Bahnhof Aalen

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Bahnhof Aalen
Bahnhof Aalen.jpg
Hauptgebäude (2006)
Daten
Kategorie 2
Betriebsart Knotenbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung TA
IBNR 8000002
Eröffnung 18. Juli 1861
Webadresse www.bahnhof.de
Lage
Ort Aalen
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 50′ 27″ N, 10° 5′ 46″ O48.84083333333310.096111111111Koordinaten: 48° 50′ 27″ N, 10° 5′ 46″ O
Höhe über SO 431 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
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Der Bahnhof Aalen ist ein Bahnhof rund 200 Meter nordöstlich der Altstadt von Aalen. In seiner Funktion als Knotenbahnhof ist er Kreuzungspunkt der Remsbahn aus Stuttgart, der Brenzbahn aus Ulm, der Oberen Jagstbahn nach Crailsheim und der Riesbahn nach Donauwörth. Der Bahnhof Aalen soll zum Hauptbahnhof ernannt werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Bahnhof und Stadt nach 1861
Gruppenbild Werkstätte Aalen vor Lok B „Coblenz“
Infoschild am Eingang

Trotz der Schwierigkeiten der Länder Württemberg und Bayern, welche sich nicht über ein gemeinsames Konzept einer grenzüberschreitenden Bahn einigen konnten, erreichte am 18. Juli 1861 als erstes die Remsbahn der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen den Ort. Obwohl Aalen nicht als Eisenbahnknoten geplant war, wurde der erste kleine Bahnhof bereits zu Anfang mit acht Bahnangestellten, welche zugleich Postbeamte waren, besetzt.[2] Eine Verlängerung der Bahn in Richtung Nördlingen nahm dann am 3. Oktober 1863 den Betrieb auf. Als dritter Anschluss erreichte dann am 13. September 1864 die Brenzbahn aus Richtung Heidenheim den Ort (die Verbindung von Heidenheim nach Ulm konnte wegen der sog. Brenzbahnklausel erst 1876 fertiggestellt werden). Crailsheim konnten dann ab dem 15. November 1866 und Schwäbisch Hall ab dem 10. Dezember 1867 mit der Bahn erreicht werden. 1865 wurde eine Eisenbahn-Reparaturwerkstätte eingerichtet, die die Grundlage für das spätere Bahnbetriebswerk Aalen war.[3]

Bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnet sich ab, dass der Bahnhof für den zunehmenden Eisenbahnverkehr zu klein konzipiert war. Er verfügte nur über einen überdachten Hauptbahnsteig direkt am Bahnhofsgebäude und einen nur rund 1,80 m breiten Hilfsbahnsteig für das zweite Gleis. So begann man 1873 mit der Erweiterung und dem Umbau des Bahnhofes. 1876 wurde das neue Hauptgebäude eingeweiht. 1884 besaß der Bahnhof insgesamt vier Gleise von denen drei für den Personenverkehr vorgesehen war. So war der Bahnhof trotz der spärlichen Geldmittel, welche das Land zur Verfügung stellte, 500.000 Goldmark statt der benötigten 3.500.000, für den weiteren Anstieg des Verkehrs gerüstet. Bis zum Ende des Jahrhunderts stieg der Verkehr auf insgesamt 80 Zugfahrten pro Tag.

1901 waren die Finanzmittel aufgebraucht, aber das Land stellte weitere 1.400.000 Goldmark zur Verfügung. Damit konnte der Bahnhof von drei auf fünf Gleise für den Personenverkehr erweitert werden. Am 31. Oktober desselben Jahres nahm mit der Härtsfeldbahn eine 1000-mm-Schmalspurbahn nach Neresheim und Dillingen ihren Betrieb auf. Sie hatte gegenüber dem Bahnhof auf der anderen Seite der Gleisanlagen ihren Endpunkt. Um sie an das Bahnhofsgebäude anzuschließen, richtete man einen 72 m langen Tunnel unter den Bahnanlagen ein. Da die Bahn anfangs parallel zur Strecke in Richtung Ulm verlief, lag dieser Abschnitt auf einem Dreischienengleis.

1905 bekam der Bahnhof ein elektromechanisches Stellwerk.[4]

Bahnbetriebswerk (2009)

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Bahnhof bei einer ersten Angriffswelle am 1. und 2. April 1945 nicht sehr beschädigt. Erst die gezielten Angriffe am 8. April und am 17. April schädigten den Bahnhof nachhaltig, so dass der Verkehr gänzlich eingestellt werden musste. Der Verkehr konnte erst am 9. Juli auf Veranlassung der Alliierten wieder aufgenommen werden.

Die nächste einschneidende Veränderung fand 1970 mit dem Beginn der Elektrifizierung der Remsbahn, welche am 28. Mai 1972 abgeschlossen war, statt. Beschlossen wurde diese Maßnahme bereits mit der Unterzeichnung des Elektrifizierungsabkommens zwischen dem Land Baden-Württemberg und der Deutschen Bundesbahn. Der Abschnitt nach Crailsheim folgte erst am 2. Juni 1985.

Die Härtsfeldbahn stellte am 30. September 1972 ihren Personenbetrieb ein. Der Güterverkehr folgte zwei Monate später am 30. November. Anschließend fand die Demontage der Gleisanlagen statt.

Eine Renovierung des Hauptgebäudes, welche für 1980 geplant war, verschob sich auf das Jahr 1990. Grund war, dass das Gebäude mittlerweile unter Denkmalschutz stand. Für 4.400.000 Deutsche Mark entstand zudem das Reisezentrum, ein Laden und ein Bistro.

Zukunft[Bearbeiten]

Im Januar 2010 wurde bekannt gegeben, dass der Bahnhof Aalen mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket I der Bundesrepublik für insgesamt rund 4,8 Millionen Euro modernisiert und behindertengerecht ausgestattet werden soll. So sollen in einer Unterführung insgesamt drei Aufzüge zu den Bahnsteigen eingerichtet werden. Der Beginn der Bauarbeiten war am 25. Februar 2011. Am 3. August 2012 wurde der Einbau der Aufzüge und die Einrichtung von Zugängen zur städtischen Hirschbachunterführung (Investitionen in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro) abgeschlossen.[5]

Ab Juni 2015 sollen die Bahnsteige selbst von derzeit 38 auf 55 Zentimeter über Schienenoberkante angehoben werden. Ebenso soll der Bahnhof als ganzes zeitgemäß umgebaut werden.[6] Der Umbau erfolgt in einer fünfstufigen Phase im laufenden Betrieb und soll bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Mit Abschluss der Bauarbeiten soll der Bahnhof Aalen zum Hauptbahnhof ernannt werden.[7]

Verkehr[Bearbeiten]

Blick auf die Bahnsteige (2006)

Im Integralen Taktfahrplan von Baden-Württemberg hat der Bahnhof zweierlei Knotenfunktionen:

Stündlich um die Symmetrieminute 30 bestehen Umsteigemöglichkeiten zwischen Zügen des Regionalverkehrs folgender Relationen in Hin- und Rückrichtung:

Die Umsteigemöglichkeiten zwischen den Richtungen Ellwangen und Donauwörth bestehen im benachbarten Bahnhof Goldshöfe.

Zu jeder ungeraden Stunde um die Symmetrieminute 00 bestehen Umsteigemöglichkeiten zwischen Intercity-Zügen der Linie Karlsruhe–Stuttgart–Nürnberg in beiden Richtungen und Interregio-Express-Zügen von und nach Ulm.

Im Süden des Stadtgebietes liegt die Industriebahn Aalen, ein von der Stadt betriebenes Industriegleis, auf dem jährlich rund 250 Wagenladungen befördert werden.[8]

Fernverkehr[Bearbeiten]

Linie Strecke Haupttaktfrequenz
IC 61 (Basel SBB –) Karlsruhe – Pforzheim – Stuttgart – Aalen – Nürnberg (– Passau) Zweistundentakt

Regionalverkehr[Bearbeiten]

Linie Strecke Haupttaktfrequenz
IRE Aalen – Heidenheim – Ulm Zweistundentakt
IRE Aalen – Schwäbisch Gmünd – Schorndorf – Stuttgart Mo–Fr einmal täglich
RE Stuttgart – Schorndorf – Schwäbisch Gmünd – Aalen Stundentakt, Mo-Fr in der Hauptverkehrszeit alle 30 Minuten
RE Ulm – Heidenheim – Aalen – Ellwangen (– Crailsheim) Bis nach Ellwangen im Stundentakt, bis nach Crailsheim im Zweistundentakt
RE Aalen – Heidenheim – Ulm – Ravensburg – Friedrichshafen Mo–Fr einmal täglich
RB Aalen – Nördlingen – Donauwörth Mo–Fr Stundentakt, Sa und So Zweistundentakt
RB/RE Aalen – Nördlingen – Donauwörth – Augsburg – München Einmal täglich

Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, Stuttgart 21[Bearbeiten]

Das für die Inbetriebnahme der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm sowie von Stuttgart 21 von der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg ausgearbeitete Angebotskonzept SPNV 2020 sieht im Regionalverkehr folgende Linien vor, durch deren Überlagerung der Stundentakt zwischen Aalen und Stuttgart zu einem Halbstundentakt erweitert würde:[9]

Linie 4: Aalen – Waiblingen – Bad Cannstatt – Stuttgart – Flughafen/Messe – Tübingen (stündlich)
Linie 8: Aalen – Waiblingen – Bad Cannstatt – Stuttgart – Plochingen – Ulm (stündlich)

Optional sieht das Konzept die Verlängerung der ICE-Linie Stuttgart–Zürich über Aalen und Nürnberg bis Leipzig vor.

ICE 87 Zürich – Singen – Stuttgart – Aalen – Nürnberg (– Leipzig)[10]

Anbindung[Bearbeiten]

Ein vor dem Hauptgebäude gelegener Busbahnhof und ein 2006 eröffnetes Park-and-ride-Parkhaus verbinden den Bahnhof mit dem Straßenverkehr.[11] Am Busbahnhof befindet sich die Info-Zentrale der Verkehrsgemeinschaft Aalen. 2003 wurde ein 204 Stellplätze bietendes Fahrradparkhaus eingeweiht, das zum Schutz gegen Diebstähle mit Videoüberwachung ausgerüstet wurde. [12][13]

Weitere Bahnhöfe im Stadtgebiet Aalen[Bearbeiten]

Neben dem Bahnhof Aalen befinden sich im Stadtgebiet Aalen weitere Stationen, die aber nicht die Bezeichnung „Aalen“ im Namen tragen. Diese Stationen sind die Bahnhöfe Wasseralfingen, Unterkochen und der Haltepunkt Hofen. Der Bahnhof Goldshöfe liegt teils im Stadtgebiet Aalen, teils im Gemeindegebiet Rainau.

Weblinks[Bearbeiten]

  • Gleisanlage sowie einzelne Signale und zulässige Geschwindigkeiten auf der OpenRailwayMap
  • Gleisplan der DB Netz AG (PDF-Datei, 231 kB)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Aus dem Aalener Bahnhof wird ein Hauptbahnhof. Schwäbische Zeitung vom 2. Juli 2012, abgerufen am 9. Dezember 2012.
  2. Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe, GeraMond-Verlag.
  3.  Karlheinz Bauer: Aalen. Theiss, Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0321-0, S. 139.
  4.  einhorn, Illustrierte Zeitschrift zur Pflege des Heimatgedankens in Stadt und Kreis Schwäbisch Gmünd. Nr. 47, Schwäbisch Gmünd Juni 1961 (8. Jahrgang), S. 159.
  5. Stufenfreier Ausbau Bahnhof Aalen abgeschlossen. Presseinformation 335/2012 der Deutschen Bahn vom 3. August 2012, abgerufen am 9. Dezember 2012.
  6. Bahnanlagen werden modernisiert auf: schwäbische.de, abgerufen am 17. Juli 2014
  7. Der Hauptbahnhof wird teurer in: Schwäbische Post vom 17. Juli 2014 (Printausgabe)
  8. Jahresbericht 2002, Hrsg. Stadt Aalen, Hauptamt.
  9. Angebotskonzept SPNV 2020, auf bahnprojekt-stuttgart-ulm.de, abgerufen 18. Juli 2014
  10. Bahnprojekt Stuttgart-Ulm e. V. Kommunikationsbüro. Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. Vergleich der Reisezeiten heute und morgen. Abgerufen am 17. Juli 2014
  11. Gmünder Tagespost vom 23. Mai 2006.
  12. Fahrradparkhaus eingeweiht. Pressemitteilung der Stadt Aalen vom 8. Mai 2003, abgerufen am 9. Dezember 2012.
  13. In Aalen steht ein Fahrradparkhaus … (private Website)