Hans Koschnick
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Hans Koschnick (* 2. April 1929 in Bremen) ist ein deutscher SPD-Politiker. Er war Bürgermeister von Bremen und Abgeordneter im Deutschen Bundestag.
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[Bearbeiten] Biografie
[Bearbeiten] Jugend
Koschnicks Kindheit und Jugend war davon geprägt, dass sein Vater als Gewerkschaftsfunktionär der kommunistischen Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) noch am Abend des 1. Mai 1933 verhaftet wurde. Die Organisation der Maikundgebung und eine Rede brachten ihm eine Verurteilung wegen „Hochverrats“ ein, für die er Gefängnis, Zuchthaus und das KZ Sachsenhausen erdulden musste, bevor er Ende 1938 „beurlaubt“ und 1943 für „bedingt wehrwürdig“ zum Kriegsdienst eingezogen wurde. 1944 wurde er nach Finnland versetzt.
Seine Mutter wurde wegen Kuriertätigkeiten zwischen verschiedenen Widerstandsgruppen ein Jahr in Untersuchungshaft festgehalten, bis sie frei kam. Durch ihre Weigerung, der Deutsche Arbeitsfront (DAF) beizutreten und den Hitler-Gruß „zu erlernen“, verlor sie sehr häufig ihre Anstellung, bis sie als Zuckerwarenverkäuferin eines Schaustellers vor den Kontrollen der DAF relativ geschützt war. Doch dies war mit fast permanenter Abwesenheit verbunden, sodass Koschnick bei seinen Großeltern aufwuchs. 1938 fand seine Mutter Arbeit als Zeltplannäherin.
[Bearbeiten] Ausbildung und Beruf
Nach der Mittelschule begann Koschnick eine Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst. Er absolvierte im März 1945 den Reichsarbeitsdienst (RAD) und seinen Wehrdienst und geriet in britische Kriegsgefangenschaft nach Brüssel. Er kehrte im September 1945 wieder nach Bremen zurück.
Koschnick beendete seine Ausbildung für den gehobenen Verwaltungsdienst. Er war bei der senatorischen Dienststelle des Senators für „Soziales, Jugend, Familie und Sport“ beschäftigt. Am 1. Februar 1958 wurde er als Verwaltungsoberinspektor unter Beförderung zum Amtmann Leiter des Amtes für Leibesübung [1]. Bevor er 1963 Mitglied im Senat wurde, war als Oberregierungsrat Leiter der Abteilung „Jugend, Familie und Sport“ im Sozialressort des Landes Bremen [2].
[Bearbeiten] Politik
[Bearbeiten] In der SPD
Koschnick trat 1950 in die SPD ein. Zwischen 1951 und 1954 war er als Bezirkssekretär der ÖTV tätig. Er war ab 1955 Mitglied der Bremer Bürgerschaft.
Von 1970 bis 1991 war Koschnick Mitglied des Bundesvorstands der SPD und von 1975 bis 1979 stellvertretender SPD-Vorsitzender und damit Stellvertreter von Willy Brandt.
[Bearbeiten] Im Senat
Koschnick wurde als Nachfolger von Adolf Ehlers (SPD) am 26. November 1963 zum Senator für Inneres in den Senat unter Führung von Wilhelm Kaisen (SPD) gewählt. Nach Kaisens Rücktritt war Koschnick ab dem 20. Juli 1965 auch Stellvertretender Präsident des Senats und Bürgermeister im Senat von Willy Dehnkamp (SPD).
Nach den Neuwahlen zur Bürgerschaft wurde er ab dem 28. November 1967 Präsident des Senats, also Regierungschef des Bundeslandes Bremen. In seiner Regierungzeit war er ab 1971 auch Senator für kirchliche Angelegenheiten sowie geschäftsführend 1970 wenige Wochen Senator für Wirtschaft und Außenhandel und 1978 nach dem Rücktritt von Senator Hans Stefan Seifriz (SPD) für einige Monate Bausenator.
Koschnick führte zunächst eine SPD/FDP-Koalitionsregierung, die jedoch 1971 wegen der Differenzen über die Gründung der Universität Bremen zerbrach. Durch die erfolgreichen Wahlen zur Bürgerschaft konnte er dann bis 1985 ununterbrochen einen reinen SPD-Senat führen. Seine Stellvertreter und zugleich Bürgermeister waren Annemarie Mevissen (1967–1975), Walter Franke (1975–1979) und Moritz Thape (1979–1985).
In seine Regierungszeit fielen u.a die Gründung der Universität Bremen (1971), des Ausbau des Güterverkehrszentrum links der Weser, die Straßenbahnunruhen (1968), der Beginn des Ausbaus des Containerterminals in Bremerhaven (1975) und von 1979 bis 1982 der Bau eines neuen Mercedes-Werkes in Sebaldsbrück für bis zu 18.000 Mitarbeiter.
Nach fast 18 Jahren als Regierungschef und 22 Jahren im Senat trat er am 17. September 1985 zurück. Sein Nachfolger wurde der SPD-Fraktionsvorsitzende der Bremer Bürgerschaft Klaus Wedemeier.
Von 1971 bis 1972 und von 1981 bis 1982 war er als Bremer Regierungschef auch Präsident des Bundesrates.
[Bearbeiten] Politik nach der Senatszeit
- Bundestag
Von 1987 bis 1994 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und Stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.
- EU-Beauftragter
Vom 23. Juli 1994 bis zum 2. April 1996 war Koschnick von der Europäischen Union als EU-Administrator für Mostar in Bosnien-Herzegowina mit der Koordination des Wiederaufbaus, der Verwaltung und Infrastruktur der kriegszerstörten Stadt beauftragt. 1994 wurde von kroatischen Nationalisten ein Anschlag mit Granaten auf Koschnick unternommen, bei dem sein Hotelzimmer in Mostar verwüstet wurde, er jedoch unverletzt blieb. 1996 erfolgte ein zweiter misslungener Anschlag. Eine aufgebrachte Menschenmenge griff bei einer Demonstration Koschnick in seinem Dienstwagen an. Die kroatische Polizei blieb passiv. Er konnte unverletzt mit Hilfe seiner Eskorte entkommen. 1996 erklärte er dem Außenministerrat der EU in Brüssel seinen Rücktritt.
- Berater der Europäischen Kommission
für den Aufbau eines Europäischen Freiwilligendienstes der jungen Generation war er vom Oktober 1996 bis zum September 1998.
- Beauftragter der Bundesregierung
für Flüchtlingsrückkehr, Wiedereingliederung und rückkehrbegleitenden Wiederaufbau in Bosnien und Herzegowina war er vom Dezember 1998 bis zum Dezember 1999.
- Vorsitzender des Lenkungsausschusses
für Flüchtlingsfragen im Stabilitätspakt für Südost-Europa war er vom März 2000 bis zum Dezember 2001.
- Präsident des Deutschen Polen-Instituts (2000–2005).
- Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ e.V. (2000–2003).
[Bearbeiten] Persönliches
Koschnick ist verheiratet und hat einen Sohn.
[Bearbeiten] Mitgliedschaften
- Mitglied im Stiftungskuratorium der Stiftung von Schüler Helfen Leben.
- Deutsch-Israelische Gesellschaft
- Deutsch-Japanische Gesellschaft
- Deutsch-Britische Gesellschaft
- Deutsch-Polnische Gesellschaft
- ÖTV
- Arbeiterwohlfahrt (AWO)
- Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
[Bearbeiten] Ehemalige Ämter
- Bürgermeister (Präsident des Senats) der Freien Hansestadt Bremen (1967–1985)
- Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags (1987–1994)
- Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe im Bundestag
- Vorsitzender des Lenkungsausschusses für Flüchtlingsfragen im Stabilitätspakt für Südosteuropa
- Vorsitzender der SPD-Kommission „Internationale Beziehungen“
- Vorsitzender des Städtetages (1971–1978)
- Präsident des internationalen Gemeindeverbandes IULA (1981–1985)
- Europäischer Administrator der Stadt Mostar in Bosnien-Herzegowina (1994 bis März 1996)
- Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ (2000–2003)
- mehrfacher Schlichter im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes
- Schirmherr der Georg-Elser-Initiative Bremen
- Berater der Europäischen Kommission für den Aufbau eines Europäischen Freiwilligendienstes der jungen Generation (1996 bis Oktober 1998)
- Präsident des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt (2000–2005)
- Beauftragter der Bundesregierung für Flüchtlingsrückkehr, Wiedereingliederung und rückkehrbegleitenden Wiederaufbau in Bosnien und Herzegowina (1998–1999)
- Präsident des Bundesrates (1971/72 und 1981/82)
[Bearbeiten] Ehrungen und Auszeichnungen
- 1982 Prix France-Allemagne
- 1985 Ehrenbürger der Stadt Gdansk Danzig
- 1994 Bremische Ehrenmedaille in Gold
- 1995 Kulturpreis der Stadt Herdecke
- 1995 Theodor-Heuss-Preis
- 1995 Otto-Hahn-Friedensmedaille
- 1995 Carl-von-Ossietzky-Medaille
- 1996 Moses-Mendelssohn-Preis
- 1996 Kasseler Bürgerpreis „Das Glas der Vernunft“
- 1997 Hessischer Friedenspreis
- 1997 Ehrendoktorwürde der Universität Haifa
- 1997 Buber-Rosenzweig-Medaille
- 1999 Ehrenbürger der Stadt Bremen
- 2000 Lew-Kopelew-Preis
- 2003 Gemeinsamer Deutsch-Polnischer Preis
- 2004 Ehrendoktorwürde der Universität Bremen
- 2004 Brückenpreis der Stadt Regensburg
- 2005 Manfred-Wörner-Medaille (Bundeswehr)
- 2005 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt
- 2006 Ehrenpreis der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Aachen e.V.
[Bearbeiten] Trivia
Zur Zeit des Wahlkampfes in Bremen 1971 wohnten der Bürgermeister Koschnik und der Spitzenkandidat der CDU, Johann-Tönjes Cassens in einem Haus gemeinsam, aber in unterschiedlichen Wohnungen.
[Bearbeiten] Siehe auch
- Liste der Bremer Bürgermeister, Liste der Bremer Senatoren, Liste der Innensenatoren von Bremen
- 1963–1965: Senat Kaisen VII, 1965–1967: Senat Dehnkamp
- 1967–1971: Senat Koschnick I, 1971–1975: Senat Koschnick II, 1975–1979: Senat Koschnick III, 1979–1983: Senat Koschnick IV,
1983–1985: Senat Koschnick V
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Hans Koschnick im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzer Lebenslauf auf der Homepage der Stadt Bremen
[Bearbeiten] Einzelnachweise
Schmid | Gerstenmaier | Kiesinger | Furler | Kopf | Schröder | Barzel | Marx | Stercken | Hornhues | Klose | Rühe | Polenz
Stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses
Gerstenmaier | Schmid | Wehner | Schmid | Mattick | Corterier | Renger | Wischnewski | Huber | Wischnewski | Koschnick | Soell | Gansel | Meckel | Spranger | Klose
Erich Vagts | Wilhelm Kaisen | Willy Dehnkamp | Hans Koschnick | Klaus Wedemeier | Henning Scherf | Jens Böhrnsen
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Koschnick, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher SPD-Politiker und ehemaliger Abgeordneter im Deutschen Bundestag |
| GEBURTSDATUM | 2. April 1929 |
| GEBURTSORT | Bremen |

