Dohna (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer zu Dohna

Die Grafen und Burggrafen von Dohna (auch Donin; Donyn) sind ein weitverzweigtes, ursprünglich edelfreies Adelsgeschlecht, das aufgrund der ihm verliehenen Reichslehen zur Reichsunmittelbarkeit gelangte, mangels Sitz und Stimme im Reichstag jedoch nicht die Reichsstandschaft innehatte und daher nicht dem Hochadel angehört. Seinen Ausgang nahm das Geschlecht von der südlich von Dresden bei Pirna gelegenen Burg Dohna, mit der einer seiner Vertreter im 12. Jahrhundert belehnt worden war.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Burg Dohna (mit Bebauung des Schlossberges von 1828/1830)

Gegen Mitte des 12. Jahrhunderts, wohl schon 1143 oder 1144 unter König Konrad III., kam die Burggrafschaft Dohna als Reichslehen an Heinricus de Rodewa[1], der spätestens 1156 in ihrem Besitz ist.[2] Er gilt damit als Begründer des Adelsgeschlechts der Donin.[3]

Die Burggrafschaft Dohna lag zwischen der Markgrafschaft Meißen und dem Königreich Böhmen. Das Herrschaftsgebiet wurde in etwa eingegrenzt von den Flüssen Müglitz und Gottleuba im Osten, der Elbe im Norden und der Weißeritz im Westen.[4] Damit reichte es von Gottleuba im Südosten über Lockwitz, Kaitz und der Burg Thorun bei Pesterwitz im Norden bis Rabenau, Dippoldiswalde bzw. Ruppendorf im Westen. Die Wilde Weißeritz markierte die Westgrenze des burggräflich-dohnaisch beherrschten und aufgesiedelten Gebietes. Die Burg Dohna war bis zur Niederlage der Donins in der Dohnaischen Fehde 1402 Mittelpunkt der reichsunmittelbaren Burggrafschaft.

Bei den Streitigkeiten mit dem Bischof von Meißen um die Burg Thorun musste der Markgraf von Meißen, Dietrich der Bedrängte 1206 schlichten.

Als reichsunmittelbare Burggrafen hatten die Donin großen Einfluss auf die Besiedlung des Osterzgebirges. Mit der Anlage einer Vielzahl von Dörfern gelangten sie zu großem Besitz und dadurch auch zu Macht und Einfluss. So wurden sie durch Kaiser Friedrich I. „Barbarossa“ beauftragt, Dresden und die erste Dresdner Brücke zu planen. Wegen der Schwäche der Meißner Markgrafen im 13. Jahrhundert gelang es ihnen, als königliche Statthalter und Inhaber der Obergerichte auch die Befestigungshoheit in Dresden zu erlangen. Dies bedeutete, dass ihnen jeder 3. Pfennig und 1/3 des Zolls der Dresdner Elbbrücke zustand. Der erstmals 1390 bezeugte Dohnaer Schöppenstuhl war als adliges Lehnsgericht von großer Bedeutung. Seine Funktion übernahm in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts der Leipziger Schöppenstuhl.

Dohnaische Fehde und Niedergang[Bearbeiten]

Dieses Erstarken der Burggrafen von Dohna und der Kampf um die Vorherrschaft im Gau Nisan führte zu ständigen Machtkämpfen mit dem Markgrafen Wilhelm I. von Meißen und gipfelte in der Dohnaischen Fehde von 1385 bis 1402, in der die Donin (Burggraf Otto Heide II. und seine Söhne Jeschke, Otto Heide III. und Otto Mul) vollständig unterlagen und ihren gesamten Besitz an die Wettiner verloren.[5]

Die Auseinandersetzung begann zunächst als persönlicher Streit zwischen Hans von Körbitz und dem jungen Burggrafen Jeschke. Ein Nickel von Köckeritz verfasste 1482 folgenden Bericht: „Es war einer von Korbs, der schlug dem jungen her Jeschken ein beyn under uff dem tantzhawse zu Dresden, so slugk her Jeschko Korbs uffs mawl.“ Diese auf einem Adelstanz in Dresden begonnene Fehde führte dazu, dass Hans von Körbitz Dohna belagerte und die Donin gefangen nahm, was die Wettiner nutzten und schließlich zum bereits beschriebenen Ende führte.

Burggraf Otto Heide II. starb wahrscheinlich in Gefangenschaft, zumindest verschwindet er aus der Überlieferung. Sein Sohn Jeschke konnte zunächst fliehen, wurde aber gefangen und 1403 in Ofen (Budapest) enthauptet. Der wahrscheinlich einzig Überlebende aus dieser Fehde war Jeschkes Bruder Otto Heide III., der 1415 in Prag starb. Ihre Verwandten versuchten noch lange den alten Familienbesitz zurückzugewinnen.

Zweige in Böhmen, Meißen und Schlesien[Bearbeiten]

Nachdem 1402 die Burg von Wilhelm, Markgraf von Meißen, zerstört und deren Lehen eingezogen worden waren, hielten sich Burggrafen von Dohna am böhmischen Hof auf, wo sie als „Páni z Donína“ (Herren von Donin) bezeichnet wurden, z. B. Friedrich von Donin. Bereits im 14. Jahrhundert waren sie auch in der bis 1763 unmittelbar zu Böhmen gehörenden Grafschaft Glatz begütert, u. a. in Neurode, Ebersdorf, Hausdorf und Mittelsteine[6]. Andere Dohnas erwarben zahlreiche Güter in Schlesien. 1423 erneuerte Kaiser Siegmund die Belehnung mit der Reichsburggrafschaft Dohna. Ein dritter Zweig, der in der Lausitz die Herrschaften Staupitz, Königsbrück, Muskau etc. erworben hatte, erlosch zu Anfang des 17. Jahrhunderts.

Im 15. Jahrhundert zerfiel das Geschlecht in eine schlesische und eine preußische Linie. Die schlesische Linie erlosch 1711, die preußische Linie spaltete sich wieder in zwei. Die ältere Linie teilte sich in die Linien Dohna-Lauck und Dohna-Reichertswalde, die jüngere, Vianische Linie in die Linien Dohna-Schlobitten, Dohna-Schlodien mit Carwinden, die sich wieder in das Haus Schlodien mit Carwinden und das Haus Kotzenau (in Schlesien) scheidet, und Dohna-Carwinden (schwedische Linie), die 1820 im Mannesstamm ausstarb. Kaiser Ferdinand III. anerkannte 1648 die Burggrafschaft der Familie.

Im 16. und 17. Jahrhundert ging der Einfluss der Familie Dohna im preußischen und europäischen Herrschaftsgefüge stetig zurück, auch wenn sie im Umkreis des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. nochmals eine prominente Rolle spielte.[7] Seit 1782 war auch Schloss Finckenstein im Besitz der Burggrafen zu Dohna-Schlobitten (bis 1945).

König Friedrich Wilhelm IV. erhob am 10. September 1840 die Majorate zu Schlobitten, Lauck, Reichertswalde und Schlodien mit Carwinden zu einer Grafschaft Dohna und verlieh den Inhabern dieser Majorate 1854 die erbliche Mitgliedschaft im preußischen Herrenhaus.

Siebmacher 1605

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Blau zwei schräg-gekreuzte fünfendige silberne Hirschstangen. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken steht eine gold-gekrönte Jungfrau mit langem goldenen Haar in von Silber und Blau gevierteltem Gewande zwischen den Hirschstangen, welche sie mit den Händen hält.

Bekannte Vertreter[Bearbeiten]

Stammliste[Bearbeiten]

Preußische Linie[Bearbeiten]


Lausitzische Linie[Bearbeiten]

Schlesische Linie[Bearbeiten]

  • Abraham von Dohna († 1612), Herr auf Wartenberg in Schlesien, Rat Kaiser Rudolfs II., Landvogt der Oberlausitz und Präsident der Böhmischen Kammer (1611)

Schwedische Linie[Bearbeiten]

  • Christoph Delphicus von Dohna (1628–1668), Burggraf und Graf, ist Begründer der schwedischen Linie derer von Dohna
    • Christoph Ludvig von Dohna (1654–1712), Feldmarschall in schwedischen Diensten

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Susanne Baudisch: Lokaler Adel in Nordwestsachsen. Siedlungs- und Herrschaftsstrukturen vom späten 11. bis zum 14. Jahrhundert. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 1999, ISBN 3-412-02599-2.
  • Siegmar Graf zu Dohna: Die Donins. Aufzeichnungen über die erloschenen Linien der Familie Dohna. 4 Bände, Berlin 1877–1886.
  • Lothar Graf zu Dohna: Dohna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 43–46 (Digitalisat).
  • Lothar Graf zu Dohna: Die Dohnas und ihre Häuser. Profil einer europäischen Adelsfamilie. Wallstein Verlag, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8353-1237-1.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Band 53: Adelslexikon, Band 2, C. A. Starke, Limburg/Lahn 1974.
  • Vincenz Kaiser: Von Potschappel nach Grafenstein. Die Burggrafen von Dohna und ihre Ministerialität zwischen Elbtal und Oberlausitz im Hochmittelalter. In: Neues Lausitzisches Magazin. Zeitschrift der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Neue Folge, Band 13, Görlitz/Zittau 2010, S. 111–136.
  • Christine Klecker: Wie Dohna verlorenging. Museum Schloß Weesenstein, 1991.
  • Volker Press: Das Haus Dohna in der europäischen Adelsgesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Reformatio et reformationes. Festschrift für Lothar Graf zu Dohna zum 65. Geburtstag. THD, Darmstadt 1989, ISBN 3-88607-069-7, S. 371–402

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinricus de Rodewa in einer Urkunde Konrads III. für das Kloster Chemnitz vom Februar 1143; Heinrich wird als Zeuge genannt. Vgl. die Edition der Urkunde bei: Die Urkunden Konrads III. und seines Sohnes Heinrich, bearb. v. Friedrich Hausmann (= MGH DD reg. et imp. Germ., Band 9), Wien/Köln/Graz 1969, Nr. 86, S. 152–154, hier S. 154 Z. 17. Zur Ersterwähnung 1143 vgl. Karlheinz Blaschke: Dohna. In: Lexikon des Mittelalters. Band 3, München u.a. 1983, Sp. 1166.
  2. Heinricus castellanus de Donin in einer Urkunde des Markgrafen Konrad I. von Meißen vom 30. November 1156; Heinrich wird als Zeuge genannt. Vgl. Codex diplomaticus Saxoniae regiae, I A 2: Die Urkunden der Markgrafen von Meißen und Landgrafen von Thüringen 1100–1195, hg. von Otto Posse, Leipzig 1889, Nr. 262 S. 176–179, hier S. 178 Z. 37. Vgl. dazu Lothar Graf zu Dohna: Dohna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, ISBN 3-428-00185-0, S. 43–46 (Digitalisat)., S. 43.
  3. Das Wort Don-in erklärt sich aus dem slawischen Possessivsuffix -in für feminine Namen (wie Do(h)na).
  4. Vincenz Kaiser: Von Potschappel nach Grafenstein. Die Burggrafen von Dohna und ihre Ministerialität zwischen Elbtal und Oberlausitz im Hochmittelalter. In: Neues Lausitzisches Magazin. Zeitschrift der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften. Neue Folge, Band 13, Görlitz/Zittau 2010, S. 111–136.
  5. Zusammenfassung des Forschungsstandes bei Kurt Andermann: Adelsfehde zwischen Recht und Unrecht. Das Beispiel der Dohna-Fehde. In: Martina Schattkovsky (Hrsg.): Die Familie von Bünau. Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2008 (= Schriften zur Sächsischen Geschichte und Volkskunde, Band 27), ISBN 978-3-86583-235-1, S. 151–166.
  6. http://www.dokumentyslaska.pl/adel%20glatzer/1319%20-%201462.html Glatzer Adel
  7. Volker Press: Das Haus Dohna in der europäischen Adelsgesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts. In: Reformatio et reformationes. Festschrift für Lotha Graf zu Dohna zum 65. Geburtstag. THD, Darmstadt 1989, ISBN 3-88607-069-7, S. 371–402, zusammenfassend S. 399 f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Familie von Dohna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien