Nachhaltigkeit

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Dieser Artikel behandelt das allgemeine Handlungsprinzip – zu anderen Bedeutungen siehe Nachhaltigkeit (Begriffsklärung).
Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde erstmals 1713 von Hans Carl von Carlowitz schriftlich formuliert (Gedenktafel mit Zitat)
Heute wird nachhaltige Produktion von der Öffentlichkeit vor allem mit speziellen Gütesiegeln in Verbindung gebracht (hier das FSC-Siegel für Holzprodukte)

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Die Bezeichnung hat eine komplexe und facettenreiche Begriffsgeschichte. Das Wort Nachhaltigkeit stammt von dem Verb nachhalten mit der Bedeutung „längere Zeit andauern oder bleiben“. Heutzutage sind im Wesentlichen drei Bedeutungen zu unterscheiden:[1]

  1. die ursprüngliche Bedeutung einer „längere Zeit anhaltende[n] Wirkung“ (Duden)[2][3]
  2. die besondere forstwissenschaftliche Bedeutung als „forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann“ (Duden)[2]
  3. die moderne, umfassende Bedeutung im Sinne eines „Prinzip[s], nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“ (Duden)[2]

Eine erstmalige Verwendung der Bezeichnung Nachhaltigkeit in deutscher Sprache im Sinne eines langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource ist bei Hans Carl von Carlowitz 1713 in seinem Werk Silvicultura oeconomica nachgewiesen.[4] Carlowitz fragte, „wie eine sothane [solche] Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentbehrliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag“.[5]

Nachhaltigkeit gilt in einem Wörterbucheintrag von 1910 als Übersetzung von lateinisch perpetuitas und ist das Beständige und Unablässige wie auch das ununterbrochen Fortlaufende, das Wirksame und Nachdrückliche oder einfach der Erfolg oder die Wirksamkeit einer Sache.[6] Vor 1860 war die Bezeichnung als Substantiv noch nicht lexikalisch erfasst, im Rechtschreibduden erstmals 1915 (anders das Adjektiv nachhaltig)[1]; bis in die 1980er Jahre hatte sie alltagssprachlich die Bedeutung von Dauerhaftigkeit und wurde nicht für einen Begriff politischen Sinnes verwendet. Beispielsweise taucht das Wort nachhaltig in Meyers Konversations-Lexikon von 1905 auf im Satz „Um eine nachhaltige Erwärmung der Räume zu liefern, müssen die Kessel der Warmwasserheizung einen verhältnismäßig großen Inhalt besitzen“, und des Weiteren in der Aussage, dass ein Forst bereits die nachhaltige Form einer Waldwirtschaft darstellt.

Im derzeitigen Sprachgebrauch konkurrieren unterschiedliche Begriffsauffassungen:

  • ein alltagssprachliches Verständnis, das aussagt, dass etwas noch lange Zeit andauern, bestehen, nachwirken oder sein kann bzw. soll, nachdem es gebaut, begonnen und/oder in Bewegung gesetzt wurde;
  • verschiedene politische Auffassungen, die dieses Grundverständnis von Dauerhaftigkeit entsprechend der Position verschiedener Interessengruppen variieren. Diese Erweiterung ergab sich zunächst aus der globalen umweltpolitischen Debatte seit dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere mit den Definitionen durch die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission), den Club of Rome oder auch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Sie erweiterten den Begriff zumeist auch deutlich über die ursprüngliche Bedeutung der Systemfunktion hinaus. Nachdem ökologische Gedanken allgemein an Akzeptanz gewonnen haben, findet die Benennung „Nachhaltigkeit“ für eine Vielzahl von Konzepten und Produkten Verwendung bei ausgemachten ökonomischen Interessen, weshalb an dem Ausdruck in den Augen mancher inzwischen ein etwas „zweifelhafter Ruf“ klebt.[1]

Traditionelle Nachhaltigkeit[Bearbeiten]

Extensive, traditionelle Fern­weide­wirt­schaft (wie hier mit Yaks in Tibet) konnte nur aufgrund ihrer nach­haltigen Produktions­weise den Menschen jahr­tausende­lang ein Auskommen bieten
Moderne Massentierhaltung ist nicht nachhaltig, da sie intensive, natur­fremde Verän­derungen der Systeme und energie­aufwändige Erhaltungs­strategien erfordert

Subsistenzorientierte, traditionelle Wirtschaftsformen, die noch weitgehend unverändert sind (wie Jagen und Sammeln, Feldbau (sofern die Naturgebiete noch ausreichend groß und dünn bevölkert sind) sowie die Fernweidewirtschaft) bilden stabile und dauerhafte – also im ursprünglichen Sinne nachhaltige – Wirtschaftssysteme, die in vielfältiger Weise mit den natürlichen Ökosystemen vernetzt sind. Sie sind gekennzeichnet durch effiziente, langsame und kontinuierliche Anpassung der Landnutzung an die jeweiligen Standortbedingungen seit Jahrhunderten.[7][8][9][10][11][12] Dieser Effekt kehrt sich allerdings mehr und mehr um, wenn ein rapider ökonomischer und sozialer Wandel Probleme schafft, deren Auswirkungen nicht vorhersagbar sind (siehe auch Kalte und heiße Kulturen oder Optionen).[7][13][14][15][16][17][18]

Auch die Biodiversitäts-Konvention der UNO erkennt an, dass traditionelle Lebensweisen in besonderem Maße nachhaltig sind und die biologische Vielfalt nicht verringern. Im Gegensatz zu industrialisierten Gesellschaften, die nicht unmittelbar auf ein bestimmtes Gebiet angewiesen sind, haben solche Gemeinschaften ein direktes Interesse an der Aufrechterhaltung und dem Schutz dieser Ökosysteme, deren Stabilität sie nie gefährdet haben.[14]

Die Ethnologie hat gezeigt, dass traditionell-nachhaltiges Wirtschaften in sehr vielen indigenen Kulturen (vor dem Kontakt mit den Europäern) als moralische Leitlinie einer „heiligen Erdverbundenheit“ im kulturellen Gedächtnis über animistische Weltbilder, Mythen, Rituale und Tabus verankert war[7][10][19] (→ siehe auch: Wildes Denken). Nach Odum und Cannon verfügen alle stabilen Systeme über Mechanismen, die ihren Gleichgewichtszustand möglichst konstant halten und dabei Schwankungen der Umwelt ausgleichen. Die Anthropologen Roy Rappaport, Gerardo Reichel-Dolmatoff und Thomas Harding haben unabhängig voneinander festgestellt, dass die Mythen und rituellen Zyklen der sogenannten „Naturvölker“ genau diese Aufgabe erfüllen und den Gemeinschaften ermöglichen, sich Veränderungen der Umwelt so weit wie möglich anzupassen und die Stabilität der Ökosysteme dabei so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.[20][21]

Aktuelle Konzepte der Nachhaltigkeit[Bearbeiten]

Nachhaltigkeit sollte sich im Idealfall auf ökologische, ökonomische und soziale Aspekte beziehen

Die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) beeinflusste die internationale Debatte über Entwicklungs- und Umweltpolitik maßgeblich,[22] ohne jedoch auf den Ursprung in der deutschen forstwirtschaftlichen Debatte Bezug zu nehmen.[23] Die Kommission unter dem Vorsitz der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland hatte den Auftrag, langfristige Perspektiven für eine Entwicklungspolitik aufzuzeigen, die zugleich umweltschonend ist. In ihrem auch als Brundtland-Bericht bekannt gewordenen Abschlussdokument Unsere gemeinsame Zukunft aus dem Jahre 1987 ist das von diesem Leitgedanken inspirierte Konzept der nachhaltigen Entwicklung definiert.

Definitionsvielfalt[Bearbeiten]

Nachhaltigkeit ist eine sowohl in der Wissenschaft als auch in der Politik und in der Unternehmenspraxis verwendete Bezeichnung. Er dient weniger als beschreibender, sondern in aller Regel als normativer Zielbegriff. Dabei werden die Ausdrücke „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Entwicklung“ vielfach synonym verwendet. Es konkurrieren in der Debatte mindestens die folgenden drei Varianten:

  • Mit der Arbeit der Brundlandt-Kommission der UN und der darauf folgenden UN Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 wurde ein Begriffsverständnis von Nachhaltigkeit salonfähig, das verschiedene politische Interessen vereinen sollte; dabei sollten umweltpolitische Ziele den ökonomischen und sozialen Entwicklungszielen gleichgestellt werden. Die Bezeichnung Nachhaltigkeit wird hier als Zielbündel verwendet: dauerhaft stabile Gesellschaften seien zu erreichen, indem ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern gleichrangig angestrebt würden. Dieses Begriffsverständnis von Nachhaltigkeit enthält den Anspruch, dass diese Ziele für alle Länder der Welt (globale Gerechtigkeit) und für künftige Generationen (Generationengerechtigkeit) gelten. Dieser Ansatz wurde von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages weiter ausgearbeitet und als ein Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit vorgestellt; danach setzt sich der Begriff der Nachhaltigkeit selber aus drei Komponenten zusammen zu einer ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit. Kritiker dieses Begriffsverständnisses sehen in der Gleichgewichtung dieser Säulen im Grunde nur wieder den Ist-Zustand aller Dinge beschrieben und nicht etwa eine Forderung zugunsten einer nachhaltigeren Entwicklung.
  • Eine bald nach der UN-Konferenz einsetzende prominente Auslegung des Begriffs sieht ihn als Leitmotiv ökologischer Modernisierung. Diese Auslegung prägt auch verschiedene Förderprogramme, d. h. dieses umweltorientierte Begriffsverständnis wird auch mit Hilfe hoher Fördermittel durchgesetzt. Aus dieser Sicht wurde die UN-Konferenz in Rio sogar von vielen Umweltverbänden als Fehlschlag kritisiert. Bekannte kritische Bücher waren "Die Ökofalle" von Christoph Spehr und "Nachhaltig, modern, staatstreu" von Jörg Bergstedt.
  • In der wirtschaftswissenschaftlichen und wirtschaftspolitischen Debatte wird Nachhaltigkeit gelegentlich auch in der Kombination "nachhaltiges Wirtschaftswachstum" im Sinne eines dauerhaften wirtschaftlichen Erfolgs verwendet. Hier wird der Nachhaltigkeitsbegriff[23] z. B. auf die Finanzpolitik[24][25] angewendet.

Der Umgang mit dieser Definitionsvielfalt ist unterschiedlich. Manche Autoren versuchen, die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten:

„Die Gemeinsamkeit aller Nachhaltigkeitsdefinitionen ist der Erhalt eines Systems bzw. bestimmter Charakteristika eines Systems, sei es die Produktionskapazität des sozialen Systems oder des lebenserhaltenden ökologischen Systems. Es soll also immer etwas bewahrt werden zum Wohl der zukünftigen Generationen.“

Bernd Klauer: Was ist Nachhaltigkeit? 1999

Manche Autoren stellen fest, dass aufgrund der vielfältigen Definition Nachhaltigkeit zu einem „Gummiwort“[26] geworden sei. Zugleich wird aber betont, dass die Idee „nur als Gummiwort […] in allen gesellschaftlichen Bereichen kommunizierbar“ werde.[26] Um die Unschärfeprobleme mit der Bezeichnung Nachhaltigkeit zu umgehen, wird bei Auseinandersetzungen um umweltverträgliche Formen der Zivilisation teilweise auf andere Bezeichnungen ausgewichen wie Zivilisationsökologie oder Zukunftsverträglichkeit, die sich bislang jedoch nicht durchsetzen konnten.

Für viele Unternehmen ist das Attribut "nachhaltig" zu einer inhaltlich schwer überprüfbaren Komponente ihrer PR-Strategie geworden.[27] Demgegenüber stehen Konzepte des Nachhaltigkeitsmanagements, die unternehmerischen Erfolg mit der Berücksichtigung sozialer und ökologischer Aspekte verbinden. Demnach können sich Unternehmen durch besonders nachhaltiges Handeln einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.[28]

Die deutsche politische Debatte zu diesem Begriff ist auf kommunaler Ebene stark mit den von der UN-Konferenz angeregten Lokalen Agenda 21-Prozessen verbunden. Auf Bundesebene wird die Bezeichnung seit der Enquete-Kommission Schutz des Menschen und der Umwelt. Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung von 1995 stärker verwendet, die sich als Runder Tisch verstand. Der 1. Zwischenbericht der Kommission diente schon auf der Rio-Folgekonferenz in New York im Jahr 2000 ("Millennium-Gipfel") dazu, über die deutschen Beiträge zur Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes zu berichten.

In der bundesdeutschen politischen Debatte hatten Bündnis 90/Die Grünen den Begriff der Nachhaltigkeit bei der Bundestagswahl 1998 noch dominant besetzt, er fand aber auch Erwähnung bei allen anderen im Bundestag vertretenen Parteien. Zur Bundestagswahl 2002 benutzten dann mit Ausnahme der Grünen die anderen Parteien das Wort Nachhaltigkeit deutlich häufiger als noch vier Jahre zuvor.[23]

Nachhaltigkeit in der modernen Wirtschaft und verschiedene Wirtschaftsethiken[Bearbeiten]

Feuerzeug mit „lebenslanger Garantie“
  • Im Sinne der Ökobilanz werden Produkte untersucht auf ihre Umweltwirkung in Bezug auf die Lebensdauer. Im Rahmen der Nachhaltigkeit werden Produkte hin zu einer positiven Ökobilanz optimiert.
  • Unternehmen nutzen für ihre Kundenbindung als Verkaufsargument die Nachhaltigkeit. Jedoch macht der Anteil an Produkten, die mit einer „lebenslangen Garantie“ als Vorteil werben, nur einen geringen Prozentsatz aus. Solche Produkte haben eine erhöhte Haltbarkeit durch Einsatz von hochwertigeren Materialien und Fertigungsverfahren.
  • Bedenklich ist im Sinne der Nachhaltigkeit eine Wirtschaft, die Produkte entwickelt mit geplanter Obsoleszenz. Diese Produkte werden in veränderten Varianten gefertigt und mit neuen Produkteigenschaften beworben. Hierfür lagern die Unternehmen selten Ersatzteile über die Garantiezeit hinaus. Die Kosten für eine Reparatur sind in der Regel höher als der Marktwert des Produkts. Für hochpreisige Güter hat sich als Gegentrend hierzu ein Markt gebildet, der mit Methodiken der Ingenieurswissenschaften Fehler von Verschleißteilen ermittelt und im Vergleich zu Originalteilen verbesserte Ersatzteile anbietet. Ebenso Gegentrend ist der Kauf von alten Produkten, die über lange Zeiträume ihre Zuverlässigkeit bewiesen haben und aufgrund geringer Komplexität einfach in Stand zu setzen sind, wenn ein Reparaturfall eintritt.

Nachhaltigkeit enthält in seiner Grundidee einen Nutzen für alle Beteiligten. Wenn der Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsformen allerdings aus der Not heraus stattfindet, weil der Raubbau an den Ressourcen bereits sehr weit fortgeschritten ist, dann liegt darin durchaus auch Konfliktpotential. In der deutschen Holzwirtschaft des 18. und 19. Jahrhundertes – als es kaum noch Wälder gab – stellten die Menschen sich die Frage, wer von dieser neuen Forstwirtschaft profitieren würde und wer nicht.[29] Dies ist besser zu verstehen, wenn man sich vor Augen führt, dass die Menschen in den Wintern (der damaligen „Kleinen Eiszeit“) auf jedes Klafter Brennholz angewiesen waren, um nicht zu erfrieren. Der Bedarf war unmittelbar da und viel zu groß, um gedeckt zu werden – es herrschte akute Holznot. Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft setzt jedoch voraus, dass genügend Bäume stehen bleiben, die zum Teil mit polizeilicher Gewalt vor dem Diebstahl durch verzweifelte Menschen geschützt werden mussten.[30] Ähnliche „notgedrungene“ Interessenkonflikte sind auch heute noch in vielen Gebieten der Erde an der Tagesordnung, in denen Nachhaltigkeit einen fortgeschrittenen Raubbau ersetzen soll.

Nachhaltigkeit in der Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Die Mauer des Palastes des Inca Roca hat nach 800 Jahren noch zum größten Teil seine Struktur erhalten aufgrund der Anordnung der Natursteine auch ohne jegliche Bindemittel.
  • Verschiedene Kulturen haben den Gedanken der Haltbarkeit in ihrer Architektur angewandt. Zum Teil für ihre Funktion als Denkmal über die Zeit, wie auch aus reiner Zweckmäßigkeit. So wurden Gebäude und Strukturen entworfen und gebaut, die möglichst ohne Wartung ihre Funktion erfüllen und betrieben werden konnten, so dass nachfolgende Generationen davon profitieren.
  • Heute werden anstatt Naturbaustoffen neue Materialien entwickelt wie beispielsweise Ultrahochfester Beton und in Konstruktionen verarbeitet, um langlebige und witterungsbeständige Strukturen zu erzeugen. Im Sinne der Nachhaltigkeit wurden und werden in sich stabile Strukturen errichtet, wie etwa Bogen- und Gewölbekonstruktionen. Diese strukturell beständige Bauweise ist in Erdbebengebieten von Vorteil und erklärt, warum etwa römische Aquädukte noch heute zum Teil funktionieren.
  • Das Prinzip der Nachhaltigkeit bei der Waldbewirtschaftung findet sich lange vor dem Begründer des Begriffs, Hans Carl von Carlowitz, auch schon in einem alten kirchlichen Dokument: in den Konstitutionen der Camaldolenser Benediktiner Eremiten von Camaldoli aus dem Jahre 1350 – quasi die erste Forstordnung Italiens.[31] Die Benediktiner bewirtschafteten ihre Tannenwälder rund um das 1012 gegründete Kloster Camaldoli in der nördlichen Toskana ohne Kahlschläge, mit Einzelstammentnahmen und Nachpflanzungen. Das Kloster mit seinen von einem Abt verfassten Kriterien für nachhaltige Forstwirtschaft gilt daher als Keimzelle und „Wurzel der Nachhaltigkeit“.[32]

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit 2008 verleiht die 'Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis' jährlich den Deutschen Nachhaltigkeitspreis[33] öffentlichkeitswirksam im Rahmen einer großen Gala.[34]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Sachberichte[Bearbeiten]

Zeitungsartikel[Bearbeiten]

  • Ulrich Grober, Der Erfinder der Nachhaltigkeit, Die Zeit, 25. November 1999 (Nr. 48), S. 98 online.
  • Ulrich Grober, Nachhaltigkeit - aber was ist das? Eine Zeitreise zu den Quellen unseres Leitbegriffs, Einsichten und Perspektiven (3/12), S. 148-163
  • Ulrich Grober, Die Entdeckung der Nachhaltigkeit - Hans Carl von Carlowitz", natur, 03/2013, S. 62-63

Sachbücher[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Literatur und Fachartikel[Bearbeiten]

  • Bernd Klauer: Was ist Nachhaltigkeit und wie kann man eine nachhaltige Entwicklung erreichen?, in: Zeitschrift für angewandte Umweltforschung, Jg. 12 (1999), Heft 1.
  • Armin Grunewald, Jürgen Kopfmüller (2006): Nachhaltigkeit. Campus, Frankfurt am Main / New York, NY 2006. ISBN 978-3-593-37978-4 (= Campus Einführungen).
  • Hans G. Nutzinger (Hrsg.): Nachhaltige Wirtschaftsweise und Energieversorgung. Konzepte, Bedingungen, Ansatzpunkte. Metropolis, Marburg 1995, ISBN 3-89518-023-8
  • Diethelm Klippel / Martin Otto: Nachhaltigkeit und Begriffsgeschichte, in: Wolfgang Kahl (Hrsg.), Nachhaltigkeit als Verbundbegriff. Mohr Siebeck, Tübingen 2008, S. 39-59, ISBN 978-3-16-149573-1
  • Gerhard de Haan et al.: Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Grundlagen und schulpraktische Konsequenzen. Springer, Berlin / Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-85491-3.
  • Hans Diefenbacher: Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Zum Verhältnis von Ethik und Ökonomie, WBG Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25050-9.
  • Felix Ekardt: Theorie der Nachhaltigkeit. Rechtliche, ethische und politische Zugänge - am Beispiel von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Welthandel. Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6032-2
  • Michael Rödel: Die Invasion der Nachhaltigkeit. Eine linguistische Analyse eines politischen und ökonomischen Modeworts, in: Deutsche Sprache, Jg. 41 (2013), S. 115-141.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Nachhaltigkeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Nachhaltigkeit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Michael Rödel: Die Invasion der Nachhaltigkeit. Eine linguistische Analyse eines politischen und ökonomischen Modeworts. In: Deutsche Sprache. Band 41, 2013, S. 115–141.
  2. a b c Lexikoneintrag: Nachhaltigkeit. In: Duden - Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage, Mannheim 2001, S. ??.
  3. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: nachhaltig. In: Deutsches Wörterbuch. Band 13, Hirzel, Leipzig 1869, Spalte 69.
  4. Ulrich Grober: Urtexte – Carlowitz und die Quellen unseres Nachhaltigkeitsbegriffs. In: Natur und Landschaft. Jahrgang 2013, Heft 2, S. 46.
  5. Hans Carl von Carlowitz: Sylvicultura oeconomica. Braun, Leipzig 1732, S. 105.
  6. Wörterbucheintrag Deutsch-Latein zu »nachhaltig«. Karl Ernst Georges: nachhaltig. In: Kleines deutsch-lateinisches Handwörterbuch. Nachdruck. Darmstadt 1999, Spalte 1740 (zuerst Hannover/Leipzig 1910).
  7. a b c Edward Goldsmith: Der Weg. Ein ökologisches Manifest. 1. Auflage, Bettendorf, München 1996. S. 332 ff
  8. T.C. McLuhan: ...Wie der Hauch eines Büffels im Winter. Hoffman und Campe, Hamburg 1984
  9. Karl Polanyi: Ökonomie und Gesellschaft. Dt. von Heinrich Jelinek. Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft stw 295, Frankfurt 1979
  10. a b Claude Lévi-Strauss: Das wilde Denken. Suhrkamp, Berlin 1973.
  11. Hendrik Neubauer (Hrsg.): The Survivors. Vom Ureinwohner zum Weltbürger. Tandem-Verlag, 2008. S. 99
  12. Dieter Gawora, Maria Helena de Souza Ide, Romulo Soares Barbosa (Hrsg.): Traditionelle Völker und Gemeinschaften in Brasilien. Lateinamerika-Dokumentationsstelle. Kassel University Press, Kassel 2011. S. 9 u.a.
  13. Franz Rothe: Kulturhistorische und kulturökologische Grundlagen der Intensivierungs- und Bewässerungstechniken traditioneller Agrarkulturen in Ostafrika: Ihr Entwicklungshintergrund und ihre Überlebensfähigkeit. Philosophischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., 2004, S. 38-41.
  14. a b Anja von Hahn: Traditionelles Wissen indigener und lokaler Gemeinschaften zwischen geistigen Eigentumsrechten und der public domain. Springer, Berlin 2004. S. 47-56
  15. „Arbeit“ in archaischen Wildbeutergesellschaften.. Website: Dieter Steiner – Humanökologie. Abgerufen am 12. Juni 2013.
  16. Johannes Moser: Einführung in die Wirtschaftsanthropologie. Institut für Volkskunde / Europäische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, München 2008. Folie 39-57
  17. Andrew P Vayda u. Christine Padoch: Patterns of Resource Use and Human Settlement in Tropical Forests. In Tropical Rain Forest Ecosystems. Teil A: Structure and Function. F.B. Golley (Hrsg.), Amsterdam, Elsevier, S. 301-313.
  18. Urs Fankhauser: Mystery. Lokal, selbstbestimmt und nachhaltig. Weltweite Bedeutung des Family Farming. éducation21, Bern 2014. S. 8.
  19. Roy Rappaport: Ecology, Meaning and Religion. Richmond: North Atlantic Books 1979.
  20. Edward Goldsmith: Der Weg. Ein ökologisches Manifest. 1. Auflage, Bettendorf, München 1996. S. 159 ff
  21. A. Rosati, A. Tewolde, C. Mosconi, World Association for Animal Production (Hrsg.): Animal Production and Animal Science Worldwide. Wageningen Academic Pub, 2005.
  22. Brundtland-Report: Unsere gemeinsame Zukunft, 1987 im Lexikon der Nachhaltigkeit
  23. a b c Jörg Tremmel: Nachhaltigkeit als politische und analytische Kategorie. Der deutsche Diskurs um nachhaltige Entwicklung im Spiegel der Interessen der Akteure., München: Ökom-Verlag, 2003. ISBN 3-936581-14-2
  24. Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen: Gutachten Nachhaltigkeit in der Finanzpolitik – Konzepte für eine langfristige Orientierung öffentlicher Haushalte (Heft 71), Berlin November 2001
  25. Nachhaltige Finanzpolitik Badische Zeitung, 6. März 2013.
  26. a b Karin Wullenweber: Wortfang. Was die Sprache über Nachhaltigkeit verrät., in: Politische Ökologie 63/64, Januar 2000, S. 23f.
  27. Eveline Lubbers, (Hg.): Battling Big Business. Countering Greenwash, Infiltration and other Forms of Corporate Bullying. Green Books 2002. ISBN 978-1-903998-14-4.
  28. Schaltegger, S. (2011): Sustainability as a Driver for Corporate Economic Success. Consequences for the Development of Sustainability Management Control, Society and Economy, Vol. 33, No 1, 15-28.
  29. Hölzl, R. (2010). Historicizing sustainability: German scientific forestry in the eighteenth and nineteenth centuries. Science as Culture, 19(4):431–460.
  30. Hansjörg Küster: Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44058-4.
  31. Originaltext abgedruckt in: Ferruccius, Aloisius Chrysostomus (1864); Cenni storici del sacro Eremo di Camalduli; Firenze.
  32. http://dspace.inea.it/bitstream/inea/454/1/vitaeremitica.pdf
  33. Deutschen Nachhaltigkeitspreis auf Nachhaltigkeitstag.de
  34. Große Gala auf Nachhaltigkeitstag.de