfreundliche Genehmigungsverfahren und günstige rechtliche Rahmenbedingungen.[21]

Bedeutung der einzelnen Branchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der prozentuale Anteil der Landwirtschaft am BIP ist zwar relativ gering, dennoch ist sie ein wichtiger Faktor der niederländischen Wirtschaft. Aufgrund der kleinen Fläche der Niederlande ist die Landwirtschaft sehr intensiv. Intensivtierhaltung und Monokulturen sind die vorherrschenden Formen. Durch diese Intensivierung lässt sich bei möglichst geringem Aufwand der maximale Ertrag erzielen. Der Nachteil ist die hohe Belastung der Umwelt durch diese Wirtschaftsweise. Hohe Grundwasserbelastung und Überdüngung sind die Folgen. Auch leidet die Qualität vieler pflanzlichen Produkte durch die Auslaugung der Böden hinsichtlich Vitamin- und Nährstoffgehalt.[22]

In landwirtschaftlicher Hinsicht sind die Niederlande ein Exporteur. Die Lebensmittelexporte übertreffen die Importe (hauptsächlich Getreide und Früchte) deutlich. Das wichtigste Produkt ist Schweinefleisch. Die Niederlande sind einer der größten Exporteure von Schweinefleisch. Nach den USA sind die Niederlande weltweit der zweitwichtigste Exporteur landwirtschaftlicher Produkte. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche in den Niederlanden teilt sich in folgende Bereiche auf: 50 % sind Weideland, auf 40 % wachsen Nutzpflanzen und ca. 10 % werden für Schnittblumen, ein typisches Produkt der Niederlande, genutzt. In den Städten werden versuchsweise auch mehrstöckige Industriebauernhöfe betrieben, in denen Schweine und Hühner gehalten werden.

Forstwirtschaft und Fischerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während die Fischerei nach wie vor einen hohen Stellenwert in der niederländischen Wirtschaft hat, ist Forstwirtschaft mangels Wäldern praktisch nicht vorhanden.

Bergbau und Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niederlande sind eigentlich ein rohstoffarmes Land, mit einer Ausnahme: Erdgas. Hiervon besitzt es große Vorkommen und konnte nach deren Entdeckung in den 1950er Jahren die Kohleproduktion einstellen. Das Land verfügt über ein einziges Kernkraftwerk (Kernkraftwerk Borssele, 482 MW), ein Ausbau war geplant, wird aber von den beteiligten Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter verfolgt.[23]

Ab den 1990er Jahren wurde die Windenergie im Energiesektor immer wichtiger. Ende 2016 verfügte der Staat über eine installierte Leistung von 4328 MW, womit das Land nach installierter Leistung weltweit auf Platz 16 lag.[24] Der Großteil der Windkraftanlagen befindet sich an Land, daneben treibt das Land auch den Ausbau der Offshore-Windenergie voran. Bereits 2006 bzw. 2008 wurden die Offshore-Windparks Egmond aan Zee und Princess Amalia in Betrieb genommen, zwischen 2015 und 2017 die Offshore-Windparks Offshore-Windpark Luchterduinen, Westermeerwind und Gemini. Gemini zählt mit 600 MW zu den größten Offshore-Windparks der Welt (siehe auch: Liste der Offshore-Windparks).

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die industrielle Produktion gewann in den Niederlanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg an Bedeutung. Die Schwerindustrie erlangte in den Niederlanden nicht die wichtige Position, die sie in den europäischen Nachbarländern einnahm. Nach 1945 wuchs das produzierende Gewerbe rasant, besonders auf dem Gebiet der Chemie - und Elektronikindustrie. Weitere wichtige Sektoren waren Nahrungsmittel und Getränke, Tabakwaren, Baumaterialien, Schiffe, raffiniertes Erdöl, Gummi- und Kunststoffwaren sowie Druckereierzeugnisse.

Bankwesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bankwesen ist ein wichtiger Teil der niederländischen Wirtschaft. Vor allem Amsterdam ist ein internationales Bankenzentrum.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niederlande sind ein attraktives Ausflugsziel. Hauptattraktionen sind die Windmühlen, die Blumenfelder, Museen und die Städte, besonders beliebt ist unter anderem Amsterdam. Jedes Jahr besuchen über 13 Millionen ausländische Touristen die Niederlande.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Niederlande verfügen über ein gut ausgebautes Straßennetz. So ist zum Beispiel das Autobahnnetz des Landes eines der dichtesten und am besten ausgebauten der Welt. Das gilt auch für das Schienennetz, welches flächendeckend vorhanden ist. Vor allem jedoch für die Schifffahrt sind die Niederlande sehr günstig. So liegt das Land erstens an mehreren großen Flussmündungen (Rhein oder Waal, Maas, Lek, Schelde) und hat außerdem ein gut ausgebautes Kanalnetz, welches auch von größeren Schiffen befahren werden kann. Für Straßenbahnen, Busse und einige regionale Bahnverbindungen besteht ein landesweites Zonentarifsystem (Nationale vervoerbewijzen NVB). Beim Personentransport spielt das Fahrrad, fiets genannt, immer noch eine wichtige Rolle. Das flache Land kommt diesem Umstand zugute.

Außenhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Niederlande. Ungefähr ein Viertel des gesamten niederländischen Exports (inklusive Wiederausfuhr) geht in die Bundesrepublik. Die vermeintlich kleinen Niederlande stehen mit einem Warenumsatz von 157,3 Mrd. Euro (2012) im bilateralen Außenhandel hinter Frankreich an zweiter Stelle der deutschen Partnerländer. Dieser teilt sich auf in 70,8 Mrd. Euro Export nach den Niederlanden und 86,5 Mrd. Euro Import aus den Niederlanden.[25] Damit gilt die Bundesrepublik als wichtigster Exporteur Richtung Niederlande.

Die wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland haben dementsprechend einen großen Einfluss auf die Niederlande. Der niederländische Export reagiert schnell auf Konjunkturschwankungen im Nachbarland.[26]

Die Niederlande exportieren hauptsächlich Nahrungsmittel, Blumen, Maschinen, chemische Produkte und Erdgas. Importiert werden Obst und Getreide, Erdöl und Fahrzeuge. Die Niederlande haben eine leicht positive Handelsbilanz, das heißt, der Export übersteigt den Wert der importierten Produkte.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d World Economic Outlook Database. Internationaler Währungsfonds; abgerufen am 1. Oktober 2010 (englisch).
  2. VGR Aggregate und Erwerbstätigkeit nach Wirtschaftsbereichen. Eurostat; abgerufen am 1. Oktober 2010.
  3. [1]
  4. 'Niederlande: Inflationsrate von 2006 bis 2016 '
  5. 'Niederlande: Anzahl der Erwerbstätigen von 2006 bis 2016'
  6. 'Europäische Union: Erwerbsquoten in den Mitgliedsstaaten im 1. Quartal 2016' bezieht sich lediglich auf Altersgruppe der 15-64-jährigen. Abgerufen am 1. Oktober 2010
  7. 'Niederlande: Arbeitslosenquote, saisonbereinigt (3M) 5.8% (August) gegenüber 6% zuvor'
  8. 'Niederlande: Export von Gütern von 2005 bis 2015' Abgerufen am 1. Oktober 2010
  9. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  10. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  11. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  12. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  13. Wirtschaftsprofil der Niederlande - DNHK Abgerufen am 1. Oktober 2010
  14. Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  15. Öffentlicher Schuldenstand - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  16. Gesamteinnahmen des Staates - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  17. Gesamtausgaben des Staates - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  18. Defizit des Staates - Eurostat Abgerufen am 1. Oktober 2010
  19. Wirtschaftsprofil der Niederlande, S. 6, Punkt 2.1 Wirtschaftliche Eckdaten und Entwicklung des BIP, herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) im April 2010.
  20. [2], Kerndaten des Zentralen Statistikamts der Niederlande, Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS).
  21. Wirtschaftsprofil der Niederlande, S. 5, Punkt 1.3 Wirtschaftsgeographie, herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) im April 2010.
  22. http://diepresse.com/home/panorama/welt/380266/Niederlande_Dem-Gemuese-gehen-die-Vitamine-aus
  23. Geplantes Atomkraftwerk Borssele II steht vor dem Aus. In: Aachener Zeitung, 6. Januar 2012. Abgerufen am 6. August 2014.
  24. Global Wind Statistics 2016 (PDF) Global Wind Energy Council. Abgerufen am 11. Februar 2017.
  25. Wirtschaftsprofil der Niederlande Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.
  26. Wirtschaftsprofil der Niederlande, S. 7-8, Punkt 2.3 Außenhandel, herausgegeben von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) im April 2010.