Axinit

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Axinit
Axinite-60191.jpg
Axinit vom Piz Vallatscha, Kanton Graubünden, Schweiz (Größe: 4,0 x 3,8 x 3,2 cm)
Chemische Formel

siehe Einzelminerale

Mineralklasse Gruppensilikate (Sorosilikate)
9.BD.20 (8. Auflage: VIII/C.08) nach Strunz
56.02.02 nach Dana
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin triklin-pinakoidal; 1
Farbe Gelb, Gelb-Orange, Blassblau, Grau, Lilabraun, Schwarz
Strichfarbe Weiß
Mohshärte 6 bis 7
Dichte (g/cm3) siehe Einzelmineral
Glanz glasig
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen {010}
Bruch muschelig
Habitus keil- bis axtförmige (Name) Kristalle
Häufige Kristallflächen {111} {100} {201} {110}
Kristalloptik
Brechungsindex Axinit-(Fe), -(Mn), -(Mg): nα = 1,672 bis 1,693 nβ = 1,677 bis 1,701 nγ = 1,681 bis 1,704[1][2][3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,009 bis 0,011[1][2][3]; zweiachsig negativ
Optischer Achsenwinkel 2V = 69° bis 87° (gemessen), 62° bis 82° (berechnet)[1][2][3]
Pleochroismus stark, olivgrün-rotbraun-gelbbraun
Weitere Eigenschaften
Ähnliche Minerale Andalusit, Baryt, Rauchquarz, Titanit
Besondere Kennzeichen bei höheren Mangangehalten rote Fluoreszenz

Axinit (auch Thumerstein oder Thumit) ist die Sammelbezeichnung für eine Gruppe nicht näher spezifizierter Minerale aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es handelt sich um die Endglieder einer Mischkristallreihe mit folgender Zusammensetzung:

  • Axinit-(Fe) (ehemals Ferro-Axinit): Ca2Fe2+Al2B[4][O|OH|(Si2O7)2][4]
  • Axinit-(Mg) (Magnesio-Axinit) Ca2MgAl2B[4][O|OH|(Si2O7)2][4]
  • Axinit-(Mn) (Manganaxinit) Ca2Mn2+Al2B[4][O|OH|(Si2O7)2][4]

Als Zwischenglied zählt noch Tinzenit mit der Zusammensetzung (Ca,Mn2+)2(Mn2+,Fe2+)Al2B[O|OH|(Si2O7)2][5] zu dieser Mineralreihe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Manche manganreiche Proben weisen rote Lumineszenz auf.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Axinit wurde erstmals vom französischen Mineralogen René-Just Haüy 1797 beschrieben, der das Mineral nach seiner oft charakteristischen, axt- bzw. beilähnlichen Kristallform (altgriechisch ἀξίνη axíne[6]) benannte.[7]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörten die Minerale der Axinit-Gruppe mit der System-Nr. VIII/C.08 zur Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet die Axinit-Gruppe ebenfalls in die Abteilung der „Gruppensilikate (Sorosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatgruppen, so dass die in die Gruppe einsortierten Minerale entsprechend ihrem Aufbau in der Unterabteilung „Si2O7 Gruppen mit zusätzlichen Anionen; Kationen in tetraedrischer [4] und/oder anderer Koordination“ zu finden sind. Die Axinit-Gruppe trägt hier die System-Nr. 9.BD.20.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Axinit-Gruppe in die Abteilung der „Gruppensilikate“ ein. Hier ist sie mit der System-Nr. 56.02.02 innerhalb der Unterabteilung „Gruppensilikate: Si2O7-Gruppen und O, OH, F und H2O mit Kationen in [4] und/oder >[4]-Koordination“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Milchquarz (weiß), Klinozoisit (grün) und Axinit-(Fe) (hellviolett) vom Steinbruch Geigenberg bei Kirchham/Maishofen, Salzburg, Österreich (Größe: 11,5 x 8,1 x 5,7 cm)
Axinit-(Mn) mit Rhodonit (rosa) und Quarz (farblos) aus Pachapaqui, Provinz Bolognesi, Peru (Gesamtgröße der Stufe: 4,8 x 3,6 x 2 cm)

Axinite bilden sich vorwiegend durch hydrothermale Vorgänge und durch Kontaktmetamorphose in alpinen Klüften und kalkhaltigen Gesteinen. Als Begleitminerale treten unter anderem Aktinolith, Albit, Andradit, Calcit, Chlorite, Datolith, Epidot, Hedenbergit, Klinozoisit, Prehnit, Quarz, Tremolit, Turmaline, Vesuvianit und Zoisit auf.

Axinit kommt im Allgemeinen eher selten vor, das heißt, er kann an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Am weitesten verbreitet ist Axinit-(Fe) mit rund 230 bekannten Fundorten[1], gefolgt von Axinit-(Mn) mit rund 60[3] und Axinit-(Mg) mit etwa 10 bekannten Fundorten[2] (Stand: 2012).

In Deutschland traten Axinit-(Fe) und Axinit-(Mn) bisher nur im Harz (Bad Harzburg, Treseburg), wobei der Harz für den Axinit-(Mn) als Typlokalität gilt. Außerdem wurde es früher auch in der Gegend um Thum im sächsischen Erzgebirge gefunden, woher auch der Name Thumerstein oder Thumit rührt.

In Österreich fand sich Axinit-(Fe) an mehreren Orten in Kärnten (Koralpe, Saualpe) und Salzburg (Hohe Tauern, Saalfelden), Axinit-(Mg) dagegen bisher nur bei Schwallenbach in Niederösterreich.

In der Schweiz konnte Axinit-(Fe) unter anderem bei Steinibach (Elm GL, Glarus) sowie an mehreren Orten in den Kantonen Graubünden, Tessin, Uri und Wallis nachgewiesen werden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Namibia, Neuseeland, Norwegen, Pakistan, Peru, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, der Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Borosilikat-Anionenkomplex des Axinit: grau: SiO4-Tetraeder; orange: BO4-Tetraeder

Alle Minerale der Axinit-Gruppe kristallisieren triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2), unterscheiden sich jedoch aufgrund der leicht unterschiedlichen Ionenradien von Eisen (82 pm), Magnesium (91 pm) und Mangan (78 pm)[8] in den jeweiligen Gitterparametern:

  • Axinit-(Fe): a = 7,16 Å; b = 9,20 Å; c = 8,96 Å; α = 91,8°; β = 98,1° und γ = 77,3°[4]
  • Axinit-(Mg): a = 7,14 Å; b = 9,16 Å; c = 8,94 Å; α = 91,9°; β = 98,1° und γ = 77,5°[4]
  • Axinit-(Mn): a = 7,16 Å; b = 9,18 Å; c = 8,96 Å; α = 92,0°; β = 98,3° und γ = 77,3°[4]

Die Anzahl der Formeleinheiten pro Elementarzelle beträgt jeweils zwei.

Die Axinit-Struktur kann als Abfolge von Borosilikat-Tetraederschichten und Schichten oktaedrisch koordinierter Kationen (Al, Fe, Ca, Mn, Mg) beschrieben werden.[9]

Silizium (Si) und Bor (B) sind tetraedrisch von vier Sauerstoffen (O) umgeben. Jeweils zwei SiO4-Tetraeder sind über eine gemeinsame Ecke zu einer Si2O7-Gruppe verbunden. Vier solcher Si2O7-Gruppen sind durch zwei BO4-Teraeder über gemeinsame Ecken zu einem 6er Borosilikatring verknüpft, von dem zwei Si2O7- Gruppen abzweigen. Diese verzweigten Borosilikat-Anionenkomplexe sind schichtförmig parallel zur (1 2 1)-Ebene angeordnet.[9]

Lineare 6er-Oktaedergruppe des Axinit: hellblau: AlO6- Oktaeder; dunkelgrün: FeO6-Oktaeder

Aluminium (Al), Eisen (Fe) und Kalzium (Ca) sind oktaedrisch von 6 Sauerstoffatomen umgeben. Vier AlO6-Oktaeder sind über gemeinsame Kanten zu einer Kette verbunden, an deren Enden jeweils ein FeO6-Oktaeder sitzt. Diese linearen 6er-Oktaedergruppen sind über stark verzerrte CaO6-Oktaeder zu Schichten verbunden.[9]

Verwendung[Bearbeiten]

Axinit ist wegen seiner oft ausgeprägten Kristalle in Axtform vor allem ein Sammlermineral. Bei guter Qualität wird er aber gelegentlich auch zu Schmucksteinen verarbeitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1979, ISBN 3-342-00288-3, S. 549-550.
  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 732-734.
  • John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Ferroaxinite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 69,9 kB)
  • John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Magnesioaxinite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 67,9 kB)
  • John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Manganaxinite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 74,1 kB)
  •  Chris Pellant: Steine und Minerale. 1. Auflage. Dorling Kindersley Limited, 1992, ISBN 978-3-8310-0892-6, S. 149.
  •  Rudulf Duda, Lubos Rejl: Mineralienführer - Mineralien Gesteine Edelsteine. 2002, ISBN 978-3-440-08471-7, S. 185.
  • Filip J., Kolitsch U., Novak M., Schneeweiss O.: The crystal structure of near-end-member ferroaxinite from an iron-contaminated pegmatite at Malesov, Czech Republic, in: The Canadian Mineralogist, 2006, pp. 1159-1170 (PDF 356 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Axinite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Axinit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Mindat - Axinit-(Fe)
  2. a b c d Mindat - Axinit-(Mg)
  3. a b c d Mindat - Axinit-(Mn)
  4. a b c d e f  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 573-574.
  5.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. 5. vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2008, ISBN 978-3-921656-70-9.
  6. Henry George Liddell, Robert Scott: An Intermediate Greek-English Lexicon bei perseus.tufts.edu
  7. http://www.mindat.org
  8. Uni Terra, Kindler & Gliech GbR Germany, Berlin - Tabelle der Ionenradien (Auszug)
  9. a b c Filip et al: The crystal structure of near-end-member ferroaxinite from an iron-contaminated pegmatite at Malesov, Czech Republic