Dörnigheim

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50.1391666666678.8433333333333103Koordinaten: 50° 8′ 21″ N, 8° 50′ 36″ O

Dörnigheim
Stadt Maintal
Wappen der ehemaligen Stadt Dörnigheim
Höhe: 103 m ü. NN
Einwohner: 15.341 (31. Dez. 2006)
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63477
Vorwahl: 06181

Dörnigheim ist der größte Stadtteil von Maintal und liegt im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Mainfähre vor Dörnigheim

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Dörnigheim liegt am rechten Mainufer auf einer Höhe von 103 m über NN. Die Stadt Frankfurt am Main liegt ca. 13 Kilometer westlich, die Stadt Hanau ca. 6 Kilometer östlich von Dörnigheim.

Nachbarstädte[Bearbeiten]

Dörnigheim grenzt im Norden an den Stadtteil Hochstadt, im Nordwesten an Bischofsheim, im Westen an Fechenheim, im Osten an Hanau-Kesselstadt und – südlich des Mains gelegen – im Südwesten an den Offenbacher Stadtteil Rumpenheim und im Süden an die Stadt Mühlheim am Main und deren Stadtteil Dietesheim.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung von Dörnigheim stammt aus dem Jahr 793 und ist im Lorscher Codex verzeichnet. Ein Wolfbodo schenkte dem Abt des Klosters Lorsch unter anderem das Gebiet im Maingau, in dem auch Dörnigheim lag.[1]

1064 übergab König Heinrich IV. dem Kloster St. Jakob zu Mainz Güter zu Dörnigheim. Im 13. und 14. Jahrhundert war das Kloster im Besitz des Dorfes. Die Vogtei über den Klosterbesitz lag im 13. Jahrhundert zunächst bei den Grafen von Rieneck, im 14. Jahrhundert bei den Herren von Hanau. Diese vergaben die Vogtei wiederum als Lehen an die Herren von Rüdigheim. Die Landeshoheit über Dörnigheim aber fiel an die Herrschaft und spätere Grafschaft Hanau und Hanau-Münzenberg. Diese ordnete das Dorf ihrem Amt Büchertal zu. Das Kirchenpatronat lag zunächst bei der Kurpfalz, die es im 16. Jahrhundert an die Grafen von Hanau-Münzenberg abgab.[2]

Historische Namensformen[Bearbeiten]

  • Turincheim (793)
  • Turingeheim (um 850)
  • Thurincheim (1064)
  • Dorenheim (1258)
  • Durnkeim (1282)
  • Durinkeym (1288)
  • Duringheim (1366)
  • Dörnigheim (1554)

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Die Reformation setzte sich in der Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung durch. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi Gebrauch, seinem Recht als Landesherr, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft weitgehend als verbindlich durch, so auch in Dörnigheim. 1720 wurde die Kirchengemeinde von Kesselstatt losgelöst und verselbständigt.[3]

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und Dörnigheim.

Aufgrund seiner günstigen Lage zwischen den Städten Hanau im Osten und Frankfurt im Westen florierte der Gaststätten- und Herbergsbetrieb, da Reisende gerne hier eine Rast einlegten. Viele der alten Gaststätten werden heute noch bewirtschaftet.

Neuzeit[Bearbeiten]

Während der napoleonischen Zeit stand Dörnigheim von 1806 bis 1810 unter französischer Militärverwaltung und gehörte dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es an Hessen-Kassel, nunmehr „Kurfürstentum Hessen“ genannt, zurück. Hier kam es 1821 zu einer grundlegenden Verwaltungsreform: Das Amt Büchertal wurde dem neu gebildeten Landkreis Hanau zugeschlagen.

Am 19. August 1945 ereignete sich auf einem Industriegelände in der Nähe des Bahnhof Maintal Ost, damals: „Hochstadt-Dörnigheim“, das als Durchgangslager für amerikanische Soldaten, als Kriegsgefangenenlager und als Depot benutzt wurde, eine Explosion. Der Katastrophe fielen 24 Amerikaner und vier Dörnigheimer Feuerwehrleute zum Opfer.

1964 erhielt Dörnigheim Stadtrechte. Zehn Jahre später, am 1. Juli 1974, wurde Dörnigheim mit Bischofsheim, Hochstadt und Wachenbuchen im Zuge der Gebietsreform in Hessen per Gesetz zur neuen Stadt Maintal zusammengefasst.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1587: 0.0043 Schützen, 10 Spießer
  • 1632: 0.0038 Familien[5]
  • 1681: 0.0033 Familien = 144 Einwohner
  • 1707: 0.0055 Familien
  • 1754: 0.0075 Familien = 463 Einwohner
  • 1895: 01.343 Einwohner
  • 1939: 02.746 Einwohner
  • 1961: 07.073 Einwohner
  • 1970: 16.302 Einwohner

Kirche[Bearbeiten]

Bereits in der Urkunde von 793, der ältesten Erwähnung Dörnigheims, wird die heutige Alte Kirche am Main als basilica s. Marie erwähnt. Das Patronat lag zunächst bei der Pfalz, seit dem 16. Jahrhundert bei Hanau. Kirchliche Mittelbehörde war vor der Reformation das Archidiakonat des Propstes von St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf. Danach war das evangelische Konsistorium der Regierung in Hanau die Aufsichtsbehörde. Die Kirche war bis 1720 eine Filiale der Kirche von Kesselstadt, bevor sie selbständig wurde.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Dörnigheim ist durch die Lage im Rhein-Main-Gebiet und der direkten Nähe zu Frankfurt und Hanau, ein günstig gelegener Wirtschaftsstandort. Im Osten und im Norden grenzen zudem die Gewerbegebiete Maintal-Ost und Maintal-Mitte an den Stadtteil.

Dörnigheim liegt verkehrsgünstig. Der Bahnhof Maintal Ost liegt im Norden des Stadtteils an der Bahnstrecke Frankfurt–Hanau und wird von Regionalzügen der Relation Frankfurt–Maintal–Hanau(–Aschaffenburg) angefahren. Geplant ist der Anschluss an die Nordmainische S-Bahn.

Die A 66 mit der Anschlussstelle Maintal-Dörnigheim / Maintal-Hochstadt verläuft nördlich des Stadtteils, die B 8 mitten durch den Ortskern entlang des Mains.

Am Dörnigheimer bzw. am gegenüber liegenden Mainufer verlaufen mehrere Radwanderwege:

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986, Teil 1 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 33. Marburg 1984, S. 118.
  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 40.
  • Heinrich Lapp: Dörnigheim am Main, Die Geschichte eines Dorfes, 1952
  • Heinrich Lapp: Dörnigheim in Geschichte und Gegenwart. Hanau 1964.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 95.
  • Werner Jung: 1200 Jahre Dörnigheim: 793 – 1993. Dörnigheim 1993.
  • Bernd Salzmann u.a.: Keiner will es gewesen sein: Dörnigheim im Nationalsozialismus, 1991
  • Ingeborg Schall: Daten der Dörnigheimer Geschichte im Spiegel der Zeit. Eigenverlag 1992.
  • Ingeborg Schall: Grenzen und Fluren der Dörnigheimer Gemarkung = Dörnigheimer Geschichtsblätter 3. 1997.
  • Ingeborg Schall: Dörnigheim in alten Bildern. 1998.
  • Ingeborg Schall: Dörnigheim-Chronik bis 1974. Dörnigheim 2010.
  • 793–1993 . 1200 Jahre Dörnigheim, Zeltgemeinschaft 1200 Jahre Dörnigheim, Dörnigheim 1993

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dörnigheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urkunde 3452 aus dem Lorschen Kodex
  2. Aschkewitz.
  3. Aschkewitz.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  5. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Die Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung. 2011, ISBN 9-783-935395-15-9 (formal falsche ISBN), S. 277–320 (289 ff.) (= Hanauer Geschichtsblätter 45)