RT (Fernsehsender)

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RT
Senderlogo
Logo von RT
Allgemeine Informationen
Empfang: Kabel, Satellit, IPTV
Eigentümer: Rossija Sewodnja
Intendant: Alexei Nikolow (Generaldirektor),
Margarita Simonjan (Chefredakteurin)
Sendebeginn: 15. September 2005
Rechtsform: Privatrechtlich
Programmtyp: Spartenprogramm (Information)
Website: rt.com
Liste von Fernsehsendern
Übertragungsfahrzeug von RT in Moskau

RT, ehemals Russia Today, ist ein seit dem Jahre 2005 existierender, staatlich finanzierter Auslandsfernsehsender der Russischen Föderation mit Sitz in Moskau. Gesendet wird auf Englisch, Arabisch und Spanisch. Das Programm und die Themen- und Nachrichtensetzung ist in den jeweiligen Sprachen jedoch nicht identisch. Seit dem 6. November 2014 gibt es auf dem Webportal von RT Deutsch ein Nachrichtenformat in deutscher Sprache. Der russische Ableger des RT-Webportals stellt die Beiträge in russischer Sprache zur Verfügung.

Der Sender selbst gibt an, dem Publikum die russische Sichtweise auf das internationale Geschehen vorzustellen und ein Gegengewicht zu westlichen Medien darstellen zu wollen.[1]

RT hat etwa 2.000 Mitarbeiter weltweit,[2] von denen ein Großteil nicht-russische Journalisten sind.[3] Der Sender betreibt Korrespondenten­büros auf der ganzen Welt.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 15. September 2005 ging der erst kurz zuvor gegründete Fernsehsender zum ersten Mal auf Sendung. Im Jahr 2007 kamen eine arabische und 2009 eine spanische Programmversion hinzu.[4] Diese Kanäle senden ein paralleles Programm zur englischsprachigen Version. Für fremde Sender in anderen Sprachräumen stellt RT Filmmaterial zur Verfügung,[5] aus dem für den deutschsprachigen Raum von Russland.ru auch Beiträge auf Deutsch hergestellt und veröffentlicht werden.[6]

Neben den genannten RT-Sendern in verschiedenen Sprachen, gibt es zusätzlich die Sender RT USA und RT UK, die die Geschehnisse des amerikanischen bzw. britischen Raums behandeln. Seit dem 23. Juni 2011 gibt es auch den Dokumentationskanal RT Д (das kyrillische Д entspricht dem lateinischen D), der Dokumentationen zum Thema Russland in russischer und englischer Sprache zeigt.[7]

Parallel zur fortschreitenden Internationalisierung des Senders wurde der seit dem Start 2005 verwandte Name „Russia Today“ 2009 auf das Kürzel „RT“ verkürzt, das seitdem auch als Logo in sämtliche Sprachversionen übernommen wurde. Die 2007 gestartete arabische Version trug ursprünglich den Namen Rūsiyā al-Yaum (روسيا اليوم, Arabisch für „Russland Heute“)[8] und verwendet inzwischen die englische Bezeichnung „RT Arabic“.[9] Das spanische Angebot startete 2009 unter dem Namen „RT Noticias“ (Spanisch für „RT Nachrichten“) und heißt inzwischen „RT en Español“ („RT auf Spanisch“).[10] Zur Begründung der Abkehr vom früheren Sendernamen Russia Today verwies die Chefredakteurin 2010 auf bessere Marktaussichten unter dem neutraleren Namen RT, der nicht länger nahelege, dass die Nachrichten aus Russland stammten.[8]

RT eröffnete 2013 eine weltweit agierende Tochter, die TV-Nachrichtenagentur Ruptly mit Sitz in Berlin, die von 25 Büros auf der ganzen Welt (u.a. in Washington, Damaskus, London, Madrid, Gaza und Kairo) beliefert wird.[11][12][13]

Liz Wahl – ehemalige Moderatorin

Im März 2014 sorgte die Moderatorin Liz Wahl für Aufmerksamkeit in den internationalen Medien, weil sie vor laufender Kamera ihren Job kündigte. Sie begründete diesen Schritt in nachfolgenden Interviews mit der, in ihren Augen, zu einseitigen Berichterstattung des Senders im Zuge der Krise in der Ukraine. In einer Reaktion wertete RT den Auftritt als „Selbstvermarktung“.[14]

Am 6. November 2014 startete ein deutschsprachiges Netzangebot des Senders.[15] Die erste deutschsprachige Sendung von RT Deutsch ist das politische Magazin Der fehlende Part.[16] Moderiert wird die Sendung von Jasmin Kosubek. Als Außenreporter sind Nicolaj Gericke und Lea Frings im Einsatz. Gericke hatte zuvor bei Ruptly als Journalist gearbeitet und u. a. aus der Ukraine berichtet.[17][18]

Aufgrund der Finanzprobleme der russischen Regierung infolge des Währungsverfalls bei gleichzeitigem Rückgang der Öl- und Gaseinnahmen musste RT schon Anfang 2015 massive Kürzungen beim Programm vornehmen. Die Hauptsprache Englisch soll nur moderat zurückstecken müssen, Arabisch und Spanisch sollen zurückgefahren werden, Deutsch und Französisch gelten als verzichtbar und werden bei weiteren Finanzproblemen wohl eingestellt.[19]

Programm des Senders[Bearbeiten]

Nachrichten aus internationaler und russischer Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport sowie Dokumentarfilme, Politmagazine (IMHO, In Context) und die täglich ausgestrahlte politische Talkshow „Spotlight with Al Gurnov“ machen das Programm des Senders aus. Das Programm des englischsprachigen Nachrichtensenders RT besteht aus Segmenten, die zwischenzeitlich durch Programmankündigungen unterbrochen werden. Dokumentationen und Talk-Formate werden meist mehrfach ausgestrahlt, häufig auch mehrere Male an einem Tag. Zu jeder vollen Stunde werden halbstündige Nachrichten gesendet.[20]

Ausrichtung und Bewertung[Bearbeiten]

Dmitri Medwedew zu Gast bei RT mit der Chefredakteurin Margarita Simonjan

RT lässt häufig Analysten mit kontroversen Standpunkten zu Wort kommen und stellt wiederholt die Sichtweise der westlichen Nachrichtensender in Frage.[21] Sergei Frolow, der Geschäftsführer von ANO TV Nowosti, der Muttergesellschaft von RT, erklärte, dass genau hierin die Popularität des Senders begründet sei.[22] RT war 2010 und 2012 für den Emmy-Award nominiert, den bedeutendsten amerikanischen Fernsehpreis.[23]

RT wird von verschiedenen Seiten vorgeworfen, eine Kreml-treue Linie in der Berichterstattung zu verfolgen,[24][25] zumal es ohnehin Bedenken über die Pressefreiheit in Russland gebe.[26] Zweifel an der Parlamentswahl in Russland 2011 konterte RT mit Hinweisen auf die umstrittene Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000; auch berichtete RT ausführlich über amerikanische Polizeieinsätze im Zusammenhang mit Occupy Wall Street-Aktionen und stellte ihnen eine vom Kreml genehmigte Großdemonstration gegenüber, was einen für Russland vorteilhaften Vergleich darstellen sollte, so der Russland-Wissenschaftler Stephen F. Cohen. Cohen, häufiger Gast bei RT, betonte aber, RT sei nicht einseitiger als etwa CNN, es biete ein Pendant.[27] RT wird zudem beschuldigt, in einigen Situationen Verschwörungstheoretikern unterschiedlicher Art eine Plattform zu geben.[28] Auch Julian Assange bot RT eine mediale Plattform.[29] Einige amerikanische Journalisten bezeichneten RT als anti-amerikanisch[30] und anti-westlich,[31] während andere den Sender lediglich eine Plattform für scharfe Kritik an der amerikanischen Politik nannten.[32] Während des Kaukasuskriegs 2008 bezeichnete RT Georgien von Anbeginn als Aggressor,[33] noch bevor das von einer unabhängigen EU-Kommission bestätigt wurde.[34] Julia Ioffe vom Columbia Journalism Review bezeichnete RT als Werkzeug der russischen Regierung, um angebliche Voreingenommenheiten gegenüber Russland in westlichen Medien zu bekämpfen.[35]

Zum 60. Geburtstag des amerikanischen Senders Radio Free Europe im Oktober 2010 bezeichnete Walter Isaacson, Präsident des Aspen-Instituts und des Broadcasting Board of Governors, Medienanstalten wie Press TV, RT, China Central Television und teleSUR (Venezuela, Südamerika) als „Feinde“. Isaacson korrigierte sich später er habe „Feinde“ in Bezug auf Afghanistan gemeint und nicht auf die Länder und Fernsehanstalten, die er in seiner Rede erwähnt hatte.[36][37]

Die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton erklärte bei einer Anhörung vor dem außenpolitischen Ausschuss des US-Senats Anfang März 2011, dass den Vereinigten Staaten aufgrund des verstärkten Erfolges von Fernsehsendern wie Russia Today eine Niederlage im „weltweiten Informationskrieg“ drohe.[38]

Die Website des Senders, rt.com, ist in Syrien die meistbesuchte Nachrichtenwebsite.[39]

Zum Start des deutschsprachigen Programms erklärte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, RT nutze die aktuelle „Medienverdrossenheit als publizistische Marktlücke“[40]. Zeit-Redakteur Carsten Luther analysierte die RT-Methode: „Nicht alles ist gelogen und verbogen, manch kritischer Beitrag hat seine Berechtigung, das sei vorweg gesagt. Echte Nachrichten und Analysen neben irrelevant Buntem und purem Unsinn – das macht diese Art der Propaganda aus.“[41] Im Handelsblatt folgerte Andreas Macho nach einer Untersuchung des Programms des deutschen Ablegers von RT im November 2014: „Unterm Strich verbreitet RT Deutschland mehr Unwahrheiten, Verkürzungen und Verfälschungen, als es diese – wie die Moderatoren ständig versprechen – aufklären würde.“[42] Die Tageszeitung fasste die Auswahl der Gesprächspartner der ersten Wochen von RT Deutsch mit „entweder flammende Antiamerikaner oder EU-Gegner vom linken und rechten Rand“ zusammen.[43]

Technische Verbreitung[Bearbeiten]

Seit 2005 sendet RT rund um die Uhr in englischer Sprache und kann über Satellit (in Europa über Hotbird-6, Astra 1KR und Eurobird 1) und abhängig vom lokalen Kabelnetzbetreiber auch im digitalen Kabel empfangen werden. RT bemüht sich entsprechend auch um eine Einspeisung in Kabelnetze; in Deutschland kann RT z. B. im Netz von Unitymedia, Kabel BW und im Raum Köln-Bonn-Aachen im Netz von NetCologne empfangen werden.

Insgesamt wird RT auf über 20 Satelliten weltweit verbreitet. Während RT Englisch z.B. auf Hotbird 13° Ost, Astra 19,2° Ost und Astra/Eutelsat 28,2° Ost jeweils in SD und HD ausgestrahlt wird, ist RT Arabisch in Deutschland am einfachsten über Hotbird 13,0° Ost und RT Spanisch über 19,2° Ost zu empfangen, jeweils nur in SD. In Deutschland ist RT USA nur mit Aufwand im C-Band über NSS-806 auf 40,5° West zu empfangen (HD und SD). RT Д in englischer Sprache ist in Deutschland nur über Hotbird 13,0° Ost zu empfangen, und zwar sowohl in HD als auch in SD. Die verschiedenen RT-Kanäle können über die Webseite des Senders auch im Internet über Live-Streaming empfangen werden. Das jeweilige Programm ist auch über den Peer-to-peer-Dienst Livestation verfügbar. Außerdem werden einzelne Beiträge in einem eigenen Kanal auf YouTube verbreitet, der im Juni 2013 und die Marke von 1 Milliarde Zugriffe überschritt. Im Januar 2015 lag er bei über 1,3 Milliarden Videoaufrufen und 1,4 Millionen Abonnenten.[44]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Russia Today – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. reutersinstitute.politics.ox.ac.uk
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWahlen in Russland – Wie westliche PR-Agenturen Putins Image aufpolieren. In: sueddeutsche.de. 4. März 2012, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  3. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kreml-sender-russia-today-chefredakteurin-simonjan-im-interview-a-916021.html
  4. About us: Management, Webseite von RT, abgerufen am 25. Mai 2014 (englisch)
  5. freevideo.rt.com
  6. siehe zahlreiche Beiträge auf www.russland.tv<
  7. doc.rt.com
  8. a b Nikolaus von Twickel: Russia Today Courts Viewers With Controversy, in: The Moscow Times vom 17. März 2010, abgerufen am 3. Februar 2015 (englisch)
  9. معلومات عامة حول القناة („Allgemeine Informationen über den Kanal“), auf der Webseite von RT Arabic, abgerufen am 3. Februar 2015 (arabisch)
  10. Quiénes somos („Wer wir sind“), auf der Webseite von RT en Español, abgerufen am 3. Februar 2015 (spanisch)
  11. Berliner Zeitung 14. Dezember 2012 Russia Today Putins Welt Von Christoph Lanz
  12. Zapp (Magazin) 11. September 2013 Ruptly – die russische TV-Agentur in Berlin
  13. ruptly.tv
  14. RT reacts to anchor Liz Wahl quitting on air, RT.com
  15. www.rtdeutsch.com
  16. www.rtdeutsch.com
  17. www.linkedin.com
  18. theartofwar.me
  19. Tagesspiegel: Russia Today Deutsch vor dem Aus?, 30. Januar 2015
  20. rt.com
  21. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDer Krieg der Bilder. In: tagesspiegel.de. undatiert, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  22. www.broadcasting.ru
  23. rt.com
  24.  Propaganda mit Stalin. In: Der Spiegel. Nr. 47, 2007 (online).
  25. www.kommersant.com
  26.  Putin räumt TV auf. In: Der Spiegel. Nr. 43, 2009 (online).
  27. „...in striving to bring the West an alternate point of view, [RT] is forced to talk to marginal, offensive, and often irrelevant figures who can take positions bordering on the absurd.(...) “I’m highly suspicious about the narrative I’m getting on CNN,” he says. “It seems to be the flip side of RT. It’s too black and white, too virtuous and simple. Each side sounds like one hand clapping.” RT might have a hard Kremlin slant, but Cohen argues that “any intelligent viewer can sort this out. I doubt that many idiots find their way to RT. First, you have to pay a lot for cable, and then you have to get way up in the numbers to find it.“ Jesse Zwick: Pravda Lite - The New Republic, 14. März 2012
  28. Julia Ioffe:What Is Russia Today?The Kremlin’s propaganda outlet has an identity crisis - Columbia Journalism Review, 28. September 2010
  29. Russia Today strahlt TV-Projekt von WikiLeaks-Gründer Assange aus - 2012
  30. www.newrepublic.com
  31. www.aljazeera.com
  32. "Working for a Kremlin channel does not seem like an obvious choice for Mr Assange, who has devoted his life to fighting governmental opacity, but Russia Today has made a name for itself as a strident critic of US policy." - Assange takes chat-show job with state-funded Russian TV, 2012
  33. Hm? Wo steht hier was von RT? Clarity in the Caucasus?
  34. IIFFMCG Report, Vol. 1 (PDF; 3,8 MB), S. 20.
  35. www.slate.com
  36. Rogin, Josh, 2010: New BBG chief wants more money to combat „enemies“ such as China and Russia in Foreign Policy vom 5. Oktober 2010, abgerufen am 8. Dezember 2010.
  37. Russia Today-TV Ausschnitt It’s official: RT is the enemy
  38. Hillary Clinton: ‘America Is Losing’ An Information War That ‘Al Jazeera Is Winning’
  39. Alexa.com: Länderinformationen für Syrien
  40. RT DEUTSCH: "Dahinter steht ja der Kreml" - Bernhard Pörksen im Gespräch mit Brigitte Baetz
  41. http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen
  42. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/russia-today-mitarbeiter-verleugnen-redaktionssitz/11016084-3.html
  43. Klaus-Helge Donath: Propaganda in Russland: Putins mediale Großoffensive, in: taz.de vom 5. Dezember 2014, abgerufen am 3. Februar 2015
  44. YouTube-Profil von RT, abgerufen am 16. Januar 2015

55.771637.7144Koordinaten: 55° 46′ 17,8″ N, 37° 42′ 51,8″ O