Bewaffneter Konflikt in Peru

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Der Bewaffnete Konflikt in Peru ist ein Binnenkonflikt in Peru, der am 17. Mai 1980 begann. Der peruanischen Regierung standen im Wesentlichen die Guerillas des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) und des Movimiento Revolucionario Túpac Amaru gegenüber.

Sein Endzeitpunkt ist der Gegenstand vieler Debatten. Manche vermuten, dass der Konflikt mit der Gefangennahme des Chefs des Leuchtenden Pfades, Abimael Guzmán, 1992 endete. Andere, dass er bis zum Sturz der Regierung Alberto Fujimoris 2000 andauerte. Eine andere Meinung ist, dass der Konflikt heute immer noch aktuell ist, da eine bewaffnete Gruppe, die sich zum Leuchtenden Pfad bekennt, häufig die peruanische Armee angreift.

2001 wurde vom Übergangspräsidenten Valentín Paniagua eine Kommission für Wahrheit und Versöhnung geschaffen, um einen Bericht über die Ursachen des bewaffneten Konflikts auszuarbeiten. Die Kommission schätzte die Gesamtverluste zwischen 1980 und 2000 auf 70.000 Tote (Zivilisten, Guerilleros und Militärpersonen zusammen), von denen etwa drei Viertel ethnische Quechua waren, während die Verantwortlichen in den Kriegsparteien ausnahmslos Weiße und Mestizen waren.[1][2]

Seit den 2000er Jahren hört die Guerilla nicht auf zu schwinden während die peruanische Armee immer mehr die Kontrolle über das gesamte Land zurückgewinnt. Außerdem hat der revolutionäre Tupac Amaru seine Aktivitäten eingestellt und wurde aufgelöst. Es kommt immer noch zu Überfällen der Rebellen des Leuchtenden Pfades auf Sonderkommandos der Armee [3].

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Peru hat eine Reihe demokratischer und autoritärer Regierungen erlebt. 1968 übernahm General Juan Velasco Alvarado die Macht und installierte eine reformistische Militärdiktatur. 1975 wurde General Francisco Morales Bermúdez sein Nachfolger und richtete einen Prozess des demokratischen Übergangs ein, insbesondere indem er 1980 Wahlen einsetzte. Während der Revolutionären Regierung der Bewaffneten Kräfte organisierte sich der Leuchtende Pfad als maoistische politische Gruppe an der Nationalen Universität San Cristóbal de Huamanga in der Region Ayacucho. Die Gruppe wurde von Abimael Guzmán, Philosophieprofessor an der Universität, geleitet. Seine Ideologie inspirierte sich direkt von der Kulturrevolution, an der er bei seinem Besuch in China teilnahm. Die Mitglieder des Leuchtenden Pfades gerieten mit den Mitgliedern anderer politischer Gruppen in Konflikt, sie riefen mit Graffiti zum bewaffneten Kampf gegen den peruanischen Staat auf.

Beginn der Feindseligkeiten[Bearbeiten]

1980 rief die Militärregierung zum ersten Mal seit zwölf Jahren Wahlen aus. Der Leuchtende Pfad war damals eine der wenigen linksextremen Gruppen, die sich weigerten, am Wahlvorgang teilzunehmen, und sich stattdessen für einen maoistischen Guerillakrieg in den Höhen der Provinz Ayacucho einzusetzen. Am 17. Mai 1980, am Vortag der Wahlen, wurden Wahlurnen im Dorf Chuschi in der Provinz Ayacucho verbrannt. Diese Aktion war der erste Kriegsakt. Jedoch wurden die Urheber verhaftet und die verbrannten Wahlurnen wurden ersetzt. Die Wahlen liefen ohne größere Vorfälle ab; die Aktion bekam wenig Aufmerksamkeit seitens der peruanischen Presse.[4]

Der Leuchtende Pfad führte seinen bewaffneten Kampf in der von Mao Zedong gelehrten Art. Seine Strategie bestand in der Erkämpfung von Guerillazonen, in denen seine Guerillas tätig sein konnten, indem sie die Regierungskräfte aus diesen Zonen vertrieben, um befreite Zonen zu schaffen, die dann als Basis für Operationen in anderen Regionen genutzt werden konnten, bis das ganze Land befreit wäre. Hierbei sollte der Kampf im Wesentlichen auf die ländlichen Regionen beschränkt sein, um nach und nach die Situation in den Städten zu destabilisieren. Am 3. Dezember 1982 bildete der Leuchtende Pfad mit dem Ejército guerrillero Popular offiziell seinen bewaffneten Arm.

Die Kommission für Wahrheit und Versöhnung[Bearbeiten]

Die Kommission für Wahrheit und Versöhnung (CVR) ist eine peruanische Kommission, die sich hauptsächlich damit befasst, einen Bericht über den peruanischen bewaffneten Konflikt zwischen 1980 und 2000 zu erarbeiten. Sie wurde 2001 vom Übergangspräsidenten Valentín Paniagua geschaffen und von verschiedenen Mitgliedern der Zivilgesellschaft gebildet. Ihr Präsident war Salomón Lerner Febres, damals Rektor der Pontificia Universidad Católica del Perú.

Über seine Forschung zur terroristischen Gewalt des Leuchtenden Pfads und des Movimiento Revolucionario Túpac Amaru (MRTA) hinaus hat sie versucht, die tieferen Wurzeln dieser Gewalt zu analysieren und hat Untersuchungen über die militärische Niederschlagung dieser terroristischen Bewegungen eingeleitet. Dazu hat sie Zeugenaussagen von 16.985 Personen gesammelt und 21 öffentliche Gerichtssitzungen mit den Opfern der Gewalt organisiert. Bei denen 9.500 Personen teilnahmen. Der Abschlussbericht der Kommission wurde am 28. August 2003 vor dem peruanischen Präsidenten Alejandro Toledo veröffentlicht.

Die Opfer des Konflikts[Bearbeiten]

Laut Abschlussbericht der Kommission forderte der Konflikt einschließlich „Verschwundenen“ knapp 70.000 Todesopfer, von denen 23.969 durch die Kommission namentlich registriert wurden. Von diesen seien 54 % von Sendero Luminoso, 28 % vom peruanischen Militär, 13 % von paramilitärischen Gruppen und 1,5 % vom Movimiento Revolucionario Túpac Amaru zu verantworten.[5][6]

Die große Mehrheit der Ermordeten gehörte sozial benachteiligten Gruppen an. 79 % der registrierten Todesopfer stammten aus ländlichen Gegenden, 40 % allein aus der Region Ayacucho. Über 80 % der Opfer waren männlich, meist durch gezielte Hinrichtungen getötet, während die Mehrheit der getöteten Frauen bei großen Massakern ums Leben kam. 75 % der Opfer sprachen eine indigene Sprache als Muttersprache, meist Quechua oder Asháninka. Von insgesamt etwa 55.000 Asháninka in Junín kamen nach Einschätzung der Kommission rund 6000 ums Leben, etwa 10.000 wurden innerhalb des Regenwaldgebietes des Ene, Tambo und Perené vertrieben und etwa 5000 in Lagern von Sendero Luminoso in den Anden gefangen gehalten. Zahlreiche Quechua-Dörfer insbesondere in Ayacucho wurden ausgelöscht, in Junín verschwanden 30 bis 40 Ashaninka-Dörfer von der Landkarte.[7]

Laut Einschätzung der Kommission ist das mangelnde Interesse der Medien und der öffentlichen Meinung in Peru am Schicksal tausender ermordeter Indigener in den Anden und im Amazonasgebiet, das erst mit der Ausdehnung des Konflikts auf die ökonomischen Zentren anstieg, wie auch die Rechtfertigung staatlicher Gewalt gegen dieselben Ausdruck eines anhaltenden tief verwurzelten Rassismus in der peruanischen Gesellschaft.[8]

Der Konflikt heute[Bearbeiten]

Seit der Gefangennahme Guzmans 1992, ist die Zahl der Mitglieder des Leuchtende Pfades erheblich zurückgegangen. Er führt in Lima keine Operationen mehr durch und konnte nur sporadische Attacken geringen Ausmaßes durchführen. Dennoch greift er weiterhin Mitglieder peruanischer Sicherheitskräfte an. Beispielsweise hat am 9. Juni 2003 eine Gruppe die sich zum Leuchtenden Pfad bekannte ein Lager in der Region Ayacucho angegriffen und 68 Mitarbeiter der argentinischen Firma Techint und drei Polizeiwächter, die bei einem Gasinfrastrukturprojekt arbeiteten, als Geiseln genommen[9]. Laut dem peruanischen Innenministerium verlangten die Geiselnehmer für eine Befreiung der Geiseln ein hohes Lösegeld. Zwei Tage, nach einer schnellen militärischen Reaktion, ließen sie die Geiseln frei. Es wird gemunkelt, dass die Firma das verlangte Lösegeld bezahlt hat[10].

Zum 27. Jahrestag der ersten Attacke des Leuchtenden Pfads auf den peruanischen Staat explodierte eine selbstgebaute Bombe auf einem Markt in der Stadt Juliaca, die sieben Personen tötete und weitere 58 verletzte. Die peruanischen Behörden vermuten dass der Leuchtende Pfad für diese Explosion verantwortlich ist. [11].

Im Oktober 2008 griff der leuchtende Pfad in der Provinz Huancavelica mit Sprengstoff und Maschinenpistolen bewaffnet einen militärischen und zivilen Konvoi aus dem Hinterhalt an was seine Fähigkeit, einfache Ziele anzugreifen und ihnen große Schäden zuzufügen, beweist. Die Bilanz des Angriffs waren 12 getötete Soldaten und 7 getötete Zivilisten[12] [13].

Am 9. April 2009 hat der Leuchtende Pfad nach Angaben des peruanischen Verteidigungsministers Antero Flores-Aráoz 13 peruanische Soldaten in den Tälern der Flüsse Río Apurímac und Río Ene in der Provinz Ayacucho aus dem Hinterhalt angegriffen und getötet [14].

Am 3. September 2009 schoss die Guerilla einen Helikopter des peruanischen Militärs ab, wobei zwei Angehörige des Militärs getötet wurden und ein dritter verletzt wurde. Der Helikopter versuchte, drei in einem Hinterhalt verletzten Soldaten zurückzubringen und wurde nach Angaben des peruanischen Verteidigungsministers Rafael Rey möglicherweise von einer Rakete die von einer Raketenabschussrampe aus gestartet wurde getroffen [3].

Heute soll die Gruppe von einem als Genosse Artemio bekannten Mann geleitet werden. Um den peruanischen Staat zu zerschlagen um ihn durch einen kommunistischen Staat zu ersetzen, führt Artemio immer wieder Angriffe durch weitere Ziele sind die Freilassung von Gefangenen Anhängern und Mitgliedern des Leuchtenden Pfades und Verhandlung über das Ende des Krieges. Diese Forderungen wurden bei mehreren Video-Erklärungen Artemios gestellt. Am 13. Oktober 2006 wurde Guzman wegen Terrorismus zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt [15].

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Orin Starn: Villagers at Arms: War and Counterrevolution in the Central-South Andes. In Steve Stern (Hrsg.): Shining and Other Paths: War and Society in Peru, 1980–1995. Duke University Press, Durham und London, 1998, ISBN 0-8223-2217-X.
  2. http://www.freebase.com/view/en/internal_conflict_in_peru
  3. a b http://edition.cnn.com/2009/WORLD/americas/09/03/peru.chopper/index.html
  4. Gorriti, Gustavo. The Shining Path: A History of the Millenarian War in Peru. Chapel Hill und London: The University of North Carolina Press, 1999, S. 17. ISBN 0-8078-4676-7.
  5. Salomón Lerner Febres / Josef Sayer (Hg. – i.A. von Misereor u. Informationsstelle Peru), "Wider das Vergessen. Yuyanapaq". Bericht der Wahrheits- und Versöhnungskommission Peru [Übers. a. d. Span.: Beate Engelhardt/ Elena Muguruza (u. Mitarb. v. Hartmut Heidenreich), Red.: Hartmut Heidenreich/ Juan Josi/ Elena Muguruza/ Karl Weber], Ostfildern: Matthias-Grünewald-Verlag 2008.
  6. Peru: The Truth and Reconciliation Commission – a first step towards a country without injustice. AI Index: AMR 46/003/2004. Amnesty International, August 2004. S. 5–11.
  7. Peru: The Truth and Reconciliation Commission – a first step towards a country without injustice. AI Index: AMR 46/003/2004. Amnesty International, August 2004. S. 15f.
  8. Peru: The Truth and Reconciliation Commission – a first step towards a country without injustice. AI Index: AMR 46/003/2004. Amnesty International, August 2004. S. 16f.
  9. The New York Times. "Pipeline Workers Kidnapped." 10. Juni 2003. Online verfügbar. Abgerufen am 18. September 2006.
  10. Americas.org "Gas Workers Kidnapped, Freed." Online verfügbar.
  11. "Blast kills six in southern Peru" 20. Mai 2007 BBC News
  12. BBC "Peru rebels launch deadly ambush'" Online verfügbar. Abgerufen am 10. Oktober 2008.
  13. AP Press "Peru says 14 killed in Shining Path attack" Online verfügbar. Abgerufen am 10. Oktober 2008.
  14. BBC "Rebels kill 13 soldiers in Peru" Online verfügbar. Abgerufen am 12. April 2009.
  15. Canadian Broadcasting Corporation. "Shining Path militant leaders given life sentences in Peru." 13. Oktober 2006. Online verfügbar. Abgerufen am 15. Februar 2007.

Siehe auch[Bearbeiten]