Christoph Hörstel

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Christoph R. Hörstel 2005

Christoph R. Hörstel (* 1956 in Bremen) ist ein deutscher Journalist und PR-Berater. Hörstel, der von 1985 bis 1999 als Journalist unter anderem für die ARD aus Afghanistan, Pakistan und Kaschmir berichtete, tritt heute vor allem als freier Journalist und politischer Aktivist im Umfeld von verschwörungstheoretischen Gruppen wie z.B. dem 9/11 Truth Movement in Erscheinung. Er ist Gründer der Partei Neue Mitte, deren Vorsitzender er bis zum 26. August 2013 war.[1]

Leben[Bearbeiten]

Hörstel studierte nach Abitur und Grundwehrdienst in München Sinologie, Französisch und Spanisch und erlangte 2002 an der Universität Basel ein Master-Diplom für Marketingstrategie[2]. Seit 1985 bereiste er Afghanistan und Pakistan. Andere Aufträge führten ihn auch nach Indien, Irak, Iran, Jordanien und Syrien. Ab 1985 war er beim ARD-Fernsehen als Sonderkorrespondent, später auch als Nachrichtenmoderator der Sendung MDR-Aktuell sowie als leitender Redakteur tätig. Hörstel wechselte 1999 zu Siemens mobile als Leiter der Bereichskommunikation und gründete 2001 die Regierungs- und Unternehmensberatung Hörstel Networks in München. Er war Coach für ISAF-Führungskräfte der Bundeswehr und Gastdozent am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg.

Hörstel war im Jahre 2001 während des Sturzes der Taliban der einzige westliche Journalist in Kabul. Das Visum hatte er über seine Kontakte zu Gulbuddin Hekmatyār erhalten. Durch seine Kontakte zu Islamisten wirkte er 2006 daran mit, ein Gespräch zwischen Bundestagsabgeordneten der SPD und der FDP sowie dem Hamas-Minister für Flüchtlingsangelegenheiten einzuleiten.[3] Später verlor Hörstel – nach Hörstels Angaben „auf Wunsch der Bundesregierung“ – seine Position als Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG). Als Hintergrund hierfür vermutete Hörstel u.a. seine in einem Interview mit dem islamistischem Internetportal „Muslim-Markt“ geäußerte Kritik an der Politik der Bundesregierung.“[4]

Hörstel beriet 2012 die parteiintern umstrittene „Arbeitsgruppe Friedenspolitik“ der Piratenpartei.[5][6]

Hörstel lebt nach eigenen Angaben von Arbeitslosengeld II.[7] Er ist in dritter Ehe verheiratet und hat vier Kinder.[8][9]

Seit Mai 2013 war er in der von ihm gegründeten Partei Neue Mitte als Bundesvorsitzender aktiv, seit August 2013 ist er Vorsitzender der ebenfalls von ihm gegründeten Partei Deutsche Mitte. Er kandidierte erfolglos als Einzelbewerber im Wahlkreis Potsdam-Mittelmark II - Teltow-Fläming (Wahlkreis 61) bei der Bundestagswahl 2013.[10][11] Die Partei konnte in keinem Land die notwendigen Unterstützungsunterschriften sammeln.

Ende August 2013 verließ Hörstel die Neue Mitte und gründete eine neue Partei namens Deutsche Mitte.[12]

Ansichten[Bearbeiten]

Afghanistan[Bearbeiten]

Hörstel behauptete, dass die USA den Krieg in Afghanistan bereits vor den Anschlägen des 11. September 2001 geplant hätten und die Taliban im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet bis heute Kämpfer rekrutieren lassen. Dabei stützte er sich u.a. auf Recherchen des Enthüllungsjournalisten Bob Woodward sowie des ehemaligen Nationalen Sicherheitsberaters der Regierung Reagan, Robert McFarlane.[13]

General Mirza Aslam Beg, der pakistanische Oberbefehlshaber nach 1988, beruft sich auf Hörstels Recherche beim pakistanischen Geheimdienst, dem zufolge die USA bereits im April 2001 ihren späteren Truppeneinsatz in Afghanistan vorplanten.[14]

In einem Interview mit dem Südwestrundfunk behauptete Hörstel eine Verwicklung der CIA in die Anschläge am 11. September.[15] In seinem Buch Brandherd Pakistan entwickelte Hörstel die Theorie des Terrormanagements.[16] Seiner Meinung nach führen die USA zwar offiziell den Krieg gegen den Terror, jedoch unterstütze die CIA über ihre Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst Inter-Services Intelligence die Taliban. Auch die Bundesregierung Deutschlands wisse davon:

„Im Juni 2008 sprach ich nach längerem Vorlauf am Telefon und über E-mails schließlich persönlich mit einem regelmäßigen Teilnehmer der wöchentlichen „Geheimdienst-Lage“ im Bundeskanzleramt. Dort berichten alle Dienste über ihre Erkenntnisse. Als ich fragte, ob denn der BND über diese Doppelpolitik der USA informiert sei, den Krieg am Hindukusch heimlich zu befördern, um ihn offen ausweiten zu können, senkte mein Gegenüber den Kopf, sah plötzlich sehr müde aus und gab völlig schnörkellos zu: „Ja, wir wissen das.“ Klar und deutlich. Und es klang nach einem langfristigen Wissen und nach grundsätzlichen Tatbeständen.“[17]

Die USA betreibe dieses Terrormanagement, um eine Legitimation zu haben, ihre Truppen weiterhin in Afghanistan zu belassen. Hörstel führte diesen Begriff erstmals 2006 als ISAF-Coach der Bundeswehr ein.

Hörstel legte 2007 einen mit den Taliban, Hekmatyār und afghanischen Ministerien sowie dem Präsidialamt informell abgestimmten Friedensplan für Afghanistan vor. In der jüngsten Fassung (2009) sollen demnach alle fremden Truppen aus Afghanistan in drei Stufen und binnen drei Jahren abziehen.[18]

Existenzrecht Israels[Bearbeiten]

In einem Interview im deutschen Programm des iranischen Regierungssenders IRIB – World Service vom 7. Februar 2012 bestritt Hörstel eine Verantwortung Deutschlands für die Existenz und Sicherheit Israels:

„Deutschland hat seit 2007 durch Frau Merkel – aufgrund amerikanischer Interessen – Israels Sicherheit zur Staatsräson Deutschlands erklärt. Das kann man nur als eine Politik des Hochverrats bezeichnen. So sieht es eine ziemliche große Anzahl Deutscher. Wir haben überhaupt keine Verantwortung für die Sicherheit Israels, auch nicht für das Existenzrecht Israels. So ein kompletter politischer Unsinn.“[19]

Bereits früher hatte Hörstel Kritik an der deutschen Nahostpolitik geäußert und sie als „ekelhaft“ bezeichnet:

„Ich habe ... erklärt, dass ich die Palästina-Politik der Bundesregierung mit politischen Mitteln zertrümmern helfen werde, bis sie in kleinen Stücken am Boden liegt – restlos. Dies tue ich, weil die Politik der Bundesregierung besonders im Kontakt mit manchen muslimischen Ländern oder Problemzonen permanent das Völkerrecht missachtet. Ich schulde es mir selbst als Christ und Deutscher, dieses ekelhafte Treiben nicht länger zu dulden.“[20]

Mit dem israelischen Vorgehen während des Gaza-Konflikts 2014 und mit dem Existenzrecht Israels beschäftigte sich Hörstel in einer Rede auf einer Demonstration anlässlich des Al-Quds-Tages im Juli 2014 in Berlin:

„Dieser Staat ist ein Un-Staat. Und wenn ein Staat ein Problem ist, dann kann er nicht Teil der Lösung sein. Dann darf es diesen Staat nicht geben.“[21]

Seit einigen Jahren tritt Hörstel als Medienberater der antizionistisch-orthodoxen jüdischen Gruppierung „Neturei Karta“ in Deutschland auf, so etwa als Gastgeber und Übersetzer bei einer Pressekonferenz in Berlin am 27. Januar 2010, dem „Holocaust-Gedenktag“[22]. Rabbi Yisroel David Weiss, der als Sprecher der „Neturei Karta“ fungiert, hatte am 29. Januar 2014 auf Referentenebene ein Gespräch im Bundeskanzleramt in Berlin; das Amt distanzierte sich später und führte den Empfang auf einen „Irrtum“ zurück. Rabbi Weiss wurde bei dem Gespräch von Christoph Hörstel begleitet[23].

Weitere Ansichten[Bearbeiten]

Die Berichterstattung in außenpolitischen Fragen durch deutsche Medien führt nach Hörstels Ansichten bei den Bürgern zu einem „verbrecherischen und geradezu rundfunkgesetzwidrigen Defizit an Wissen“.[24] Im Nahen Osten betreibe die NATO, die Hörstel „Supermacht der Lügen“ nennt, einen „blutigen Lügen- und Mordzirkus“.[25]

Rezeption[Bearbeiten]

In einem Artikel der Frankfurter Allgemeine Zeitung wird dem Autor Hörstel vorgeworfen, er sei ein politisch hochbewusst kalkulierender Lobbyist der Taliban.[26] Hörstel reagierte darauf in einer Radiosendung des Südwestrundfunk: „Jemand der aufdeckt, dass die amerikanischen Dienste die pakistanischen Dienste anleiten, al-Qaida und die Taliban zu unterstützen – so wie ich das behaupte in meinem zweiten Buch – das ist klar, dass der offenbar nicht ein Lobbyist und Propagandist der Taliban sein kann.“

Die Welt wirft Hörstel vor, dass er die politische Wahrheit, die hinter dem Afghanistan-Einsatz steht, verkenne und die Soldaten „[...] nicht [kamen], um einen neuen Staat nach europäischem Vorbild zu errichten, sondern um Bin Ladens Gotteskrieger zu bekämpfen. Daher irrt Hörstel auch, wenn er mahnt, das deutsche Engagement bei der Anti-Terror-Operation ‚Enduring Freedom‘ behindere alle guten Vorhaben, die Deutschlands ISAF-Truppen sichern helfen wollen. Mit Spezialeinheiten Gegner ‚abzuknallen‘, beschädigt eben nicht die Glaubwürdigkeit des westlichen Willens, sondern ist vielmehr Voraussetzung für einen Erfolg der ISAF-Mission.“[27]

In einem Artikel auf Spiegel Online wird Christoph Hörstel als – „einst als Experte und Journalist gefragt“ – auf Grund seiner Ansichten „weitgehend als diskreditiert“ bezeichnet.[28]

Der Blog Publikative.org bezeichnet Hörstel als Verschwörungsideologen und kritisiert insbesondere seine Nähe zu Gruppen, welche die Terroranschläge am 11. September 2001 umdeuten, indem sie z.B. die CIA direkt dafür verantwortlich machen. [29]

Im Sommer 2014 wurde eine Veranstaltung anlässlich des Attentats vom 20. Juli im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen, auf der Hörstel sprechen wollte, nach Kritik insbesondere des Simon Wiesenthal Center abgesagt. Die Kritik bezog sich hier auf Hörstels angebliche Nähe zur Hisbollah-Partei.[30] Im Zuge der Berichterstattung darüber bezeichnete der Autor Tilman Tarach Hörstel im Blog der Wochenzeitung Jungle World als Holocaustleugner oder -relativierer und bezog sich dabei auf Äußerungen auf Hörstels Facebookseite.[31][32]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] (PDF; 382 kB) Satzung Neue Mitte
  2. http://www.hoerstel.ch/hoerstel/zur_Person.html
  3. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,416695,00.html
  4. „Muslim-Markt interviewt Christoph R. Hörstel“, 27. Juni 2008
  5. spiegel.de: Stunde der Freaks. 6. Juni 2012 (abgerufen am 19. Juni 2012).
  6. Vgl. Protokoll der AG Friedenspolitik der Piratenpartei vom 28. Mai 2012, Tagesorndungspunkt 7 (abgerufen am 19. Juni 2012).
  7. IRIB – World Service: Interview mit Christoph Hörstel. 1. Mai 2012.
  8. .KenFM im Gespräch mit: Christoph Hörstel (Neue Mitte) vom 25. Juni 2013 (abgerufen am 26. Juni 2013).
  9. Christoph Hörstel: Vortrag „Schlüsselrolle: Medien & Militär“, Nürnberg 30. Juni 2012; ab Min. 10:05 (abgerufen am 2. Juli 2014).
  10. neue-mitte.net (Version vom 28. Januar 2012 im Internet Archive)
  11. 1. Treffen im DUKE!
  12. Bundesvorsitzender Christoph Hörstel der Partei “Neue Mitte” geht, gründet die “Deutsche Mitte”
  13. Christoph R. Hörstel: Sprengsatz Afghanistan, S. 55f.
  14. Christoph R. Hörstel: Sprengsatz Afghanistan, S. 181f.
  15. http://www.swr.de/swr1/bw/programm/leute/-/id=1895042/nid=1895042/did=4126820/198lng5/index.html
  16. http://ossietzky.net/19-2008&textfile=344
  17. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12802
  18. http://www.focus.de/finanzen/boerse/money-week-auch-taliban-sind-lernfaehig_aid_474340.html
  19. IRIB – World Service: Ein Interview mit Christoph Hörstel. 7. Februar 2012.
  20. „Muslim-Markt interviewt Christoph R. Hörstel“, 27. Juni 2008
  21. Mareike Enghusen: Die Unversöhnlichen. Stern Online vom 25. Juli 2014 (abgerufen am 12. August 2014).
  22. Vgl. die Dokumentation der Pressekonferenz vom 27. Jan. 2010 auf Youtube „Neturei Karta in Deutschland“
  23. Vgl. „Jüdischer Israel-Hasser im Kanzleramt empfangen“, DIE WELT, 5. Feb. 2014
  24. IRIB – World Service: Interview mit Christoph Hörstel. 1. Mai 2012.
  25. alles-schallundrauch.blogspot.de, 4. Mai 2012.
  26. Verblüffende Mischung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. Februar 2008, abgerufen am 13. Juli 2012 (deutsch).
  27. Frieden ohne Plan. In: Die Welt. 26. Juli 2008, abgerufen am 13. Juli 2012 (deutsch).
  28. spiegel.de: Stunde der Freaks. 6. Juni 2012.
  29. Im Infokrieg, Publikative.org vom 16. Februar 2012
  30. Benjamin Weinthal: Wiesenthal Center: Concentration camp memorial fails to heed warning from the Holocaust. In: Jerusalem Post vom 15. Juni 2014 (abgerufen am 18. Juni 2014).
  31. Tilman Tarach: „Gedenkkultur“ auf den Hund gekommen. jungleblog vom 6. Juni 2014 (abgerufen am 18. August 2014).
  32. Holocaust denier’s invitation to concentration camp memorial nixed after media exposé, Jerusalem Post, 9. Juni 2014.