Chojna

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Dieser Artikel beschreibt die polnische Stadt Chojna. Zu der bolivianischen Ortschaft Chojña in der Provinz Caranavi siehe Chojña.
Chojna
Wappen von Chojna
Chojna (Polen)
Chojna
Chojna
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Gryfino
Gmina: Chojna
Fläche: 12,00 km²
Geographische Lage: 52° 58′ N, 14° 25′ O52.96666666666714.416666666667Koordinaten: 52° 58′ 0″ N, 14° 25′ 0″ O
Höhe: 19 m n.p.m
Einwohner: 7303
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 74-500
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 26: Krajnik Dolny ↔ Renice
DK 31: SzczecinSłubice
DW 124: Osinów Dolny ↔ Chojna
Schienenweg: PKP-Linie 273: Stettin–Breslau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 45 Ortschaften
22 Schulzenämter
Fläche: 332,89 km²
Einwohner: 13.969
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 42 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206033
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Adam Fedorowicz
Adresse: ul. Jagiellońska 4
74-500 Chojna
Webpräsenz: www.chojna.pl

Chojna [ˈxɔɪ̯na] (deutsch Königsberg in der Neumark) ist eine Kleinstadt und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Westen Polens in der Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Chojna liegt etwa 60 km südlich von Stettin in der Neumark. Sie ist Mitgliedsstadt der europäischen Städtevereinigung Douzelage.

Bei Chojna befindet sich der westlichste Punkt Polens. Westlich von Chojna gibt es zwei Grenzübergänge (Hohenwutzen und Schwedt/Oder) nach Deutschland über die Oder.

Stadt Chojna (Königsberg i.d. Neumark)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Königsberg Nm. nördlich des Oderbruchs auf einer Landkarte von 1905
Königsberg/Neumark um 1900

Bis zur Gründung[Bearbeiten]

Vom 10. bis 12. Jahrhundert existierte hier eine frühslawische Burg, vermutlich mit einem Markt. Verkehrsgünstig gelegen entwickelte sich der wechselweise zu den großpolnischen Fürstentümern oder den pommerschen Piastenherzogtümern gehörende Ort schnell. Nach 1200 soll dem Ort durch Herzog Barnim I. das Magdeburger Stadtrecht verliehen worden sein.

Brandenburgische Zeit[Bearbeiten]

Der Name Konigesberge wird 1244 zum ersten Mal erwähnt. Um 1255 soll der böhmische Heerführer Ottokar II. zusammen mit Otto von Brandenburg, seinem Marschall, und einem großen Heer aus Elbing in die Region gekommen sein.[2] Nach Überlassung der „terra Konigesberge“ 1267 durch die Bischöfe von Brandenburg an die Markgrafen von Brandenburg erhielt die Stadt Konigesberge die Marktrechte und die Gerichtsbarkeit, sie wurde zeitweise Hauptort der Neumark. Die Pfarrkirche St.Marien wurde bereits 1282 erwähnt. 1290 wurde ein Augustiner-Kloster gestiftet. Von 1310 bis 1329 erlebte die Stadt durch den Getreidehandel einen wirtschaftlichen Aufschwung, ihr wurden die Marktprivilegien verliehen, und 1320 erfolgte der Bau des Rathauses. Von den Bürgermeistern und Ratsmitgliedern, die im 14. und 15. Jahrhundert in der Stadt gedient haben, sind seit 1312 viele namentlich bekannt.[3]

Die Waren wurden über die Flüsse Röhricke und Oder verschifft. Im 13. und 14. Jahrhundert erhielt Königsberg i. d. N. eine Stadtmauer mit drei Stadttoren (Schwedter Tor, Bernikower Tor und das im 19. Jahrhundert abgerissene Vierradener Tor) und mehreren Wehrtürmen. Von 1402 bis 1454 gehörte Königsberg i. d. N. zum Ordensstaat des deutschen Ritterordens, danach wieder zu Brandenburg. Ebenfalls in dieser Zeit wurde anstelle einer Feldsteinkirche die St.-Marien-Kirche und etwa um 1410 ein neues Rathaus erbaut. Beide Bauwerke gehören zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik in der Neumark.

Beim Einfall der Hussiten 1433 hielt die Stadt einer kurzen Belagerung stand. Im 15. Jahrhundert erlebte sie eine neue wirtschaftliche Blüte, um im 16. und 17. Jahrhundert dreimal von der Pest heimgesucht zu werden, der jeweils ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel.

In der Stadt befanden sich im Mittelalter eine Reihe von Kirchen: Die Marienkirche, St.Nicolai, die Augustiner-Klosterkirche und die Hospitalkirchen zum Heiligen Geist, St. Georg und St. Gertrud. Die Reformation wurde seit 1539 bis 1553 schrittweise eingeführt, das Kloster aufgelöst. In den Gebäuden waren ab 1536 ein Spital und eine Schule untergebracht, die Klosterkirche (Dreifaltigkeitskirche) wurde als Lagerhaus genutzt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Königsberg i. d. N. von Wallensteins und Gustav Adolfs Truppen besetzt, die Stadt im Laufe des Krieges zu 52 Prozent zerstört. Der Turm der St.-Marien-Kirche brannte 1682 durch Blitzschlag nieder und wurde bis 1692 wieder aufgebaut. 1714 wird eine neue barocke Kanzel und 1734 die große Wagner-Orgel eingebaut.

Altes Stadtwappen

Seit 1700 erfolgte eine wirtschaftliche Belebung, seit 1759, zur Zeit des Siebenjährigen Krieges, wurde die Stadt Sitz der neumärkischen Regierung. 1767 wurden das Schwedter und das Bernikower Tor teilweise abgebrochen, die Steine wurden zum Bau einer Kaserne am Kloster verwandt. Königsbergs Haupterwerbszweig war der Ackerbau, daneben gab es Baumwollwebereien, die aber ihren Niedergang um 1840 in der Industrialisierung fanden. Seit 1809 war Königsberg i. d. N. Sitz der Kreisverwaltung. Seit 1820 setzte ein starker Verfall der ehemaligen Klostergebäude ein. 1877 wurde die Stadt ans Eisenbahnnetz angeschlossen und blühte auf. Sie war für einen weiten Umkreis Schul- und Verwaltungsstadt neben der Peitschenriemenindustrie.

Im Jahr 1939 richtete die deutsche Luftwaffe vor den Toren der Stadt einen Flugplatz ein. Bei den Kämpfen im Januar 1945 wurde die Stadt von der Front überrollt. Am 4. Februar 1945 wurde der Bürgermeister von Königsberg i. d. N. (Kurt Flöter), der die Stadt ohne Räumungsbefehl verlassen hatte, in Schwedt a./Oder von einem SS-Standgericht unter Vorsitz des SS-Führers Otto Skorzeny zum Tode durch Erhängen verurteilt. Am selben Tag besetzte die Rote Armee Königsberg i. d. N., am 16. Februar brannte die gesamte Innenstadt mit der Marienkirche und dem Rathaus ab, die Stadt war zu 80 Prozent zerstört.

Polnische Zeit[Bearbeiten]

Die Stadt wurde nach Kriegsende Teil Polens und zunächst in Władysławsko umbenannt.[4] [5] Mit der Verordnung des Ministers für Nationale Verteidigung vom 21. August 1945 wurde der Name in Królewiec bzw. in Królewiec nad Odrą umbenannt.[6] Der Zusatz nad Odrą wurde offenbar hinzugefügt, um Verwechslungen mit der Stadt Königsberg (Preußen), deren polonisierter Name Królewiec war und dieser im damaligen polnischen Sprachgebrauch noch aktiv angewandt wurde, zu verhindern. Aus gleichem Grunde könnte auch die abschließende Umbenennung in Chojna nad Odrą erfolgt sein, welche zum 7. Mai 1946 per Gesetz rechtskräftig wurde.[7] Während dieser Zeit wurde die gesamte Bevölkerung unter Berufung auf die sogenannten Bierut-Dekrete aus der Neumark vertrieben, soweit sie nicht bereits geflüchtet war und es begann die Zuwanderung von Polen.[8]

Das alte, bis auf die Grundmauern zerstörte Rathaus wurde von 1977 bis 1986 als Kulturzentrum, Stadtbibliothek und Gaststätte wieder aufgebaut. Ebenso erfolgte der Wiederaufbau des Klosters. Zurzeit wird der Marktplatz neu bebaut.

Seit 1994 wird die kriegszerstörte St.-Marien-Kirche als europäisches Projekt in deutsch-polnischer Zusammenarbeit wiederaufgebaut.

Nach dem Tod Johannes Pauls II. wurde neben der Marienkirche sein Denkmal eingeweiht.[9]

Kulturzentrum (2006), früher Rathaus

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1719: 1.371[10]
  • 1750: 2.210[11]
  • 1801: 3.249 Zivilisten und 746 vom Militär, davon 195 Juden[11]
  • 1850: 5.292 und sieben vom Militär, davon 30 Katholiken und 117 Juden[12]
  • 1875: 6.350[13]
  • 1880: 6.568[13]
  • 1890: 5.864, davon 84 Katholiken und 122 Juden[13]
  • 1933: 6.276[13]
  • 1939: 6.756[13]
  • 2011: 7.378
Marienkirche, 2006
Ruine der Gertrudenkapelle

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das heutige rekonstruierte Kulturzentrum war das kriegszerstörte Rathaus von 1320 aus der Zeit der Backsteingotik. Es stammte vom Baumeisters Hinrich Brunsberg.
  • Die kriegszerstörte gotische St.-Marien-Kirche aus dem 12. Jahrhundert vom Baumeisters Brunsberg wurde seit 1994 in deutsch-polnischer Zusammenarbeit wiederaufgebaut. 1997 wurde das Dach des Kirchenschiffes gedeckt, 2003 wurde der Helm des neugotischen Turmes aus dem 19. Jahrhundert wiederhergestellt.
  • Augustinerkloster von 1290, Wiederaufbau nach 1945
  • Reste der Stadtmauer aus dem 13. und 14. Jahrhundert mit den Schwedter und Bernikower Tortürmen.
  • Ruine der gotischen Gertrudenkapelle
  • Denkmal von Papst Johannes Pauls II. bei der Marienkirche nach 2005.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Karl Theophil Döbbelin (* 27. Februar 1727 in Königsberg i. d. Neumark), deutscher Theaterdirektor und Schauspieler († 1793)
  • Otto Friedrich Butendach (* 7. November 1730 in Königsberg), reformierter Theologe († 1798)
  • Carl Friedrich von Beyme (* 10. Juli 1765 in Königsberg), Jurist und Politiker, u. a. preußischer Außen- und Justizminister († 1838)
  • Adalbert Kuhn (* 19. November 1812 in Königsberg), Indogermanist und Mythologe († 1881)
  • Wolf-Dieter Hütteroth (* 28. November 1930 in Königsberg/Neumark), deutscher Geograph († 2010)
  • Ernst Marow (* 7. April 1934 in Königsberg/Neumark), deutscher Maler und Graphiker

Gmina Chojna[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Chojna umfasst eine Fläche von 333 km² und nimmt damit 17,8 % der Fläche des Powiat Gryfiński (Kreis Greifenhagen) ein. Die Stadt mit allen Ortschaften zählt zusammen mehr als 14.000 Einwohner.

Das Gebiet der Gmina Chojna grenzt an die Oder und schließt einen Teil des Naturschutzparks Unteres Odertal ein. Durch die Gemeinde zieht sich das Flüsschen Rurzyca (Röhrke), das südlich von Ognica (Nipperwiese) in die Oder mündet.

Nachbargemeinden sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Chojna gehören neben der Stadt Chojna folgende Ortsteile (Schulzenämter/sołęctwa):

  • Białęgi (Belgen)
  • Brwice (Blankenfelde)
  • Czartoryja (Wedell)
  • Garnowo (Reichenfelde)
  • Godków (Jädickendorf)
  • Godków-Osiedle (Bahnhof Jädickendorf)
  • Grabowo (Grabow)
  • Grzybno (Thänsdorf)
  • Jelenin (Gellen)
  • Kamienny Jaz (Steinwehr)
  • Krajnik Dolny (Nieder Kränig)
  • Krajnik Górny (Hohenkränig)
  • Krzymów (Hanseberg)
  • Łaziszcze (Engels Losse)
  • Lisie Pole (Uchtdorf)
  • Mętno (Mantel)
  • Narost (Nordhausen)
  • Nawodna (Nahausen)
  • Rurka (Rörchen)
  • Stoki (Rehdorf)
  • Strzelczyn (Jädersdorf)
  • Zatoń Dolna (Nieder Saaten).

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind:

  • Bara (Bahrfelde), Barnkowo (Bernickow), Boguszczyn, Drozdowo (Finkenstein), Graniczna (Grenzhof), Jelonki (Gellener Loose), Kaliska (Schönberg), Krupin, Kuropatniki, Lisie Pola (Lisphul), Mętno Małe (Klein Mantel), Ognica (Nipperwiese), Ostrów, Pniewko, Przyciesie, Raduń (Raduhn), Strzeszewko, Trzeszcze (Steinwehr), Wilcze und Wilkoszyce (Wilhelmsberg).

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Durch das Gebiet der Stadt- und Landgemeinde Chojna führen heute je zwei polnische Landesstraßen (droga krajowa, DK) und Woiwodschaftsstraßen (droga wojewódzka, DW), von denen drei durch die Stadt Chojna führen und eine den Nordteil der Gemeinde durchzieht:

Schienen[Bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet zieht sich in Nord-Süd-Richtung die Bahnstrecke der Polnischen Staatsbahn (PKP) Nr. 273, die von Stettin über Küstrin bis in das schlesische Breslau führt. Die Gmina Chojna verfügt über drei Bahnstationen an dieser Strecke: Chojna, Lisie Pole (Uchtdorf) und Godków (Jädickendorf).

In Godków bestand ehedem Anschluss an die Wriezener Bahn, die von Berlin über Werneuchen und Wriezen nach hier führte und in der Bahnstrecke Jädickendorf - Pyritz (Pyrzyce) ihren Fortgang nahm. Zum Teil wurden Abschnitte dieser Strecken noch bis in die 1990er Jahre hinein betrieben. Heute ruht hier der Bahnverkehr, womit die Gemeindeorte Gellen (Jelenin) und Blankenfelde (Brwice) auch keine Bahnanbindung mehr haben.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur, Quellen[Bearbeiten]

  • H.-G. Bluhm, W. Pflug, B. Regenberg, R. H. Tamm (Hrsg.), Kreis Königsberg/Neumark, Erinnerungen an einen ostbrandenburgischen Landkreis, Berlin / Bonn, 2. Aufl., 1997, ISBN 3-929592-13-4.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 387-392 (Online, Google)
  • Augustin Kehrberg: Erläuterter historisch-chronologischer Abriss der Stadt Königsberg in der Neumark. Berlin 1724, 408 Seiten (Online, Google) (Register A–Z)

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Augustin Kehrberg: Erläuterter historisch-chronologischer Abriss der Stadt Königsberg in der Neumark. Berlin 1724, S. 4.
  3. Augustin Kehrberg: Erläuterter historisch-chronologischer Abriss der Stadt Königsberg in der Neumark. Berlin 1724, S. 62 ff..
  4. http://www.gazeta.chojna.com.pl/gazeta.php?numer=05-22&temat=3
  5. http://www.kolej.one.pl/mapy/1/1099510834.jpg
  6. http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WDU19450330196
  7. http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WMP19460440085
  8. Allgemein zur vollständigen Vertreibung der Einwohner der historischen Neumark siehe Paweł Rutkowski (Hrsg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnung mit der Neumark. Deutsches Kulturforum, Potsdam 2012, ISBN 978-3-936168-44-0, S. 14f.
  9. http://www.panoramio.com/photo/18002908
  10. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 387.
  11. a b Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg. Berlin 1809, S. 98.
  12. Berghaus (1856), S. 387 und S. 391.
  13. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/koenigsberg_n.html