Bayeux

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Bayeux
Wappen von Bayeux
Bayeux (Frankreich)
Bayeux
Region Basse-Normandie
Département Calvados
Arrondissement Bayeux
Kanton Bayeux
Koordinaten 49° 17′ N, 0° 42′ W49.278611111111-0.7041666666666746Koordinaten: 49° 17′ N, 0° 42′ W
Höhe 32–67 m
Fläche 7,10 km²
Einwohner 13.511 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 1.903 Einw./km²
Postleitzahl 14400
INSEE-Code
Website www.mairie-bayeux.fr

Rathaus

Bayeux [ba'jø:] ist eine französische Gemeinde mit 13.511 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Calvados in der Region Basse-Normandie. Sie ist die Hauptstadt der Landschaft Bessin, die sich nordwestlich des Calvados ausbreitet.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt befindet sich am Fluss Aure sieben Kilometer von der Küste des Ärmelkanals entfernt und dreißig Kilometer nordwestlich von Caen. Sie liegt an der N 13 und hat einen Bahnhof an der Eisenbahnlinie Paris–Caen–Cherbourg.

Geschichte[Bearbeiten]

Odo (links) neben Wilhelm dem Eroberer (Mitte) und Wilhelms Halbbruder Robert (rechts) im Teppich von Bayeux

Ursprünglich ein Hauptort der den Namen gebenden keltischen Baiokassen, war Bayeux als Augustodurum wichtiger Ort der römischen Provinz Gallia Lugdunensis. Gegen Ende des dritten Jahrhunderts wurde die Stadt zum Schutz gegen einfallende Sachsen befestigt. Reste der Anlage sind noch erhalten. Im fünften Jahrhundert gehörte Bayeux zu Neustrien.

890 wurde die Stadt von den eindringenden Normannen zerstört. Nachdem sich die Eroberer unter Annahme des Christentums etabliert hatten, wurde die Stadt wieder aufgebaut. Von seinem normannischen Bischof Odo von Bayeux wurde 1077 die Kathedrale Notre-Dame eingeweiht, mit deren Bau 1047 begonnen worden war.

Im Hundertjährigen Krieg hatte die Stadt unter dem wechselnden Kriegsglück der Parteien zu leiden, blieb aber unzerstört.

Während der Reformation hatten Hugenotten nicht ohne Bildersturm zeitweilig die Oberhand, während der Gegenreformation wurde die alte Pracht wiederhergestellt.

Landung in der Normandie: Etwa acht Kilometer nordöstlich von Bayeux liegt Arromanches-les-Bains. Hier errichteten die Alliierten 1944 einen künstlichen Hafen (Mulberry Harbour), von dem etliche Segmente noch heute auf dem Strand liegen. Die D-Day Invasion, insbesondere der künstliche Hafen, ist in einem anschaulichen Museum dokumentiert. Dies ohne Zerstörungen, weil die deutschen Besatzungstruppen nach Caen beordert waren. General Charles de Gaulle hielt hier eine Woche später seine erste Rede auf französischem Boden.

Anlässlich des zweiten Jahrestages der Befreiung hielt de Gaulle am 16. Juni 1946 in Bayeux eine berühmte Rede, in der er seine Vorstellungen von einem zukünftigen politischen System Frankreichs darlegte, die er 1958 in der Verfassung der V. Republik verwirklichen sollte.

Gedenkstätte für Journalisten[Bearbeiten]

Am 7. Oktober 2006 wurde eine Gedenkstätte für die 2000 Journalisten, Kameraleute und Fotografen eröffnet, die seit 1944 weltweit während oder wegen ihrer Arbeit getötet worden sind. Das Mahnmal ist ein landschaftlich gestalteter Weg, der von weißen Steinen gesäumt wird. Das Mahnmal wurde an dem Tag eröffnet, an dem der Mord an zwei deutschen Journalisten in Afghanistan sowie die Ermordung der Journalistin Anna Stepanowna Politkowskaja bekannt wurde. Bayeux zählte nach der Landung in der Normandie im Jahr 1944 zu den ersten von den Alliierten befreiten französischen Städten. In Erinnerung daran vergeben Bayeux und die Region Calvados den Preis für Kriegs- und Konfliktberichterstattung gemeinsam mit den Reportern ohne Grenzen. Der Entwurf dafür stammt von Samuel Craquelin, geb. 1962, Architekt und Landschaftsarchitekt aus Lillebonne (Seine Maritime).

Kultur und Tourismus[Bearbeiten]

In Bayeux hat sich um die Kathedrale von Bayeux (Romanik, normannische Gotik, Flamboyant-Gotik) eine fast komplett gebliebene Stadtstruktur erhalten. Hierzu gehören teilweise noch im Privatbesitz befindliche Stadtpalais aus dem 17. und 18. Jh., Pfarrkirchen an den Stadtausfahrten und besonders das Gerberviertel. Das Museum zur Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zeigt umfassend die Geschehnisse des Jahres 1944 in der Region. Im Musée de la Tapisserie wird der mittelalterliche Teppich von Bayeux ausgestellt. Er zeigt die Geschichte der Eroberung Englands durch die Normannen in der berühmten Schlacht von Hastings im Jahre 1066. Daneben gibt es das Musée Baron Gérard mit Sammlungen zur Regionalgeschichte und bedeutenden Kunstwerken und die De-Gaulle-Gedächtnisstätte, die die Verbindung des ersten Präsidenten der V. Republik zu Bayeux eindrucksvoll und emphatisch darstellt.

Die Kathedrale von Bayeux
Altstadt von Bayeux, Normandie

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Bayeux ist Hauptstadt des gleichnamigen Arrondissements (Sitz der Unterpräfektur an der Place de Gaulle). Gerichtsstandort (Tribunal d’Instance - Amtsgericht).

Umgebung[Bearbeiten]

Das Bessin ist eine leichthügelige Landschaft in der Normandie, die durch die berühmten normannischen bocages zergliedert wird. Etwa 7 km nördlich von Bayeux befindet sich die Küste. Dort, bei der Ortschaft Longues-sur-Mer, ist eine teilweise hervorragend erhaltene deutsche Küstenbatterie zu besichtigen, deren Feuerleitstand im Film Der längste Tag als Szenerie diente.

Etwa zehn Kilometer östlich von Bayeux befindet sich das Schloss Brecy, das durch seine Gartenanlage im für Frankreich seltenen Renaissancestil besticht.

Südwestlich befindet sich im gleichnamigen Ort das von François Mansart errichtete Schloss Balleroy.

Söhne und Töchter, Ehrenbürger der Stadt[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bayeux unterhält seit 1945 eine Partnerschaft mit Eindhoven in den Niederlanden. Die beiden Städte verbindet, dass sie zu den ersten ihres jeweiligen Landes gehören, die von der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg befreit wurden.[1] Weitere Partnerstädte sind Dorchester in Großbritannien (seit 1959) und Lübbecke in Deutschland (seit 1968).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Relationship with Bayeux. Stichting 18 September, abgerufen am 30. November 2012 (englisch).