Douglas Gordon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Douglas Gordon (* 1966 in Glasgow, Schottland, Großbritannien) ist ein schottischer Künstler. Er lebt in Glasgow, Berlin-Kreuzberg und New York.

Leben[Bearbeiten]

Von 1984 bis 1988 absolvierte er ein B.A.-Studium an der Glasgow School of Art, von 1988 bis 1990 ein weiterführendes Master-Studium u.a. bei Phyllida Barlow an der Slade School of Art in London.

1993 hatte er seine erste Einzelausstellung. 1996 wurde er mit dem Turner Prize ausgezeichnet. 1997 war er auf der Biennale di Venezia vertreten. 1998 erhielt er den Central Kunstpreis, 2008 den Roswitha Haftmann-Preis.

Werk[Bearbeiten]

Douglas Gordon wurde 1993 mit der Videoinstallation 24 Hour Psycho bekannt, in der er eine handelsübliche Videokassette von Alfred Hitchcocks Psycho (1960) auf eine Dauer von 24 Stunden ausdehnt. Das Interesse für die Verfremdung von Kino-Ikonen bestimmt seitdem sein Oeuvre: 1998 entsteht die Idee, The Searchers von John Ford aus dem Jahr 1956 auf die Dauer der Handlung des Film, 5 Jahre, auszudehnen (5 year drive by). Sie wurde in Teilen am Drehort des Films, in der Wüste des Monument Valley, verwirklicht.

In something between my mouth and your ear von 1994 vergegenwärtigt Gordon die Zeit, die er während der Schwangerschaft seiner Mutter in ihrem Bauch vor der Geburt erlebt hat; in einem dunklen Raum hört man aus verschiedenen Lautsprechern Charthits der Zeit von Januar bis zum 20. September 1966, dem Tag seiner Geburt; mit dieser Zeitreise in das Jahr 1966 holt er die Vergangenheit in die Gegenwart und fördert wie ein Archäologe Kulturerzeugnisse vergangener Zeit zutage. Gleichzeitig versetzt er sich und den Zuschauer in seine Vor-Zeit zurück; er misst mit den neun Monaten die Zeit seiner „Produktion“.

In Between Darkness and Light (after William Blake) (1997) verwendet Gordon zwei weitere Klassiker der Kinogeschichte, Der Exorzist von William Friedkin und Das Lied von Bernadette von Henry King. Er projiziert je einen Film von der einen und von der anderen Seite auf eine freistehende, durchscheinende Leinwand, so dass sie sich spiegelverkehrt überlagern.

Feature Film (1999) ist der erste selbstgedrehte Film von Douglas Gordon, eine weitere Auseinandersetzung mit einem Hitchcock-Film. Gordon ließ die einprägsame Filmmusik von Vertigo, die von Bernhard Hermann komponiert wurde, vom Orchester der Opera National de Paris unter seinem damaligen Chefdirigenten James Conlon neu aufführen. Während der Aufführung filmte Gordon das Gesicht und die Hände des Dirigenten mit mehreren Kameras aus verschiedenen Perspektiven. Musik und Bild verschmelzen hier zu einer eigenen Interpretation der bekannten musikalischen Motive, die Verbindung zur filmischen Handlung entsteht im Kopf des Betrachters.[1]

Auf der Art Basel 2006 zeigten Douglas Gordon und der französische Filmemacher Philippe Parreno ihren Film Zidane: A 21st Century Portrait. Darin porträtieren sie den Fußballstar und ehemaligen französischen Nationalspieler Zinédine Zidane über die gesamte Zeit eines Ligaspiels seines Vereins Real Madrid. 16 Hochgeschwindigkeitskameras mit starken Zoomobjektiven wurden am Spielfeldrand sowie auf dem obersten Rang des Stadions postiert, die Zidane alle gleichzeitig, zumeist in Großaufnahme verfolgen. Der Verlauf des Spiels bleibt aufgrund des fehlenden Kommentars und der Konzentration auf einen Spieler unklar. Der Fokus der Betrachtung richtet sich auf Mimik und Gestik Zidanes, auf wiederkehrende Bewegungsmuster und minimale Ausbrüche aus der professionellen Routine des Fußballers.

Das Konzept des Films ist nicht neu, denn bereits 1970 drehte der deutsche Regisseur Hellmuth Costard einen ähnlichen Film („Fußball wie noch nie“) über George Best, damals bei Manchester United. Acht 16 mm Kameras nahmen damals ausschließlich George Best auf. Der Film wurde 1971 von der ARD ausgestrahlt. Dennoch unterscheiden sich die beiden Filme im Hinblick auf die Qualität und Anzahl der Kameras, den Schnitt und die daraus resultierende Bildästhetik. Letztlich werden mit dem charismatischen George Best und dem undurchdringlichen Zidane zwei sehr unterschiedliche Fussballerpersönlichkeiten porträtiert. Douglas Gordon selbst stellte in einem Interview den Bezug zu Andy Warhols Screen Tests her.

Neben den Werken, die sich mit Kinofilmen beschäftigen, sind von Douglas Gordon konzeptuelle Textarbeiten (list of names, 1990-fortlaufend), Fotografien sowie einige Videoinstallationen ausgestellt worden, in denen er historisches Found Footage Material benutzt (Hysterical, 1994/95, 10 ms-1, 1994).

2008 wurde Gordon in die Wettbewerbsjury der 65. Filmfestspiele von Venedig unter dem Vorsitz des deutschen Regisseurs Wim Wenders berufen.[2]

2012 erhielt Gordon den Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künste[3]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Öffentliche Sammlungen[Bearbeiten]

Dänemark
Deutschland
Frankreich
Italien
Kanada
Niederlande
Norwegen
Österreich
Portugal
Schweiz
USA
Vereinigtes Königreich

Literatur[Bearbeiten]

  • Kidnapping. In conversation with Jan Debbaut, hrsg. von Jan Debbaut. Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven 1998. ISBN 90-70149-65-6
  • Douglas Gordon. Katalog zur Ausstellung im Kunstverein Hannover, 27. September bis 29. November 1998. Hrsg. von Eckhard Schneider, Hannover 1998. ISBN 3-9805041-2-3
  • Douglas Gordon. Katalog zur Ausstellung im Museum of Contemporary Art, Los Angeles, 16. September 2001 – 20. Januar 2002. Hrsg. von Russell Ferguson. MIT Press, Los Angeles 2001. ISBN 0262062224
  • Philip Monk: Double-cross, the Hollywood films of Douglas Gordon. Toronto 2003, ISBN 978-0921047964
  • Douglas Gordon, Timeline. Katalog zur Ausstellung im Museum of Modern Art, New York, 11. Juni bis 4. September 2006. New York 2006. ISBN 0-87070-390-0
  • Douglas Gordon. Between Darkness and Light. Katalog zur Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, 20. April bis 12. August 2007. Ostfildern 2007. ISBN 3775719601

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hinrichsen, Jens: Douglas Gordons "Feature Film in Berlin" - Aus dem Reich der Toten. In: monopol-magazin.de vom 21. Februar 2013 (aufgerufen am 21. Februar 2013)
  2. vgl. Vivarelli, Nick: Venice Film Festival announces Slate, 29. Juli 2008 (aufgerufen am 30. Juli 2008)
  3. Käthe-Kollwitz-Preis für Douglas Gordon. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 30. August 2012, S. B5
  4. "Monument for a Forgotten Future"

Weblinks[Bearbeiten]