Alan Moore

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Comicautor. Zum schottischen Fußballspieler siehe Allan Moore.
Alan Moore

Alan Moore (* 18. November 1953 in Northampton, Northamptonshire, England) ist ein britischer Schriftsteller und Autor von Comics.

Leben und Karriere[Bearbeiten]

Moore wandte sich Mitte der 1990er Jahre dem Gnostizismus zu. Seine späteren Werke spiegeln sein neu entstandenes Interesse am Bewusstsein des Mystizismus und der Magie wider. (Unter anderem vollführt er mit dem Moon and Serpent Grand Egyptian Theatre of Marvels Auftritte/Rituale.)

Die Biografie Alan Moore: Portrait of an Extraordinary Gentleman erschien in seinem fünfzigsten Lebensjahr. Alle Einnahmen aus dem Verkauf sollen wohltätigen Zwecken zugeführt werden.

Ein Auge und ein Ohr des Autors sind geschädigt. Seit dem 12. Mai 2007 ist Moore mit Melinda Gebbie verheiratet. Sie waren sich bei der jahrelangen gemeinsamen Arbeit an Lost Girls nähergekommen. Für sein Lebenswerk wurde Moore 2008 mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet.[1]

Moore ist Anarchist und hat nur einmal in seinem Leben gewählt.[2]

Comics[Bearbeiten]

Zu Beginn seiner Karriere zeichnete Moore kurze Comicstrips für Zeitschriften. Später schuf er einflussreiche Comics wie Marvelman (in den USA als Miracleman veröffentlicht), V wie Vendetta, Watchmen, From Hell und The League of Extraordinary Gentlemen.

Nachdem er sich mit seiner Arbeit in britischen Comic-Magazinen einen Namen gemacht hatte, wurde er 1983 von DC Comics engagiert, um an der Comicheftserie Saga of the Swamp Thing zu arbeiten. Dabei legte er den Grundstein für die Welt der späteren Vertigo-Comics und erdachte John Constantine, den Hauptcharakter der späteren Serie Hellblazer. Alan Moores The Killing Joke gilt vielen neben Frank Millers The Dark Knight Returns als eine der besten Batman-Folgen überhaupt, wenngleich er sie selbst als Werk ohne Tiefgang einstuft. Seinen Ruf als Schöpfer bahnbrechender Comics errang er mit der Superhelden-Miniserie Watchmen (illustriert von Dave Gibbons), die zusammen mit den bereits erwähnten von ihm selbst und Miller geschaffenen Werken das Genre des Superhelden-Comics neu definierte und auf das Niveau der Graphic Novel hob. Watchmen gilt als die erste Comicserie, die in dieser geschlossenen Form veröffentlicht wurde, und wurde mit zahlreichen Preisen bedacht (Hugo Award in der Kategorie „Best Other Form“).

Moores Stil bereicherte das Medium Comic. Seine Geschichten enthalten oft Themen oder beschäftigen sich mit Dingen, die vorher nie in Mainstream-Comics angerissen wurden. Beispielsweise enthält die neunte Ausgabe von Miracleman die Darstellung einer natürlichen Geburt, etwas, das bis dahin in Comics tabu war. Er experimentierte mit Symbolen anstelle von Texten, legte mehr Wert auf Hintergrund und Details, während er „Toneffekte“, Sprechblasen und Unterschriften minimierte oder ganz wegließ. Seine Skripte sind stark beeinflusst von Techniken der modernen Cinematografie und Literatur.

Moore bemühte sich, die Grenzen des Mediums zu erweitern und so indirekt auch die Qualität der von ihm äußerst kritisch gesehenen Mainstream-Comics zu erhöhen. Die Leser sollten mehr erleben als endlose Wiederholungen von Kämpfen zwischen kostümierten Superhelden. So begann er mit Projekten wie Lost Girls (einem anspruchsvollen erotischen Comic mit Charakteren aus der Jugendliteratur der Viktorianischen Ära), From Hell (einer detailgenau recherchierten Geschichte über Jack the Ripper) und Big Numbers. Er verbrachte die 1990er Jahre damit, diese Projekte abzuschließen: From Hell wurde 1999 veröffentlicht, der dritte und letzte Band von Lost Girls erschien 2006 (dt. 2008), an Big Numbers jedoch sind inzwischen zwei Zeichner gescheitert und so wurde das Werk auf Eis gelegt.

In den späten 1990ern kehrte sich Moore wieder den Superhelden-Comics zu und schuf neben The League of Extraordinary Gentlemen, worin sich zahllose Gestalten der viktorianischen Literatur begegnen, Promethea, einen vom magischen Denken beeinflussten Comic, Tom Strong, Tomorrow Stories und Top 10.

Obwohl Alan Moore als einer der Begründer und Hauptvertreter der anspruchsvollen Graphic Novel gilt, hält er diesen Begriff hauptsächlich für ein Marketinginstrument und bezeichnet sein Medium selbst als „Comics“.

Er hat auch in anderen Medien gearbeitet und unter anderem einen in Northampton angesiedelten und etliche tausend Jahre umspannenden, experimentellen Roman mit dem Titel Voice of the Fire veröffentlicht.

Verfilmungen[Bearbeiten]

From Hell (mit Johnny Depp) und The League of Extraordinary Gentlemen (mit Sean Connery) wurden in den USA verfilmt, V wie Vendetta (mit Natalie Portman und Hugo Weaving) wurde in London, UK und in Potsdam in den Babelsberg Filmstudios gedreht.

Nach seinen Erlebnissen mit der im Vergleich zur Vorlage stark verzerrten Verfilmung der League of Extraordinary Gentlemen hatte sich der Autor von der Verfilmung von V wie Vendetta so weit wie nur möglich distanziert und die Produktionsfirma gebeten, seinen Namen auf keinen Fall mit dem fertigen Film in Verbindung zu bringen; im Gegenzug erklärte er sich bereit, auf jegliche Beteiligung an den Einnahmen zu verzichten. Insbesondere bemängelte er den Mangel am Transport des politischen Gehalts und äußerte „V for Vendetta handle speziell von Dingen wie Faschismus und Anarchie. Aber die Worte ‚Faschismus‘ und ‚Anarchie‘ kämen im Film nirgends vor.“[3] Zumindest was das Wort „Anarchie“ angeht, irrt Moore sich möglicherweise, denn ein mit Guy-Fawkes-Maske maskierter Ladendieb schließt seinen Überfall in einer Passage des Films laut mit den Worten „Anarchie im Vereinten Königreich“ ab.

In beiden Verfilmungen wurden die jeweiligen Passagen, in denen Hauptcharaktere Erfahrungen mit Drogen machen, nicht berücksichtigt.

2008 entstand eine Animation des Comics Watchmen unter dem Titel Watchmen – The Complete Motion Comic.

Die Moore-Verfilmung Watchmen ist im März 2009 in die Kinos gekommen und unter der Regie von Zack Snyder gedreht worden.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Comics[Bearbeiten]

  • 1963 (1993), 6 Bände, Image Comics; illustriert von Stephen R. Bissette, Rick Veitch und anderen
  • Alan Moore's Shocking Futures (1986), Titan Books; Nachdruck einiger Future-Shocks-Kurzgeschichten, ursprünglich veröffentlicht in 2000 AD im Zeitraum von 1981 bis 1983, illustriert von unterschiedlichen Zeichnern
  • Alan Moore's Twisted Times (1987), Titan Books; Nachdruck einiger Time-Twisters-Kurzgeschichten, ursprünglich veröffentlicht in 2000 AD im Zeitraum von 1980 and 1983, illustriert von unterschiedlichen Zeichnern
  • Albion (2005), 6 Bände, Wildstorm; zusammen mit Leah Moore und John Reppion
  • The Ballad of Halo Jones (1984–1986), 2000 AD; illustriert von Ian Gibson
  • Batman: The Killing Joke (1988), DC Comics; illustriert von Brian Bolland (Deutsche Ausgabe: Hethke, Panini)
  • Big Numbers (1990), 2 Bände von geplanten 12, Mad Love; illustriert von Bill Sienkiewicz
  • The Complete BoJeffries Saga (1992), Sammlung der verschiedenen „BoJeffries“-Kurzgeschichten, die im Zeitraum zwischen 1983 und 1992 entstanden sind, Tundra; illustriert von Steve Parkhouse
  • Brought to Light (1989), Eclipse Comics; mit Paul Mavrides, einem Historiker und Kritiker der verdeckten Operationen der CIA während des Kalten Krieges, illustriert von Bill Sienkiewicz und Tom Yates
  • Captain Britain (2002), Marvel Comics; Nachdruck verschiedener Marvel-UK-Veröffentlichungen im Zeitraum von 1983 bis 1984, illustriert von Alan Davis
  • D.R. and Quinch (1983–1984), 2000 AD; illustriert von Alan Davis (Deutsche Ausgabe: Nona Arte)
  • From Hell (1989 bis 1998), 10 Bände, Eddie Campbell Comics; illustriert von Eddie Campbell (Deutsche Ausgabe: u. a. Cross Cult)
  • Green Lantern Jg. 2 Nr. 188 (1985), DC Comics; illustriert von Dave Gibbons
  • The League of Extraordinary Gentlemen (1999–2003), 12 Bände, DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von Kevin O'Neill
  • Lost Girls (1995–2006), 3 Bände, die ersten fünf Kapitel erschienen ursprünglich im Zeitraum von 1991–1992 in Taboo, Kitchen Sink Press; illustriert von Melinda Gebbie (Deutsche Ausgabe: Cross Cult Verlag, Asperg 2008, ISBN 978-3-936480-00-9)
  • Marvelman (später MiracleMan) (1982–1989), Quality Communications/Eclipse Comics; illustriert von Garry Leach, Alan Davis, John Totleben und anderen
  • Maxwell the Magic Cat (1986–1987), 4 Bände, Acme Press; Nachdruck eines wöchentlichen Comicstrips in Northants Post, ursprünglich veröffentlicht im Zeitraum 1979 bis 1986
  • Meatcake #9 (1999), Fantagraphics Books; illustriert von Dame Darcy
  • Promethea (1999–2005), 32 Bände , DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von J.H. Williams III und anderen
  • Skizz (1983), 2000 AD; illustriert von Jim Baikie
  • A Small Killing (1991), Victor Gollancz Ltd; illustriert von Oscar Zarate
  • Smax (2003–2004), 5 Bände , DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von Zander Cannon
  • Superman: For the Man Who Has Everything (1985), DC Comics; illustriert von Dave Gibbons
  • Superman: Whatever happened to the Man of Tomorrow? (1986), DC Comics; illustriert von Curt Swan (Deutsche Ausgabe: Ehapa, Panini)
  • Supreme (1996–1998), 17 Bände, Image/Maximum Press/Awesome Entertainment; illustriert von verschiedenen Künstlern (Deutsche Ausgabe: u. a. Nona Arte)
  • Supreme: The Return (1999–2000), 6 Bände, Awesome Entertainment; illustriert von Chris Sprouse, Rick Veitch und anderen
  • Swamp Thing (1983–1987), DC Comics; illustriert von Alfredo Alcala, Stephen R. Bissette, John Totleben, Rick Veitch und anderen; gesammelte Ausgabe in 6 Bänden (Deutsche Ausgabe: u. a. Panini):
    • Saga of the Swamp Thing (1987)
    • Swamp Thing: Love and Death (1990)
    • Swamp Thing: The Curse (2000)
    • Swamp Thing: A Murder of Crows (2001)
    • Swamp Thing: Earth to Earth (2002)
    • Swamp Thing: Reunion (2003)
  • Terra Obscura (2003–2005), 12 Hefte , DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von Peter Hogan und Yanick Paquette
  • This is Information, 9/11: Artists Respond Band 1 (2002), DC Comics; illustriert von Melinda Gebbie
  • Tomorrow Stories (1999–2002), 12 Bände, DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von verschiedenen Künstlern
  • Tom Strong (1999–2006), 36 Bände, zusammengefasst in 6 Sammelbänden, DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von Chris Sprouse und anderen
  • Tom Strong's Terrific Tales (2002–2005), 12 Bände, zusammengefasst in 2 Sammelbänden, DC Comics/WildStorm/ABC; geschrieben gemeinsam mit Steve Moore, illustriert von Arthur Adams und anderen
  • Top 10 (1999–2001), 12 Bände, zusammengefasst in 2 Sammelbänden, DC Comics/WildStorm/ABC; illustriert von Gene Ha und Zander Canon
  • V wie Vendetta (1982–1989), die ersten zwei Bände erschienen ursprünglich als Serie zwischen 1982 und 1985 in Warrior Nr. 1–26, Quality Communications; die übrigen 10 Bände 1988 bis 1989 bei DC Comics; illustriert von David Lloyd (Deutsche Ausgabe: u. a. Panini)
  • Watchmen (1986–1987), 12 Bände, DC Comics; illustriert von Dave Gibbons (Deutsche Ausgabe: Carlsen, Panini)
  • WildC.A.T.s Nr. 21–34, 50 (1995–1998), Image Comics; illustriert von Travis Charest und anderen (Deutsche Ausgabe: u. a. Panini)
  • Youngblood Nr. 1–2 (1998), Awesome Entertainment, illustriert von Steve Skroce
  • Yuggoth Cultures and Other Growths (2003), 3 Bände, Avatar Press; zusammen mit verschiedenen Künstlern
  • Neonomicon, Miniserie 2010, deutsch bei Panini 2012

Romane und illustrierte Bücher[Bearbeiten]

  • Voice of the Fire (1996), Victor Gollancz Ltd.
  • The Mirror of Love (2003), Top Shelf Productions

CDs[Bearbeiten]

  • The Birth Caul (1996), D.O.R.
  • The Moon and Serpent Grand Egyptian Theatre of Marvels (1996), Cleopatra
  • Brought to Light (1998), Codex Books
  • The Highbury Working (2000), RE
  • Angel Passage (2002), RE
  • Snakes and Ladders (2003), RE

Filme[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Sven-Eric Wehmeyer: One Man Against The System. Die Katastrophenphantasien von Alan Moore, weltbester Comic-Autor. In: Das Science Fiction Jahr 2005, hrsg. von Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke, München 2005, ISBN 3-453-52068-8, S. 879–898

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alan Moore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nominierungen/Preisträger seit 1984. Comic-Salon Erlangen. Abgerufen am 8. August 2012.
  2. Wir wollten die Pornografie zurückerobern, Der Tagesspiegel
  3. „V for Vendetta“ was specifically about things like fascism and anarchy. Those words, „fascism“ and „anarchy,“ occur nowhere in the film. in Vineyard, Jennifer: Alan Moore: The Last Angry Man. Movies on MTV.com., abgerufen 5. Juli 2010