Simon Wiesenthal Center
Das Simon Wiesenthal Center ist eine jüdische, politisch tätige Internationale Nichtregierungsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles. Es wurde 1977 gegründet und ist nach Simon Wiesenthal benannt; es setzt sich hauptsächlich mit der Thematik des Holocausts auseinander. Simon Wiesenthal war dabei nur als Namensgeber, aber weder an der Gründung noch der Leitung des Centers beteiligt.
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Standorte [Bearbeiten]
Der Hauptsitz des Simon Wiesenthal Centers ist in Los Angeles. Weitere Standorte sind New York, Miami, Jerusalem, Paris und Buenos Aires.
Tätigkeiten [Bearbeiten]
Es verfolgt das Ziel, Toleranz und Verständnis gegenüber Mitmenschen in der heutigen Zeit zu bewahren, was durch aktives Einbeziehen der Gesellschaft und deren Aufklärung und Bildung erreicht werden soll. Das Simon Wiesenthal Center beschäftigt sich mit Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord. Das Zentrum ist sowohl in den Vereinten Nationen als auch bei der UNESCO als Nichtregierungsorganisation (NRO) zugelassen.
Seit der Gründung des Simon Wiesenthal Centers 1977 findet eine kontinuierliche Kommunikation mit sowohl privaten als auch öffentlichen Einrichtungen, u. a. mit der US-amerikanischen Regierung und anderen Regierungen statt.
Mit der Kampagne Operation Last Chance wird versucht, gesuchte und noch lebende NS-Kriegsverbrecher der Justiz zuzuführen.
Im Simon Wiesenthal Center und dem dazugehörigen Museum der Toleranz kann ein österreichischer Gedenkdienst abgeleistet werden.
Leitung [Bearbeiten]
Gründer und Leiter des Zentrums ist der Rabbiner Marvin Hier, sein Stellvertreter ist Rabbi Abraham Cooper. Der derzeitige Geschäftsführer ist Rabbi Meyer H. May.
Bibliothek und Archiv [Bearbeiten]
Die Bibliothek des Zentrums in Los Angeles umfasst eine Sammlung von ungefähr 50.000 Bänden und Artikeln. Ferner sind im Archiv Bilder, Tagebücher, Briefe, Artefakte, Vorlagen und seltene Bücher zu finden, welche für Forscher, Studenten und andere zugänglich sind. Eine große Anzahl der Dokumente ist online einsehbar.[1]
Liste der meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher [Bearbeiten]
Stand: April 2013:[2]
- László Csatáry, ungarischer Polizeioffizier. Aufgespürt und wenig später festgenommen im Juli 2012.[3][4]
- Gerhard Sommer, ehemaliger SS-Untersturmführer der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer-SS“, der am 12. August 1944 im Massaker von 560 Zivilisten im italienischen Dorf Sant’Anna di Stazzema involviert war.
- Wladimir Katriuk, soll am 22. März 1943 am SS-Massaker von Chatyn (Weißrussland) aktiv teilgenommen haben, weist jedoch alle Vorwürfe der Involvierung in Kriegsverbrechen zurück.
- Hans Lipschis, Mitglied der SS-Division Totenkopf, von 1941 bis 1945 Aufseher im KZ Auschwitz-Birkenau, aufgespürt im April 2013[5], verhaftet im Mai 2013[6], am 2. Mai 2013 angeklagt wegen Beihilfe zum Mord in 9.515 Fällen[7]
- Iwan Kalymon, diente in der Ukrainischen Hilfspolizei während des Zweiten Weltkriegs und soll 1942 bei der Deportation von Juden aus Lemberg (heute: Lviv) einen Juden erschossen haben; leugnet die Tat.
- Soeren Kam, ehemaliges SS-Mitglied. Wurde in Dänemark angeklagt, ein Gericht in Bayern lehnte die Auslieferung ab.
- Algimantas Dailide, nahm Juden für SS und Litauische Kollaborateure fest.
- Michail Gorschkow, ehemaliger Dolmetscher der Gestapo. Soll beteiligt am Mord von Juden aus Slutzk/Weißrussland sein; im Oktober 2011 stellte die estnische Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen aus Mangel an Beweisen ein.[8]
- Theodor Szehinskyj, Mitglied der SS-Division Totenkopf, Aufseher im KZ Groß-Rosen, KZ Sachsenhausen und KZ Warschau
- Helmut Oberlander, beim Einmarsch der deutschen Truppen in die Ukraine 1941 Dolmetscher für das Einsatzkommando 10A, welches für die Vernichtung „unerwünschter“ Personen (Juden, Sinti und Roma) verantwortlich war.
Zusätzlich Aribert Heim und Alois Brunner, die aufgrund von Indizien offiziell für tot erklärt wurden, ohne dass ihr Tod eindeutig bewiesen wäre.
Top-Ten der antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen [Bearbeiten]
Das SWC veröffentlicht seit 2010 die „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“, eine jährliche Top-Ten-Liste von Zitaten, bei denen es sich nach Auffassung des SWC um antisemitische/antiisraelische Verunglimpfungen handelt, die sich zudem durch eine breitere gesellschaftliche Akzeptanz auszeichnen und damit nach Ansicht des SWC „den Weltfrieden bedrohen“.[19]
In einem Interview mit der ZEIT konkretisierte Rabbi Abraham Cooper, stellvertretender Direktor des SWC das Anliegen, das mit der Liste verfolgt wird:
„Wir veröffentlichen diese Liste jedes Jahr seit 2010. Sie soll eine weltweite Momentaufnahme sein und zeigen, wo und wie Antisemitismus massenkompatibel wird. Die Liste ist ein Weckruf an die Politik und soll zu Diskussionen anregen.[…] Wir folgen [bei der Unterscheidung zwischen legitimer Kritik und Antisemitismus] sehr genau der Definition von Nathan Sharansky, dem Vorsitzenden der israelischen Einwanderungsorganisation. Entscheidend sind demnach Doppelmoral, Dämonisierung und Delegitimierung. Trifft eines dieser drei „D“ zu, handelt es sich nicht mehr um bloße Kritik.“
– Abraham Cooper[20]
Auf der Liste fanden sich auch Zitate Deutscher: Thilo Sarrazin 2010,[21] Hermann Dierkes 2011[22] und Jakob Augstein 2012.[23]
Kritik [Bearbeiten]
Das SWC kam vor allem Ende 2005 bei der jüdischen Gemeinde Venezuelas in die Kritik, als es dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez antisemitische Äußerungen vorwarf, weil dieser behauptete, „die Nachkommen derer, die Christus kreuzigten (…), haben sich die Reichtümer der Welt zu eigen gemacht“. Das SWC ging davon aus, dass hiermit die Juden gemeint waren.[24] Juden enorme Macht und Reichtum zuzusprechen, ist ein häufiges antisemitisches Klischee. Die jüdische Gemeinde Venezuelas wies dies kurz darauf zurück, da das SWC die Äußerungen von Chávez zum wiederholten Mal sinnentstellend verkürzt wiedergegeben habe.[25]
Vergleichbare Kritik wird auch an den „antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen“ geäußert. Die hier veröffentlichten Zitate seien teilweise so gekürzt, dass eine deutlich andere Aussage suggeriert werde, als beim vollständigen Zitat im ursprünglichen Kontext.
Zum Jahreswechsel 2012/2013 geriet das SWC in der deutschen Presse in die Kritik, da es Äußerungen des deutschen Journalisten und Verlegers Jakob Augstein über Israel und die israelische Regierung auf die Rangliste „2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“ (2012 Top Zehn Antisemitische/Anti-israelische Verunglimpfungen) gesetzt hatte (Platz 9). Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, kritisierte, dass „die anderen auf der Liste, auch die widerlichen Naziparteien in unseren europäischen Partnerländern Ungarn und Griechenland, damit unzulässig verharmlost werden“.[26] Verschiedene Politiker, Journalisten, Nahost- und Antisemitismusexperten nahmen Augstein gegen Antisemitismusvorwürfe in Schutz, distanzierten sich dabei aber teilweise von Augsteins Aussagen.[27][28][29][30][31][32]
Weblinks [Bearbeiten]
- Website des Simon Wiesenthal Centers
- Direkter Zugang zum Dokumentenbestand über die Nationalsozialisten (Special Collections)
- Die Jagd nach den letzten Kriegsverbrechern. In: FAZ. 10. Juli 2007, Interview mit Efraim Zuroff
- Karadzic, Heim, Bin Ladin. Gesucht: Kriegsverbrecher. In: FAZ. 29. Juli 2008, Interview mit Efraim Zuroff
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Multimedia Learning Center. Simon Wiesenthal Center, abgerufen am 10. Januar 2013.
- ↑ Efraim Zuroff: Simon Wiesenthal Center 2013 Annual Report on the Status of Nazi War Criminals. (PDF; 379 kB) auf: wiesenthal.com
- ↑ Brian Flynn und Ryan Parry: The Sun finds Nazi who sent 15,700 to die. auf der Webseite von The Sun, 15. Juli 2012
- ↑ Polizei nimmt mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher Csatáry fest. In: Spiegel Online. 18. Juli 2012.
- ↑ Ermittlungen gegen KZ-Aufseher. Gesuchter Auschwitz-Wachmann aufgespürt. swr.de, 23. April 2013
- ↑ http://www.welt.de/politik/deutschland/article115938473/KZ-Aufseher-wegen-Beihilfe-zum-Mord-verhaftet.html
- ↑ Sven Felix Kellerhoff und Uwe Müller: KZ-Wächter Lipschis stand an der Rampe des Todes. Welt am Sonntag, 19. Mai 2013, abgerufen am 20. Mai 2013.
- ↑ „Der Fall Michail Gorschkow “, Baltische Rundschau, abgerufen am 7. Mai 2013
- ↑ Efraim Zuroff: Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals (April 1, 2003 – March 31, 2004). An Annual Status Report. (PDF; 615 kB) August 2004, S. 42–43
- ↑ SWC Annual Report on Nazi War Criminals Reveals Dramatic Rise in New Investigations; Slams Ukraine and Others; & Praises US for Outstanding Success. 4. Mai 2005
- ↑ Wiesenthal Center Annual Report on Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals. 23. April 2006
- ↑ Wiesenthal Center Annual Report Notes Rise in Number of Convictions of Nazi War Criminals During Past Year. 15. April 2007;
Efraim Zuroff: Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals (April 1, 2006 – March 31, 2007). An Annual Status Report. (MS Word; 401 kB) August 2007 - ↑ SWC Annual Worldwide Report and Most Wanted List for Nazi War Criminals. 30. April 2008
- ↑ Wiesenthal Center Annual Report on the Prosecution of Nazi War Criminals. 20. April 2009
- ↑ SWC Annual Nazi War Criminal Report. 11. April 2010;
Efraim Zuroff: Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals (April 1, 2009 – March 31, 2010). An Annual Status Report. November 2010, S. 38–42 - ↑ Simon Wiesenthal Center's Tenth Annual Report on the Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals. 1. Mai 2011;
Efraim Zuroff: Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals (April 1, 2010 – March 31, 2011). An Annual Status Report. November 2011 - ↑ SWC Annual Status Report on the Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals. (PDF; 95 kB) 2012;
Efraim Zuroff: Worldwide Investigation and Prosecution of Nazi War Criminals (April 1, 2011 – March 31, 2012). An Annual Status Report. (PDF; 502 kB) Dezember 2012, S. 39–43 - ↑ Efraim Zuroff: Simon Wiesenthal Center 2013 Annual Report on the Status of Nazi War Criminals. (PDF; 379 kB) April 2013
- ↑ Simon Wiesenthal Center: 2012 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs – Mainstream Anti-Semitism Threatens World Peace
- ↑ Christopher Weckwerth: „Augstein sollte sich bei den Lesern und dem jüdischen Volk entschuldigen“. ZEIT-Online, 5. Januar 2013
- ↑ Simon Wiesenthal Center: 2010 Top Ten Anti-Semitic Slurs (PDF; 188 kB)
- ↑ Simon Wiesenthal Center: 2011 Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs
- ↑ Simon Wiesenthal Center: 2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs
- ↑ SWC News Items
- ↑ Marc Perelman: Venezuela's Jews Defend Leftist President in Flap Over Remarks, forward.com, 13. Januar 2006.
- ↑ Kultur und Leben, Medien. „Schauderhaft und schrecklich“. In: Focus. 02/2013, 7. Januar 2013.
- ↑ 2012 Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs. (PDF; 908 kB) auf der Website des SWC, 4. Januar 2013.
- ↑ Gysi und Klöckner verteidigen Augstein gegen Antisemitismus-Vorwurf. In: Spiegel Online. 31. Dezember 2012.
- ↑ Nils Minkmar: Antisemitismus-Vorwurf: Eine offene Gesellschaft. In: FAZ. 1. Januar 2013.
- ↑ Kritik an Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein, Deutschlandradio, 3. Januar 2013 (Interview von Klaus Pokatzky mit Antisemitismusforscher Klaus Holz).
- ↑ Christian Bommarius: Broder diffamiert Augstein. In: Berliner Zeitung. 2. Januar 2013.
- ↑ Henryk M. Broder: Das war nicht hilfreich. Ich entschuldige mich. In: Welt Online. 11. Januar 2013.
34.053888888889-118.40194444444Koordinaten: 34° 3′ 14″ N, 118° 24′ 7″ W