Willi Brundert

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Willi Brundert vorne rechts

Willi Brundert (* 12. Juni 1912 in Magdeburg; † 7. Mai 1970 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Politiker (SPD).

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Ehrengrab in Frankfurt

Willi Brundert trat 1930 in die SPD ein, von 1931 bis 1933 war er Vorsitzender der Sozialistischen Studentenschaft an der Universität Halle. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Halle an der Saale und Frankfurt am Main promovierte er 1935 an der Universität Hamburg.

Im Widerstand arbeitete er im Kreisauer Kreis unter anderem mit Adolf Reichwein und Carlo Mierendorff zusammen. Bis zu seiner Einberufung zur Kriegsmarine im September 1941 arbeitete er als Steuersachbearbeiter. 1944 geriet er für zwei Jahre in britische Kriegsgefangenschaft, die er u. a. im Kriegsgefangenenlager Featherstone Park bei Haltwhistle in Northumberland verbrachte.[1]

Nach seiner Entlassung 1946 wurde er Ministerialdirektor im Wirtschaftsministerium von Sachsen-Anhalt und ab Mai 1948 Professor an der Universität Halle. Seine politische Überzeugung brachte ihn erneut in Konflikt mit der Staatsgewalt. Am 28. November 1949 wurde er verhaftet und am 29. April 1950 im Dessauer Schauprozess gemeinsam mit Leo Herwegen wegen Wirtschaftssabotage und Sozialdemokratismus zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach sieben Jahren, die er überwiegend in Einzelhaft verbrachte, wurde er in die Bundesrepublik Deutschland entlassen und kam nach Hessen, wo er 1958 die Leitung der Landesfinanzschule in Rotenburg an der Fulda übernahm.

Dank seines rhetorischen Talents schaffte er bald auch einen politischen Aufstieg in der hessischen SPD. Von 1962 bis 1964 amtierte er als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei in der von Ministerpräsident Georg-August Zinn geführten Regierung des Landes Hessen. Am 1. Juli 1964 wurde er zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt., wo er sich schnell Ansehen und Respekt in der Bevölkerung und in den einflussreichen Kreisen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwarb.

Seine Amtszeit war durch Finanznot und die erste Nachkriegsrezession von 1967 geprägt. Als Oberbürgermeister gelang es ihm, die Verschuldung der Stadt zu reduzieren und die Haushaltsdefizite abzubauen. Dafür musste er auch unpopuläre Entscheidungen durchsetzen, zum Beispiel 1965 den Verzicht auf die für 1969 geplante Bundesgartenschau, Gebühren- und Steuererhöhungen und Einsparungen in der Verwaltung. In seiner Amtszeit fielen Großprojekte wie der Bau der 1968 eröffneten Frankfurter U-Bahn, der Nordweststadt und der erste Hochhausrahmenplan von 1967. In der Kulturpolitik musste Brundert im Streit um die Mitbestimmung an den Städtischen Bühnen vermitteln. Es gelang ihm, Ulrich Erfurth als Generalintendanten und Nachfolger des zurückgetretenen Harry Buckwitz zu gewinnen. 1966 wird Brundert zum Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins gewählt. 1967 wird er als Präsident des Deutschen Städtetages berufen und 1969 für 3 Jahre wiedergewählt.

Bei seine Wiederwahl am 19. März 1970 war Brundert schon schwer erkrankt. Er litt an den Folgen der von Unterernährung und Misshandlung während seiner DDR-Haft. Die Wiederwahl war zudem von der sogenannten Littmann-Affäre belastet. Der radikale Flügel der Frankfurter SPD forderte die Ablösung des Polizeipräsidenten Gerhard Littmann wegen der – politisch vom Oberbürgermeister zu verantwortenden – Polizeimaßnahmen gegen demonstrierende Studenten.

Am 7. Mai verstarb Brundert im Alter von 57 Jahren nach einer Lungenentzündung. Er erhielt ein Ehrengrab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Nach ihm sind die Willi-Brundert-Siedlung im Frankfurter Stadtteil Hausen und die Willi-Brundert-Straße im Hallischen Stadtteil Ammendorf benannt.

Verheiratet war Willi Brundert mit Irmgard geb. Schrader († 1988) aus Wernigerode.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Willi Brundert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Mittmann: Tatzeit - Große Fälle der Volkspolizei, Berlin 2000, S. 92 f.
  2. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)