Vierschanzentournee

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In der Vierschanzentournee sind vier Skisprung-Weltcupveranstaltungen zusammengefasst, die seit 1952 jährlich um den Jahreswechsel in Deutschland und Österreich stattfinden. Die Tournee gilt neben den Olympischen Spielen und der Nordischen Skiweltmeisterschaft als der prestigeträchtigste Wettbewerb des Skispringens.

Geschichte[Bearbeiten]

Idee[Bearbeiten]

Schattenbergschanze in Oberstdorf beim Auftaktspringen zur Vierschanzentournee am 30. Dezember 2006

Dieser Wettbewerb hat seinen Vorläufer in dem seit 1921/22 in Garmisch-Partenkirchen durchgeführten Neujahrsspringen – der erste Sieger sprang hier 76 Meter weit. Die Idee zu einem Springen auf vier verschiedenen Schanzen an mehreren Tagen kurz hintereinander wurde im Jahr 1949 von den Mitgliedern der Skiclubs Partenkirchen und Innsbruck entwickelt. Da nach dem Zweiten Weltkrieg noch keine Teilnahme ausländischer Springer in Deutschland und deutscher Springer im Ausland möglich war, musste die Idee zu einer solchen Tournee jedoch bis ins Jahr 1952 verschoben werden und es konnten nur deutsche und österreichische Sprungschanzen einbezogen werden.

Am 17. Mai 1952 wurde anlässlich eines Nachtspringens auf der Seegrube oberhalb Innsbrucks die „Deutsch-Österreichische Springertournee“ begründet; Gründungsväter waren Toni Glos, Emmerich Pepeunig (Innsbruck), Beppi Hartl, Franz Rappenglück (Partenkirchen), Andi Mischitz, Fred Triebner (Bischofshofen) sowie Alfons Huber und Xaver Kaiser (Oberstdorf).[1]

Die drei Stationen Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen standen von Anfang an als Tournee-Orte fest. Da ein zweiter deutscher Ort gewünscht war, um eine Parität zwischen Deutschland und Österreich zu erreichen, wurde der SC Partenkirchen von den Tournee-Organisationen beauftragt, einen weiteren deutschen Startort zu finden. Zunächst hatte der SCP Berchtesgaden, Füssen und Oberammergau ins Blickfeld genommen. Diese Städte bzw. Orte hatten bereits Erfahrung mit der Austragung von Skisprungwettbewerben auf den schon vorhandenen Skisprungschanzen. Das bedeutete, dass dort keine neuen Schanzen nötig wurden und dass sich keine Partenkirchener um die Organisation kümmern mussten. Allerdings gab es auch große Überschneidungen des Zuschauer-Einzugsgebiets mit Partenkirchen und der SCP befürchtete Einnahmeverluste. Deshalb entschied man sich für Oberstdorf als zweiten deutschen Standort.

Die offizielle Gründung der „Deutsch-Österreichischen Springertournee“, kurz: die Tournee, erfolgte am 14. Dezember 1952 im Posthotel in Partenkirchen.

Die ersten Tourneen[Bearbeiten]

Die erste Tournee ist bisher auch die einzige, die in nur einem Jahr ausgetragen wurde. Sie startete am 1. Januar 1953 mit dem Neujahrsspringen in Partenkirchen. 20.000 Zuschauer kamen zum ersten Springen, bei dem insgesamt 50 Springer an den Start gingen, außer vielen Deutschen und Österreichern auch vier Springer aus Jugoslawien, vier aus Schweden, drei aus Norwegen und drei aus der Schweiz.

Sieger des Neujahrsspringens war Asgeir Dølplads aus Norwegen mit Sprüngen von 78,5 und 80 Meter. Am 4. Januar fand dann das zweite Springen in Oberstdorf statt (Sieger: Erling Kroken aus Norwegen), bevor es dann am 6. Januar zum Dreikönigsspringen nach Innsbruck ging; dort siegte der Österreicher Sepp Bradl. Das letzte Springen der Tournee 1953 wurde am 11. Januar in Bischofshofen ausgetragen. Mit Halvor Næs siegte erneut ein Norweger. Gesamtsieger der ersten Deutsch-Österreichischen Tournee wurde der Österreicher Sepp Bradl vor den Norwegern Halvor Næs und Asgeir Dølplads.

Trotz der Umstände, dass nicht die gesamte Weltspitze an der Tournee teilnahm, so fehlten z. B. die starken Finnen komplett, waren der Zuschauerzuspruch groß, die Einnahmen für die austragenden Skiclubs hoch und das Lob der Athleten über die Organisation enorm. Viele Sportler schwärmten bei den folgenden Großveranstaltungen von der neugeschaffenen Tournee, und so wurden weitere Springer darauf aufmerksam. Nur kurze Zeit nach Beendigung der Tournee 1953 wurde mit der Planung der nächsten begonnen. Der Ablauf sollte diesmal aber geändert werden. Das Neujahrsspringen in Partenkirchen sollte erhalten bleiben, allerdings nicht mehr als Auftaktspringen, sondern als zweites Springen. Das Auftaktspringen wurde nach Oberstdorf verlegt und fand von da an immer am 29. oder 30. Dezember statt. Somit begann die Tournee im alten und endete im neuen Jahr. Das Springen am Bergisel in Innsbruck wurde auf den 3. oder 4. Januar vorgezogen, und das Dreikönigsspringen fand von nun an als Abschluss der Tournee in Bischofshofen statt.

In den folgenden Jahren stieg die Bedeutung der Tournee als wichtigste Veranstaltung im Skisprungkalender. Das Teilnehmerfeld wurde immer stärker und das Zuschauer- und Medieninteresse nahm stetig zu. So wurde bereits im Jahr 1956 das Neujahrsspringen in der ARD übertragen. Ein Jahr später übertrug die ARD alle Springen der Tournee, was wiederum den Bekanntheitsgrad in Deutschland weiter steigerte. Ein wesentlicher Beitrag entstand auch durch den ersten Podestplatz eines deutschen Springers bei der Tournee 1956/1957, als Max Bolkart den dritten Platz belegte.

Eine weitere Neuerung entstand zur Tournee 1956/1957. Dem Skiverband der DDR wurde ein Springen am 1. Weihnachtsfeiertag in Oberhof zugesichert. Dieses sollte das neue Auftaktspringen der Tournee werden. Allerdings traten bei dem ersten Weihnachtsspringen nur Deutsche und Österreicher an. Alle anderen Nationen kamen, aufgrund von Transport- und Reiseschwierigkeiten und wegen der unklaren Bezahlung des Transports, nicht nach Oberhof.

Auch bei der 6. Tournee 1957/1958 war ein Springen in Oberhof am 26. Dezember geplant. Allerdings gab es bis dahin keinen Schnee in Oberhof und eine gute Präparation der Schanze mit angeliefertem Schnee, wie es zur selben Zeit in Oberstdorf und Partenkirchen geschah, war nicht möglich. Das Springen sollte ins schneereichere Oberwiesenthal verlegt werden. Dies wäre aber mit noch höheren Reise- und Transportstrapazen für die Weiterreise nach Oberstdorf verbunden gewesen. Somit war auch der erneute Versuch, die Tournee mit der DDR zu erweitern, gescheitert. Dennoch hatten die Skispringer der DDR bei dieser Tournee etwas zu feiern. Helmut Recknagel aus Steinbach-Hallenberg gewann die Tournee, in Abwesenheit der starken Norweger (Trainingsprobleme im Vorfeld der Tournee) und Finnen (Vorbereitung auf die Nordische Skiweltmeisterschaft 1958 in Lahti) vor zwei Springern aus der UdSSR. Es war der erste Gesamtsieg für einen Springer aus Deutschland. Recknagel wiederholte den Sieg 1959 und 1961. 1960 konnte mit Max Bolkart auch der erste Bundesdeutsche einen Gesamtsieg feiern.

Der Flaggenstreit[Bearbeiten]

Bei der 8. Tournee 1959/1960 kam es zu dem ersten großen Eklat in der noch jungen Geschichte der Tournee. Die Bundesrepublik Deutschland und Österreich erkannten die DDR zu diesem Zeitpunkt noch nicht als eigenständigen Staat an. Deshalb war es auch verboten, die Nationalflagge der DDR zu hissen. Die Springer und Betreuer des Nationalteams der DDR bestanden dennoch darauf, dass ihre Nationalflagge bei sportlichen Veranstaltungen aufgezogen wird. Da dies nicht geschah, reiste das komplette DDR-Team wieder ab. Auch alle anderen Mannschaften der Oststaaten (Polen, Sowjetunion, Tschechoslowakei) verließen die Tournee. Da wiederum die Norweger und Finnen, aufgrund der Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 1960 in Squaw Valley, fehlten, war diese Tournee recht schwach besetzt.

Der Streit um die Flagge der DDR setzte sich im Sommer 1960 fort. Die Organisatoren der Tournee überlegten, wie sie den Streit lösen können, denn sie wollten nicht erneut eine Veranstaltung ohne die starken Springer aus der DDR durchführen. Da es auf Grund der politischen Umstände keine Möglichkeit gab, das Hissen der DDR-Fahne zu erlauben, kamen sie zu dem Entschluss, nicht mehr die Nationalflagge, sondern nur noch die Fahne des Skiclubs, für den der Springer startet, zu hissen. Mit diesem Kompromiss war das DDR-Team einverstanden und so reisten sie wieder in Bestbesetzung zur Tournee an. Es siegte wiederum Helmut Recknagel. Das war der vorerst letzte deutsche Tourneesieg.

Im selben Jahr kam es darüber hinaus zu einem einmaligen Ereignis in der Tournee. Da Innsbruck den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 1964 bekam, wurde die Schanze am Bergisel umgebaut, auch während der Tournee. Die Springer trugen ihren Wettkampf auf einer Baustelle aus.

Die 1960er Jahre: Skandinavische Dominanz[Bearbeiten]

Da es eine sogenannte „generelle Sperre des gesamten Sportverkehrs“ zwischen der Bundesrepublik und der DDR gab, konnten die Springer aus der DDR nicht zu den ersten beiden Tourneespringen der Jubiläumstournee (zehnte) 1961/1962 reisen und traten erst in Innsbruck wieder an. Die 10. Tournee läutete auch eine lange Erfolgsserie der Springer aus Finnland und Norwegen ein. Acht mal in Folge gewannen Springer aus diesen Ländern. Seit der Tournee 1964/65 werden Computer für die Ergebnisermittlung benutzt.

Die 1970er Jahre: Dominanz der DDR und Kommerzialisierung[Bearbeiten]

Erst Horst Queck aus der DDR konnte die Dominanz der Skandinavier mit seinem Sieg bei der Tournee 1969/1970 unterbrechen. Es folgten die Jahre der DDR. In neun Jahren gewannen fünf mal ostdeutsche Springer: 1969/70 Horst Queck; 1972/73 Rainer Schmidt; 1973/74 Hans-Georg Aschenbach; 1975/76 und 1976/77 Jochen Danneberg. Außerdem schritt die Kommerzialisierung der Tournee und des Skisprungsports allgemein voran. Mit Intersport fand die Tournee den ersten Haupt- und Namenssponsor und der bisherige Amateursport Skispringen entwickelte sich immer mehr zum Profisport.

Die 1980er Jahre: Nykänen gegen Weißflog[Bearbeiten]

Die 1980er Jahre wurden geprägt durch Matti Nykänen (FIN) und Jens Weißflog (DDR), die beide jeweils fünf Podiumsplätze in diesen zehn Jahren erreichten. Nachdem es dem Österreicher Hubert Neuper gelungen war, die Tournee in den Jahren 1979/80 und 1980/81 zweimal in Folge zu gewinnen, siegte 1981/82 Manfred Deckert aus der DDR. Im Jahr 1982/83 gewann Matti Nykänen zum ersten Mal die Tournee vor Jens Weißflog, der sich dann in den beiden folgenden Jahren jeweils den Sieg sicherte, zuerst vor Klaus Ostwald (DDR) und Matti Nykänen, danach vor Nykänen und Ostwald. In den Jahren 1985/86 und 1986/87 konnte sich der Österreicher Ernst Vettori den Tourneegesamtsieg zweimal in Folge sichern. Im Jahr 1987/88 gewann erneut Nykänen vor Weißflog, während im Jahr darauf der Finne Risto Laakkonen bei seinem Sieg Nykänen auf Platz 2 und Weißflog auf Platz 3 verdrängte.

Die 1990er Jahre: Entwicklung des V-Stils[Bearbeiten]

Seit der „Einführung“ des V-Stils Anfang der 1990er Jahre wurden die gesprungenen Weiten immer größer. Die Schanzen mussten vom Profil her immer weiter ausgebaut, aber auch mit ihrer Ausstattung modernisiert und den neuen Bedingungen angepasst werden. Jens Weißflog, nunmehr für Gesamt-Deutschland startend, war der einzige Springer, der Wettkämpfe sowohl im Parallel- als auch im V-Stil gewann und der Gesamtsiege für zwei Staaten feiern konnte. Als Erster gewann er die Tournee vier Mal (1983/84, 1984/85, 1990/91, 1995/96). Dieser Rekord wurde 2008 von Janne Ahonen (Finnland) mit fünf Gesamtsiegen (1998/99, 2002/03, 2004/05, 2005/06, 2007/08) gebrochen. Seit der Vierschanzentournee 1996/1997 müssen sich die Sportler durch einen Trainingssprung am Vortag des Beginns qualifizieren.

Die 2000er Jahre[Bearbeiten]

Bei der 50. Vierschanzentournee 2001/2002 gelang es Sven Hannawald aus Deutschland als bisher einzigem Springer, alle vier Springen zu gewinnen.

Im Jahr 2006 gab es zum ersten Mal zwei Sieger, da sie dieselbe Punktzahl in der Gesamtwertung hatten: Jakub Janda aus Tschechien und Janne Ahonen aus Finnland.

2008 wurde erstmals in der Geschichte der Vierschanzentournee das Springen in Innsbruck aufgrund eines Föhnsturms komplett abgesagt und am 5. Januar in Bischofshofen nachgeholt. Da die Tournee damit nur auf drei Schanzen, wenn auch mit vier Springen, ausgetragen wurde, wurde scherzhaft schon von einer Dreischanzentournee gesprochen. Es war das erste Mal, dass die Tournee nicht auf vier Schanzen ausgetragen wurde, denn als 1956 das Dreikönigsspringen in Bischofshofen aufgrund von Schneemangel nicht stattfinden konnte, wurde ein weiteres Springen am 11. Januar auf der Zinkenschanze im nahegelegenen Hallein ausgetragen.

Aktuelle Entwicklungen[Bearbeiten]

Erstmals in der Geschichte der Vierschanzentournee gelang es einer Nation in sechs aufeinanderfolgenden Jahren den Gesamtsieg für sich zu verbuchen – die Dominanz der Österreicher begann 2009 mit dem Sieg von Wolfgang Loitzl, 2010 folgte Andreas Kofler, 2011 Thomas Morgenstern und 2012 Gregor Schlierenzauer, der bei der darauffolgenden Tournee 2012/2013 seinen Titel verteidigen konnte. 2014 gewann mit Thomas Diethart erneut ein Österreicher.

Der finanzielle Aufwand für die Ausrichtung der Tournee ist hoch, im Jahr 2003/2004 wurden dafür Kosten von 3,6 Mio Euro angegeben.[2]

Für die Gewinner schreibt die FIS ein (Mindest-)Preisgeld von 70.000 Schweizer Franken (CHF) vor, das sich wie folgt aufteilt: 1. Platz = 30.000 CHF, 2. = 15.000 CHF, 3. = 10.000 CHF, 4. = 6.000 CHF, 5. = 3.000 CHF, 6. = 2.000 CHF, 7.–10. = je 1.000 CHF.[3] Häufig werden noch von Sponsoren wertvolle Sachpreise bereitgestellt, z. B. von Nissan (2004 ein Spezialauto X-trail, 2005 ein Nissan Pathfinder).[4]

In der Saison 2010/2011 erhielt die Vierschanzentournee ein neues Logo, eine neue Trophäe und erstmals ein einheitliches Event-Layout in einem neuen Design.[5]

Organisation[Bearbeiten]

Springen der Vierschanzentournee
Ort Schanze Schanzenrekord
(Jahr)
Oberstdorf
(29. oder 30. Dezember)
Schattenbergschanze Sigurd Pettersen 143,5 m (2003)
Garmisch-Partenkirchen
(1. Januar)
Große
Olympiaschanze
Simon Ammann 143,5 m (2010)
Innsbruck
(3. oder 4. Januar)
Bergiselschanze Sven Hannawald 134,5 m (2002)
Bischofshofen
(6. oder 7. Januar)
Paul-Ausserleitner-
Schanze
Daiki Itō 143 m (2005)

Die Tournee wird von den Skiklubs der Austragungsorte ausgerichtet. Dies sind der Skiclub 1906 Oberstdorf, das Organisationskomitee Neujahrs-Skispringen des SC Partenkirchen, der Sport-Club Bergisel und der Skiclub Bischofshofen. Präsident des Organisationskomitees ist Alfons Schranz aus Innsbruck. Dem Präsidium gehören außerdem Josef Geiger (Oberstdorf), Michael Maurer (Partenkirchen) und Hermann Schütter (Bischofshofen) an. Die Organisatoren berieten zu Beginn des 21. Jahrhunderts darüber, ob eine Erweiterung um eine fünfte Schanze aus der Schweiz vorgenommen werden sollte. Das wurde jedoch verworfen.

Termine[Bearbeiten]

Die Reihenfolge der Springen, beginnend in Oberstdorf, dann das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen, gefolgt von Innsbruck und dem Dreikönigsspringen in Bischofshofen, wurde bisher nur fünfmal nicht eingehalten. Im ersten Tournee-Jahr eröffnete das Neujahrsspringen (1953) die Veranstaltung. In den Jahren 1956, 1961 und 1962 fand das Springen in Innsbruck als zweites Springen noch im alten Jahr statt. 1971/72 wurden die Termine von Oberstdorf und Innsbruck getauscht.

Seit der Tournee 1972/73 wurde die Reihenfolge der Springen nicht mehr verändert. Das Neujahrsspringen fand mit einer Ausnahme (witterungsbedingte Verschiebung auf 2. Januar 1979) immer am Neujahrstag statt. Das Springen von Bischofshofen fand von 1975 bis 2006 immer am Dreikönigstag statt, auf Wunsch des Fernsehens im Jahr 2007 jedoch erst am 7. Januar, da dies ein Sonntag war. Die Termine von Oberstdorf und Innsbruck sind abhängig von den Wochentagen. Üblicherweise wird in Oberstdorf am 29. oder 30. Dezember gesprungen (in den Anfangszeiten der Tournee häufig auch an Silvester), in Innsbruck am 3. oder 4. Januar.

Modus[Bearbeiten]

Die Gesamtwertung der Tournee wird durch Addieren der Ergebnisse der vier Springen ermittelt. Dabei zählt die erzielte Punktzahl (Weite und Haltung), nicht die Platzierung oder die damit verbundenen Weltcup-Punkte.

Die Punktzahl setzt sich zusammen aus:

  • Sprungweite – Sprung bis zum K-Punkt der Schanze = 60 Punkte. Jeder weitere Meter ergibt 1,8 Plus-Punkte, bzw. Minus-Punkte bei Landung vor dem K-Punkt.
  • Haltung – Von den 5 Wertungsrichtern werden die drei mittleren Haltungspunktzahlen addiert. Die Höchste und die Niedrigste entfallen.
  • Windfaktor – Je nach Windverhältnissen können den Athleten Punkte gutgeschrieben oder abgezogen werden (z. B. Rückenwind führt zu Zusatzpunkten und Aufwind führt zu Abzug).
  • Gate – Es ist möglich, während des laufenden Wettbewerbs den Anlauf zu verlängern oder zu verkürzen. Wird der Anlauf verlängert, bekommen die nachfolgenden Springer Punkte abgezogen bzw. umgekehrt. Dies kann der Fall sein, wenn aufgrund starken Aufwinds die Springer zu weit nach unten auf den Aufsprunghügel fliegen können. Hierbei besteht erhöhte Sturzgefahr aufgrund der zu flachen Neigung der Landungsfläche.

Windfaktor und Gate wurden erstmals bei der Vierschanzentournee 2010/2011 eingeführt. Dieses System führt zu objektiveren Ergebnissen, wenngleich die äußeren Einflüsse nie komplett kompensiert werden können.

K.o.-System[Bearbeiten]

Eine der Besonderheiten der Vierschanzentournee ist das umstrittene K.-o.-System, nach dem die Springen der Vierschanzentournee im Gegensatz zu den anderen Weltcup-Wettbewerben, bei denen die besten 30 Springer des ersten Durchgangs in den zweiten Durchgang kommen, ausgetragen werden. Der K.-o.-Modus wird nur ausgetragen, wenn die Qualifikation am Vortag des Springens stattfindet. Muss die Qualifikation witterungsbedingt am Tage des Springens ausgetragen werden oder ganz entfallen, wird nach den Regeln normaler Weltcups gesprungen. Dies war zuletzt am 6. Januar 2012 in Bischofshofen der Fall.

Qualifikation[Bearbeiten]

Bei dem erstmals in der Saison 1996/97 eingesetzten Modus werden die für das Springen qualifizierten 50 Springer in 25 Paare eingeteilt, sodass immer zwei Springer gegeneinander springen. Dabei springt der 1. der Qualifikation gegen den 50., der 2. gegen den 49. usw. Deshalb ist auch die Qualifikation wichtiger als bei anderen Springen, da sie nicht nur über die Teilnahme am ersten Durchgang entscheidet, sondern durch die erreichte Platzierung auch das entsprechende Duell festlegt.

Allerdings sind die zehn Besten der Weltcup-Gesamtwertung (bis 2006/07 die 15 Besten) automatisch qualifiziert. Für sie geht es in der Qualifikation folglich nicht um die Teilnahme am Wettkampf, sondern um den Gegner, gegen welchen sie im K.-o.-System antreten müssen.

Wettkampf[Bearbeiten]

Der Sieger jedes der 25 Springerduelle kommt direkt in den zweiten Durchgang. Auch die fünf punktbesten Verlierer (sogenannte Lucky Loser) kommen weiter, sodass das Teilnehmerfeld für den zweiten Durchgang ebenfalls aus 30 Springern besteht. Im Fall der Punktgleichheit des fünftbesten Verlierers mit weiteren Springern, sind auch diese für den zweiten Durchgang qualifiziert, sodass so auch mehr als 30 Springer weitergekommen sind.

Bei diesem Modus ist es zum Beispiel möglich, dass der 12. des ersten Durchgangs ausscheidet (wenn er sein Duell verliert und es fünf bessere „Verlierer“ gibt), der 49. des ersten Durchgangs hingegen weiterkommt (wenn er sein Duell gewinnt und sein Gegner schlechtester ist). Es kommt deshalb immer wieder vor, dass Springer, die nach dem normalen Modus ausgeschieden wären, sich für den zweiten Durchgang qualifizieren, eigentlich qualifizierte Springer jedoch ausscheiden.

Wenn sich die Wetterbedingungen während eines Wettkampfes stark verändern, kann der K.-o.-Modus jedoch auch zu mehr Gerechtigkeit führen. So wird nämlich Athleten, deren Chancen auf das Erreichen des zweiten Durchgangs durch äußere Einflüsse wie z. B. Rücken- oder Seitenwind verringert werden, die Möglichkeit gegeben, sich auch über ein direktes Duell gegen einen Springer, der bei ähnlichen (da zeitnahen) Bedingungen springen muss, für den zweiten Durchgang zu qualifizieren. Andersherum müssen wetterbegünstigte Athleten ihr direktes Duell meist auch gegen in ähnlichem Maße wetterbegünstigte Springer bestreiten, sodass sich ihr Vorteil in Grenzen hält.

Sieger[Bearbeiten]

Pokal der Vierschanzentournee

Erfolgreichste Nationen[Bearbeiten]

In der Nationenwertung führt Deutschland mit 16 Gesamterfolgen (davon elf für die DDR) zusammen mit Finnland (auch 16 Siege) vor Österreich mit 15 und Norwegen mit zehn Erfolgen. Zweimal konnten Tschechen die Tournee gewinnen (davon einmal für die Tschechoslowakei). Je ein Sieg ging an Japan, Slowenien, Polen und an die Sowjetunion.

Gesamtsieger[Bearbeiten]

Janne Ahonen (Finnland) ist seit dem Jahr 2008 mit fünf Gesamtsiegen der erfolgreichste Teilnehmer der Vierschanzentournee. Ihm folgt mit vier Siegen Jens Weißflog (DDR/Deutschland). Dahinter liegen Helmut Recknagel (DDR) und Bjørn Wirkola (Norwegen) mit drei, sowie Jochen Danneberg (DDR), Matti Nykänen, Veikko Kankkonen (beide Finnland), Hubert Neuper, Ernst Vettori, Andreas Goldberger und Gregor Schlierenzauer (alle Österreich) mit zwei Gesamterfolgen.

Bei 17 Tourneen gab es Springer, die auf der drei der vier Schanzen gewinnen konnten. Bei der 50. Vierschanzentournee (2001/02) konnte Sven Hannawald (Deutschland) gar alle vier Einzelwettkämpfe einer Tournee gewinnen und damit den sogenannten Grand Slam im Skispringen schaffte. Er ist der erste und bisher einzige Springer, dem dies gelang (Stand 2014):

Springer, die bei einer Tournee mindestens 3-mal Tagessieger wurden
Tournee 1 2 3 4 Name*
1953/54 S S S NorwegenNorwegen Olaf B. Bjørnstad
1958/59 S S S Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Helmut Recknagel
1959/60 S S S DeutschlandDeutschland Max Bolkart
1962/63 S S S NorwegenNorwegen Toralf Engan
1966/67 S S S NorwegenNorwegen Bjørn Wirkola
1968/69 S S S NorwegenNorwegen Bjørn Wirkola
1970/71 S S S NorwegenNorwegen Ingolf Mork
1971/72 S S S JapanJapan Yukio Kasaya
1974/75 S S S OsterreichÖsterreich Karl Schnabl
1975/76 S S S OsterreichÖsterreich Toni Innauer
1983/84 S S S Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Jens Weißflog
1987/88 S S S FinnlandFinnland Matti Nykänen
1997/98 S S S JapanJapan Kazuyoshi Funaki
1999/00 S S S OsterreichÖsterreich Andreas Widhölzl
2001/02 S S S S DeutschlandDeutschland Sven Hannawald
2003/04 S S S NorwegenNorwegen Sigurd Pettersen
2004/05 S S S FinnlandFinnland Janne Ahonen
2008/09 S S S OsterreichÖsterreich Wolfgang Loitzl
* Grau hinterlegt sind die Springer, die trotz dreier Tagessiege am Ende der Tournee kein Gesamtsieger wurden.

Insgesamt 8-mal (Stand 2014) gab es einen Gesamtsieger, der auf keiner der Schanzen Tagessieger wurde:

  1. 1954/55: FinnlandFinnland Hemmo Silvennoinen
  2. 1955/56: SowjetunionSowjetunion Nikolai Kamenski
  3. 1969/70: Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Horst Queck
  4. 1970/71: TschechoslowakeiTschechoslowakei Jiří Raška
  5. 1971/72: NorwegenNorwegen Ingolf Mork
  6. 1986/87: OsterreichÖsterreich Ernst Vettori
  7. 1988/89: FinnlandFinnland Risto Laakkonen
  8. 1998/99: FinnlandFinnland Janne Ahonen

Bei der 54. Tournee (2005/06) gab es erstmals zwei Tourneesieger. Nach acht Sprüngen hatten Jakub Janda (Tschechien) und Janne Ahonen mit 1081,5 Punkten exakt die gleiche Punktzahl erreicht. Diese Punktzahl stellte damals den Rekord an erreichten Punkten eines Springers in der Geschichte der Vierschanzentournee dar. Dieser Rekord wurde zwei Jahre später von Ahonen auf 1085,8 Punkte und bei der Tournee 2008/09 von Wolfgang Loitzl (Österreich) auf 1123,7 Punkte verbessert.

Sieger auf allen Schanzen[Bearbeiten]

Bisher (Stand: 6. Januar 2013) ist es neun Springern gelungen, auf allen vier Schanzen mindestens einmal zu gewinnen:

Name Land Anzahl Siege Oberstdorf Garmisch-Partenkirchen Innsbruck Bischofshofen
Bjørn Wirkola NorwegenNorwegen Norwegen 10 1 3 3 3
Jens Weißflog Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR / DeutschlandDeutschland Deutschland 10 2 4 1 3
Janne Ahonen FinnlandFinnland Finnland 9 2 2 2 3
Gregor Schlierenzauer OsterreichÖsterreich Österreich 9 2 3 2 2
Matti Nykänen FinnlandFinnland Finnland 7 1 2 3 1
Helmut Recknagel Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR 6 1 1 2 2
Sven Hannawald DeutschlandDeutschland Deutschland 6 2 1 1 2
Veikko Kankkonen FinnlandFinnland Finnland 4 1 1 1 1
Hubert Neuper OsterreichÖsterreich Österreich 4 1 1 1 1

Anmerkungen:

  • Die Namen von noch aktiven Springern sind in der Liste fett gesetzt.

Sven Hannawald ist bisher der Einzige, dem es im Dezember 2001 in Oberstdorf sowie im Januar 2002 in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen gelang, alle Springen innerhalb einer Tournee zu gewinnen. Mit dem darauffolgenden Springen in Oberstdorf im Dezember 2002 hat er 2002 als einziger Springer auch alle vier Springen innerhalb eines Kalenderjahres gewinnen können und ist neben Helmut Recknagel (Innsbruck 1958, Bischofshofen 1958, Oberstdorf 1958, Garmisch-Partenkirchen 1959 und Innsbruck 1959) einer von zwei Springern, denen fünf Siege in Folge gelangen.

Sieger auf mehreren Schanzen[Bearbeiten]

Zwei noch aktive Springer waren auf drei Tournee-Schanzen bereits erfolgreich und es fehlt ihnen nur noch ein Sieg, um jedes Springen einmal gewonnen zu haben: Wolfgang Loitzl (Österreich) in Oberstdorf und Anders Jacobsen (Norwegen) in Bischofshofen.

Thomas Morgenstern, Andreas Goldberger (beide Österreich) und Kazuyoshi Funaki (Japan) haben je 5 Tournee-Springen, Jiří Raška (Tschechoslowakei), Toni Innauer, Andreas Widhölzl (beide Österreich), Jochen Danneberg, Dieter Thoma, Martin Schmitt (alle Deutschland) je 4 Tournee-Springen gewonnen, aber nicht auf allen Tournee-Schanzen.

Fernsehübertragungen[Bearbeiten]

Geschichte und aktuelle Situation[Bearbeiten]

Die Fernsehübertragungen bildeten einen wesentlichen Faktor zur schnellen Popularität der Vierschanzentournee. Bereits im Jahre 1956 übertrug der Bayerische Rundfunk in der ARD das Neujahrsspringen, ab 1960 wurden auch die anderen Stationen der Tournee im Fernsehen übertragen. Bis zu 25 Fernsehstationen übertragen heute die Tournee.

Mit der Qualifikation zum Neujahrsskispringen 2000 am 31. Dezember 1999 endete die Zusammenarbeit mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Deutschland. Seither war der Privatsender RTL der übertragende Sender in Deutschland. Kurz vor Saisonbeginn 2007/08 zog sich RTL von allen Wintersportveranstaltungen zurück, daraufhin übernahmen Das Erste und das ZDF wieder die Übertragungsrechte für Deutschland. In Österreich wird die Tournee schon immer vom ORF übertragen.

Kommerzialisierung[Bearbeiten]

In den letzten 20 Jahren stellte sich eine immer stärker werdende Kommerzialisierung der Vierschanzentournee ein, die teilweise auch einschneidende Regel- und Ablaufänderungen mit sich brachte. 1996/97 beispielsweise wurde der bisher gesprungene Modus durch das oft kritisierte K.-o.-System ersetzt.

Der Erwerb der Fernsehrechte durch den Privatsender RTL zog weitere gravierende Veränderungen mit sich: Nach und nach wurden zwei der vier Tourneespringen (in Oberstdorf und Bischofshofen) als Flutlichtspringen veranstaltet, da sich der Sender durch die Ausstrahlung am Abend höhere Quoten versprach.

Auch über eine verpflichtend zu springende Qualifikation für alle Springer, auch die besten 10 des Weltcups, wurde nachgedacht, um die Quoten für die Qualifikationsspringen zu verbessern. Überlegt wurde diese Maßnahme nach der Vierschanzentournee 2001/02, als Sven Hannawald als bereits qualifizierter Springer alle vier Qualifikationen ausließ und diese so nicht die erhofften Zuschauerzahlen brachten. Letztlich wurden diese Überlegungen aber wieder verworfen.

Die stattfindenden Durchgänge wurden während der RTL-Zeit immer wieder unterbrochen, um Werbung ausstrahlen zu können. Dies war nach den ersten 25 Springern im ersten Durchgang und nach jeweils zehn Springern im zweiten Durchgang der Fall. Obwohl zunächst betont wurde, kein Springer müsse aufgrund von Werbeunterbrechungen warten, wurden die nicht witterungsbedingten Unterbrechungen erst während der RTL-Zeit eingeführt, später jedoch unter anderem auch von ORF und ZDF genutzt, um Werbung ausstrahlen zu können. Während des Springens wurde auch immer wieder sogenannte Split-Screen-Werbung gezeigt.

Einen Traditionsbruch gab es 2007 mit der Verlegung des seit 31 Jahren am 6. Januar stattfindenden und deshalb auch „Dreikönigsspringen“ genannten abschließenden Springens in Bischofshofen. Durchgesetzt wurde diese Verlegung, da RTL sowohl Qualifikation (am 6. Januar) als auch Springen (am 7. Januar) am Wochenende übertragen wollte.[6]

Für die Vierschanzentournee 2013/2014 wird erstmals ein offizieller Song präsentiert. Den Titel "To The Sky" interpretiert die deutsche Popsängerin Juliette Schoppmann.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Katharina Scholz: Die Vierschanzentournee – Die Tournee als Auslaufmodell? In: Lars Nuschke: Vermarktungspotentiale des Spitzensports. Eine Betrachtung ausgewählter Fallbeispiele. Sierke Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-940333-31-5, S. 37–54.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vierschanzentournee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vierschanzentournee – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beilage zur Vierschanzentournee in der TV Movie vom Dezember 2003/Januar 2004
  2. ARD-Sporttext vom 28. Dezember 2003
  3. Zeitschrift „ski“ 2001
  4. Beilage zur TV Movie vom Dezember 2003/Januar 2004 und Beilage zur TV Movie vom Dezember 2004
  5. SKIJUMPING.de: Vierschanzentournee in neuem Gewand
  6. sueddeutsche.de: Tournee im Fernsehen – Dreikönig heißt jetzt 7. Januar
  7. Mit "To The Sky" präsentiert sie den offiziellen Song zur Vierschanzentournee!.