Bergfriedhof (Heidelberg)
Der Bergfriedhof Heidelberg ist einer der 17 Friedhöfe der Stadt Heidelberg. Der Bergfriedhof ist ein konfessionsübergreifender Friedhof, der erste unter kommunaler Leitung geführte Friedhof der Stadt, im Süd-Westen Heidelbergs auf einem ehemaligen Weinberggelände gelegen, angrenzend an die Weststadt, den Gaisberg und den Stadtteil Südstadt.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Überblick
Der Heidelberger Bergfriedhof hat mehrere Eingänge und Zufahrten, die im Norden und im Süden, im Osten und im Westen der Gesamtfriedhofsanlage, die auch den seit dem Ende des II. Weltkrieges wieder geöffneten Jüdischen Friedhof umschließt, gelegen sind.
Im Norden entlang des Steigerweges gibt es drei Eingänge und Zufahrten zum Friedhofsgelände. Der obere Eingang dient als Zufahrt zur Leichenhalle und als Anfahrt zur Friedhofskapelle.
Von der Friedhofskapelle steil bergauf geht es gegen Osten in die Waldabteilung auf Wegen, Pfaden, Treppen und steilen Sandsteinstufen. Hier finden sich viele über 100 Jahre alte Grabanlagen, oftmals geschmückt von mannshohen Granitfindlingen. In jüngerer Zeit werden in diesem Teil des Friedhofs auch die so genannten Baumbestattungen durchgeführt.
Südlich der Friedhofskapelle liegt der jüdische Friedhof, an den sich der jüngste Teil des Bergfriedhofes, die in den 1950er Jahren nach großer Platznot entstandene Abteilung W, anschließt. Dort befindet sich, am Hang stehend, ein kleiner ehemaliger Schuppen aus Sandstein, der heute als Columbarium dient.
Der untere Eingang mit Zufahrt an der Nordseite des Friedhofes am Steigerweg dient vorwiegend der Mobilität des Friedhof-Fuhrparkes, dessen Standort angegliedert an das schlichte, ehemals im ländlichen Stil erbaute Verwaltungsgebäude, gelegen ist. In der Nähe des nördlichen Eingangs liegt der Professorenweg, an dem historischen Grabanlagen, die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, das Kriegerdenkmal und das im klassizistischen Stil erbaute Krematorium liegen.
Der mittlere Eingang und die Zufahrt an der Nordseite des Bergfriedhofes am Steigerweg gelegen, sind seit vielen Jahren nicht mehr in Benutzung der Besucher. Zufahrt und Eingang bleiben für die Allgemeinheit generell verschlossen.
[Bearbeiten] Geschichte
Die Gestaltung der heute rund 15 Hektar großen Friedhofsanlage des Heidelberger Bergfriedhofs wurde von dem bedeutenden Landschaftsarchitekten Johann Christian Metzger entworfen und unter seiner Leitung ab 1842 durchgeführt. Im Jahre 1844 konnte der Friedhof eingeweiht werden. Johann Christian Metzger gelang es dabei, durch die Wahl der Wegeführung entlang des teils terrassierten Hanggeländes und die Auswahl an heimischen und exotischen Laub- und Nadelgehölzen, der Friedhofsanlage ein romantisches Gesamtbild zu verleihen, dass sich wie selbstverständlich in die weitere landschaftliche Umgebung einfügt. Im Zuge der Erweiterung der Friedhofsanlage in den letzten 150 Jahren umfasst das Wegenetz der angelegten Waldwege und Pfade, welche die Abteilungen der Grablagen verbinden, eine Gesamtstrecke von über zwanzig Kilometern.
Im Jahr 1842 wurde vor einer steilen Anhöhe des Bergrückens die Friedhofskapelle nach den Entwürfen des Heidelberger Stadtbaumeisters Heinrich Greif errichtet. Die Gebäudegewände sind durch aufwendige rote Sandstein Pilaster gegliedert. Lisenen, Fenster Leibungen und Gesimse sind ebenfalls in rotem Sandstein gearbeitet. Teilbereiche der gesamten Anlage sind verklinkert. Der bekrönende Glockenstuhl auf dem Dach der Kapelle ist eine Holzkonstruktion. Das Eingangsportal der Kapelle ist mit mehrflügeligen, glasdurchbrochenen Eichentüren versehen und von einem Vordach aus aufwendiger Schmiedeeisen Arbeit, die eine Glasabdeckung trägt, geschützt.
Zum Berg hin, der Rückwand der Kapelle angegliedert, befinden sich Nutz- und Nebenräume der Kapelle und in einer Querachse die Leichenhalle mit ihren einzelnen aneinander gereihten Kammern. Die Friedhofskapelle und insbesondere ihre wichtigen Nebenbereiche wurden in den folgenden Jahrzehnten teilweise umgebaut, erweitert und in ihrer Wirtschaftlichkeit immer wieder dem jeweils zeitgemäßen technischen Stand angepasst. Bis in die frühen fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein wurde, wenn ein Verstorbener zu Grabe getragen werden musste, die Glocke der Kapelle geläutet. Von der Bergseite der Kapelle gelangte der Glöckner über eine Außentreppe zu dem Glockengestühl.
Im Jahre 1891 konnte auf dem Bergfriedhof das neu erbaute Krematorium in Betrieb genommen werden. Es ist nach dem Gothaer Krematorium das zweitälteste Krematorium Deutschlands. In den Jahren 1990/91 wurde es grundlegend modernisiert. Die Einäscherungen werden in technisch hochmodernen Elektroöfen durchgeführt. Im Jahre 2000 konnte zusätzlich eine besonders umweltfreundliche, emissionsreduzierende, Filteranlage eingebaut werden.
Der am Fuße des Königstuhls gelegene, nach Westen orientierte Bergfriedhof Heidelberg mit seinen künstlerisch herausragenden Grabanlagen, und Ruhestätten vieler bedeutender Persönlichkeiten, zählt heute zu einer der schönsten Friedhofsanlagen Deutschlands.
[Bearbeiten] Nutzung
[Bearbeiten] Wissenschaft Politik Geistesleben
Zu den vielen Persönlichkeiten die auf dem Heidelberger Bergfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, gehören unter anderen der Reichspräsident Friedrich Ebert, der Dirigent und Komponist Wilhelm Furtwängler, der Dichter und Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf, die Chemiker und Forscher Carl Bosch und Robert Bunsen, der Chirurg und Krebsforscher Vincenz Czerny, der Astronom Max Wolf, der Anthropologe und Prähistoriker Otto Schoetensack, der Dichter und Übersetzer Johann Heinrich Voß, der Theologe Martin Dibelius, der Erfinder Felix Wankel, der Rechtsphilosoph Gustav Radbruch, der Staats- und Völkerrechtler Georg Jellinek, der Rechtswissenschaftler Oskar von Bülow, der Soziologe Max Weber, der Priester Alfons Beil und die Dichterin Hilde Domin.
[Bearbeiten] Geschichte Zeitgeschichte
Auch der im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher verurteilte Architekt und NS-Rüstungsminister Albert Speer wurde auf dem Bergfriedhof beigesetzt.
Denkmäler erinnern an die Opfer der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück, die während des Holocausts vernichtete Jüdische Gemeinde, an die Widerstandsgruppe des sogenannten Goerdeler-Kreises um Karl Friedrich Goerdeler, und an die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71.
Dem Heidelberger Bergfriedhof angeschlossen liegt der Jüdische Friedhof mit seinen historisch bedeutenden Grabanlagen. Nach der Rückkehr Jüdischer Bürger, nach dem Ende des II. Weltkrieges, ist dieser Friedhofsort wieder eine gern gewählte letzte Ruhestätte für Menschen jüdischen Glaubens geworden.
Seit Ende 2005 gibt es auf dem Bergfriedhof Heidelberg ein sogenanntes „Schmetterlingsgrab für stillgeborene Kinder", ("Frühchen" unter 500g). Für sie besteht in Baden-Württemberg ein Bestattungsrecht. Hier finden Eltern einen stillen Ort der Trauer.
[Bearbeiten] Patenschaftsgräber als wiederbelegbare Ruhestätte
Dank einer wohl bedacht erarbeiteten Gesamtkonzeption, können seit einigen Jahren von den Bürgern kunsthistorisch bedeutende, erhaltungswürdige Grabanlagen im Rahmen eines Denkmalschutz-Konzeptes für Grabpatenschaften neu belegt werden. Jedes der in Patenschaft zur Übernahme verfügbaren Gräber ist einmalig, da die Vielfalt ihrer Entstehung einen geschichtlichen Zeitrahmen von etwa 150 Jahren seit der Eröffnung der Friedhofsanlage umspannt.
[Bearbeiten] Ehrengräber, bedeutende Persönlichkeiten, als Kulturdenkmal geschützte Grabanlagen
- Karl Abel
- Gerhard Anschütz
- Friedrich Arnold (Anatom)
- Julius Arnold (Pathologe)
- Marie Baum
- Alfons Beil
- Richard Benz
- Carl Ludwig Blum
- Johann Caspar Bluntschli
- Wilhelm Blum (MdR)
- Heinrich Bornkamm
- Carl Bosch
- Hans Breuer (Arzt)
- Winfried Brugger
- Julius Wilhelm Brühl
- Robert Wilhelm Bunsen
- Oskar von Bülow
- Moritz Cantor
- Maximilian Joseph von Chelius
- Julius Curtius
- Theodor Curtius (Chemiker)
- Vincenz Czerny
- Herbert Derwein
- Martin Dibelius
- Albrecht Dieterich
- Friedrich Carl von Duhn
- Alexander von Dusch (Außenminister)
- Hilde Domin
- Friedrich Ebert (Architekt)
- Friedrich Ebert
- August Adolf Eisenlohr
- Friedrich Eisenlohr (Mathematiker)
- Friedrich Endemann
- Wilhelm Heinrich Erb
- Kuno Fischer
- Albert Fraenkel (1864–1938)
- Nikolaus Friedreich
- Ernst Fries
- Wilhelm Furtwängler
- Karl Geiler
- Georg Gottfried Gervinus
- Leopold Gmelin
- Victor Mordechai Goldschmidt
- Eberhard Gothein
- Charles de Graimberg
- Maria von Graimberg
- August Grisebach (Kunsthistoriker)
- Hanna Grisebach
- Friedrich Gundolf
- Gustav Hartung
- Oliver Hasenfratz
- Adolf Hausrath
- Ludwig Häusser
- Karl Heinsheimer
- Willy Hellpach
- Johann Hoffmann (Neurologe)/ Giulini Grabanlage
- Johannes Hoops
- Elsbeth Janda
- Camilla Jellinek
- Georg Jellinek
- Ferdinand Adolf Kehrer
- Rudolf Knietsch
- Albrecht Kossel
- Walther Kossel
- Hermann Köchly
- Leo Königsberger
- Emil Kraepelin
- Ludolf von Krehl
- Richard Kuhn
- Adolf Kußmaul
- Wilhelm Kühne
- Theodor Leber
- Hermann Lindrath
- Franz von Liszt
- Albert Mays
- Carl Metz
- Victor Meyer
- Johannes Minckwitz
- Johannes Minckwitz (Schriftsteller)
- Karl Mittermaier
- Nicola Moufang
- Carl Neinhaus
- Carl Neumann (Kunsthistoriker) (1860–1934), deutscher Kunsthistoriker und Historiker, (Lit. B)
- Fritz Nötzoldt
- Auguste Pattberg
- Heinrich Eberhard Gottlob Paulus
- Ernst Posselt
- Ernst Ludwig Posselt
- Wilhelm Posselt
- Gustav Radbruch
- Otto Regenbogen
- Erwin Rohde
- Harry Rosenbusch
- Alexander Rüstow
- Wilhelm Salomon-Calvi
- Oskar Schepp
- Karl von Schlippe
- Friedrich Christoph Schlosser
- Gustav Adolph Schlöffel
- Guido Philipp Schmitt
- Adolf Schmitthenner
- Otto Schoetensack
- Fritz Schöll
- Ehrhart Schott
- Friedrich Schott (Unternehmer) (1850–1931), deutscher Chemiker und Unternehmer
- Hans von Schubert
- Hermann von Schulze-Gävernitz
- Friedrich Heinrich Christian Schwarz (1766–1837), deutscher Theologe und Pädagoge
- Gustav Simon (Chirurg)
- Albert Speer
- Karl Bernhard Stark
- Hugo Swart
- Anton Friedrich Justus Thibaut
- Dmitrij Tschižewskij
- Carl Adolph von Vangerow
- Theodor Verhas
- Johann Heinrich Voß
- Eduard Wahl
- Max von Waldberg
- Ernst Walz
- Felix Wankel
- Georg Weber (Historiker)
- Marianne Weber
- Max Weber
- Robert Weber (Politiker)
- Johannes Weiß (Theologe)
- Carl Theodor Welcker
- Karl Wilckens
- Ludwig Wilser Familien Grabstätte
- Wilhelm Windelband
- Max Wolf
- Reinhold Zundel
[Bearbeiten] Literatur
- Hanna Grisebach: Der Heidelberger Bergfriedhof. Gräber und Gedenksteine. Fotos von Peter Seng. 1981, ISBN 3-920431-12-X
- Leena Ruuskanen: Der Heidelberger Bergfriedhof, Kulturgeschichte und Grabkultur, Ausgewählte Grabstätten, Buchreihe der Stadt Heidelberg Band III. Verlag Brigitte Guderjahn, Heidelberg, 1992, ISBN 3-924973-45-8; 2. Auflage: Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel der Zeit. verlag regionalkultur, 2008. 288 Seiten. Peter Blum als Herausgeber. ISBN 978-3-89735-518-7 (Rund 200 Gräber von A (Karl Abel) bis Z (Reinhold Zundel) werden vorgestellt.)
- Fritz Quoos: Heidelberg hat den Graimbergs viel zu verdanken. In Rhein-Neckar-Zeitung, Heidelberg, 2007:111:5 (Heidelberger Nachrichten) vom 15. Mai 2007. (In der Reihe über die städt. Ehrengräber, Folge 5)
- Rudolf Schuler (Photos), Richard Henk (Text): Heidelberg. Braus, Heidelberg 1990, ISBN 3-921524-46-6
[Bearbeiten] Weblinks
49.3972222222228.6902777777778Koordinaten: 49° 23′ 50″ N, 8° 41′ 25″ O