Carl Bantzer

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Carl Bantzer (ganz rechts, sitzend) als Juryvorsitzender, Mai 1912
Willingshausen Malerkolonie, Foto von 1913; v.l.n.r.: Heinrich Giebel, Marlies Dörr, Hermann Kätelhön, Hermann Metz, Wilhelm Thielmann, Adolf Lins, Heinrich Otto, Carl Bantzer
„Gasthaus Löwe“ (vor 1938 Wirtshaus „Zum goldenen Stern“) in Weichaus, das Geburtshaus von Carl Bantzer

Carl Ludwig Noah Bantzer, in der Literatur auch: Karl (* 6. August 1857 in Ziegenhain-Weichaus; † 19. Dezember 1941 in Marburg) war ein vom Impressionismus stark beeinflusster Maler, Hochschullehrer und Kunstschriftsteller.

Carl Bantzer war Mitglied der Willingshäuser Malerkolonie in Willingshausen (Schwalm).

Leben[Bearbeiten]

Er wuchs als Sohn des Kreistierarztes und dessen Frau im hessischen Ziegenhain auf. Bantzer nahm schon als Kind erste Eindrücke von den Schwälmer Bauern auf, die ihn zeitlebens inspirierten. 1863 zog seine Mutter nach dem Tod seines Vaters nach Marburg. Er besuchte das Marburger Gymnasium Philippinum. Bantzer lebte in Marburg und studierte an der Akademie in Berlin. Er kam 1884 und 1885 für mehrere Wochen in die Schwalm nach Niederwalgern zurück und arbeitete gemeinsam mit dem Dresdner Maler Wilhelm Claudius. Dann zog er um nach Treysa und ging zum täglichen Malen nach Ascherode. Er zeichnete Studien der Schwälmer Trachten im impressionistischen Stil und es entstanden die Bildnisse des Bürgermeisters Kehl und des Bauern Schneider in Arbeitskleidung.

Seine erste Frau Claire starb 1887 bei der Geburt des Sohnes Arnold. Carl Bantzer wurde Mitglied der Künstlerkolonie Goppeln. Er arbeitete dort an dem Bild der Wallfahrer am Grabe der Heiligen Elisabeth. 1887 kehrte er nach Willingshausen in die Schwalm zurück. Im Malertreffpunkt Gasthaus Haase begegnete er den Künstlern Hermann Kätelhön, Adolf Lins und Emil Zimmermann. Er fand in der Schwalm geeignete Modelle und Motive für seine ausdrucksstarken Arbeiten und kam zu mehreren Sommeraufenthalten in die Schwalm in den nächsten Jahren zurück. Im Winter von 1889/90 besuchte er eine Abendmahlsfeier in Willingshausen, die ihn nachhaltig beeindruckte und künstlerisch anregte.

Studie zu „Abendmahl in einer Hessischen Dorfkirche“

Von Januar bis März 1890 hielt er sich kurzzeitig, aber mit nachdrücklicher Wirkung auf sein weiteres Werk, zu Studienaufenthalten in Paris auf. Er studierte die Malweise der Impressionisten. Carl Bantzer fertigte in dieser Zeit eine Studie zum Abendmahl in der Merzhäuser Kirche an. 1891 lebte er wiederum in Dresden, um wieder 1892 nach Willingshausen zurückzukehren. 1892 wird in München, Berlin, Wien, Dresden, Leipzig, Hamburg, Breslau, und Frankfurt am Main das Bild Hessische Abendmahlsfeier ausgestellt, das ein Jahr zuvor nach Vorbild des Altars der Kirche in Wenkbach entstand. 1893 unternimmt Carl Bantzer eine Studienreise mit dem Maler Wilhelm Georg Ritter nach Heiligenstadt, über den Hanstein nach Allendorf an der Werra, Friedewald, Bad Hersfeld, und Schlitz, verbunden mit einem längeren Aufenthalt in Aufenau an der Kinzig und im Töpferdorf Wittgenborn am Vogelsberg. Er kehrte dann wieder nach Willingshausen zurück, da er keine ihm geeigneten Modelle für seine Arbeiten finden konnte. 1896 ließ er die Holzkirche am Forsthof in Willingshausen abbrechen und neben den Gasthaus Haase aufbauen, um es als Atelier von Marburg aus neben seiner Werkstatt zu nutzen. 1896 wird er zum Professor an der Königlichen Kunstakademie in Dresden berufen. 1896 bis 1897 malte er das Bild Schwälmer Jugend beim Tanz, das er 1898 erstmals in München ausstellte. 1899 heirateten er und Helene. Aus dieser Ehe stammen fünf Kinder, darunter auch die Tochter Marigard Bantzer, eine Kinderbuchillustratorin und Frau von e.o.plauen. 1903 bis 1904 arbeitete er am Hochzeitsschmaus. Er schuf Porträts von Schwälmer Bauern und Bäuerinnen und 1907 das Bild Der Erntearbeiter, einige Frühlingslandschaften auf der Neustädter Wiese und 1908 Die Bauernbraut. 1909 kam der Schüler Carl Bantzers Kurt Schwitters mit seinem Lehrer zu impressionistischen Studien nach Willingshausen. Von 1910 bis 1916 schuf er mehrere Bilder der Abendruhe. Die Vespermahlzeit wurde 1916 gemalt, danach beschäftigte er sich wieder mit Landschaftsbildern in Willingshausen.

1918 wurde Bantzer an die Kunstakademie in Kassel berufen, deren Direktor er bis 1923 blieb. Von 1932 bis 1936 malte er mehrere Landschaften vom Marburger Frauenberg. 1934 folgte das Bild Alte Buchen am Waldrand, 1937 Drei mächtige Buchen in Willingshausen. 1935 bis 1938 arbeitete er am Waldreiter und 1938 am Bauern Gimpel und schließlich 1939 am Bildnis der Alten Frau Schäfer. 1941 hielt er sich letztmals in Willingshausen auf, und er malte seine letzten Figurenbilder, das Willingshäuser Wasserwerk und die Waldlandschaft.

Carl Bantzer starb im Alter von 84 Jahren in Marburg.

Eine Schule in Schwalmstadt-Ziegenhain sowie Straßennamen in Kassel, Marburg, Gießen und Goppeln erinnern an das Wirken von Carl Bantzer.

2005 erschien vom Autor und Mediziner Henning Schäfer der Roman Schwälmer Tanz. Die Kriminalgeschichte handelt von zwei Vorstudien des Carl Bantzer Bildes Schwälmer Jugend beim Tanz.

Schüler[Bearbeiten]

Signatur[Bearbeiten]

  • C.B
  • C.N.B
  • C.Bantzer
  • C.N.Bantzer

Werke[Bearbeiten]

  • Abendmahl in einer hessischen Dorfkirche 1892
  • Willingshausen 1898
  • Schwälmer Bauern 1931

Ausstellungen[Bearbeiten]

Werke in einem Museum, Auswahl[Bearbeiten]

Nachlass[Bearbeiten]

Der Nachlass von Carl Bantzer enthält Familienpapiere, Korrespondenzen, Skizzen etc. des Kunstmalers und wird als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg (Bestand 340 Bantzer) aufbewahrt. Er hat einen Umfang von rund 2,3 lfd. Metern und eine Laufzeit von 1871 bis 1941. Der Bestand ist vollständig erschlossen und über HADIS online recherchierbar.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersicht über den Bestand „Nachlass Carl Bantzer (340 Bantzer)“ Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informations-System. Abgerufen am 7. Juni 2011

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Bantzer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien