Heinz Fischer

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Dieser Artikel behandelt den österreichischen Politiker. Für weitere Personen des gleichen Namens siehe Heinz Fischer (Begriffsklärung).
Heinz Fischer (2012)

Heinz Fischer (* 9. Oktober 1938 in Graz, Steiermark) ist der amtierende österreichische Bundespräsident und ein Politiker der Sozialdemokratischen Partei Österreichs, deren Parteimitgliedschaft Fischer mit Amtsantritt als achter Bundespräsident der Zweiten Republik 2004 ruhend stellte.

Ausbildung und Privates[Bearbeiten]

Margit und Heinz Fischer (2008)

Heinz Fischer wurde in eine sozialdemokratisch geprägte Familie hineingeboren. Sein Vater, Sektionschef Rudolf Fischer, war langjähriger Nationalratsabgeordneter und von 1954 bis 1956 Staatssekretär im Handelsministerium in der Regierung Raab/Schärf.[1] Sein Onkel Otto Sagmeister war von 1947 bis 1949 Minister für Volksernährung und ab 1949 bis 1972 Generaldirektor des österreichischen Konsum. Sein Schwiegervater Otto Binder war von 1959 bis 1981 Generaldirektor der Wiener Städtische Wechselseitige Versicherungsanstalt.

Aufgrund des Krieges besuchte Heinz Fischer fünf verschiedene Volksschulen in Wien und Niederösterreich. Nach der Matura im Gymnasium Fichtnergasse in Hietzing im Jahr 1956 studierte Fischer Rechtswissenschaften an der Universität Wien und wurde 1961 zum Doktor promoviert. Er absolvierte ab 11. März 1958 seinen Präsenzdienst als Funker in der damaligen Franz-Ferdinand-Kaserne, der heutigen Starhemberg-Kaserne, und rüstete im Dezember 1958 als Gefreiter ab.[2]

In den Jahren 1962 bis 1965 deckte er mit Hilfe der Mitschrift von Ferdinand Lacina den politischen Skandal um den antisemitischen Professor Taras Borodajkewycz an der Wiener Hochschule für Welthandel auf. Neben der politischen Tätigkeit setzte Fischer auch seine akademische Laufbahn fort: 1978 wurde er habilitiert und 1993 zum Professor für Politikwissenschaft an der Universität Innsbruck ernannt. Allerdings führt Fischer den Professoren-Titel bei keiner Gelegenheit an.

Seit 20. September 1968 ist Fischer mit seiner Frau Margit standesamtlich verheiratet, dieser Ehe entstammen zwei Kinder. Fischer trat 1995 aufgrund der „Affäre Groer“ aus der Kirche aus[3] und bezeichnet sich selbst als Agnostiker.[4]

Wie auch schon einer seiner Amtsvorgänger, Adolf Schärf, wohnt Fischer auch als Staatsoberhaupt weiter in seiner Privatwohnung in Wien Josefstadt, von der aus er seinen Amtssitz im Leopoldinischen Trakt der Hofburg zu Fuß erreichen kann. Die baufällig und unbewohnbar gewordene Präsidentenvilla auf der Hohen Warte wurde inzwischen von der Bundesimmobiliengesellschaft verkauft.[5]

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Nach seinem Studium war Fischer zunächst einige Monate bei Gericht und ab 1962 im Parlament als Sekretär der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion tätig, 1971 wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er mit Ausnahme der Zeit seiner Tätigkeit als Wissenschaftsminister (1983–1987) bis 2004 angehörte.

1975 wurde er Klubobmann (Fraktionsvorsitzender) der SPÖ, 1977 stellvertretender Parteivorsitzender. Zwischen 1983 und 1987 war er Wissenschaftsminister in der Bundesregierung Sinowatz, danach wieder Klubobmann der SPÖ. Im Zusammenhang mit der Kreisky-Peter-Wiesenthal-Affäre im Jahre 1975 forderte er einen Untersuchungsausschuss gegen Simon Wiesenthal, der aber in der Folge nicht eingesetzt wurde.[6] 1990 wurde er zum Präsidenten des Österreichischen Nationalrates gewählt und übte dieses Amt bis 2002 aus. Von 2002 bis 2004 war er während der Zeit der ÖVP-FPÖ-Koalition Zweiter Nationalratspräsident.

Im Jänner 2004 gab er seine Kandidatur für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten bekannt. Am 10. März legte Heinz Fischer, der unter anderem Mitglied des Bundesparteivorstandes und stellvertretender Parteivorsitzender der SPÖ gewesen war, seine Parteifunktionen nieder. Die Wahl am 25. April gewann Fischer mit 52,39 % der Stimmen; einem Vorsprung von 4,78 Prozentpunkten vor der Gegenkandidatin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP, unterstützt auch von Repräsentanten der FPÖ). Am 8. Juli wurde Fischer als 8. Bundespräsident der Zweiten Republik angelobt. Mit Amtsantritt am 8. Juli 2004 stellte Fischer seine Parteimitgliedschaft bei der SPÖ ruhend, da er erklärte, als Bundespräsident über den Parteien stehen zu wollen.

Am 23. November 2009 erklärte er in einem YouTube-Video seine Kandidatur zur Wiederwahl.[7] Am 25. April 2010 wurde Fischer mit 79,3 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 53,6 % für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt.[8] Am 8. Juli 2010 wurde er vor der Bundesversammlung für seine zweite Funktionsperiode angelobt.[9]

Sonstiges[Bearbeiten]

Leopoldinischer Trakt der Hofburg, Amtssitz des Bundespräsidenten

Heinz Fischer befürwortet gleichgeschlechtliche Partnerschaften und spricht sich gegen ein Adoptionsverbot von Kindern für gleichgeschlechtliche Paare aus. Er geht davon aus, dass es auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren einen Gewöhnungsprozess geben wird, der zeigt, dass dadurch kein Schaden für das Kind entsteht.[10] Er tritt dafür ein, dass gleichgeschlechtliche Paare ihre Partnerschaft auch am Standesamt eintragen dürfen und genauso wie bei verschiedengeschlechtlichen Paaren der Rechtsakt in feierlicher Form durchgeführt wird.[11] Die Abschaffung der Wehrpflicht lehnt er ab.

Im Juli 2010 stellt er die Wehr-/Zivildienstpflicht für Frauen zur Diskussion.[12][13][14]

„Frauen bekommen immer mehr Rechte, da kann man auch argumentieren, sie müssen mehr Pflichten übernehmen.“

Bundespräsident Heinz Fischer: ORF-Pressestunde, 18. Juli 2010

Heinz Fischer publizierte mehrere Werke, unter anderem die Bücher Die Kreisky-Jahre (1993), Reflexionen (1998), Wendezeiten (2001) und Überzeugungen (2006). Fischer, selbst Bergsteiger, war langjähriger Präsident der österreichischen Naturfreunde. Er war Präsident des Verbandes der Österreichischen Volkshochschulen. Fischer war Gründungsmitglied und langjähriges Vorstandsmitglied der österreichisch-chinesischen Gesellschaft, Präsidiumsmitglied der österreichisch-nordkoreanischen Freundschaftsgesellschaft, der österreichisch-jugoslawischen Gesellschaft und weiterer Gesellschaften. Er war Anfang der 1970er Jahre Mitbegründer der Österreichischen Gesellschaft für Politikwissenschaft und Gründungsmitglied der österreichischen Sektion von Amnesty International.

Als Bundespräsident hat er die Schirmherrschaft über nachstehende Institutionen übernommen:

Fischer ist als Bundespräsident außerdem Mitglied der Arraiolos-Gruppe. Die Österreichische Post AG brachte mit Ersttag 7. Oktober 2008 eine Sondermarke mit seinem Konterfei zu seinem 70. Geburtstag mit einem Wert 0,55 € samt Sonderstempel heraus.[15]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hofbauer, Ernst: Heinz Fischer. Der Mann im Schatten, Iberia-Verlag, Wien 2004, ISBN 3-85052-179-6.
  • Horvath, Elisabeth: Heinz Fischer - Die Biografie, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2009, ISBN 978-3-218-00805-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinz Fischer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. WZ online – Dossier: Heinz Fischer: Der österreichische Bundespräsident (Version vom 1. September 2004 im Internet Archive), 8. Juli 2004.
  2. Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport: Besuch des Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer in seiner ehemaligen Kaserne, Presseaussendung vom 15. März 2010. Abgerufen am 17. März 2010.
  3. Die Presse: Biografie eines Makellosen: Fischer-Heinzi – ganz nah, Printausgabe vom 27. November 2009. Abgerufen am 13. März 2010.
  4. Es kann auch das Standesamt sein auf www.bundespraesident.at
  5. „Von Ruhm und Glanz ist wenig über …“. In: BIG Business, Nr. 1/2007, S 61 f (pdf). Abgerufen am 5. Dezember 2009. – (Schon Fischers Amtsvorgänger Thomas Klestil bewohnte die baufällige Präsidentenvilla nur mehr bis Mai 2004, zwei Monate vor seinem Tod siedelte das Ehepaar Klestil in die private Villa in Wien Hietzing.)
  6. Nina Weissensteiner:„Es tut mir leid ...“, Falter, 14.Jan 2004
  7. YouTube-Video: Stellungnahme von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer zur Wiederkandidatur 2010, Der Standard: Fischer kandidiert erneut
  8. Bundesministerium für Inneres: Bundespräsidentenwahl 2010
  9. Fischer für zweite Amtszeit angelobt auf ORF vom 8. Juli 2010 abgerufen am 8. Juli 2010
  10. http://www.news.at/articles/1004/11/260709/fischer-streit-homo-ehe-fuer-standesamt-adoptionsverbot
  11. http://www.pressemeldungen.at/111086/bundesprasident-heinz-fischer-spricht-sich-fur-verpartnerung-homosexueller-am-standesamt-aus/
  12. Fischer: Wehrpflicht für Frauen "langfristig denkbar". In: derStandard.at. APA, 22. Juli 2010, abgerufen am 22. Juli 2010.
  13. Wehrpflicht für Frauen "denkbar". In: www.oon.at. Oberösterreichische Nachrichten, 22. Juli 2010, abgerufen am 22. Juli 2010.
  14. Fischer rudert bei Wehrpflicht für Frauen zurück. In: derStandard.at. APA, 22. Juli 2010, abgerufen am 22. Juli 2010.
  15. Die Briefmarke bzw Post.Philatelie, Ausgabe Oktober 2008
  16. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  17. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  18. Presidenza della Repubblica
  19. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  20. http://www.news.at/articles/0436/10/91317/staatsbesuch-bundespraesident-fischer-beziehungen-liechtenstein
  21. Malteserkreuz
  22. http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2070886/index.do Fischer erhält Ehrendoktorat in Ukraine
  23. Österreichischer Bundesfeuerwehrverband: Jahrbuch 2010, Sonderausgabe: 120 Jahre Österreichischer Bundesfeuerwehrverband, ISBN 978-3-9502364-8-4.
  24. http://www.nfi.at//index.php?option=com_content&task=view&id=613&Itemid=34&lang=de