Elisabeth Waldheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Elisabeth Waldheim (* 13. April 1922 in Wien, geborene Ritschel) ist die Witwe des österreichischen Diplomaten und Politikers Kurt Waldheim.

Leben[Bearbeiten]

Elisabeth Waldheim wurde als älteste Tochter von Wilhelm Ritschel und dessen Ehefrau Hildegard Ritschel, geborene Jahutka, geboren. Waldheims Mutter war Hausfrau. Sie hatte noch zwei jüngere Schwestern, die Zwillinge Margaritha und Erika. Waldheim wurde wie viele Mädchen ihrer Generation in Erinnerung an die österreichische Kaiserin Elisabeth von Österreich auf den Namen Elisabeth getauft. Sie entstammte einer Familie von Berufsoffizieren. Ihr Vater, der eigentlich Ingenieur werden wollte, war Offizier im Ersten Weltkrieg gewesen. Nach der Niederlage Österreich-Ungarns und dem Zusammenbruch der Donaumonarchie arbeitete er bis zu seinem Tod 1962 in der Privatwirtschaft.[1] Waldheims Elternhaus war katholisch, bürgerlich und deutsch-national geprägt. Ihr Vater war nach dem sogenannten Anschluss Österreichs Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) geworden, da er sich damit eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erhoffte.

Elisabeth Waldheims Familie lebte in der Josefstadt, dem 8. Wiener Gemeindebezirk, in der Nähe der Burggasse. Sie besuchte anfangs die internatsähnliche Einrichtung der Klosterschule Notre Dame de Sion in Wien, im Gegensatz zu ihren Schwestern, die gleich ab Beginn ihrer Schullaufbahn eine öffentliche Volksschule besuchen durften. Später wechselte sie auf die Mittelschule in Hietzing. Im Alter von 17 Jahren wurde Elisabeth Waldheim Mitglied im Bund Deutscher Mädel (BDM). Im Alter von 18 Jahren wurde sie Mitglied der NSDAP.[2] Elisabeth Waldheim erklärte hierzu später, sie sei mit ihrem 18. Lebensjahr vom BDM in die NSDAP überwiesen worden[3], was nach der Satzung der Partei aber unzulässig gewesen wäre. Im Dezember 1943 trat Waldheim, eigenen Aussagen zufolge, anlässlich ihrer bevorstehenden Verlobung auf Wunsch ihres zukünftigen Ehemannes wieder aus der NSDAP aus,[2] was aber der NSDAP nicht bekannt worden ist: dies indiziert der fehlende Austrittsvermerk in der NSDAP-Mitgliederkartei; der dort gleichfalls fehlende Ausschlussvermerk indiziert, dass ihre Mitgliedsbeiträge bis zuletzt bezahlt worden sind.[4] Über ihr Verhältnis zum NS-Staat kurz nach der Heirat ist überliefert: „Noch im Jänner 1945 gibt sie rührende Durchhalteparolen von der Front an ihre Studienkollegin Hilde weiter. ‚Sie hat erzählt, der Kurt war wieder in Wien, wir müssen durchhalten. Es kommt der Endsieg.‘“[5]

1940 erhielt Waldheim ohne Ablegung der Maturaprüfungen ein „Abgangszeugnis“ „als Schülerin der achten Klasse“, die sie aber nicht tatsächlich besucht hat, von der Frauenoberschule in Wien XIII., Wenzgasse, mit Datum 12. März und den Abschlussnoten der 7. Klasse. Das Zeugnis trägt den Vermerk „Der Schülerin wird auf Grund des Erlasses vom 8. September 1939 – E III a 1947, W EV (b) – die Reife zuerkannt.“ Dieser Vermerk war gemäß dem zitierten Erlass daran gebunden, dass „die Schülerin eine Bescheinigung über pflichtgetreue Arbeit in wichtigem Kriegshilfsdienst für den gesamten Zeitraum bis zum Schlusse des Schuljahres beibringen kann“. Die Auskunft, welchen wichtigen Kriegshilfsdienst sie bescheinigen konnte, hat Waldheim später verweigert.[6] Im Sommer 1940 wurde sie zum Reichsarbeitsdienst zu Erntearbeiten nach Roisdorf bei Bonn verpflichtet. Ab Herbst 1940 studierte Elisabeth Waldheim Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Ende 1942[1] lernte sie während ihres Studiums im Zweiten Weltkrieg Kurt Waldheim kennen, der ebenfalls Rechtswissenschaften studierte.[7] 1943 beendete Waldheim, nach nur sechs Semestern, das Studium mit der „Referendarprüfung“[8], die sie zur Führung des akademischen Grades Magister berechtigt.[9] Praxisstationen während ihres Studium absolvierte sie am Bezirksgericht Dornbirn und am Handelsgericht Wien. Vor und nach ihrer Eheschließung war Waldheim zwei Jahre lang kurzzeitig berufstätig.[7] Ab Sommer 1943 absolvierte sie ihre Assessorausbildung, in der sie unter anderem am Amtsgericht Liesing und am Oberlandesgericht Wien zugeteilt war. Weihnachten 1943, während eines Heimaturlaubs von Kurt Waldheim, erfolgte die Verlobung. Am 19. August 1944 heirateten beide in der Wiener Karlskirche.[10] Aus diesem Anlass trat Elisabeth Waldheim, die zuvor im Zuge der nationalsozialistischen Informationspolitik aus der Katholischen Kirche ausgetreten war, wieder in die Kirche ein. Die geplante Hochzeitsreise mit dem Zug nach Mariazell musste das Ehepaar Waldheim wegen der alliierten Luftangriffe auf Österreich kurz nach Reiseantritt abbrechen. Ihre Hochzeitsnacht verbrachten sie in einem überfüllten Luftschutzkeller außerhalb Wiens.[1] Das Kriegsende erlebte Elisabeth Waldheim auf einem Bauernhof im Westen der Steiermark, in Ramsau bei Schladming, wo am 7. Mai 1945 auch ihre erste Tochter Liselotte geboren wurde.[1] Im August 1945 kehrte Waldheim nach Baden bei Wien zurück, wo die Familie ihres Mannes lebte. Ihre eigene Berufstätigkeit als Juristin nahm Waldheim nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder auf.

Waldheim begleitete ihren Ehemann fortan bei dessen diplomatischen und politischen Auslandsaufenthalten. Im „Hauptberuf“ war sie fortan Diplomatengattin.[11] In New York, während Waldheims Zeit als UN-Generalsekretär, widmete sie sich Charity-Aufgaben und betrieb intensiv das Fundraising, insbesondere für UNICEF, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Unter anderem startete sie eine medienwirksame Sammelaktion für UNICEF am John F. Kennedy International Airport, bei der die Stewardessen das aus fremden Währungen übriggebliebene Kleingeld der Flugpassagiere einsammelten. Anlässlich eines Festabends in der UNO organisierte sie ein Konzert der Beach Boys, um Geld für UNICEF zu sammeln. Elisabeth Waldheim wurde im Juli 1986 die First Lady von Österreich.[12] Sie übernahm weiterhin Wohltätigkeitsaufgaben, organisierte die alljährlichen Weihnachtsbasare der UNO, unterstützte die katholische Ordensgemeinschaft Caritas Socialis[13] in Wien und andere Charity-Organisationen. 1985 und 1986 war Waldheim Ballpräsidentin der Wiener Philharmoniker.[14] Im Dezember 1988 war Waldheim Fahnenpatin bei der Einweihung der Eligiusstandarte des Österreichischen Meistervereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede durch Weihbischof Kurt Krenn.[15] Außerdem übernahm sie eine Patenschaft für die Kirchenmusik in der Wiener Augustinerkirche.[16]

1994 wurde Elisabeth Waldheim mit dem Orden Pro Ecclesia et Pontifice ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgte durch den päpstlichen Nuntius Erzbischof Donato Squicciarini im Rahmen der Feierlichkeiten zur Goldenen Hochzeit von Kurt und Elisabeth Waldheim, die im Haus der Waldheims am Attersee in Nußdorf stattfanden.[17][18]

Im Juni 2010 nahm Waldheim an den Trauerfeierlichkeiten für den österreichischen Journalisten Hans Dichand teil.[19] Im Juli 2010 gehörte Elisabeth Waldheim als ehemalige First Lady Österreichs bei der Angelobung von Bundespräsident Heinz Fischer zu den Ehrengästen.[20][21]

Gemeinsam mit Kurt Waldheim hatte sie drei Kinder. Ihre Tochter Christa ist mit dem ÖVP-Politiker Othmar Karas verheiratet.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Senta Ziegler: Österreichs First Ladies. Von Luise Renner bis Margot Klestil-Löffler. Ueberreuter, Wien 1999, ISBN 3-8000-3719-X, S. 82ff.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Kurt Waldheim: Im Glaspalast der Weltpolitik. Econ Verlag. Düsseldorf Wien. 1985. S. 29–45. ISBN 3-430-19453-9
  2. a b Waldheim to Fight Bias; Wife Was Nazi in: Los Angeles Times vom 11. Juni 1986
  3. Frau Waldheim war NSDAP-Mitglied in: Hamburger Abendblatt vom 12. Juni 1986
  4. Faksimile aus der Mitgliederkartei der NSDAP, wo sie unter der Nr. 9027854 und (wie im Prüfungsakt der Universität Wien) als wohnhaft an der Adresse Wien 9., Spitalgasse 1a geführt wird, in: FORVM XXXIV. Jahr, Jänner/Februar 1987, Heft 395/396, S. 12 f.; Faksimile aus dem Justizreferendar-Prüfungsakt: ebenda, S. 14
  5. profil Nr. 27 vom 30. Juni 1986, S. 23; Name von profil geändert, der Artikel blieb unbestritten und ungeklagt.
  6. Faksimile vom „Abgangszeugnis Ritschel Elisabeth“, das sie selbst zur Verfügung gestellt hatte, vom Erlass sowie von einem normalen „Abschluß- und Reifezeugnis“ aus dem gleichen Jahrgang an derselben Schule in: FORVM l.c., S. 18 f.
  7. a b UN secretary-general's wife has little time to herself in: The Montreal Gazette vom 1. Dezember 1972
  8. Das war die erste juristische Prüfung vor dem Justiz-Prüfungsamt beim Oberlandesgericht Wien. Das „Prüfungs-Zeugnis“ mit der Note „gut“, ausgestellt am 20. Juli 1943, als Faksimile in: FORVM l.c. S. 15.
  9. §17 BGBl. 140 vom 21. März 1978.
  10. Edith Reinisch: NS-Täter in den Medien 1986-2005. S. 5. (Online in Google Books.)
  11. Botschaftergattinnen kämpfen um soziale Absicherung in: Die Presse vom 7. Jänner 2009
  12. Senta Ziegler: Österreichs First Ladies. Von Luise Renner bis Margot Klestil- Löffler. Ueberreuter, Wien 1999, S. 82. ISBN 978-3-80003-719-3 (Online in Google Books.)
  13. Caritas Socialis Weihnachtsbazar Fotos bei TOPPRESS AUSTRIA, 2006
  14. Die Geschichte des Philharmoniker-Balls. Website der Wiener Philharmoniker.
  15. Das Gold- und Silberschmiedemuseum
  16. Kirchenmusik in St. Augustin auf hochamt.at
  17. Vatican Honors Waldheim's Wife. in: The Washington Post, 22. August 1994
  18. Waldheim's Wife Gets a Papal Award in: New York Times vom 22. August 1994
  19. Zahlreiche Politiker bei Requiem für Dichand auf wien.orf.at
  20. Heinz Fischer startete in zweite Amtszeit in: Niederösterreichische Nachrichten vom 8. Juli 2010
  21. Ein erster Versuch klarerer Worte in: Wiener Zeitung vom 9. Juli 2010 (Zugriff am 25. November 2013)