Werner Heuser

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Werner Heuser Selbstbildnis (1937)

Werner Heuser (* 11. November 1880 in Gummersbach; † 11. Juni 1964 in Düsseldorf) war ein deutscher Maler und Zeichner. Er war seit 1926 Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf, wurde 1938 als „entarteter Künstler“ seines Amtes enthoben, um nach dem Krieg die Akademie als Direktor neu aufzubauen.

Leben[Bearbeiten]

Der Vater Eugen Heuser (1847–1900) war Fabrikant einer Kunstwollspinnerei. Die Mutter Eugenie (1849–1920) war eine geborene Hoestermann.

Als Werner Heuser ein Jahr alt war, verließ der Vater seine Familie, brannte mit der Gattin des Nachbarn durch und emigrierte nach New Braunfels, Comal County in Texas (USA), wo er unter dem Namen Eugen Kailer[1] Ende des 19. Jahrhunderts Herausgeber der Neu-Braunfelser Zeitung[2] wurde. Die Mutter, schwer erschüttert, übergab die Erziehung von Werner und seinen Brüdern Johann Peter Eugen (1873–1921) und Kuno (1876–1918) zeitweise an eine Tante, genannt Tekla.

Werner Heuser besuchte bis 1896 Gymnasien in Bonn und Siegburg. Von 1897 bis 1904 studierte er an verschiedene Kunstgewerbeschulen, der Kunstakademie Düsseldorf bei Eduard Gebhardt und in Dresden bei Carl Bantzer.

In Düsseldorf lernte er seine zukünftige Frau Mira Sohn-Rethel, eine Enkelin des Künstlers Alfred Rethel, Tochter von Karl Rudolf Sohn kennen, welche er 1907 heiratete. Die Hochzeitsreise ging nach Rom mit Aufenthalt in der Villa Strohl-Fern nahe den Gärten der Villa Borghese (1908 bis 1914). Hier lebte er in engster Arbeitsgemeinschaft mit Karl Hofer, Hermann Haller, dem Amerikaner Maurice Sterne, so wie seinen Schwägern Otto Sohn-Rethel und Karli Sohn-Rethel.

1909 in Rom, die Geburt des Sohn Klaus. Klaus Heuser sollte später eines der Vorbilder für den Josephsroman Thomas Manns werden und ist eine der Hauptpersonen in dem Roman Königsallee von Hans Pleschinski.[3]

In Paris schloss er sich dem Kreis der Maler, die im Café du Dôme ihr Hauptquartier hatten, an. Er war vertraut mit Henri Matisse, Pablo Picasso, Ernesto de Fiori, Rudolf Levy und all den anderen Montparnassiens.

Im Winter 1913/14 gründete Heuser mit Ernst Isselmann, Hans Dornbach u.a. die Rheinische Künstlervereinigung, Sitz Köln, die im Januar 1914 eine erste Ausstellung in den Räumen des Kölnischen Kunstvereins organisierte. Im Frühjahr 1914 Teilnahme an der ersten Ausstellung der Freie Secession in Berlin.

1915 wurde die Tochter Ursula geboren, die von 1930 bis 1935 an der Kunstakademie Düsseldorf unter anderem bei Professor Paul Bindel studierte.

Während des Ersten Weltkrieges war er Sanitäter an der russischen Front, dann Delegierter des Roten Kreuzes in Kiew und Sewastopol, lernte Werner Heuser in diesen vier Jahren ein erschütterndes Maß an Leid und Elend kennen und erlebte den Zusammenbruch und Rückzug aus Russland.

Zurückgekehrt ließ er sich für dauernd in Düsseldorf nieder.

1919 gehörte Werner Heuser mit Heinrich Nauen, Adolf Uzarski, Arthur Kaufmann sowie die Maler Carlo Mense, Walter Ophey und dem Architekt Wilhelm Kreis zu den ersten Mitgliedern der expressionistische Künstlervereinigung Junges Rheinland.[4] Als Illustrator des Dachstube-Verlags fertigte Werner Heuser 1919 Lithografien, für den Gedichtband Der Vorläufe von Wolfgang Petzet. 1920 wurde er Mitglied der Darmstädter Sezession und beteiligte sich an des Expressionismus Ausstellung.

1926 kam der Ruf an die Kunstakademie Düsseldorf als Professor für Zeichnen und Komposition. Seine Professorenkollegen waren Heinrich Campendonk, Max Clarenbach, Paul Klee, Ewald Mataré, Heinrich Nauen und Wilhelm Schmurr.

Von den Nationalsozialisten wurden seine Werke als „entartete Kunst“ eingestuft mit mit Anprangerung seiner Kunst auf der Ausstellung Entartete Kunst in München.[5] 1938 erhielt Werner Heuser Berufsverbot und wurde aus dem Lehramt entlassen. Werner Heuser intervenierte aufgrund seines Beamtenstatus und Freunde der Familie und insbesondere Paul Clemen setzten sich für ihn ein. Und so wurde ihm, „dem ehemaligen künstlerischen ausserordentlichen Lehrer an der Staatlichen Kunstakademie (…) vorbehaltlich und jederzeitigen Widerrufs (…)“ (Schreiben des Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung V c 442, Berlin W 8, vom 6. März 1943 an den Herrn Regierungspräsidenten als Kurator der Staatlichen Kunstakademie, in Düsseldorf), bis März 1943, und von da an nochmals bis März 1946, eine laufende Unterstützung von zweihundert Reichsmark gewährt. Als Künstler arbeitete er weiter.

1943 wurde das Familienhaus auf der Goltsteinstraße 23 in Düsseldorf durch eine Brandbombe mitsamt aller gesammelten Kunstwerken zerstört und Heuser folgte seiner Frau Mira und Tochter Ursula, welche auf Schloss Bollschweil bei Freiherr von Holzing im Breisgau untergekommen waren. Dort erhielt er im August 1945 ein Schreiben: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie recht bald hier zurückkehren wollten. Herr Dr. Peter Esser wird Ihnen über alles im einzelnen berichten. Jedenfalls ist mir sehr gelegen, daß Sie mit Ihrer Persönlichkeit und dem großen Maß Ihrer Erfahrung bei dem Wiederaufbau der Kunstakademie und ihres künstlerischen Lebens mitwirken möchten.“ (Dr. Busley, Referent für Kultur und Denkmalpflege beim Oberpräsidenten der Nord-Rheinprovinz.)

Werner Heuser an den Stadtkommandanten Freiburg im Breisgau (mit der Bitte um Weiterleitung an den Herrn Vorsitzenden der Alliierten Kommission), September 1945: "Als Professor an der Staatl. Kunstakademie in Düsseldorf wurde ich von der nationalistischen Partei als nicht erwünscht angesehen, verlor meine Stellung, musste der Geheimen Staatspolizei Bilder ausliefern und anerkannte Persönlichkeiten, die für mich eintraten, setzten sich Gefahren aus. […] Für die von mir und meiner Familie vertretene Gesinnung wird unter anderem gerne unser langjähriger Freund Thomas Mann bürgen können."

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft kehrte er nach Düsseldorf zurück. Der Schauspieler Peter Esser nahm ihn und seine Frau in seinem Haus in Alt-Meererbusch bei Düsseldorf auf. Am 13. Oktober 1945 wurde er wieder als Professor der Kunstakademie eingesetzt, am 15. Oktober 1945 kam die Berufung zum Mitglied des Personalausschuss und trat am 1. November 1945 trat er seinen Dienst als Lehrer wieder an. Am 7. Januar 1946 kam die Ernennung zum kommissarischen Direktor der Akademie. Am 31. Januar 1946 wurde die Staatliche Kunstakademie von Werner Heuser wiedereröffnet. Er baute die Einrichtung wieder auf [6] und konnte namhafte Künstler wie Heinrich Kamps, Otto Pankok, Ewald Mataré und Theo Champion als Lehrkräfte verpflichten.

1949 übergab er sein Amt an Heinrich Kamps, welcher dann den Aufbau vollendete, und schied als Leiter und Professor aus der Akademie aus, um sich ganz seiner Kunst zu widmen.

Als eine der wenigen keiner Partei angehörenden Personen wurde er 1946 zum Mitglied des Ernannten Landtages von Nordrhein-Westfalen bestimmt. Den Status als vollwertiger Abgeordneter verlor er aber bald wieder und war seither Sachverständiger im Kulturausschuss des Landtages.[7]

„Viel schlimmer als der Ignorant ist in der Kunst der Dilettant,

denn was bei ersterem völlig fehlt, wirkt sich beim letzteren aus und quält

und wo der eine nur negiert wird bei dem anderen malträtiert,

sodass entschieden ohne Kunst man besser thut als sie verhunzt.[8]

Am 5. Juni 1948 wurde die Gründung des Landesverbandes Bildender Künstler Nordrhein-Westfalen e.V, welcher auf die die ehemalige Gewerkschaft Kunst zurückgeht, offiziell vollzogen. Werner Heuser eröffnete als Gründungspräsident die erste Generalversammlung des Landesberufsverbandes im Sitzungssaal des Vereins der Deutschen Eisenhüttenleute zu Düsseldorf. Bedingt durch die Währungsreform und dem daraus resultierenden Beitragsschwund, folgte kurz darauf die erste Krise des Verbands, die zur Neustrukturierung unter dem neuen NamenWirtschaftsverband Bildender Künstler NRW im Jahre 1953 führte.[9]

Am 11. Juni 1964 starb Werner Heuser in Düsseldorf an Herzversagen.

Werk[Bearbeiten]

Die Kunst für Alle, August 1941, Seite 252–256: von Alfred Rethel zu Werner Heuser - um einen Totentanz

Heuser gehörte zu den ersten Mitgliedern des Jungen Rheinlands und hatte mehrfache Beteiligung an Ausstellungen. Er malte meist mit Buntstiften. Er verband zeichnerische Technik mit expressivem Ausdruck. Er galt als ein Meister der figürlichen Komposition. Als Motive wählte er häufig gesellschaftliche Außenseiter, etwa Zigeuner oder Clowns. Er widmete sich aber auch Themen wie Tod und Wahnsinn. Daneben ist er aber auch mit Landschaften bekannt geworden. Auch griff er wiederholt christliche Themen auf. Die Nationalsozialisten zeigten sein Ölgemälde „Die Taufe“ von 1919 in der Ausstellung Entartete Kunst. Werke von ihm sind heute in Museen verschiedener Staaten und in privaten Sammlungen vorhanden.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eugen Heuser wohnte in Gummersbach auf der Kaiserstraße. Bei der Einwanderungs-Registrierung wurde aus dem neu gewählten Namen Kaiser, durch die Verwechslung des langen S ein L.
  2. http://web.archive.org/web/20100311231812/http://herald-zeitung.com/history.lasso
  3. Lars Wallerang, Klaus Heuser verzauberte seine Nichte – und Thomas Mann, in: wz newsline, 27. Oktober 2013
  4. http://www.rheinische-art.de/cms/topics/johanna-ey-mutter-der-rheinischen-avantgarde.-eine-regionale-kunstgeschichte.php
  5. http://www.exilarchiv.de/DE/index.php?option=com_content&view=article&id=2084%3Aheuser-werner&catid=42&lang=pl
  6. http://kulturkenner.de/events/1946-–-wiedereroffnung-kunstakademie-dusseldorf
  7. Mensch und Staat in NRW:25 Jahre Landtag von Nordrhein-Westfalen. Köln, 1971
  8. Werner Heuser, Brief in Versform an Hetty, 29. September 1948
  9. http://www.bbk-niederrhein.de/geschichte.php

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Schmidt: Heuser, Werner. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 47 f. (Digitalisat).
  • Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Werner Heuser, Ausstellungskatalog , Düsseldorf 1965
  • Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur - Von Alfred Rethel zu Werner Heuser, Paul Clemen, 1941 [1]
  • Der Vorläufer, Wolfgang Petzet, Gedichte mit Lithografien von Werner Heuser, Dachstube-Verlag, Darmstadt, 1924

Ehrung[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]