Herman Van Rompuy

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Herman Van Rompuy (2012)
Unterschrift

Herman Achille Van Rompuy (Zum Anhören bitte klicken! [ˈɦɛɾmɑn vɑn ˈɾɔmpœy̆]a a; * 31. Oktober 1947 in Etterbeek) ist ein belgischer Politiker der flämischen Partei Christen-Democratisch en Vlaams (CD&V). Er war vom 30. Dezember 2008 bis zum 25. November 2009 belgischer Premierminister und Regierungschef. Am 19. November 2009 wurde er zum ersten ständigen Präsidenten des Europäischen Rates designiert und hat dieses Amt seit dem 1. Dezember 2009 inne. Am 1. März 2012 ist Van Rompuy von den europäischen Staats- und Regierungschefs für weitere zweieinhalb Jahre (1. Juni 2012 bis 30. November 2014) im Amt bestätigt[1] und gleichzeitig für dieselbe Zeit zum Vorsitzenden der Euro-Gipfel gewählt worden.[2]

Leben[Bearbeiten]

Herman Van Rompuy ist der Sohn von Victor Van Rompuy und Germaine Geen. Er legte 1965 am Sint-Jan Berchmans-College in Brüssel seinen Schulabschluss ab und erhielt 1968 an der Katholieke Universiteit Leuven seinen Bachelor im Fach Philosophie und 1971 den Mastertitel im Fach Betriebswirtschaftslehre.

Von 1973 bis 1977 war er stellvertretender Vorsitzender der Jugendorganisation der Christelijke Volkspartij (CVP), die 2001 zur CD&V wurde, und wurde 1978 Mitglied des Parteibüros der CVP. Nachdem er von 1972 bis 1975 als Attaché für Inneres bei der Belgischen Nationalbank tätig war, wurde er anschließend Berater in den Kabinetten des Premierministers Leo Tindemans (1975–1978) und des Finanzministers Gaston Geens (1978–1980). Von 1980 bis 1988 war er Direktor des Centrum voor Politieke, Economische en Sociale Studies und lehrte von 1980 bis 1987 an der Handelshochschule Antwerpen, sowie seit 1982 an der Vlaamse Economische Hogeschool Brussel (VLEKHO). Ab Mitte der 1980er Jahre gehörte Van Rompuy zur Parteispitze und war von 1988 bis 1993 Vorsitzender der CVP. Zudem war er von 1988 bis 1993 Mitglied des Belgischen Senats. Von 1993 bis 1999 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Premierministers und Haushaltsministers.

Seine Ministerlaufbahn endete vorläufig nach einer schweren Wahlniederlage seiner Partei im Juni 1999, nach der die CVP in die Opposition gehen musste. Seither ist er Mitglied der Abgeordnetenkammer, zu deren Präsident er am 12. Juli 2007 gewählt wurde. 2004 erhielt er den Ehrentitel „Staatsminister“.

Nach dem Scheitern der Verhandlungen zur Bildung einer föderalen Regierung unter dem zur Regierungsbildung bestellten Yves Leterme (formateur) wurde Van Rompuy im August 2007 von König Albert II. zur Findung einer Grundlage für neue Koalitionsverhandlungen bestellt (explorateur).[3] Nach dem Scheitern der (schließlich doch noch zustande gekommenen) kurzlebigen Fünf-Parteien-Regierung Letermes im Dezember 2008 wurde der flämische Christdemokrat vom König und dem explorateur Wilfried Martens als neuer Regierungschef vorgeschlagen[4] und am 30. Dezember 2008 von König Albert II. im Amt des Premierministers vereidigt.[5] Van Rompuy gilt als entscheidende Figur bei der Überwindung der Krise von 2007/08 im flämisch-wallonischen Konflikt.

Am 19. November 2009 wurde Van Rompuy auf einem Sondergipfel des Europäischen Rats zu dessen erstem ständigen Präsidenten ernannt. Dieses Amt wurde mit dem Vertrag von Lissabon neu geschaffen, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat. Van Rompuy war bereits in den Tagen vor dem Gipfel als Kompromisskandidat im Gespräch gewesen, nachdem andere Kandidaten wie Tony Blair und Jean-Claude Juncker bei unterschiedlichen nationalen Regierungen auf Widerstand gestoßen waren. Da sein neuer Posten mit dem eines Regierungschefs unvereinbar ist, musste er das Amt als belgischer Premierminister aufgeben. Am 25. November 2009 trat die Regierung Van Rompuy geschlossen zurück und Yves Leterme wurde erneut zum Premierminister ernannt.[6]

Kabinettsleiter Van Rompuys als Ratspräsident wurde Franciskus van Daele.[7] Die ersten Monate im neuen Amt waren davon geprägt, eine funktionsfähige Struktur für das insgesamt nur 23 Mitarbeiter umfassende neue Amt zu schaffen und seine Rolle zwischen den anderen Organen der EU zu etablieren, außerdem von der globalen Wirtschaftskrise 2009/2010.

Außerdem ist seine Tätigkeit geprägt von der Staatsschuldenkrise im Euroraum, speziell von der griechischen Finanzkrise. Im Zuge dessen wurde im Mai 2010 der Euro-Rettungsschirm beschlossen und im Juli 2011 der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) unterzeichnet.

Am 1. März 2012 wurde Herman Van Rompuy von den Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedsstaaten einstimmig als Präsident des Europäischen Rates wiedergewählt. Seine zweite Amtszeit wird zweieinhalb Jahre dauern, vom 1. Juni 2012 bis zum 30. November 2014. Nach dieser zweiten Amtszeit kann er nicht noch einmal gewählt werden, da die Amtszeit des Präsidenten des Europäischen Rates nur einmal verlängert werden kann. Herman Van Rompuy wurde auch zum ersten Präsidenten der Euro-Gipfeltreffen ernannt - und zwar für dieselbe Amtszeit wie sein Vorsitz des Europäischen Rates. Die Euro-Gipfeltreffen werden mindestens zweimal im Jahr stattfinden.

Für seinen Einsatz um die Einigung Europas erhielt Herman Van Rompuy am 29. Mai 2014 den Aachener Karlspreis.[8]

Van Rompuy ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Sein Bruder Eric Van Rompuy ist ebenfalls Politiker, er vertritt die CD&V im flämischen Parlament. Seine Schwester Tine Van Rompuy trat bei mehreren Wahlen, unter anderem bei der Europawahl in Belgien 2009, für die kommunistische Partij van de Arbeid an.[9] Rompuy ist aufgrund seines unscheinbaren, zurückhaltenden Auftretens in Belgien unter dem Spitznamen Die Sphinx bekannt.[10] Er schreibt privat Haiku, 2010 veröffentlichte er ein Buch mit Haiku-Gedichten.[11][12]

Publikationen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herman Van Rompuy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 'Grey mouse' EU chairman picked for second term. EUobserver, abgerufen am 2. März 2012.
  2. Herman van Rompuy: Der Unterschätzte. Zeit online, abgerufen am 2. März 2012.
  3. Herman Van Rompuy kamervoorzitter
  4. Belgien: Van Rompuy soll neue Regierung bilden (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  5. [3]
  6. Lalibre.be: Yves Leterme nommé Premier ministre (25. November 2009) (frz.)
  7. Vgl. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format9 Monate van Rompuy als ER-Präsident: Kabinettchef van Daele zieht in EBD Exklusiv eine erste Bilanz. Europäische Bewegung Deutschland, 08.10.10, abgerufen am 10. Oktober 2010.
  8. Karlspreis 2014, abgerufen am 29. Mai 2014
  9. http://www.lesoir.be/actualite/belgique/la-soeur-de-van-rompuy-sur-la-2009-04-09-700315.shtml
  10. Saarbrücker Zeitung: Unscheinbar, aber knallhart: "Mister EU" Herman Van Rompuy
  11. Deutsche Welle: Haiku vor dem Hohen Rat
  12. Kleine Zeitung: Van Rompuy veröffentlichte Haiku-Gedichte