Alf Poier

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Alf Poier posiert
Alf Poier (Wien 2008)
Alf Poier am Picture on festival in Bildein, 2012

Alf Poier (* 22. Februar 1967 in Judenburg, Steiermark; eigentlich Alfred Poier) ist ein österreichischer Musiker, Kabarettist und Maler.

Leben[Bearbeiten]

Alf Poier wurde 1967 geboren und besuchte die Volksschule in St. Peter ob Judenburg. Anschließend absolvierte er die Handelsakademie in Judenburg mit positivem Abschluss 1987. Bis 1995 verrichtete Poier sehr unterschiedliche Arbeiten. Daneben war er Laufsportler; so nahm Poier 1988 an den Berglauf-Weltmeisterschaften in Keswick (Großbritannien) als Läufer am Kurzstreckenwettbewerb (10 Kilometer Streckenlänge) teil, wo er den 21. Platz unter 50 Teilnehmern belegte.[1] Er stellte sich, wie er später in einem Interview meinte, nach 10 Jahren „jobben“ die Frage, ob acht Stunden täglich am Computer zu sitzen der Sinn des Lebens sei. Danach hätte er in einer Höhle gelebt, viel meditiert und sich intensiv mit Psychologie und Mystik befasst. Eine gewonnene Erkenntnis sei, dass das Denken eine Geißel der Menschheit wäre und das Denken das sei, was die meisten Probleme verursache.

1995 hatte Poier seinen ersten Kabarettauftritt beim Grazer Kabarettwettbewerb „Kleinkunstvogel“. Er erreichte den zweiten Platz. Im darauffolgenden August präsentierte er sein erstes Programm „Himmel, Arsch & Gartenzwerg“. Nachdem er es unzählige Male aufgeführt hatte, bekam Poier 1998 den Salzburger Stier.

Der Name des nächsten Programms (1999) lautete „Zen“. Für dieses Programm wurde Poier mehrfach ausgezeichnet. Bald darauf brachte er das Programm „Mitsubischi“ heraus.

Alf Poiers Programm „Kill Eulenspiegel“ (auch: „Kill Till“; vergl. Till Eulenspiegel, Kill Bill) hatte am 5. Oktober 2005 Premiere.

Im Februar 2005 kam Alf Poiers erstes Buch mit dem Titel „Mein K(r)ampf. Ein geistiges Sterbebuch“ (vergl. Mein Kampf) heraus.

Ab Herbst 2008 war er in der Comedyserie „Alfs Welt” zu sehen.

Anfang September 2008 eröffnete er in Eggendorf (Tullnerfeld) sein Privatmuseum, die „Botschaft für Bewusstsein, Scheißdreck und Kunst”. Seitdem tritt er mit dem Programm Satsang österreichweit sowie in Bayern und der Schweiz auf.

Am 1. April 2010 feierte Poiers erstes reines Musikprogramm mit dem Namen This Isn’t It (vergl. This Is It) in Wien Premiere. Unterstützt wurde er dabei von seiner Band, der „Obersteirischen Wolfshilfe“[2], mit den Mitgliedern Leonard "Lenny" Dickson (Schlagzeug), Wolfgang Laab (Gitarre), Marco Weichselbraun (Keyboard) und Hannes Steif (Bass)[3]. Im Dezember desselben Jahres trat Alf Poier zudem am 19. Arosa Humor-Festival auf.

Poiers nächstes Programm ab 2012 trägt den Titel "Backstage". Das Thema dieses Programms ist der Backstagebereich der Stars (e.g. Bon Jovi, Lady Gaga, etc.) und auch sein eigener. Er möchte hier Einblicke in das Leben hinter der Bühne geben. Premiere feiert es im Orpheum Wien im Herbst 2012.

Eurovision Song Contest[Bearbeiten]

2003 vertrat Alf Poier Österreich beim Eurovision Song Contest. Mit seinem Titel Weil der Mensch zählt erreichte er den 6. Platz, das beste Abschneiden für Österreich seit 1989. Sein Lied und seine Bühnenshow waren eine Parodie auf das Pop-Geschäft. Poier bekam von Island und Portugal jeweils 10 Punkte; das irische Televoting gewann er, wegen technischer Probleme musste Irland jedoch auf einen Jury-Entscheid zurückgreifen, in dem Poier keine Punkte erhielt.

Im Februar 2005 wollte er ein zweites Mal antreten, diesmal beim Eurovision Song Contest 2005, doch in der österreich-internen Entscheidungs-Show wurde er mit dem Song Good Old Europe Is Dying mit 4 Punkten Abstand Zweiter. Allerdings wurde er dabei Opfer des Wertungssystems, das die Stimmen ungleich gewichtete: Der Veranstalter ORF ließ die Zuseher per Telefon und getrennt dazu per SMS abstimmen. Jedes Bundesland hatte gleich viele Punkte zu vergeben – obwohl Wien etwa die sechsfache Einwohnerzahl des Burgenlands hat. Die gesamte Stimmabgabe über SMS zählte zusammen nur so viel wie ein einzelnes „zehntes“ Bundesland. Diese ungleiche Gewichtung brachte Poier mit ca. 106.000 abgegebenen Stimmen auf Platz 2 hinter die Band Global Kryner, die zwar nur rund 60.000 Stimmen erhielt, aber im Gegensatz zu Poier hauptsächlich von Festnetzanrufern aus Vorarlberg und dem Burgenland mit höherem Stimmgewicht unterstützt wurde.

Die ursprünglich geplante direkte Auswertung wurde erst wenige Tage vor der Abstimmung durch den beschriebenen indirekten Modus ersetzt; manche fassten dies als gezieltes Manöver zur „Verhinderung“ des künstlerisch sperrigen und dezidiert nicht folkloristischen Poier auf.

Alf Poiers Stellungnahme[4] dazu:

„Wer auf dieser Welt Gerechtigkeit fordert ist ein Idiot!

Wer auf dieser Welt Verständnis fordert ist geistesgestört!
Ich danke Euch allen im Namen der Wahrheit!
Alf Poier Platz 2 mit 106.000 Stimmen
Global Kryner Platz 1 mit 60.000 Stimmen

Euer geistesgestörter Idiot Alf Poier“

Auf Kritik stieß eine Textpassage aus Good Old Europe Is Dying:

„… und weil sich Mohammed so gut vermehrte, singt schon bald in Rom der Muezzin …“

Poier wurden Islamfeindlichkeit und Rassismus vorgeworfen, unter anderem wurde er vom Moderator Martin Blumenau des öffentlich-rechtlichen Radiosenders FM4 als Idiot bezeichnet, „der Österreich in eine Hetz-Debatte hineinzöge“. Poier zog aufgrund der Kritik die inkriminierte Textpassage zurück und ersetzte sie durch „buddhistisches Schweigen“.[4]

2006 wurde Poier für einen Amadeus Austrian Music Award nominiert.

Im Herbst 2010 wurde Alf Poier mit seinem Beitrag Happy Song für die Österreichische Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2011 nominiert.

Botschaft für Bewusstsein, Scheißdreck und Kunst[Bearbeiten]

Der Hof in Eggendorf im Tullnerfeld, den er im Sommer 2008 gekauft hatte, wurde zur Botschaft für Bewusstsein, Scheißdreck und Kunst umgewidmet. Am 8. September 2008 wurde die Botschaft eröffnet. Von Mitte Oktober 2009 bis zum 6. Juni 2010 war sie vorübergehend geschlossen. Auch in Poiers Kabarettprogramm Satsang vom Herbst 2008 geht es um seine Botschaft.

Die „Botschaft” ist eine dadaistisch inspirierte Mischung aus Museum, Fundus und Installation. Poier selbst sagt, es sei seine Bestimmung, „einen Platz zu schaffen, der allen berechenbaren Strukturen widerspricht” und dessen Gesetze nicht einmal er selbst kenne. [5]

Ausgestellt sind neben Requisiten und Memorabilia seiner Kabarettprogramme auch zahlreiche Nonsens-Objekte, etwa ein „elektrischer Stuhl” (im Sinne von Exkrementen), ein „Faschingskarpfen” oder Objekte, die zwischen Kitsch, Spiritualität und Erotik changieren, wie eine Madonna mit gespreizten Beinen.

Mittlerweile wurde das Gebäude von Poier wieder verkauft.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben
Alf singt die schönsten Lieder mit Band
  AT 41 31.08.2003 (2 Wo.) [6]
Lustige Lieder der Traurigkeit und Not
  AT 18 20.03.2005 (4 Wo.) [6]
This Isn’t It
  AT 25 09.07.2010 (5 Wo.) [6]
Singles
Weil der Mensch zählt
  AT 7 30.03.2003 (22 Wo.) [6]
Good Old Europe Is Dying
  AT 35 27.02.2005 (5 Wo.) [6]
DVDs
Mitsubischi
  AT 1 25.09.2003 (10 Wo.) [7]
Kill Eulenspiegel
  AT 1 12.09.2007 (8 Wo.) [8]
Satsang
  AT 1 16.09.2009 (11 Wo.) [9]
[6]

[7] [8]

[9]

TV-Auftritte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alf Poier, Mein Krampf. Ein geistiges Sterbebuch, Genie&Wahnsinn 2005, ISBN 3-200-00286-7
  • Dr. Günter Heidinger, Alf Poiers Vorwort in Zen-Running – Sport als Lebensphilosophie. Kneipp Verlag 2008, ISBN 978-3-7088-0448-4.
  • Genro Laoshi, Alf Poiers Vorwort in ZEN-sucht nach dem Wanderer. Top Team 2005, ISBN 3-200-00384-7.

Diskografie[Bearbeiten]

  • 1996: Himmel, Arsch & Gartenzwerg (Album-CD, Alf Poier und die obersteirische Wolfshilfe)
  • 2001: Zen (Album-CD)
  • 2003: Weil der Mensch zählt (Single-CD)
  • 2003: Alf singt die schönsten Lieder mit Band (Album-CD)
  • 2003: Mitsubischi (DVD, Neuerscheinung 2008)
  • 2005: Good Old Europe Is Dying (Single-CD)
  • 2005: Lustige Lieder der Traurigkeit und Not (Album-CD)
  • 2007: Zen (DVD)
  • 2007: Kill Eulenspiegel (DVD)
  • 2009: Satsang (DVD)
  • 2010: This Isn’t It (Album-CD, live)
  • 2011: Happy Song (Download-Single, Alf Poier & Die Obersteirische Wolfshilfe)
  • 2012: Oid & fett (Downlod-Single)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. mediasprint gmbh / WMRA: Rangliste der Berglauf-Weltmeisterschaften 1988 in der Kategorie „Männer einzeln, Kurzstrecke“;. Wmra.ch. 15. Oktober 1988. Abgerufen am 18. September 2010.
  2. „This Isn’t It“ – Alf Poier & die obersteirische Wolfshilfe (PDF; 10 kB) Abgerufen am 18. September 2010.
  3. Facebook Infoseite zur Obersteirischen Wolfshilfe. Abgerufen am 8. Juli 2011.
  4. a b Stellungnahme auf alfpoier.at
  5. Hofamt Priel: Bezirk Melk,Freizeit + Leben,Kunst + Kultur. Meinbezirk.at. Abgerufen am 18. September 2010.
  6. a b c d e f Steffen Hung: Alf Poier - Weil der Mensch zählt. austriancharts.at. Abgerufen am 18. September 2010.
  7. a b Alf Poier / Mitsubischi. Charts.orf.at. Abgerufen am 18. September 2010.
  8. a b Alf Poier / Kill Eulenspiegel. Charts.orf.at. Abgerufen am 18. September 2010.
  9. a b Alf Poier / Satsang. Charts.orf.at. Abgerufen am 18. September 2010.
  10. Goldene DVD für Alf Poier: Kabarettpreis mit Überraschungen. Abgerufen am 1. Dezember 2013.