David Schalko

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
David Schalko Frankfurter Buchmesse 2013

David Schalko (* 17. Jänner 1973 in Waidhofen an der Thaya, Niederösterreich) ist ein österreichischer Regisseur, Autor und Entwickler von Fernsehsendungen.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Geboren in Waidhofen an der Thaya, wuchs David Schalko in Wien auf. Er bewarb sich für das Reinhardt-Seminar, wurde jedoch nicht aufgenommen. In der Folge, 1991, begann er ohne spezielle Motivation ein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien – „weil mein Vater Banker ist, lag Betriebswirtschaft nahe. [...] Ich hab das so lange studiert, bis sich eine Ausstiegsmöglichkeit ergab – das war die Fernsehsendung ‚Zap‘ auf Wien 1.[1] Zuvor veröffentlichte er aber noch sein erstes Buch, den Lyrikband Bluterguss und Herzinfarkt (1995 bei Kubus, Wien). Autoren wie Werner Schwab und H. C. Artmann, den er auch persönlich kannte, waren damals interessante Bezugspunkte für ihn.[1]

Über persönliche Kontakte bekam er 1996/97 die Gelegenheit, für Zap und Die Hausfreunde Konzept und Drehbuch zu schreiben sowie Regie zu führen. Moderator von Zap wurde Robert Palfrader, den Schalko als „Stammgast“ im Café Torberg, in dem Palfrader damals Wirt war, kennenlernte.[1]

Danach, ab 1998, arbeitete Schalko als freier Werbetexter und -regisseur. In dieser Zeit schrieb er seinen ersten Roman, „Frühstück in Helsinki“, der jedoch erst 2006 erschien – „was für ein juveniles Werk viel zu spät ist“, so Schalko.[1] Zudem drehte er auch Musikvideos und wurde im Jahr 2000 Sexkolumnist der Frauenzeitschrift Wienerin. Danach kehrte er zum Fernsehen zurück. Die von ihm 2002 konzipierte Sendung ohne Namen gewann im Jahr 2003 die Goldene Romy und einen Preis am Input-Fernsehfestival in Barcelona. Im Jahr darauf war die Sendung Finalist beim New York Television Award und Finalist beim Rose d’Or in Luzern.

2003 inszenierte Schalko gemeinsam mit Amina Handke das Stück Disco ergo sum in der Theater Gruppe 80, Außerdem zeichnete er für eine weitere wöchentliche Sendung des ORF verantwortlich: Sunshine Airlines. 2004 konzipierte er Undercover für den ORF. Er drehte in Co-Regie mit Mike Majzen den Kinofilm Nitro, der ab Mai 2006 im Kino gezeigt wurde. Außerdem erschienen bei Dröhmer einige Kurzgeschichten in unterschiedlichen Anthologien.

2005 drehte er den Fernsehfilm Heaven im Rahmen der Reihe 8 x 45, in dem Josef Hader die Hauptrolle spielt. Des Weiteren führt er Regie bei der Aufzeichnung von Josef Haders Kabarettprogramm „Hader muss weg“. Im März des Folgejahres lief im ORF die Serie Kupetzky, als deren Autor David Schalko fungierte. Im April 2006 hatte sein Theaterstück Böheimkirchen Euphorie im Wiener Rabenhof Theater Premiere. Im November 2006 ging Schalko auch in der Werbung neue Wege: der von Media Markt in Auftrag gegebene Spielfilm Dad’s Dead, der als Gratis-Give Away in den Märkten verteilt wurde und innerhalb weniger Tage in ganz Österreich vergriffen war, galt als Pionierprojekt, das auch an internationalen Werbefestivals für Aufmerksamkeit sorgte. Zudem gründete Schalko im gleichen Jahr gemeinsam mit John Lüftner und Andreas Payer die Produktionsfirma Superfilm.

2007 führte Schalko wieder im österreichischen Fernsehen Regie. Die Politsatireserie Die 4 da mit Erwin Steinhauer, Florian Scheuba, Thomas Maurer und Rupert Henning suchte sich jede Woche ein neues Genre. Seit Mai 2007 produziert Schalkos Firma Superfilm die von ihm konzipierte Late-Night-Show Willkommen Österreich. Im Herbst 2007 erschien der Erzählband Wir lassen uns gehen.

2008 entwickelte Schalko anlässlich der in Österreich und der Schweiz ausgetragenen Fußball-Europameisterschaft 2008 die Mockumentary Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister. Bei dem fiktionalen TV-Dokumentarfilm, in dem Österreich Europameister wird, führte Schalko selbst Regie. Der Film wurde 2009 mit der Goldenen Romy ausgezeichnet.

Im Herbst 2009 erschien sein Roman Weiße Nacht, in dem ein naiver junger Mann in den Bann eines charismatischen Politikers (anspielend auf Jörg Haider, der am 11. Oktober 2008 bei einem Alleinunfall starb[2]) gerät. Das Werk wurde von Kritikern als „Parabel auf den Rechtsruck in Österreich“ [3] interpretiert. Die Hauptfigur ist nach Aussage Schalkos Stefan Petzner nachempfunden.[4][5] Petzner hat den Czernin-Verlag, in dem das Buch erschien, wegen angeblicher Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte verklagt.[6][7] Petzner scheiterte mit seiner Klage in erster Instanz. [8] Seine Berufung gegen das Urteil am Oberlandesgericht Wien hatte keinen Erfolg.[9] Weiße Nacht ist auch als Hörbuch auf CD erschienen, gelesen von Christian Kracht.[10]

2009 schrieb und drehte David Schalko gemeinsam mit Josef Hader den Zweiteiler Aufschneider. Er wurde zu einem Kritikererfolg und auch zu einem der erfolgreichsten Fernsehzweiteiler der letzten Jahre. 2010 erhielt Schalko dafür die Goldene Romy in der Kategorie "Beste Regie". 2013 wurde "Aufschneider" für den Grimme-Preis nominiert. 2010 verfilmte Schalko den Glavinic-Roman "Wie man leben soll", der 2011 in den Kinos anlief. Der Film, den er gemeinsam mit Thomas Maurer schrieb, spielt im Studentenmilieu der 90er Jahre. Die experimentelle Erzählweise, die sehr assoziativ unterschiedliche Erzählstile vermengt, polarisierte sehr stark und wurde von der Kritik nicht sehr positiv aufgenommen. 2011 drehte Schalko auch die Miniserie Braunschlag. Die 8mal45 minütige Serie rund um die fingierte Marienerscheinung in einem maroden Waldviertler Dorf lief von September bis November 2012 erstmals im ORF und erreichte dienstags rund eine Million Seher. In den Hauptrollen: Robert Palfrader, Nicholas Ofczarek, Nina Proll, Maria Hofstätter, Manuel Rubey, Thomas Stipsits u.v.a. Braunschlag lief bei der internationalen Cologne Conference in der Kategorie "10 weltweit wichtigste Arbeiten", war beim Comedy Festival in Montreux in der Kategorie Best Sitcom nominiert und erhielt die Goldene Romy "Spezialpreis der Jury".

Filmografie[Bearbeiten]

Fernsehsendungen[Bearbeiten]

  • 1997/98: ZAP (Serie; Regie)
  • 1998: Die Hausfreunde (Serie; Regie)
  • 1998: Der Brief (mit Alf Poier, Regie)
  • 2002: Sendung ohne Namen (Unterhaltungssendung im Rahmen der Donnerstag Nacht-Programmschiene des ORF; Autor, Regie, Idee)
  • 2004: Dorfers Donnerstalk (Late-Night-Show der Donnerstag Nacht; Regie)
  • 2004: Sunshine Airlines (Kultursendung, Donnerstag Nacht; Konzept, Regie)
  • 2006: Kupetzky (Unterhaltungsserie, Donnerstag Nacht; Drehbuch, Konzept)
  • 2007: Die 4 da (Satireserie, Donnerstag Nacht; Idee, Regie)
  • 2007: Willkommen Österreich (Late-Night-Show, Donnerstag Nacht; Konzept)

Kurzfilme[Bearbeiten]

  • 2006: Heaven (Folge der Fernsehfilmserie 8 x 45, 45 min; Drehbuch, Regie)
  • 2007: Dad’s Dead (Werbefilm, 40 min; Drehbuch, Idee)

Kinospielfilme[Bearbeiten]

Fernsehfilme[Bearbeiten]

Serien[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • 2003: Disco ergo sum (2003; Regie, Text)
  • 2006: Böheimkirchen Euphorie (Kaiser Verlag)

Prosa und Lyrik[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Romy 2003: „Goldene Romy“ „Beste Programmidee“, für Sendung ohne Namen,
  • Romy 2004: Goldene Romy, für Sunshine Airlines, als beste Produktion
  • Rose d’Or Luzern 2004: Nominierung für eine Rose d’Or, für Sendung ohne Namen
  • Fernsehpreis der Österreichischen Erwachsenenbildung 2005 für Dorfers Donnerstalk
  • Erich-Neuberg-Preis 2006 für Dorfers Donnerstalk, für die beste Regie einer ORF-Sendung
  • Thomas Pluch Drehbuchförderpreis 2006, für Heaven
  • New York TV Film Festival 2007: Bronzemedaille, für Kupetzky
  • Cannes Lions International Advertising Festival 2007: Shortlist-Nominierung in der Kategorie Sales Promotion, für Dad's Dead
  • Goldene Romy 2009 „Beste Dokumentation“, für Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister
  • Goldene Romy 2010 „Beste Regie“, für Aufschneider
  • Erich-Neuberg-Preis 2010, für Aufschneider
  • Goldene Olive TV Festival Bar: Aufschneider, für Bester Film, bester Darsteller, bestes Drehbuch.
  • Cologne Conference „10 wichtigste Arbeiten weltweit“, Comedy Festival Montreux Nominierung Best Sitcom, für Braunschlag
  • Nominierung Grimme-Preis 2013 „Beste Serie, Zweiteiler“, für Aufschneider
  • Goldene Romy, „Spezialpreis der Jury“, für Braunschlag
  • Indie Fest, Kalifornien: Awards of merit: Best leading role, Television, Humor, für Braunschlag [11]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Wolfgang Kralicek, Klaus Nüchtern: Pathologe ist ein schöner Beruf. Interview mit David Schalko, Falter 14/10, 7. April 2010, S. 24
  2. taz.de
  3. Die Presse: David Schalk (sic!): Mit der Silberrakete in die Sonne, 10. Oktober 2009
  4. David Schalko: Lachen mit Petzner - Vielen Dank für die Klage!, Der Standard, 18. Februar 2010
  5. Der Standard: Ein schwarzer Karl-May-Roman, 24. September 2009
  6. profil Nr. 3, 41. Jg., 18. Jänner 2010, S. 15
  7. Ralf Leonhard: Rechtsstreit in Österreich - Petzner will keine Romanfigur sein, 1. Februar 2010, taz.de
  8. Bericht der Tageszeitung Die Presse über den Prozess Petzner vs. Czernin Verlag.
  9. Kleinen Zeitung: Petzner mit Klage gegen Schalko erneut gescheitert
  10. http://www.wdr5.de/sendungen/buecher-das-wdr-5-literaturmagazin/s/d/13.03.2010-22.05.html
  11. Festival-Lob für „Braunschlag“, Der Kurier, 2. Juli 2013.