Rovinj

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Rovinj
Rovigno
Wappen von RovinjRovigno
Rovinj (Kroatien)
Paris plan pointer b jms.svg
45.08273333333313.6331750Koordinaten: 45° 4′ 58″ N, 13° 37′ 59″ O
Basisdaten
Staat: Kroatische Flagge Kroatien
Gespanschaft: Flagge der Gespanschaft Istrien Istrien
Höhe: m. i. J.
Fläche: 79 km²
Einwohner: 14.294 (2011)
Bevölkerungsdichte: 181 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+385) 052
Postleitzahl: 52 210
Kfz-Kennzeichen: PU
Bootskennzeichen: RV
Struktur und Verwaltung
(Stand: 2013, vgl.)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: Giovanni Sponza (IDS/DDI)
Postanschrift: Matteottijev trg 2
52 210 Rovinj
Rovigno
Webpräsenz:
Rovinj2007.jpg
Ansicht von Rovinj
Rovigno

Rovinj [ˈrɔʋiɲ](kroat.) oder Rovigno (ital.) , (istriot. Ruvèigno, dt. veraltet Ruwein) ist eine zweisprachige Stadt in Kroatien an der Westküste der Halbinsel Istrien. Sie hat 14.294 Einwohner (Stand: 2011[1]), davon gehören 11,25 % der italienischen Minderheit an.

Geografie[Bearbeiten]

Im Westen und Südwesten ist die Stadt vom Adriatischen Meer umgeben, im Norden vom Limski-Kanal. Ursprünglich war Rovinj/Rovigno eine eigene Insel, welche erst 1763 mit dem Festland verbunden wurde. Im Osten liegt der Vorort Villa di Rovigno oder Rovinjsko Selo und etwa 25 Kilometer weiter die Stadt Kanfanar. Im Südosten liegt der Vorort Kokuletovica und etwa 9 Kilometer weiter die Gemeinde Valle / Bale.

Etwa einen Kilometer südlich der Altstadt von Rovinj/Rovigno befindet sich mit Zlatni rt (auch Goldenes Kap genannt) eine weitere ins Meer ragende Halbinsel. Auf über 70 Hektar dehnt sich hier eine mehr als 100 jährige, heute unter Naturschutz gestellte Parkanlage aus.

Insgesamt wird Rovinj und dessen Buchten von 22 kleineren und größeren Inseln umgeben. Die größte dieser Inseln, die Sveta Katharina/Santa Catarina, liegt noch in Sichtweite von der Halbinsel der Altstadt. Noch weiter südlich hinter der Halbinsel Zlatni rt liegt die Sveta Andrija. Ein Damm verbindet die Insel mit der kleineren Nachbarinsel Maskin.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Römer gaben im 2. Jahrhundert dem unbedeutenden Inselort den Name Ruginium. Der heutige Name Rovinj stammt aus dem 7. Jahrhundert, als die Slawen die Insel besiedelten. Nach dem Zerfall des Römischen Reichs fiel die Insel als Castrum Rubini zwischen 539 bis 788 unter die Herrschaft Byzanz, kurz unterbrochen von der langobardischen Episode 753 bis 774. Ab 788 geriet die Stadt unter die Herrschaft der Franken. Im 9. Jahrhundert war die Stadt immer wieder den Angriffen von Seeräubern ausgeliefert, so dass die Verteidigungsmauern erhöht wurden. Dies konnte jedoch nicht verhindern, dass Rovinj 876 niedergebrannt wurde. Ab dem 10. bis ins 12. Jahrhundert war die Stadt selbstverwaltend im Besitz verschiedener Adelsfamilien. Ab 1283 zu Venedig gehörend, erlebte Rovinj eine längere Blütezeit, dies trotz den Überfällen der Genueser (1379) und den Uskoken (1559 und 1599) mit Plünderungen und Verwüstungen.

Nach dem Zerfall der Republik Venedig (1797) und der Gründung des Königreich Italiens im Jahr 1805 geriet Rovinj, wie die gesamte Küste Istriens, unter den Machteinfluss Napoleons. Am Wiener Kongress wurde 1815 mit dem Zuschlag der Region Illyrien an die Habsburger auch Rovinj unter österreichische Herrschaft gestellt. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns fiel Rovinj mit Istrien an Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es 1947 an Jugoslawien, und zwar zur Teilrepublik Kroatien, die seit 1991 unabhängig ist.

Die abwechslungsreiche Geschichte hat das Stadtbild Rovinjs stark geprägt. Die auf einem ins Meer ragenden Hügel erbaute Altstadt mit ihren verwinkelten Gässchen mit ihrem romanisch-gotischen Stadtbild verfügt über zahlreiche Elemente aus Renaissance, Barock und neoklassizistischen Bauten.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche der heiligen Euphemia[Bearbeiten]

Sveta Eufemija - Altar

Überthront wird die Altstadt von der dreischiffigen barocken Kirche der heiligen Euphemia (Chiesa di Sant'Eufemia oder Crkva Svete Eufemije), erbaut anfangs des 18. Jahrhunderts auf den Grundmauern einer älteren Kirche durch den venezianischen Baumeister Giovanni Dozzi.

Euphemia war eine Märtyrerin zur Zeit des Kaisers Diokletians. Der Legende nach taten ihr die wilden Tiere, denen sie zum Fraß vorgeworfen worden war, nichts zuleide. Sie musste durch einen Dolchstoß getötet werden. Der Sarkophag mit ihren Gebeinen wurde in Byzanz aufbewahrt, verschwand jedoch in den Jahren des Bildersturms. Im Jahre 800 soll er auf wundersame Weise bei Rovinj ans Land geschwemmt worden sein. Seit dieser Zeit werden die Gebeine der hl. Euphemia hinter der Kirche von Rovinj in einem Steinsarkophag aufbewahrt. Die Hl. Euphemia wurde zur Schutzpatronin Rovinjs und ganz Istriens.

Wahrzeichen der Stadt ist der auf dem höchsten Punkt der ehemaligen Insel stehende knapp 60 Meter hohe Kirchturm aus dem 17. Jahrhundert, dessen Vorbild der Campanile in Venedig ist. Auf der Turmspitze thront die 1758 gegossene bronzene 4,70 Meter hohe Statue der Heiligen Euphemia, welche sich um die eigene Achse dreht und mit der rechten Hand die Windrichtung anzeigt.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Eingang in die Altstadt bildet der venezianische Arco dei Balbi (Balbijev luk) aus dem Jahr 1680 (benannt nach dem damaligen Bürgermeister Daniel Balbi), geschmückt mit zwei Wappen und dem geflügelten Löwen der Venezianischen Republik. Ursprünglich befand sich an dieser Stelle das Haupttor der Stadtbefestigung, welches jedoch kurz vor dem Bau des neuen Tores niedergerissen wurde.

Der rötliche, im 12. Jahrhundert erbaute und später mehrmals aufgestockte Uhrturm (Toranj sa satom) war einst der Südturm der Stadtmauer und diente früher auch als Gefängnis. Der Turm ist geschmückt mit einem Relief des venezianischen Löwen und der Stadtuhr.

Ältestes Gebäude ist der außerhalb der Halbinsel gelegene mächtige siebeneckige romanische Bau des Dreifaltigkeitsbaptisteriums aus dem 12. Jahrhundert.

Auf einem Hügel gegenüber der Altstadt thront das ab Beginn des 18. Jahrhunderts erbaute Franziskanerkloster. Das Kloster besitzt eine (nicht öffentliche) Bibliothek mit über 8000 Büchern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.

Kirchen und Kapellen[Bearbeiten]

Die Heilig-Kreuz-Kirche wurde 1592 mit einem kleinen Glockenturm und einer Loge im Felsgestein erbaut. Sie bietet eine gute Aussicht auf die Insel St. Katharina. Unterhalb der Kirche befindet sich eine 1720 errichtete Steinsäule, die auf die Stelle hinweist, an der nach Überlieferung am 13. Juli 800 der Sarkophag mit den Gebeinen der Hl. Euphemia angeschwemmt wurde. Direkt unterhalb der Euphemia-Kirche steht die kleine 1673 erbaute St. Joseph-Kirche.

Die kleine Kirche des Heiligen Apostel Thomas wurde 1388 errichtet und 1733 vergrößert. Der Zugang zur Kirche mit dem kleinen Glockenturm erfolgt über eine kurze Treppe. Das genaue Baujahr der Kirche der Gnädigen Muttergottes ist nicht bekannt (etwa Mitte des 15. Jahrhunderts), gemäß einer Inschrift erfolgte 1584 eine umfassende Renovierung. Die neoklassische Vorhalle wurde 1750 angefügt. Die im 14. Jahrhundert erbaute kleine Kirche des Heiligen Benedikt befindet sich in der Nähe des gleichnamigen St.-Benedikt-Stadttors.

Museen und Ausstellungen[Bearbeiten]

Rovinj bietet kulturell interessierten Besuchern zwei Museen:

Das Heimatmuseum befindet sich im Barockpalast der ehemaligen Adelsfamilie Califfi aus dem 17./18. Jahrhundert. Das 1954 eröffnete Museum zeigt archäologische und ethnologische Sammlungen sowie wechselnde Kunstausstellungen.

Das Batana-Museum widmet sich der Ausstellung von Holzboten und Fischereigegenstände.

Im Jahr 1968 wurde in Rovinj das Zentrums für Geschichtsforschung gegründet. Im Gebäude ist eine umfangreiche Bibliothek integriert. Ursprünglich wurde das Gebäude vom 15. bis 18. Jh. als öffentlicher Speicher des Hl. Damian verwendet, ab 1872 als Tabakfabrik.

Das öffentliche Aquarium präsentiert den Besuchern in über 20 Bassins einen Einblick in die Unterwasserwelt der Adria.

Meeresbiologisches Institut[Bearbeiten]

1891 wurde in Rovinj durch das Berliner Aquarium Unter den Linden eine kleine meeresbiologische Station gegründet, die zunächst dem Sammeln von Meerestieren diente, später aber von Bedeutung für die Erforschung der Adria und des Mittelmeers wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Arbeit der Station zunächst zum Erliegen, bis sie dann unter anderem durch das Wirken der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften als Deutsch-Italienisches Institut für Meeresbiologie zu Rovigno eine neue Blüte erfuhr. Von 1931 bis 1940 war der österreichische Zoologe und Meeresbiologe Adolf Steuer einer der Direktoren des Instituts.

Tourismus und Verkehr[Bearbeiten]

Strand von Zlatni rt mit Blick auf Rovinj

Das malerische Stadtbild, die zahlreichen Strände in der Nähe der Stadt – v. a. am Goldenen Kap (Zlatni rt) – und die günstige Lage für Ausflüge in die nähere Umgebung z. B. zum Limski-Kanal, machen die Stadt zu einem äußerst attraktiven Tourismusziel.

Blick von Rovinj auf die Katarineninsel

Landschaftlich reizvoll sind auch die der Stadt vorgelagerten 22 Inseln wie die Rote Insel (Crveni Otok), die mit Booten leicht zu erreichen sind und ebenfalls Bade- und Tauchgelegenheiten bieten. Zahlreiche Restaurants rund um die Hafenpromenade, viele Kneipen sowie die generell für Fahrzeuge gesperrte Innenstadt laden zum Flanieren ein.

Für Radfahrer gibt es einen Radweg (Ausgangspunkt ist der Jachthafen), gut ausgeschildert bis zum Campingplatz Polari – ca. 4 km durch Pinienwälder und vorbei an Badebuchten.

Autofahrer können vom Istrischen Ypsilon aus am Schnittpunkt von A8/A9 über die D303 bequem die letzten 15 km zurücklegen.

Rovinj hatte einen direkten Bahnanschluss an die Strecke DivačaPula in Kanfanar/Canfanaro. Die eingleisige gut 20 km lange Trasse endete nördlich der Altstadt am Wasser. Sie wurde schon vor vielen Jahren aufgegeben, ist aber auf Satellitenaufnahmen noch deutlich erkennbar – ebenso wie einige Bahnübergänge in der Straßenpflasterung. Ihr Verlauf ist in OpenStreetMap sowie den Bing- und Google-Karten selbst 2012 noch eingezeichnet, wenn auch in letzteren mitunter einige Meter nicht ganz deckungsgleich mit den tatsächlichen Landmarken.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Rovinj unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Bildgalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hänsel, Bernhard: Rovinj prije Rima / Rovigno prima dei Romani / Rovinj vor den Römern (Kiel 2002) (zusammen mit K. Mihovilić, B. Terzan, B. Hänsel, D. Matošević, C. Becker).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rovinj – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Croatian Bureau of Statistics: Census 2011 Bevölkerung Volkszählung 2011