Literaturmuseum der Moderne

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Das Literaturmuseum der Moderne in Marbach am Neckar

Das Literaturmuseum der Moderne (LiMo) ist gemeinsam mit dem Schiller-Nationalmuseum Teil der Literaturmuseen des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Es befindet sich auf der Schillerhöhe (Marbach am Neckar). Ausstellungsschwerpunkt ist die deutschsprachige Literatur des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Museum wurde zwischen 2002 und 2006 konzipiert und auf der Marbacher Schillerhöhe errichtet. Die Übergabe des Gebäudes fand am 9. Januar 2006 statt, die offizielle Eröffnung am 6. Juni 2006 in Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler.

Architektur des Literaturmuseums der Moderne[Bearbeiten]

Das LiMo wurde vom britischen Architektenbüro David Chipperfield Architects geplant und gewann den RIBA Stirling Prize 2007 des Royal Institute of British Architects und wurde beim Deutschen Architekturpreis 2007 ausgezeichnet. Projektarchitekt war Alexander Schwarz.

Der Bau verschmilzt Motive klassischer Architektur, wie die eines Peripteros, mit modernen Elementen und Materialien wie Holz, Muschelkalk, Sichtbeton und Werkstein.

Aufbau und Exponate des LiMo[Bearbeiten]

Blick in die Dauerausstellung des Literaturmuseums der Moderne, den sogenannten "nexus".

Das Museum zeigt auf rund 1000 m² Exponate aus den Beständen des Deutschen Literaturarchivs vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Entgegen der Ausrichtung vieler Dichterhäuser, die einen Autor oder eine einzelne Epoche zum Zentrum ihrer Ausstellungen machen, zeichnet das Literaturmuseum der Moderne die Entwicklung der deutschsprachigen Literatur der letzten 100 Jahre in seiner Dauer- und den beigestellten Wechselausstellungen nach.

Die Dauerausstellung gliedert sich in drei Räume. Im Raum fluxus stellen prominente Kuratoren ihre persönliche Literatur der Gegenwart vor; im Raum stilus können die Besucher mit dem interaktiven Museumsführer durch moderne Literatur stöbern; und schließlich der Raum nexus. Dieser bildet das Kernstück der Ausstellung, er zeigt die Spuren, die Menschen in und mit der Literatur hinterlassen. Es werden rund 1300 Exponate ausgestellt, darunter Briefe und Zeugnisse, Personalausweise, Notizbücher, Fotoalben, Lieblingsbücher und Erinnerungsstücke wie beispielsweise die Zettelkästen von Hans Blumenberg, Thomas Manns Taufkleid oder Hans-Georg Gadamers Schere, Manuskripte von Kafkas Proceß, Hesses Steppenwolf, Döblins Alexanderplatz, Kästners Emil und die Detektive. Zusätzlich zur Dauerausstellung gibt es auch Raum für wechselnde Ausstellungen.

Wechselausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Im Literaturmuseum der Moderne eröffnen jährlich etwa 2 bis 4 neue Wechselausstellungen, die über mehrere Monate hinweg zu sehen sind. In der Vergangenheit waren das unter anderem:

  • 2009: Autopsie Schiller. Eine literarische Untersuchung. Sie erinnerte an den 250. Geburtstag Friedrich Schillers.
  • 2010: Die erste Ausstellung 2010 mit dem Titel Randzeichnungen stellte Zeichnungen von verschiedenen Autoren auf ihren Manuskripten aus.
  • 2010: Deutscher Geist. Ein amerikanischer Traum; Ausstellungskatalog von Ernst Osterkamp und David E. Wellberry: Marbacher Magazin 132, 2010 ISBN 978-3-937384-68-9
  • 2011: Schicksal. 7 mal 7 unhintergehbare Dinge: Briefe, Bücher und Objekte zu Thema Macht des Schicksals
  • 2011: Briefe an Ottla. Von Franz Kafka und anderen
  • 2011/12: Ich liebe Dich!: Ausstellung über die Liebesbekundungen zahlreicher Schriftsteller und Denker des 19. bis 21. Jahrhunderts.
  • 2012: 1912. Ein Jahr im Archiv: Rekonstruktion eines Jahres anhand von Manuskriptquellen des DLA.
  • 2012: Kassiber. Verbotenes Schreiben: Eine Ausstellung über das klandestine Schreiben in Zeiten politischer Repression.
  • 2013/14: August 1914. Literatur und Krieg: Anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Notizen, Manuskripten und Fotografien beleuchtete die Ausstellung den Beginn des Ersten Weltkriegs. Der Katalog zur Ausstellung beinhaltete auch bisher unveröffentlichte Aufzeichnungen von Marie-Luise Kaschnitz, Georg Picht und Friedrich Gundolf.
  • 2013/14: Der ganze Prozess: Die Wechselausstellung zeigte zum ersten Mal Franz Kafkas "Prozess"-Manuskript Blatt für Blatt und bot auf diese Weise einen Einblick in die Arbeitsweise des Prager Dichters.

Ziele des LiMo[Bearbeiten]

Der Zweck des LiMo ist nach eigener Aussage: „Dass Archivbestände das Gedächtnis unserer Kultur sind, dass sie die Spuren des Lebens, der alltäglichen Zufälle und der großen Geschichte genauso verzeichnen wie die Arbeit am künstlerisch strukturierten Text, das sind Gemeinplätze, die unter jährlich wechselnden Leitmotiven auf die Probe gestellt werden sollen.“

Es will dabei zusätzliches „Sichtfenster in das reichste literarische Archiv im deutschsprachigen Raum“ sein, will einweihen „in die verschiedenen Weisen des ästhetischen Denkens, Schreibens und Lesens“ und „kulturelle Überlieferungsformen und historische Zusammenhänge vor Augen führen.“ (Zitate nach Selbstdarstellung)

Leitung des LiMo[Bearbeiten]

Das Literaturmuseum der Moderne wird von Dr. Heike Gfrereis geleitet.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Deutsches Literaturarchiv Marbach (Hrsg.): Denkbilder und Schaustücke. Das Literaturmuseum der Moderne, Begleitkatalog zur Dauerausstellung (Marbacher Katalog 60), Marbach am Neckar 2006 (2. Auflage: 2008), 260 Seiten.
  • Sonja Lehmann: Verfremdet, wiederbelebt. Anmerkungen zu Ästhetik und Darstellungsverfahren in der Dauerausstellung des Literaturmuseums der Moderne. In: Textpraxis. Digitales Journal für Philologie 2/2011. Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten]

48.9351666666679.2553333333333Koordinaten: 48° 56′ 7″ N, 9° 15′ 19″ O