Kinzig (Main)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kinzig
Vorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt
Kinzig in der Bulau bei Hanau

Kinzig in der Bulau bei Hanau

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2478
Lage Hessen, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Main → Rhein → Nordsee
Quelle 500 m südwestlich der Ortslage von Sinntal-Sterbfritz
50° 18′ 13″ N, 9° 37′ 11″ O50.3034799.619721400
Quellhöhe 400 m ü. NN[1]
Mündung westlich der Altstadt von Hanau in den Main bei Strom-Kilometer 5550.1295348.9022299Koordinaten: 50° 7′ 46″ N, 8° 54′ 8″ O
50° 7′ 46″ N, 8° 54′ 8″ O50.1295348.9022299
Mündungshöhe 99 m ü. NN[1]
Höhenunterschied 301 m
Länge 86 km[1]
Einzugsgebiet 1058,283 km²[1]
Abfluss am Pegel Hanau[2]
(87,0 % des Einzugsgebiets)
AEo: 921,2 km²
Lage: 5 km oberhalb der Mündung
NNQ
MNQ 1957 – 2006
MQ 1957 – 2006
Mq 1957 – 2006
MHQ 1957 – 2006
HHQ (1967)
1 m³/s
2,39 m³/s
10 m³/s
10,9 l/(s km²)
71,9 m³/s
160 m³/s
Abfluss[1][3] an der Mündung
AEo: 1058,28 km²
MQ
Mq
10,97 m³/s
10,4 l/(s km²)
Linke Nebenflüsse Ahlersbach(2478118), Auerbach, Ahlersbach(2478152), Klingbach, Orb, Bieber, Schandelbach, Birkigsbach, Hasselbach, Lache
Rechte Nebenflüsse Ramholzer Wasser, Grennelbach, Elmbach, Riedbach, Steinaubach, Ulmbach, Salz, Bracht, Gründau, Fallbach
Durchflossene Stauseen Kinzig-Stausee
Mittelstädte Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern
Kleinstädte Steinau an der Straße, Bad Soden-Salmünster, Wächtersbach, Langenselbold
Schiffbar nein (im Mittelalter von Gelnhausen bis zur Mündung)
Mündung in Hanau

Mündung in Hanau

Die Kinzig ist ein 86 km langer Fluss in Hessen, der in Sterbfritz entspringt, den Main-Kinzig-Kreis durchfließt und in Hanau in den Main mündet. Urkundlich erstmals erwähnt wurde die Kinzig 815 als „Chinzicha“.

Geografie[Bearbeiten]

Kinzigquelle[Bearbeiten]

Die Kinzigquelle in Sterbfritz

Die Kinzigquelle befindet sich auf etwa 400 m ü. NN, in der Nähe eines Aussiedlerhofes südlich von Sterbfritz, einem Ortsteil von Sinntal. Es ist eine kleine, in Sandsteinen gefasste Quelle, die mit einem Abflussrohr versehen ist. Die Kinzigquelle wurde im Jahre 2011 saniert. Dabei wurde die Quelleneinfassung erneuert, die Fläche eingeebnet und neue Bäume angepflanzt[4]. Der dort entspringende Quellbach fließt wenige Meter nach Nordwesten und vereinigt sich mit einem längeren Quellast.

Verlauf[Bearbeiten]

Von der Quelle nimmt die Kinzig nordwestlichen Lauf und bildet bis Schlüchtern die Grenze zwischen dem Naturpark Hessische Rhön und dem Naturpark Hessischer Spessart. Westlich von Schlüchtern fließt die Kinzig in südwestlicher Richtung und grenzt den Vogelsberg im Norden vom Spessart im Süden ab. Zwischen Steinau und Ahl befindet sich der Kinzig-Stausee. Im unteren Flussbereich kann die Kinzig auch von Kanuten genutzt werden. Kurz vor Hanau durchfließt die Kinzig die so genannte Bulau. Dieses Waldgebiet wurde früher von der US Army als Übungsgebiet verwendet und ist daher noch sehr naturbelassen. Bei Hochwasser läuft die Waldaue durch viele Gräben schnell mit Wasser voll, so dass im Frühling weitläufige Bärlauch-Wiesen zu finden sind. Der Fluss mündet nach etwa 82 km in Hanau bei etwa 100 m ü. NN in den Main. Dort kann man wie von einem Balkon aus zum Schloss Philippsruhe oder zum Mainhafen blicken. Die Aussichtsplattform besteht aus zwei ineinandergeschobenen Terrassendecks, die durch eine Stahlmauer verbunden sind.

Orte an der Kinzig[Bearbeiten]

(in Flussrichtung)

Zuflüsse[Bearbeiten]

Das Einzugsgebiet der Kinzig beträgt 1058 Quadratkilometer[5].

Wichtigste Nebenflüsse (>10 km) sind (flussabwärts)

Eine umfassendere Aufstellung, die auch kleine Zuflüsse enthält, findet sich in der Liste der Fließgewässer im Flusssystem Kinzig (Main).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Fluss besaß schon zur Römerzeit eine Bedeutung als Verkehrsweg, wie die Anlage mehrerer Kastelle am Unterlauf belegt. Der Übergang des Limes über die Kinzig bei Erlensee-Rückingen wurde durch das Kastell Rückingen gesichert. Da die Römer schwere Lasten bevorzugt mit kleineren Schiffen oder gar Flößen durch Treideln transportierten, dürfte in Rückingen südlich des Kastells ein erheblicher Teil des Baumaterials und der Versorgungsgüter für die östliche Wetterau-Linie umgeschlagen worden sein. In direkter Nähe zur Flussmündung befand sich das Kastell Kesselstadt, einer der größten bekannten Kastellbauten am Limes, das aber wohl nur kurze Zeit bestanden hat. Es wurde durch das Kastell Salisberg ersetzt, welches sich in der Nähe auf einer leichten Erhebung über der Kinzig und der Mündung des Salisbachs befand.

Im Mittelalter kam der Kinzig eine gewisse Bedeutung bei der Sicherung des Landes durch Burgen zu, hier ist besonders die Pfalz Gelnhausen zu nennen, die von der Kinzig umflossen wurde. Wahrscheinlich ebenfalls in die Zeit Friedrich Barbarossas fallen weitere Burggründungen dieser Zeit in der Region, an der Kinzig das Stadtschloss Hanau sowie die Wasserburg in Rückingen, die 1234 bzw. 1248 erstmals erwähnt werden, jedoch schon etwas länger bestanden haben dürften. 1405 ließ König Ruprecht von der Pfalz die Wasserburg in Rückingen wegen Übergriffen auf Kaufleute zusammen mit einigen anderen Burgen der Region zerstören.

Schifftor in Gelnhausen

Für Schifffahrt auf der Kinzig im Mittelalter gibt es besonders aus Gelnhausen eindeutige Belege. Neben dem Schiffertor, das wohl zur frühesten Stadtanlage um 1170 gehört, handelt es sich um die Erwähnung einer Schiffleute-Zunft und einer Schiffordnung, die im 16. Jahrhundert noch existiert hat, dann aber wegen der Anlage von Mühlen oder Versandung des Flusses aufgegeben wurde. Es handelte sich jedoch um eine reine Talschiffahrt, was das Geschäft auf Dauer unrentabel machte.[6]

Um die Burg zwischen den Kinzigarmen in Hanau entwickelte sich die Stadt Hanau, Residenz der Herren und Grafen von Hanau. Vor ihrer Mündung in den Main schließt die Kinzig in einem Bogen nach Nordwesten die Stadt ein, was die Anlage von polygonalen Befestigungen der Alt- und Neustadt in der Neuzeit begünstigt hat. Nach der Niederlegung der Befestigungsanlagen 1806 wurden auch die meisten durch die Stadt verlaufenden Stadtgräben und Kinzigarme zugeschüttet. Erhalten geblieben ist ein Kinzigarm, der durch den Hanauer Schlossgarten fließt.

1601/02 gab es nochmals gemeinsame Bestrebungen des Isenburger Grafen Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen und Philipp Ludwig II. von Hanau zur Schiffbarmachung der Kinzig durch Anlage von Wehren und Schleusen. Der Ysenburger hoffte auf Einnahmen durch einen Wasserzoll und die Möglichkeit zur Abfuhr von Holz aus dem Büdinger Wald auf dem Wasserweg. Philipp Ludwig von Hanau war interessiert, die Verkehrsverbindungen seiner 1597 entstandenen Neustadt Hanau zu verbessern, wo er calvinistische Glaubensflüchtlinge aus den Spanischen Niederlanden und Frankreich angesiedelt hatte. Das Projekt scheiterte am Widerstand der Stadt Frankfurt und Kurmainz, die bei Kaiser Rudolf II. intervenierten.[7]

Am 30. und 31. Oktober 1813 fand unmittelbar nördlich der Kinzig die Schlacht bei Hanau statt. Ein Gedenkstein an der Kinzigbrücke westlich der Hanauer Vorstadt erinnert an die Verwundung des bayrischen Generals Carl Philipp von Wrede.

Verkehr[Bearbeiten]

Das Kinzigtal zwischen den Bergen von Vogelsberg und Spessart ist seit dem Mittelalter eine wichtige Verkehrsverbindung sowohl für den Ost-West- als auch den Nord-Süd-Verkehr gewesen, wie schon der Beiname von Steinau an der Straße besagt. Her verlief ein Teilstück der Via Regia oder Hohen Straße von Mainz über Frankfurt am Main nach Leipzig und Breslau. Als moderne Straßenverbindung durchquert die Bundesautobahn 66 das Kinzigtal, die die frühere Bundesstraße 40 ersetzt hat. Für den Bahnverkehr von Frankfurt nach Fulda gibt es die Kinzigtalbahn (Hessen).

Bildergalerie[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kinzig (Main) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Topografische Karte 1:25.000 und WRRL Datenbank
  2. Bayerischer Hochwassernachrichtendienst (abgerufen am 6. September 2013)
  3. Pegelwert Hanau vermehrt um den Gebietsabfluss des Resteinzugsgebietes (137,08 km²), ermittelt aus den Daten der Pegel Rück, Hainstadt, Goldbach, Harreshausen, Alzenau, Hanau, Kleinheubach und Frankfurt a.M. Osthafen
  4. http://www.wittich.de/index.php?id=73&tx_lw_pi2[heftnr]=1167&tx_lw_pi2[ort]=Sinntal&tx_lw_pi2[pointer]=1&tx_lw_pi2[uid]=140741304237
  5. Retentionskataster Flussgebiet Kinzig
  6. Martin Eckoldt: Schiffahrt auf kleinen Flüssen Mitteleuropas in Römerzeit und Mittelalter. Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums 14, Oldenburg, Hamburg, München 1980 S. 84-86.
  7. Jürgen Ackermann: 1601/02: Warentransport auf der Kinzig oder auf der Frankfurt-Leipziger Landstraße? In: Büdinger Geschichtsblätter 18, 2004/2005, S. 341–344.