Zotero

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Zotero
 zotero 
Screenshot von Zotero und OpenURL Referrer
Zotero wertet im englischen Artikel Abraham Lincoln als COinS eingebettete bibliographische Informationen aus.
Basisdaten
Entwickler Roy Rosenzweig Center
for History and New Media
der George Mason University
Erscheinungsjahr 8. Oktober 2006
Aktuelle Version 5.0.25[1]
(12. November 2017)
Betriebssystem plattformübergreifend
Programmiersprache JavaScript
Kategorie Literaturverwaltungsprogramm
Lizenz AGPL v3[2]
deutschsprachig ja
www.zotero.org

Zotero [zɔˈtɛro] ist ein freies, quelloffenes Literaturverwaltungsprogramm zum Sammeln, Verwalten und Zitieren unterschiedlicher Online- und Offline-Quellen. Zotero unterstützt die Bearbeitung von bibliografischen Angaben und Literaturlisten, besonders in wissenschaftlichen Publikationen.

Das Programm wurde ursprünglich als Erweiterung für den Webbrowser Mozilla Firefox entwickelt. Die Literaturdatenbank erschien damit in einem Browserfenster. Ab 2011 stand Zotero zudem in einer eigenständigen Version (Standalone) zur Verfügung. Mit der im Juli 2017 veröffentlichten Version 5 besteht Zotero nur noch als eigenständiges Programm, das vom Webbrowser Firefox unabhängig ist. Als plattformunabhängiges Programm läuft es unter Microsoft Windows ebenso wie unter Linux, Mac OS und anderen Betriebssystemen.

Die Software wird vom Roy Rosenzweig Center for History and New Media der George Mason University sowie freien Programmierern entwickelt. Der Name Zotero leitet sich vom albanischen Wort zotëroj („etwas schnell erfassen, bewältigen“) her.[3]

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibliographische Daten sammeln

Mit Zotero lässt sich eine Datenbank bibliographischer Angaben erstellen, vergleichbar einem privaten Bibliothekskatalog. Nicht nur Bücher und Aufsätze, sondern auch Webseiten, Filme, juristische Texte, Manuskripte, Vorträge, Interviews und andere Quellen können dabei mit jeweils quellenspezifischen Angaben aufgenommen werden. Die Daten können manuell eingegeben oder automatisch aus dem Internet in die Datenbank geladen werden. Dazu untersucht das Programm die vom Benutzer gerade betrachteten Webseiten wie digitale Bibliotheken, Online-Bibliothekskataloge (OPAC), Google Scholar oder Online-Buchhändler wie Amazon.com auf bibliografische Informationen und speichert diese per Mausklick in einer lokalen Datenbank. Handelt es sich um einen Volltext, der online abrufbar ist, wie einen Aufsatz oder ein E-Book, kann Zotero eine lokale Kopie davon anlegen. Diese Internetfunktionen kann man mithilfe eines Connectors für Mozilla Firefox, Apple Safari, Google Chrome und Opera nutzen, der in diesen Browsern als Plug-in (Add-on, Extension) zu installieren ist.

Zur Identifizierung und Übersetzung der Metadaten verwendet das Programm eigene Parser (in der Dokumentation Translator genannt), aber auch offene Standards wie unAPI und COinS. Mit diesem Standard können auch Literaturangaben aus Wikipedia übernommen werden, sofern sie mit der Literaturvorlage im Mediawiki-Quelltext ausgezeichnet sind.[4] Darüber hinaus importiert und exportiert Zotero verschiedene Metadatenformate, darunter BibTeX, EndNote, MODS und RIS.

Bibliographien verwalten und Daten verknüpfen

Die Einträge in der Datenbank können um Schlagwörter (Tags), Notizen und weitere Metadaten, Querverweise zwischen Quellen sowie um sonstige beliebige Dateien im Anhang ergänzt werden. Außerdem ist es möglich, die Datenbank mit einem Cloudserver eigener Wahl zu synchronisieren. Der von Zotero bereitgestellte Internetspeicher (Zotero Storage) ist für Datenbankeinträge unbegrenzt kostenlos; für gespeicherte Dateien ist der Speicherplatz bis zu einem Umfang von 300 MB kostenfrei. Die Synchronisierung der Datenbank ermöglicht die problemlose Nutzung von Zotero auf verschiedenen Geräten sowie die Zusammenarbeit in Teams (Groups). Die Teambibliothek kann als öffentlich oder nur privat zugänglich mit verschiedenen Nutzerrechten angelegt werden. Benutzer und Teams können sich auf einer Homepage präsentieren, Literaturverzeichnisse öffentlich zugänglich machen, Publikationslisten anlegen und veröffentlichen (ab Version 5.0[5]) und sich miteinander vernetzen (follow).

Literaturangaben automatisieren

Zotero gibt Literaturangaben in Fußnoten, Endnoten oder Fließtextzitaten sowie Literaturlisten in verschiedenen Zitationsstilen aus. Die Übernahme der Daten in die Textverarbeitung kann entweder per Drag and Drop von Zotero in das Editorfenster oder über ein Plug-in erfolgen, das für die Programme Microsoft Word und LibreOffice Writer bereitsteht.[6] Wird das Plug-in verwendet, legt Zotero in der Textverarbeitungsdatei Felder bzw. Bookmarks an, in denen Codes auf die entsprechenden Datenbankeinträge verweisen. Die eingefügten Literaturangaben werden automatisch umformatiert, sobald ein anderer Zitationsstil in den Einstellungen gewählt wird. Wird später im Text noch einmal auf dieselbe Quelle verwiesen, legt Zotero – abhängig vom Zitationsstil – zum Beispiel automatisch eine abgekürzte Literaturangabe oder einen „ebd.“-Verweis an. Auch das Literaturverzeichnis wird automatisch ergänzt, formatiert und sortiert.

Es steht eine umfangreiche Sammlung von Zitationsstilen zur Verfügung, die problemlos installiert und sofort verwendet werden können.[7] So ist es möglich, die Zitierweise sehr vieler, auch deutschsprachiger Fachzeitschriften unmittelbar beim Export der Belege aus Zotero umzusetzen. Einige Stile sind für eine bestimmte Sprache programmiert, in anderen lässt sich die Sprache (Locale) einstellen, so dass zum Beispiel ein Standardstil wie der des Chicago Manual of Style auch in deutschen oder anderssprachigen Texten verwendet werden kann.

Erweiterungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wird ein spezieller Stil zum Beispiel für eine bestimmte Fachzeitschrift benötigt, der nicht im Verzeichnis vorhanden ist, kann über ein Internetforum das Programmieren des Stilcodes angefragt werden.[8] Es ist ebenso möglich, einen bestehenden Stil für eigene Zwecke zu verändern oder selbständig neue Stile zu codieren.[9] Dazu sind Grundkenntnisse in der Citation Style Language erforderlich; einfache Änderungen sind über einen graphischen Editor möglich.[10]

Neben Zitationsstilen können Benutzer und Softwareentwickler beispielsweise auch weitere Parser hinzufügen, um bibliographische Daten von bisher nicht erfassten Webseiten herunterzuladen. Darüber hinaus kann man sich an der Entwicklung dieser freien und quelloffenen Software beteiligen, etwa an der Softwaredokumentation mitschreiben, in Foren die Entwicklung des Programms diskutieren sowie sich an der Übersetzung bis hin zum Programmieren beteiligen. Zotero ist zudem offen für verschiedenste Erweiterungen (Plug-ins), von denen einige über die offizielle Seite zugänglich sind.[11]

Mobile Betriebssysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit einiger Zeit wird die Entwicklung von Zotero-Clients für mobile Betriebssysteme vorangetrieben. Mittlerweile existiert das Zotero Bookmarklet, das von Browsern auf mobilen Geräten bibliographische Daten direkt in die eigene Datenbank speichert. Ferner existieren jeweils mehrere, nicht offiziell von Zotero entwickelte Apps für iOS (z. B. BibUp, PaperShip) und Android (z. B. Zandy, Zed Lite) sowie plattformübergreifende Apps (z. B. BrowZine).[12]

Für das betriebssystemunabhängige Zotfile fand ein Fundraising statt; auch die Entwicklung einer kostenlosen App für Android sollte mittels Crowdfunding finanziert werden.[13]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. Juni 2009 wurde eine Klage von Thomson Reuters abgewiesen, in der dem Zotero-Projekt bei der Implementierung des Formats der Literaturverwaltung EndNote Reverse Engineering vorgeworfen worden war.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zotero – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zotero Releases on GitHub. Abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  2. Licensing. 26. April 2015, abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
  3. The Etymology of Zotero. 28. Januar 2008, abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
  4. Zotero and Wikipedia. 13. Mai 2011, abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
  5. Changes in 5.0. 10. Juli 2017, abgerufen am 13. Juli 2017 (englisch).
  6. Integration in Textverarbeitungsprogramme. 20. Juni 2014, abgerufen am 9. Dezember 2016.
  7. Mehr als 8500 Zitationsstile verfügbar im Zotero Style Repository. Abgerufen am 14. April 2017.
  8. Neue Zitierstile anfragen. 20. Juni 2014, abgerufen am 9. Dezember 2016.
  9. Citation Styles. 15. Juli 2014, abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
  10. CSL Visual Editor. Abgerufen am 9. Dezember 2016 (englisch).
  11. Plugins for Zotero. 21. Juni 2017, abgerufen am 13. Juli 2017 (englisch).
  12. Zotero Mobile. 8. Februar 2017, abgerufen am 13. Juli 2017 (englisch).
  13. Patrick Mineault: Zotero Reader for Android. 6. Mai 2013, abgerufen am 10. Dezember 2016 (englisch).
  14. Sean Takats: Thomson Reuters Lawsuit Dismissed. 4. Juni 2009, abgerufen am 13. Juli 2017. Statement from George Mason University on Center for History and New Media's Zotero Software. 29. Oktober 2008, abgerufen am 13. Juli 2017. Hans-Joachim Baader: Open-Source-Projekt Zotero verklagt. 1. Oktober 2008, abgerufen am 13. Juli 2017.