Andreas Scholl (Sänger)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Andreas Scholl (2010)

Andreas Scholl (* 10. November 1967 in Eltville am Rhein) ist ein international bekannter deutscher Countertenor. Der musikalische Schwerpunkt seines Repertoires liegt in der Barockmusik. Er war 2005 der erste Countertenor-Solist bei der Last Night of the Proms in London und trat 2006 und 2011 an der Metropolitan Opera auf.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Andreas Scholl stammt aus einer musikalischen Familie. Sein Vater und seine Mutter waren Chorsänger in Kiedrich, seine Schwester Elisabeth Scholl ist Sopranistin. Seine erste Musikausbildung erhielt er als Sänger der Kiedricher Chorbuben. Mit 13 Jahren trat er im Staatstheater Wiesbaden als „2. Knabe“ in Mozarts Die Zauberflöte auf, während seine Schwester Elisabeth den 1. Knaben sang.

Von 1987 bis 1993 studierte er bei Richard Levitt und René Jacobs an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er ein Diplom für Alte Musik erhielt.[1] 1992 wurde er mit als Laureat des Conseil de l’Europe und der Fondation Claude Nicolas Ledoux ausgezeichnet; darüber hinaus erhielt er Preise von der Stiftung Ernst Göhner und der Association Migros.

Scholl lehrt Gesang an der Schola Cantorum Basiliensis. Zu seinen Schülern zählt Patrick Van Goethem. Scholl ist den Niederlanden eng verbunden und spricht fließend Niederländisch.[2]

Seit August 2012 ist er mit der israelischen Pianistin und Cembalistin Tamar Halperin verheiratet.

Oper[Bearbeiten]

Andreas Scholl verkörpert viele Rollen, die für den Kastraten Senesino geschrieben wurden. Dazu zählt sein Operndebut 1998, die Rolle des Bertarido in Händels Rodelinda, aufgeführt beim Glyndebourne Festival unter Leitung von William Christie (1998, 1999, 2002). Er sang die Rolle auch an der Metropolitan Opera, 2006 mit Renée Fleming in der Titelrolle, Kobie van Rensburg, geleitet von Patrick Summers,[3] wieder aufgenommen 2011. Scholl verkörperte die Titelrolle in Händels Giulio Cesare in Det Kongelige Teater (2002, 2005), in Paris (2007) und Lausanne (2008). 2008 übernahm er die Rolle des Arsace in Händels Partenope an Det Kongelige Teater, geleitet von Lars Ulrik Mortensen.[1] 2010 sang er die Titelrolle Giulio Cesare in der Salle Pleyel an der Seite von Cecilia Bartoli mit Les Arts Florissants unter William Christie.[3]

Konzert[Bearbeiten]

Andreas Scholl und Mitglieder des Barockorchesters Accademia Bizantina in einem Konzert des Rheingau Musik Festival in der Kirche von Hallgarten

1991 sang Scholl die Alt-Soli in Bachs Johannespassion mit Philippe Herreweghe in Antwerpen. 1995 trat er unter Leitung von René Jacobs in Bachs h-moll-Messe auf.[1] 1998 sang er zusammen mit seiner Schwester Elisabeth in Bachs Matthäuspassion in St. Martin, Idstein, mit Max Ciolek als Evangelist und Max van Egmond als Vox Christi. 1999 führte er mit De Nederlandse Bachvereniging unter Jos van Veldhoven unter anderem Bachs Missa in G (BWV 236) auf. In der New Yorker Avery Fisher Hall sang er Bachs Weihnachtsoratorium, geleitet von Ton Koopman. 2000 gastierte er mit der h-moll-Messe in Japan, geleitet von Masaaki Suzuki.

2001 sang er in Händels Saul in Brüssel und übernahm die Titelpartie in Händels Solomon, geleitet von Paul McCreesh. In der Leipziger Thomaskirche sang er Bachs Johannespassion.[3] Beim Bachfest Leipzig 2003 wirkte er in der Thomaskirche in Bachs h-Moll-Messe mit, die traditionell das Fest beschließt, zusammen mit Letizia Scherrer, Mark Padmore und Sebastian Noack, Chor und Orchester des Collegium Vocale Gent, geleitet von Philippe Herreweghe.[4] 2006 sang er auf einer Europa-Tournee Bachs Solo-Kantaten Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust (BWV 170) und Geist und Seele wird verwirret (BWV 35) mit dem Orchester Accademia Bizantina. 2007 sang er erneut Saul, im Kloster Eberbach mit Trine Wilsberg Lund (Merab), Hannah Morrison (Michal), Andreas Karasiak (Jonathan) und der Schiersteiner Kantorei, geleitet von Martin Lutz. In der Berliner Philharmonie sang er Händels Messiah mit Solisten des Tölzer Knabenchors, dem Chor von Les Arts Florissants und den Berliner Philharmonikern, geleitet von William Christie.[3] 2008 sang Scholl erstmals mit dem New York Philharmonic Orchestra im Lincoln Center, Messiah mit dem Westminster Symphonic Choir unter Leitung von Ton Koopman.[5][6] 2010 wirkte er mit seiner Schwester in einer Aufführung von Messiah in the Marktkirche in Wiesbaden, mit Andreas Karasiak und dem Wiesbadener Knabenchor.[7]

Beim Bachfest Leipzig 2011 wirkte er wieder in der Thomaskirche in Bachs h-Moll-Messe mit, zusammen mit Anna Prohaska, Marie-Claude Chappuis, Magnus Staveland, Johannes Weisser, dem Balthasar-Neumann-Chor und der Akademie für Alte Musik Berlin, geleitet von René Jacobs.[3] 2011 debütierte Scholl beim Rheingau Musik Festival in drei Veranstaltungen eines Wochenendes, Interview, Rheingaugaureise zu drei historischen Kirchen und Opern-Recital mit seiner Schwester Elisabeth im Kloster Eberbach, mit Arien und Duetten aus Opern von Henry Purcell und Händel.[8] Er sang in Händels Messiah in St. Martin, Idstein, mit Katia Plaschka, Ulrich Cordes und Markus Flaig.[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1996: Baroque Vocal Prize bei den Grammophone Awards
  • 1999: Prix de l’Union de la Presse Musicale Belge
  • 1999: Echo – „Klassik Echo“ als bester Nachwuchskünstler des Jahres
  • 2001: Edison Award der Niederlande
  • 2002: Edison Award der Niederlande
  • 2004: Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 1/2004
  • 2005: Echo – „Klassik ohne Grenzen“ für eine eigene Komposition (Projekt mit Wolfgang Joop)
  • 2006: Singer of the Year der UK Classical BRIT Awards
  • 2009: Europäischer Kulturpreis (Solistenpreis)

Diskographie[Bearbeiten]

  • 1995: Deutsche Barocklieder
  • 1995: A. Vivaldi: Stabat Mater
  • 1996: English Folksongs & Lute Songs mit Andreas Martin, Laute
  • 1997: Kantate: German Baroque Cantatas, mit Basel Consort / Concerto Di Viole
  • 1999: G. F. Händel: Ombra mai fu
  • 1999: Heroes
  • 1999: Pergolesi: Stabat Mater
  • 2000: A. Vivaldi: Nisi dominus
  • 2000: The Voice, Portrait-CD
  • 2000: A Musical Banquet
  • 2001: Wayfaring Stranger
  • 2002: Baroque Adagios
  • 2003: Arcadia
  • 2004: The Merchant of Venice
  • 2005: Arias for Senesino
  • 2007: Il Duello Amoroso
  • 2007: Andreas Scholl goes Pop (gemeinsam mit Orlando alias Roland Kunz)
  • 2008: Crystal Tears
  • 2010: Oswald von Wolkenstein – Songs of Myself
  • 2010: Purcell: Oh Solitude, Accademia Bizantina[10]
  • 2014: Johann Sebastian Bach: Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust. Kantate BWV 170. Andreas Scholl (Altus), Chor und Orchester der J. S. Bach-Stiftung, Rudolf Lutz (Cembalo und Leitung). Samt Einführungsworkshop sowie Reflexion von Jürg Kesselring. DVD. Gallus Media, 2014.

Film[Bearbeiten]

  • Caesar der hohen Töne - Andreas Scholl und das Geheimnis des Countertenors. Dokumentarfilm, Deutschland, 2013, 52 Min., Buch und Regie: Manfred Scheyko, Produktion: Hessischer Rundfunk, arte, Erstsendung: 19. Januar 2014 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Andreas Scholl. klassikakzente.de. 7. Oktober 2010. Abgerufen am 3. Oktober 2011.
  2. Andreas Scholl in Pauw & Witteman 10 januari 2012, YouTube Video
  3. a b c d e When did Scholl sing at ...? Andreas Scholl Society (englisch)
  4. Johanna Gross: Das jährliche Ritual zum Abschluss des Bachfestes. leipzig-almanach.de. 1. Juni 2003. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  5. Handel's Messiah (englisch) nyphil.org. 17. Dezember 2008. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  6. Steve Smith: A "Messiah" as Handel Might Have Heard It (englisch) The New York Times. 18. Dezember 2008. Abgerufen am 6. Oktober 2011.
  7. Doris Kösterke: Händels „Messias“ mit Bravour Jubiläum des Wiesbadener Knabenchors mit Countertenor Andreas Scholl in der Marktkirche. Wiesbadener Tagblatt. 19. November 2010. Abgerufen am 17. November 2010.
  8. Axel Zibulski: Musikalischer Klang mit Idee. Wiesbadener Kurier. 19. Juli 2011. Abgerufen am 20. September 2011.
  9. Doris Kösterke: Erhabene innere Ruhe. Wiesbadener Kurier. 20. September 2011. Abgerufen am 20. September 2011.
  10. Evi Baumeister: Andreas Scholl fasziniert mit seiner Purcell-Hommage. In: Thüringer Allgemeine, 6. Februar 2011.