Polizeiruf 110

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Dieser Artikel behandelt die Fernsehserie, zum Polizeiruf (Notruf) siehe Notruf#Die Notrufnummern.
Seriendaten
Originaltitel Polizeiruf 110
(Österreich Polizeiruf 133)
Polizeiruf 110 Logo.svg
Produktionsland 1971–1990: DDR; seit 1990: Deutschland; 1994–1995: Österreich
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) seit 1971
Episoden 348+
Genre Kriminalfilm
Musik 1971–1972: ???[1]

1972-1973: ???
1973–1981 (1973 andere Version): Hartmut Behrsing
1981–1993 (ab 1987 und 1989 leicht verändert): Hartmut Behrsing
1993–1998: Peter Gotthardt

seit 1998 (2008 leicht verändert): Freddy Gigele
Erstausstrahlung 27. Juni 1971 auf DFF
Besetzung
  • 1971–1991: wechselnde Ermittlerteams
  • ab 1993: ein Ermittlerteam pro Sendeanstalt

→ Siehe Listen unter Ermittler

Logo von 1971–1973[2]
Logo von 1980–1990, wurde meist ohne den Text verwendet

Polizeiruf 110 ist eine deutschsprachige Kriminalfilmreihe, die seit 1971 im DFF (1972–1990: Fernsehen der DDR) produziert wurde und nach Auflösung des DFF ab 1993 von verschiedenen ARD-Anstalten fortgeführt wird. Der Polizeiruf 110 wurde am 27. Juni 1971 im Deutschen Fernsehfunk als Gegenstück zum westdeutschen Tatort zum ersten Mal gesendet und entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling in der DDR. Nach der Wende etablierte sich die Fernsehserie in der gesamtdeutschen Fernsehlandschaft. So erreichte sie 2011 in der Zielgruppe der Zuschauer ab drei Jahren einen durchschnittlichen Marktanteil von 16 Prozent (Median: 14,7 Prozent).[3]

Der Polizeiruf in der DDR (1971–1989)[Bearbeiten]

In den vom DDR-Fernsehen produzierten Episoden gab es kein festes Ermittlerteam; die Zusammenstellung der jeweils aktiven Kriminalisten erfolgte weitgehend zufällig und ohne Muster. Verbindendes Element war aber, dass in Folgen, in denen Oberleutnant beziehungsweise Hauptmann Fuchs mitwirkte, dieser stets der Chefermittler war. Als Grund für diese Diskontinuität gibt die Literatur an, dass die einzelnen Schauspieler zum Teil sehr zeitintensive anderweitige Verpflichtungen hatten, etwa Peter Borgelt am Deutschen Theater. Daher wurden die Polizeiruf-Folgen absichtlich so geschrieben, dass die einzelnen Ermittler nicht zwingend festgelegt waren, sondern problemlos gegeneinander ausgetauscht werden konnten. Deswegen war auch das Privatleben der Ermittler eher selten Teil der Handlung eines Polizeirufs. Ausnahmen bildeten hier z. B. die Folgen 55 Schuldig und 107 Kein Tag ist wie der andere.

Die Handlungsorte waren unabhängig von den jeweiligen Ermittlern über die ganze DDR von der Ostsee bis zum Erzgebirge verteilt. Sie wurden nie ausdrücklich festgelegt oder namentlich erwähnt, konnten aber mitunter aus den Umständen erschlossen werden. Diese Konstellation einer überregionalen Ermittlungsgruppe stimmte mit der kriminalistischen Realität in der DDR jedenfalls für Fälle einfacher Kriminalität nicht überein.

Unterschiedliche kleine und größere Verbrechen wurden aufgegriffen und dabei auch Themen wie Alkoholismus, Kindesmissbrauch und Vergewaltigung behandelt. Anders als bei heutigen Krimis, in denen Morde praktisch die Minimalverbrechen sind, kamen zwar auch beim Polizeiruf 110 Tötungsdelikte vor, jedoch beschäftigten sich die Ermittler in allen Bezirken der DDR überwiegend mit den häufigeren und weniger schweren Delikten wie Einbruch, Erpressung, Betrug, Diebstahl und Jugendkriminalität. Im Gegensatz zum Tatort, der sich eindeutig auf die polizeilichen Hauptpersonen konzentriert und auch deren Privatleben darstellt, stand in den früheren Polizeiruf-Filmen die polizeiliche Ermittlungsarbeit stärker im Vordergrund. Die Drehbuchautoren legten besonderen Wert auf die Darstellung des Täters und seiner Psyche sowie der Hintergründe der Tat. Reißerische Action-Sequenzen waren dagegen selten.

Der Polizeiruf war eine der Sendungen des DDR-Fernsehens, in denen Probleme und Missstände offen – wenngleich mit pädagogischem Charakter – angesprochen wurden. Nach der Biermann-Ausbürgerung 1976, als das DDR-Fernsehen stärker politisch kontrolliert wurde, mussten einige bereits produzierte Polizeiruf-Folgen zum Teil stark gekürzt werden, z. B. Der Einzelgänger.

Grundsätzlich hatten die Drehbuchautoren und die Regisseure im Polizeiruf mehr Möglichkeiten, um z. B. Gesellschaftskritik anzusprechen. Dies geschah oft in der Form von Rede und Gegenrede: Der Kriminelle führte seinen gesellschaftswidrigen Standpunkt aus und begründete ihn mitunter sogar einigermaßen nachvollziehbar, sogleich antwortete ihm jedoch ein in der jeweiligen Folge als Sympathieträger aufgebauter systemtreuer Bürger, der den entgegengesetzten Standpunkt vertrat. Fachberater vom Ministerium des Innern (MdI), dem auch die Deutsche Volkspolizei unterstand, wachten bereits während der Produktion darüber, dass die Inhalte, z. B. in sprachlicher Hinsicht systemkonform blieben und die Kriminalisten so dargestellt wurden, dass sie dem offiziellen Wunschbild weitgehend entsprachen. Die Polizisten wurden, mit einigen Ausnahmen in den späten 1980er-Jahren, weder rauchend noch Alkohol trinkend und auch nicht etwa lässig angezogen gezeigt.

Ein häufig vorkommendes Motiv – insbesondere auf Täterseite – war der Alkoholmissbrauch, der zu DDR-Zeiten ein gesellschaftlich großes Problem darstellte, aber in den Medien im Regelfall nur sehr abgemildert angesprochen wurde. Der Alkohol wurde als Mitursache für die kriminelle Entwicklung dargestellt, wobei er aber nie als Entschuldigung herhalten konnte.

Im Kreuzworträtselfall von 1988 wurde einer der bekanntesten Kriminalfälle der DDR-Geschichte, der als Kreuzworträtselmord bekannt gewordene sexuelle Missbrauch und Mord am siebenjährigen Lars Bense 1981 in Halle-Neustadt, nahezu authentisch nachgezeichnet.

Der Polizeiruf hatte bis 1989 mehrere Vorspannvarianten.[4][5] Am Anfang der Serie sah man zu Beginn des Vorspanns ein Telefon auf dem der Notruf 110 gewählt wird; anschließend sieht man eine Einsatzzentrale, in der ein Mann den Notruf entgegennimmt. Es folgen Aufnahmen eines Polizeiautos, eines Spürhundes und die Ermittlungsarbeit der Polizei wird beispielhaft dargestellt. Im Gegensatz zu den späteren Vorspannversionen wurde hier der Titel Polizeiruf 110 noch ausgeschrieben und die Darsteller der Ermittler wurden namentlich aufgeführt. Nach wenigen Episoden wurde die Musik ausgetauscht, das Bildmaterial wurde jedoch weiter verwendet. Mit der ersten Farbfolge Gesichter im Zwielicht gab es auch einen neuen Vorspann, mit der Musik von Hartmut Behrsing. Zu Beginn sieht man mehrere Einsatzfahrzeuge beim Verlassen der Zentrale. Es folgen Aufnahmen von den Ermittlern Arndt, Fuchs, Hübner und Subras im Einsatz. Der Vorspann wurde teilweise auch in den folgenden schwarz-weiß Folgen eingesetzt und war bis 1980 zu sehen. Der Serientitel wird nicht mehr vollständig genannt; man sieht nur noch die Zahlen 110. 1981 wurde dann eine neue Titelmusik eingeführt, die wiederum von Hartmut Behrsing komponiert wurde und bis zum Ende der Reihe beim DFF mit minimalen Veränderungen beibehalten wurde. Der Vorspann beginnt mit mehreren Einsatzfahrzeugen, die mit Blaulicht unterwegs sind. Es folgen unterschiedliche Sequenzen, in denen die Ermittler bei ihrer Arbeit zu sehen sind. Anfangs sieht man neben Arndt, Fuchs und Hübner Oberleutnant Bergmann; in späteren Folgen Grawe und Zimmermann. Auch hier wurden, mit Ausnahme der Crossover-Folge Unter Brüdern, nur die Zahlen 110 eingeblendet.

Die Wende-Zeit (1989–1991)[Bearbeiten]

Wie wohl keine andere Serie reflektierte der Polizeiruf die Wendezeit in der DDR, obwohl nur drei Filme (Unter Brüdern, Das Duell und Thanners neuer Job) direkt auf die Ereignisse Bezug nehmen. In den meisten Fällen muss man sehr genau auf die Veränderungen achten: Da hängt eine Parteiparole in Tod durch elektrischen Strom schief an der Wand, oder Hübner entgegnet zwei Lehrern, dass er es sich durchaus vorstellen könne, dass ein Mensch nur aufgrund seiner Fähigkeiten einen Beruf ergreifen kann und nicht aufgrund seiner Gesinnung (Zerstörte Hoffnung) – Dinge, die erst nach der Absetzung Honeckers möglich wurden. Auch „Vereinigungskriminalität“, Rechtsextremismus und soziale Probleme nach der Deutschen Einheit wurden thematisiert. Ab Allianz für Knete[6] haben die Ermittler neue, den westdeutschen Beamten entsprechende, Ränge und die bevorstehende mögliche Verbeamtung wird in Nebensätzen häufiger erwähnt (z.B.: Todesfall im Park).

In Unter Brüdern spielen erstmals zwei westdeutsche (Tatort-)Kommissare eine maßgebende Rolle, die Polizeiruf-Ermittler hatten hier aber noch die Zügel fest in der Hand und entscheiden auf ihrem Gebiet selbstständig. Der Film kommt allerdings nicht ohne Klischees aus: Fuchs ist – für ihn völlig untypisch – bei der Ankunft im Westen stockbesoffen und lässt Schimanski und Thanner einen Bruderkuss zukommen (in der DDR, außer bei Treffen zwischen hohen Politikern aus dem Ostblock, völlig unüblich!). Die DDR wird von Thanner außerdem als „Zone“ bezeichnet und am Ende des Films kommt es zur Ordensverleihung. In diesem Film werden die Polizeiruf-Kriminalisten deutlich von den Mitarbeitern des MfS abgegrenzt. Dabei stellt der MfS-Oberst Dörfler (Ulrich Thein) die alte DDR dar, die von der erneuerten, in Gestalt von Fuchs, in die Zange genommen wird. Auch in Das Duell gibt es diese deutliche Abgrenzung (Beck und Böhme gegen den MfS-Oberst Reuter), die den Polizeiruf-Kommissaren den Übergang in das vereinigte Deutschland ermöglicht.[7] Die Maßnahmen des MfS im Herbst '89 werden u.a. von Beck scharf kritisiert. Auch zeigt Hauptmann Beck, wie die Polizei sich der neuen Zeit und dem neuen Verständnis von Bürgerrechten anpassen muss. Es dürfen z.B.: Zeugen nicht mehr einfach „zugeführt“ werden; die Ermittler müssen sie nun persönlich aufsuchen („… wie sollen wir denn so arbeiten?“). Das Duell ist einer der wenigen Filme, in denen die Ereignisse des Herbstes 1989 aus Sicht der demokratisierten DDR aufgearbeitet werden.

Thanners neuer Job liefert erstmals einen gesamtdeutschen Blick. Mit Thanner bekommen die DDR-Ermittler einen westdeutschen Vorgesetzten, der allerdings sehr besonnen auftritt. Die alte DDR wird am Beispiel des alten Vorgesetzten Fuchs abgewickelt; er ist nicht mehr der Chef der Einsatzgruppe und er hat auch keine Macht mehr über die Jugendlichen Straftäter, sondern wird von ihnen gedemütigt. Er tritt am Ende des Filmes kommentarlos und resigniert ab, wissend, dass er im neuen Staat überflüssig geworden ist.

In den Wendejahren wurde der Vorspann der Polizeiruf-Filme erneut mehrfach modifiziert:[4][5] Ab 1989 wurde die Titelmusik von Hartmut Behrsing leicht verändert. Diese Version behielt man bei, als 1991 eine vollständig neuer Vorspann erstellt wurde. Der Mode entsprechend verschwanden DDR-typische Dinge fast vollständig: Man sieht ausschließlich PKWs aus der Bundesrepublik Deutschland und sämtliche DDR-Symbole wurden beseitigt. Der Vorspann wurde jedoch nicht konsequent eingesetzt, sodass der alte immer wieder zu sehen war. Teilweise wurde auch der alte Vorspann mit neuen Bildern aus den jeweiligen Episoden kombiniert und der Helikopter der Volkspolizei durch einen moderneren westdeutschen Hubschrauber oder andere Szenen ersetzt.

Der Polizeiruf seit 1991[Bearbeiten]

Als der DFF nach dem Ende der DDR zum 31. Dezember 1991 aufgelöst wurde, war eine Fortzsetzung des Polizeirufs zunächst fraglich, nachdem die zwei ersten Filme der neuen Kommissare Ehrlicher und Kain, die noch vom DFF produziert worden waren, als Filme des westdeutschen Pendant Tatort ausgestrahlt wurden.[8][9] 1993 rief man dann aber, aufgrund des gesamtdeutschen Erfolgs alter Polizeiruf-Filme, nach anderthalbjähriger Pause die Reihe wieder ins Leben.[10] Zunächst produzierten die neuen ARD-Anstalten MDR und ORB sowie der NDR, der in Mecklenburg-Vorpommern den DFF ersetzte, neue Polizeiruf-Folgen. Die Filme des ORB wurden anfangs gemeinsam mit dem SFB produziert. Die Erstausstrahlung findet seit 1993 in der Regel sonntags im Ersten abwechselnd mit dem Tatort statt.

Während der MDR zunächst auf die bisherigen Kriminalisten Beck, Raabe, Grawe und Hübner setzte, kamen im ORB/SFB und NDR neue Teams (Voigt/Hoffmann und Groth/Hinrichs) zum Einsatz, die aber durchaus eine DDR-Vergangenheit hatten. 1996 führte der MDR dann mit Schmücke und Schneider erstmals neue Kommissare ein. 1997 wurde mit Günter Naumann (Beck) der letzte Ermittler, der schon zu DDR-Zeiten im Dienst war, abgesetzt.[11][12] Mittlerweile sind auch sämtliche „Nachwende“-Ermittler in den Ruhestand versetzt worden: Am längsten im Einsatz waren Hinrichs (31 Fälle in 15 Jahren)[13] und das Team Schmücke und Schneider mit 50 Einsätzen in 17 Jahren.[14]

Relativ schnell kamen auch Produktionen westdeutscher und österreichischer TV-Anstalten hinzu; alle außer dem BR sind mittlerweile jedoch wieder ausgestiegen. Heute hat jede der produzierenden regionalen Sendeanstalten, zurzeit MDR, RBB (ehemals ORB), BR und NDR, ein eigenes Ermittlerteam, das jeweils im Zuständigkeitsbereich des Senders ermittelt und meist an eine Stadt gebunden ist.

Das Konzept der neuen Polizeirufe ähnelt der Tatort-Reihe; als wesentliches Verbrechen werden nun Morde behandelt, allerdings wird auch häufig (im Gegensatz zum Tatort) aufgrund anderer Verbrechen ermittelt (vor allem in den Filmen des NDR und ORB).[15]

1993[16] nutzte man noch die alte Erkennungsmelodie von Hartmut Behrsing im Vorspann. Man zeigte jetzt aber Szenen aus den aktuellen Episoden.[4] Diese Variante wurde zusammen mit der Titelmusik nach wenigen Filmen ersetzt. Im neuen Vorspann mit der Musik von Peter Gotthardt[17] sah man zunächst stark verfremdete Szenen einer Stadt. Anschließend wurden Gesichter aus den Fotos unterschiedlicher Personen zusammengesetzt und danach entstanden aus einem stilisierten Fingerabdruck ein angedeutetes Labyrinth, das ARD-Logo und schließlich der Serientitel.[18]

Ab Episode 204 (1998) wurden ein komplett neuer Vorspann verwendet. Man sah wieder Actionszenen verschiedener Episoden, und die Titelmelodie wurde durch eine Neukomposition von Freddy Gigele ersetzt. Zehn Jahre später wurde der Vorspann etwas modernisiert. Der Polizeiruf verfügt damit über mittlerweile acht verschiedene Vorspannvarianten die sich voneinander stark unterscheiden (sowohl Bild als auch Musik) und die Wiedererkennbarkeit, im Gegensatz zum Tatort, einschränken.[19][20]

Ermittler[Bearbeiten]

Aktuelle Ermittler[Bearbeiten]

(Stand: 14. Dezember 2014)

Jahr Sender Ermittler Schauspieler Stadt Anzahl der Folgen Bild
seit 1998 RBB Olga Lenski (KHK) (seit 2011) und Horst Krause (PHM) Maria Simon und Horst Krause Dienststelle in Potsdam, Fälle wechselnd in Brandenburg 24 (Krause), davon 4 mit Rosenbaum, 12 mit Herz, 7 mit Lenski und 1 mit Rusch als Schwangerschaftsvertretung für Lenski Maria SimonHorst Krause
seit 2010 NDR Alexander „Sascha“ Bukow (KHK) und Katrin König (KHK, LKA-Analytikerin) Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau Rostock 10 Charly HübnerAnneke Kim Sarnau
seit 2011 BR Hanns von Meuffels (KHK) Matthias Brandt München 8, davon 5 mit Burnhauser Matthias Brandt
seit 2013 MDR Doreen Brasch (KHK) und Jochen Drexler (KHK) Claudia Michelsen und Sylvester Groth Magdeburg 3 Claudia MichelsenSylvester Groth

Abkürzungen: KHK = KriminalhauptkommissarIn, PHM = Polizeihauptmeister

Liste der ehemaligen Ermittler[Bearbeiten]

  • Stand: 15. Juli 2013

DFF/Fernsehen der DDR[Bearbeiten]

Jahr Ermittler Schauspieler Anzahl der Folgen
1971–1991 Peter Fuchs (OL, später HM, dann KHK) Peter Borgelt 85
1971–1983 Vera Arndt (L) Sigrid Göhler 47
1972–1994 Jürgen Hübner (OL, später KOK) Jürgen Frohriep 65, davon 64 DFF
1973–1977 Lutz Subras (VP-M) Alfred Rücker 28
1978-1980 Woltersdorf (L) Werner Tietze 8
1981–1991 Manfred Bergmann (OL) Jürgen Zartmann 5
1982–1988 Wolfgang Reichenbach (OL, später HM ) Friedhelm Eberle 6
1983–1991 Lutz Zimmermann (OL, später KOK) Lutz Riemann 25
1984–1995 Thomas Grawe (L, später OL, dann KOK) Andreas Schmidt-Schaller 32, davon 30 DFF
1987–1991 Wolfgang Dillinger (OL) Wolfgang Dehler 2
1987–1988 Reger (HM) Klaus Gendries 2
1988–1997 Günter Beck (HM, später KHK) Günter Naumann 11, davon 6 DFF
1989 Ikser (L) Anne Kasprik 1
1991–1994 Joachim Raabe (KOK) Michael Kind 3, davon 1 DFF

Abkürzungen: HM = Hauptmann, HK = Hauptkommissar, OL = Oberleutnant, L = Leutnant, VP-M = Meister der Volkspolizei, KHK = Kriminalhauptkommissar, KOK = Kriminaloberkommissar

ARD und ORF[Bearbeiten]

Jahr Sender Ermittler Schauspieler Stadt Anzahl der Folgen Bild
1972–1994 MDR Jürgen Hübner (OK) Jürgen Frohriep Leipzig 64, davon 1 MDR
1994 ORB Kochan (KHK) Michael Greiling Potsdam 1
1995 MDR Martin Markwardt (KK) Til Schweiger Saalfeld 1 Til Schweiger (2009)
1986–1995 MDR Thomas Grawe (OK) Andreas Schmidt-Schaller Halle (Saale), Dresden 31, davon 2 MDR
1988–1997 MDR Günter Beck (KHK) Günter Naumann Halle (Saale) 11, davon 5 MDR
1991–1994 MDR Joachim Raabe (OK) Michael Kind Leipzig 3, davon 2 MDR
1993–1998 ORB/SFB Tanja Voigt (KHK) Katrin Sass Potsdam 10 Katrin Sass
1993–1995 ORB/SFB Jens Hoffmann (KK) Dirk Schoedon Potsdam 4
1994–1995 ORF Gerhard Wallek (Inspektor) Helmut Berger Wien 2
1994–2000 NDR Kurt Groth (OK) Kurt Böwe Schwerin 14 Kurt Böwe
1994–1998 SDR Vera Bilewski (KHK) Angelica Domröse Ichtenheim,[21] Heilbronn 3 Angelica Domröse
1995–2004 WDR Karl-Heinz Küppers (PHM) Oliver Stritzel Volpe (Bergisches Land)[22] 8 Oliver Stritzel
1995–2004 WDR Sigurd „Siggi“ Möller (POM) Martin Lindow Volpe (Bergisches Land)[22] 8 Martin Lindow
1997–2000 BR Dr. Silvia Jansen Gaby Dohm München, Nürnberg 6 Gaby Dohm
1998–2003 HR Rene Schlosser (KHK) Dieter Montag Offenbach am Main 6
1998–2002 HR Robert Grosche (KK) Oliver Stokowski Offenbach am Main 5 Oliver Stokowski bei der Verleihung des Grimme-Preises 2014
1998–2000 HR Carol Reeding (KHK) Chantal de Freitas Offenbach am Main 3
2001–2003 Dennenesch Zoudé 3
2002–2003 HR Simone Dreyer (KHK) Barbara Rudnik Offenbach am Main 2 Barbara Rudnik
1999–2002 ORB Wanda Rosenbaum (KHK) Jutta Hoffmann Potsdam 4 Jutta Hoffmann
2000–2002 NDR Holm Diekmann (KHK)[23] Jürgen Schmidt Schwerin 5
2003–2005 NDR Tobias Törner (KHK) Henry Hübchen Schwerin 5 Henry Hübchen
2004–2008 HR Thomas Keller (KHK) Jan Gregor Kremp Bad Homburg vor der Höhe 4 Jan Gregor Kremp
1994–2009 NDR Jens Hinrichs (KHK) Uwe Steimle Schwerin 31 Uwe Steimle
2006–2009 NDR Markus Tellheim (KHK) Felix Eitner Schwerin 7
1998–2009 BR Jürgen Tauber (KHK) Edgar Selge München 20 Edgar Selge
2001–2009 BR Jo Obermaier (KHK) Michaela May München 17 Michaela May
2009 BR Friedrich Papen (KHK) Jörg Hube München 1[24]
2009–2010 BR Uli Steiger (HM, später KHK) Stefanie Stappenbeck München 3 Stefanie Stappenbeck
2001–2010 RBB Johanna Herz (KHK) Imogen Kogge Potsdam 12
2012 RBB Tamara Rusch (KHK) Sophie Rois Potsdam 1[25]
1996–2013 MDR Herbert Schmücke (KHK) Jaecki Schwarz Halle (Saale) 50 Jaecki Schwarz
1996–2013 MDR Herbert Schneider (KHK) Wolfgang Winkler Halle (Saale) 50
2010–2013 MDR Nora Lindner (KOK) Isabell Gerschke Halle (Saale) 8
2011–2013 BR Anna Burnhauser (PM) Anna Maria Sturm München 5 Anna Maria Sturm

Abkürzungen: KHK = KriminalhauptkomissarIn, KOK = KriminaloberkommissarIn, KK = KriminalkommissarIn, OK = OberkommissarIn, PHM = Polizeihauptmeister, POM = Polizeiobermeister, HM = Hauptmann der Bundeswehr, PM = PolizeimeisterIn

Polizeiruf-110-Folgen[Bearbeiten]

Wiederholungen und verschollene Folgen[Bearbeiten]

Die Polizeiruf-Folgen werden seit der Wende unregelmäßig in verschiedenen dritten Programmen der ARD und auf 3sat wiederholt. Einige Filme gelten als verschollen oder sind nur noch fragmentarisch vorhanden:

  • Folge 02 Die Schrottwaage (1971) liegt nur in Fragmenten in einer Gesamtlänge von etwa 10 Minuten vor.
  • Folge 03 Die Maske (1972), ist komplett verschollen.
  • Folge 33 Der Spezialist (1975) liegt derzeit nur ohne Ton vor und ist daher nicht sendefähig.
  • Die Folge Im Alter von … (angeregt durch den Fall Erwin Hagedorn), gedreht 1974 und auf Erlass der Programmverantwortlichen des DDR-Fernsehens bis auf das unvertonte Kameranegativ vernichtet, wurde 2011 vom MDR nachsynchronisiert. Da die meisten der damaligen Darsteller inzwischen verstorben waren oder mittlerweile zu alt klangen, wurden sie von aktuellen und ehemaligen Kommissaren und Ermittlern der Polizeiruf-Reihe gesprochen. Die Erstausstrahlung erfolgte am 23. Juni 2011 und wurde von 1,89 Millionen Zuschauern gesehen.[26]

Eine weitere Folge, Rosis Mann (Arbeitstitel: Das zweite Arbeitsverhältnis) mit dem Ermittlerteam Hauptmann Fuchs und Oberleutnant Lutz Zimmermann wurde vom 11. März bis 30. April 1984 von der DEFA u.a. in Berlin und Umgebung sowie in Magdeburg gedreht und auch komplett sendefähig produziert. Der Film sollte ursprünglich noch 1984 ausgestrahlt werden. Da allerdings nach Beendigung der Dreharbeiten, aber noch vor dem geplanten Sendetermin drei Darsteller illegal in die Bundesrepublik ausreisten, wurde der gesamte Film offenbar vernichtet.[27]

Gesperrte Folge[Bearbeiten]

Obwohl die Aufsichtsgremien der ARD die Polizeiruf-110-Folge Samstags, wenn Krieg ist (SDR) schon nach der Erstausstrahlung am 18. September 1994 aufgrund der exzessiven Gewaltdarstellung kritisierten, liefen Wiederholungen der Folge bis 2002 mehrfach im Fernsehen. Die Folge wurde wegen der missverständlich aufgenommenen Darstellung von Gewalt, des subjektiven Eindrucks der Nähe zu rechtsradikalem und nationalsozialistischem Gedankengut sowie teilweise äußerster Brutalität vom Fernsehdirektor des SWR am 27. Dezember 2006 bis auf Weiteres gesperrt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Zwischen dem Polizeiruf und anderen Produktionen des DDR-Fernsehens gab es verschiedentlich auch kleine Crossover. So verkörperte Jürgen Frohriep 1974 abseits des Polizeiruf auch in dem dreiteiligen Fernsehfilm Der Leutnant vom Schwanenkietz den Oberleutnant Jürgen Hübner.

1987 gab es ein Crossover mit der Reihe Der Staatsanwalt hat das Wort, in deren 118. Folge Himmelblau oder Hans im Glück Andreas Schmidt-Schaller als Leutnant Grawe auftrat.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fälle, Fakten. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-360-00958-4
  • Peter Hoff: Das große Buch zum Polizeiruf 110. Eulenspiegel, Berlin 1996, ISBN 3-359-00801-4
  • Andrea Guder: Das Kriminalgenre im Fernsehen der DDR; Aktueller Forschungsstand und Auswahlbibliographie. HALMA. Hallische Medienarbeiten 3, 1996 (PDF, 155 KB)
  • Reinhold Viehoff (Hrsg.): Stahlnetz, Tatort, Polizeiruf 110: Transitions in German Police Series. HALMA. Hallische Medienarbeiten 8, 1998 (PDF, 106 KB, englisch)
  • Karin Wehn: Deutsche Krimitraditionen im Überblick: Krimi-Reihen und -Serien im dualen Rundfunksystem. HALMA. Hallische Medienarbeiten 9, 1998 (PDF, 170 KB)
  • Andrea Guder: Genosse Hauptmann auf Verbrecherjagd – Die DDR-Krimireihe „Polizeiruf 110“ (PDF, 120 KB)
  • Tina Blase: Die Bad-Homburg-Folgen. Societätsverlag Frankfurt 2008, ISBN 978-3-7973-1104-7

Dokumentationen Hörfunk/TV[Bearbeiten]

  • Thomas Gaevert: Eher regnet es Tinte … – Der Mordfall Hagedorn und ein verbotener Film. Hörfunk-Dokumentation, 55 Minuten; Produktion: Südwestrundfunk 2010; Erstsendung: 3. November 2010
  • Matthias Ehlert, Thomas Gaevert, Lutz Pehnert: 40 Jahre Polizeiruf – Eine Erfolgsstory. TV-Dokumentation, 43 Minuten; Produktion: MDR/Urlass-Film 2011; Erstsendung: 23. Juni 2011, MDR

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Polizeiruf 110 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. wahrscheinlich Wolfgang Pietsch, der die Musik für die ersten Filme schrieb
  2. letztmals in „Alarm am See“ 1973
  3. Quelle: AGF/GfK Fernsehpanel
  4. a b c Video mit allen Vorspannversionen zwischen 1971 und 1993
  5. a b Video mit allen Vorspannversionen zwischen 1971 und 1991
  6. egtl. ab „Unter Brüdern“ aber in „Das Duell“ ist Beck wieder Hauptmann und nicht Hauptkommissar
  7. Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fakten, Fälle. Das Neue Berlin, Berlin 2001, S. 189-194.
  8. Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fakten, Fälle. Das Neue Berlin, Berlin 2001, S. 202.
  9. Tine Welke: 17 Jahre deutsche Einheit im Spiegel der MDR-TATORT-Produktionen. Inszenierung von ostdeutscher Identität, S.125, Wien 2011; online
  10. Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fakten, Fälle. Das Neue Berlin, Berlin 2001, S. 203.
  11. "Abschied mit Zähneknirschen" von Torsten Wahl in Berliner Zeitung, 8. März 1997
  12. Beck erlebte in der Serie "Soko Leipzig" in der Folge "Mordsache Jugendclub" (2009) ein Comeback, der Name wurde allerdings in Hauptmann Larsen geändert
  13. "Uwe Steimle: Der Gekränkte" von Stefan Locke in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2009
  14. "Kommissar Schmücke geht in Rente" von Katja Hübner in Tagesspiegel, 3. März 2013
  15. zB.: Drogenhandel in Tod im Kraftwerk (155), Viehdiebstahl in Bullerjahn (158), Falschgeld in Über Bande (167), Banküberfall in Taxi zur Bank (168), Überfall in einer Post in Der Fremde (188), Betrug in Das Wunder von Wustermark (196), Brandstiftung und Erpressung in Über den Dächern von Schwerin (212)
  16. außer in "In Erinnerung an …", obwohl auch Bilder aus dieser Episode zu sehen sind
  17. "Spurensuche 110" in "Polizeiruf 110", 1975-1976, Box 5; auf Peter Gotthardt: The Best Of Filmmusik 1990 – 97 veröffentlicht
  18. U.a. bei den Filmen mit Groth und Hinrichs wurde der alte Vorspann mittlerweile durch die ab 1998 genutzte Fassung ersetzt. Das 16:9 Format passt dabei meist nicht zum Film.
  19. Peter Hoff: Polizeiruf 110. Filme, Fakten, Fälle. Das Neue Berlin, Berlin 2001, S. 203.
  20. Video mit allen Vorspannversionen zwischen 1993 und heute
  21. fiktiver Ort
  22. a b Drehorte für den fiktiven Handlungsort Volpe im Bergischen Land waren zunächst Lindlar und Overath. Weitere Szenen der ersten Folge entstanden in Bergisch Gladbach, Köln, München, Eggelsburg bei Ebersberg und Forstenrieder Park. Danach sollte Brilon (Sauerland) den Handlungsort Volpe repräsentieren, wo – zunächst überwiegend – zwei Folgen gedreht wurden. Weitere Szenen entstanden in Drehorten in Bayern. Die Handlung der vierten Folge spielte fast komplett auf der Insel Mallorca. In den restlichen – ab 2000 gesendeten – Folgen des WDR waren immer weniger Briloner Motive zu sehen. Zahlreiche Szenen wurden in und um München, in Münsing am Starnberger See, Putzbrunn und in Österreich gedreht. In der allerletzten Folge war Brilon nur mit der Anfangs-Szene auf dem Marktplatz sowie einigen Motiven zu sehen.
  23. Im ersten Film 222 Die Macht und ihr Preis als Robert Dieckmann
  24. War gemeinsam mit Stefanie Stappenbeck als Nachfolger von Edgar Selge und Michaela May als Münchner Ermittler vorgesehen, konnte vor seinem Tod jedoch nur eine Folge drehen.
  25. Tamara Rusch war die Schwangerschaftsvertretung für Lenski
  26. Uwe Mantel: Großes Interesse an einst verbotenem „Polizeiruf“; DWDL.de vom 24. Juni 2011
  27. Private Recherche-Ergebnisse des Teams von www.polizeiruf110-lexikon.de sowie Schriftgut des Deutschen Rundfunkarchivs Potsdam-Babelsberg