Charles Michel

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Charles Michel (2010)

Charles Michel (* 21. Dezember 1975 in Namur) ist ein belgischer Politiker der Partei Mouvement Réformateur (MR). Seit dem 11. Oktober 2014 ist er belgischer Premierminister und führt somit die Föderalregierung des Königreichs an (Regierung Michel). Von 2000 bis 2004 war er wallonischer Innenminister und von 2007 an föderaler Minister für Entwicklungszusammenarbeit (zuletzt in der Regierung Leterme II). Michel gab aber sein Amt im Februar 2011 ab, nachdem er zum Vorsitzenden der MR gewählt wurde. Er ist ebenfalls seit 2006 Bürgermeister von Wavre.

Leben[Bearbeiten]

Charles Michel ist der Sohn des ehemaligen belgischen Außenministers und Europäischen Kommissars Louis Michel (MR). Er studierte Jura an der Université Libre de Bruxelles (ULB) und an der Universität von Amsterdam (UvA). Seit 1998 ist er in Brüssel als Rechtsanwalt zugelassen.

Seine politische Aktivität begann Charles Michel im Jahr 1994 als Provinzabgeordneter in Wallonisch Brabant. Nach den Föderal- und Regionalwahlen von 1999 wurde er föderaler Abgeordneter in der Abgeordnetenkammer. Als die Liberalen 1999 eine Koalition mit den Sozialisten (PS) auf der Ebene der Wallonischen Region bildete, ersetzte er im Jahr 2000 Jean-Marie Severin (MR) als Minister für innere Angelegenheiten und für das öffentliche Amt in der Regierung unter Jean-Claude Van Cauwenberghe (PS). Nach den Regionalwahlen von 2004 rückte die MR auf wallonischer Ebene in die Opposition und Michel war bis 2007 wieder einfacher föderaler Abgeordneter.

Auf lokaler Ebene zog Charles Michel im Jahr 2000 in den Gemeinderat von Wavre ein. Er gewann die Kommunalwahlen von 2006 und wurde Bürgermeister in dieser Stadt. Seit 2007, dem Jahr, in dem er zum föderalen Minister ernannt wurde, übt er jedoch dieses Amt nicht aus.

Nach den Föderalwahlen von 2007 und der langen politischen Krise erhielt Charles Michel den Posten des Ministers für Entwicklungszusammenarbeit unter Guy Verhofstadt (Open VLD), und behielt ihn in den Folgeregierungen unter Yves Leterme (CD&V) und Herman Van Rompuy (CD&V).

Innerhalb der MR gehört Charles Michel zur „Renaissance-Gruppe“, die nach den Föderalwahlen von 2009, bei denen die MR herbe Verluste einstecken musste, den Rücktritt des damaligen Vizepremiers, Finanzministers und MR-Vorsitzenden Didier Reynders forderte. Nach den parteiinternen Wahlen konnte sich Charles Michel gegenüber dem MR-Fraktionsvorsitzenden in der Kammer Daniel Bacquelaine durchsetzen und trat die Präsidentschaft der MR am 14. Februar 2011 an.[1] Als MR-Vorsitzender nahm Michel nach den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 13. Juni 2010 an den Gesprächen zur sechsten Staatsreform und zur Bildung einer Föderalregierung unter Formator Elio Di Rupo (PS) teil. Hierbei stimmte er der Teilung des Wahlkreises Brüssel-Halle-Vilvoorde zu und löste einen perteiinternen Konflikt mit der FDF, die seit 1992 mit den frankophonen Liberalen (PRL) in einem Wahlbündnis auftrat und seit 2002 einer der Bestandteile der MR war, aus. Am 25. September 2011 verließ die FDF daraufhin die MR.[2] Charles Michel wurde trotz der Teilung der Partei als Vorsitzender bestätigt.

Bei den Föderalwahlen vom 25. Mai 2014 erlangte die MR auf frankophoner Seite einen Wahlsieg; die PS und die cdH mussten dagegen leichte Verluste einfahren. Nach den Wahlen wurden zunächst Bart De Wever (N-VA) und dann Charles Michel vom König zum Informateur ernannt. Als sich die Möglichkeit einer Koalition aus N-VA, CD&V, Open VLD und MR abzeichnete, beauftragte der König das Tandem Charles Michel und Kris Peeters (CD&V) am 22. Juli 2014 mit der Regierungsbildung.[3] Eine Einigung konnte am 7. Oktober 2014 nach etwa zweieinhalbmonatiger Verhandlung erreicht werden.[4] Charles Michel legte seinen Eid als Premierminister am 11. Oktober ab und wurde somit mit 38 Jahren zum jüngsten belgischen Regierungschef; er ist nach Paul-Émile Janson erst der zweite französischsprachige Liberale, der dieses Amt belegt.[5]

Charles Michel ist Kommandeur des Leopoldsordens.

Übersicht der politischen Ämter[Bearbeiten]

  • 1994 – 1999: Provinzialabgeordneter in der Provinz Wallonisch Brabant
  • 1999 – heute: Mitglied der föderalen Abgeordnetenkammer (teilweise verhindert)
  • 2000 – 2004: Minister der Wallonischen Region für Inneres und das öffentliche Amt
  • 2000 – heute: Gemeinderatsmitglied in Wavre
  • 2006 – heute: Bürgermeister von Wavre (teilweise verhindert)
  • 2007 – 2011: Föderaler Minister für Entwicklungszusammenarbeit in den Regierungen Verhofstadt III, Leterme I, Van Rompuy und Leterme II
  • 2014 – heute: Premierminister

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Charles Michel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MR: Charles Michel a pris la relève de Didier Reynders à la tête du Mouvement. LaLibre.be, 14. Februar 2011 (französisch).
  2. Mathieu Colleyn: C'est fait, les FDF quittent le MR. LaLibre.be, 26. September 2011 (französisch).
  3. Jorn Van Thillo: Formatieopdracht voor Kris Peeters en Charles Michel. Standaard.be, 22. Juli 2014 (niederländisch).
  4. David Coppi, Dirk Vanoverbeke, Véronique Lamquin: La suédoise boucle l’accord de gouvernement, Charles Michel Premier ministre. Lesoir.be, 7. Oktober 2014 (französisch).
  5. Biografie. Charles Michel wordt jongste premier uit Belgische geschiedenis. Belga-Artikel auf Standaard.be, 7. Oktober 2014 (niederländisch).