Clausthalit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Clausthalit
Clausthalite-207330.jpg
Clausthalit aus Rieder, Harz, Deutschland
Chemische Formel

PbSe

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze - Sulfide mit Me:S,Se,Te = 1:1
2.CD.10 (8. Auflage: II/C.15) nach Strunz
02.08.01.02 nach Dana
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin hexakisoktaedrisch
4/m\ \bar{3}\ 2/m (nach Hermann-Mauguin)
Kurzsymbol: m\bar3m
Farbe bleigrau bis bläulich
Strichfarbe gräulich schwarz
Mohshärte 2,5 bis 3
Dichte (g/cm3) 7,6 bis 8,8
Glanz Metallglanz
Transparenz opak
Spaltbarkeit vollkommen nach [100}, {010} und {001}
Bruch gekörnt
Habitus
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten löslich in Schwefel- und Salpetersäure
Ähnliche Minerale Galenit

Clausthalit (veraltet Selenblei) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze, genauer der Sulfide mit einem Verhältnis von Metall zu Schwefel, Selen oder Tellur von 1:1. Zusammen mit Galenit bildet es die Galenit-Claustalit-Serie.[1]

Clausthalit kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Formel PbSe und entwickelt dabei derbe, körnige bis massige Mineral-Aggregate in bleigrauer bis bläulicher Farbe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Clausthalit lässt sich mit Schwefel- und Salpetersäure lösen. Weiterhin entwickelt er beim Erhitzen vor dem Lötrohr einen starken, rettichartigen bis fauligen Geruch, der bei dieser Methode typisch für Selen und Selenverbindungen ist.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Das Mineral wurde 1832 von François Sulpice Beudant in der Nähe von Clausthal-Zellerfeld im Oberharz gefunden und nach seiner Typlokalität, dem Ortsteil Clausthal benannt.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Lerbachit

Die Varietät Lerbachit (Hg,Pb)Se, typlokal nach dem Bergort Lerbach benannt, besteht aus einem Gemenge von Clausthalit und Tiemannit

Klassifikation[Bearbeiten]

In der Systematik nach Strunz wird Clausthalit bei den Sulfiden und Sulfosalzen klassifiziert. Es wird zu den Sulfiden mit einem Verhältnis vom Metall zu Schwefel, Selen oder Tellur von 1:1 gezählt. In der achten Auflage bildete es mit Alabandin, Altait, Crerarit, Galenit, Keilit, Niningerit und Oldhamit eine Gruppe. In der neunten Auflage werden die Sulfide zusätzlich nach Kationen unterteilt, dort ist Clausthalit mit diesen Mineralen sowie Cuboargyrit und Schapbachit in der Klasse der Metallsulfide mit Zinn, Blei oder Quecksilber zu finden.

In der Systematik der Minerale nach Dana bildet es mit Alabandin, Altait, Borovskit, Crerarit, Galenit, Keilit, Niningerit und Oldhamit eine Untergruppe der Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der Zusammensetzung Am Bn Xp, mit (m+n):p=1:1. [2]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Clausthalit bildet sich hydrothermal in schwefelarmen Lagerstätten. Er ist mit anderen Seleniden, wie Tiemannit und Klockmannit vergesellschaftet.[3]

Clausthalit ist wahrscheinlich das häufigste natürliche Selenid.[3]

Fundorte sind unter anderem Cacheuta in Argentinien, Pacajake in Bolivien, das Erzgebirge (Schlema-Alberoda) in Deutschland, am Athabascasee in Kanada, Sibirien in Russland, Skrikerum in Schweden, Předbořice, Bukov und Zlatkov in Tschechien, sowie Colorado in den USA.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Kristallstruktur von Clausthalit

Clausthalit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe Fm\bar3m und ist isotyp zur Natriumchlorid-Struktur. Der Gitterparameter a beträgt 6,124 Ångström. Die Elementarzelle weist etwas längere Achsen als beim ebenfalls isotypen Galenit (PbS, 5,936 Ångström) auf. Das ist auf den etwas größeren Ionenradius der Selenid-Ionen (Se2−) im Clausthalit verglichen mit den Sulfid-Ionen (S2−) im Galenit zurückzuführen. Da Schwefel und Selen sich oft gegenseitig in Kristallstrukturen ersetzen können, kann der Gitterparameter eines Mischkristalls Pb(S,Se), je nach Anteil des entsprechenden Elements, zwischen den oben genannten Werten liegen.

Verwendung[Bearbeiten]

Clausthalit bildet mit Galenit eine vollständige Mischungsreihe. Aus diesem Grund sind in vielen Galenit-Vorkommen einige Prozente Selen enthalten. Bei der Bleigewinnung wird das enthaltene Selenid abgetrennt und dient als Quelle für elementares Selen und andere Selenverbindungen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Galenit-Clausthalit-Serie bei mindat.org
  2. Liste der Minerale nach Dana bei webmineral.com
  3. a b Clausthalit in: Anthony et al.: Handbook of Mineralogy, 1990, 1, 101 (pdf)

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert G. Coleman: The natural occurence of Galena-Clausthalite solid solution series. In: American Mineralogist, 1959, 43, S. 166-175.
  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0.
  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag 1978, ISBN 3-432-82986-8.
  • Clausthalit in: Anthony et al.: Handbook of Mineralogy, 1990, 1, 101 (pdf).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Clausthalite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien