Ensemble Modern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Ensemble Modern (EM) ist ein international besetztes Solistenensemble, das Werke der zeitgenössischen Musik interpretiert und fördert.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Ensemble Modern wurde 1980 gegründet, als sich eine Gruppe Studenten der Jungen Deutschen Philharmonie zusammenschlossen, um das Ideal einer eigenen – und weltweit einzigartigen – Arbeits- und Organisationsweise zu realisieren:[1] Das Ensemble verzichtet auf einen künstlerischen Leiter, stattdessen werden sämtliche Projekte, Koproduktionen und finanziellen Belange basisdemokratisch gemeinsam entschieden, getragen und umgesetzt. Derzeit vereint das Ensemble 19 Solisten verschiedenster Herkunft: Argentinien, Bulgarien, Deutschland, Indien, Israel, Japan, Polen und die Schweiz bilden den kulturellen Hintergrund der Formation.

Seit 1985 ist das Ensemble Modern in Frankfurt am Main beheimatet, wo es ebenfalls seit 1985 eine Abonnementreihe in der Alten Oper Frankfurt bestreitet, regelmäßig Opernproduktionen in Kooperation mit der Oper Frankfurt realisiert und seit 1993 unter dem Titel Happy New Ears Werkstattkonzerte aufführt, in denen ein Forum für zentrale Werke der zeitgenössischen Musik geboten wird. Die programmatische Bandbreite des Ensembles umfasst sowohl Musiktheater, Kammermusik und Orchestermusik als auch Tanz- und Videoprojekte. Über die Jahre entstanden intensive und außergewöhnliche Zusammenarbeiten, u.a. mit John Adams, George Benjamin, Hans Zender, Peter Eötvös, Heiner Goebbels, Hans Werner Henze, Mauricio Kagel, Helmut Lachenmann, György Kurtág, György Ligeti, Benedict Mason, Karlheinz Stockhausen, Johannes Quint, Steve Reich und Frank Zappa.

Pro Jahr gibt das Ensemble Modern ca. 100 Konzerte und erarbeitet durchschnittlich 70 Werke neu, davon etwa 20 Uraufführungen. Die bisherigen Tourneen führten das Ensemble bereits nach Afrika, Australien, China, Indien, Japan, Korea, Südamerika, Taiwan, Russland und die USA. Regelmäßig ist es auch auf renommierten Festivals vertreten, dazu gehören u.a. die Salzburger Festspiele, die Klangspuren Schwaz, die Berliner Festspiele, das Lucerne Festival, das Festival d'Automne à Paris oder das Festival Ars Musica in Brüssel.

2003 wurde die Internationale Ensemble Modern Akademie (IEMA) gegründet,[2] deren Ziel die Förderung von Nachwuchskünstlern ist.[3] Dazu gehören die Vergabe von Stipendien, die Durchführung von Meisterkursen und Weiterbildungsprogramme für Lehrende sowie die Veranstaltung von Symposien. Die Akademie bietet Meisterkurse, „Komponistenstudios“ und Kurse für Jugend musiziert Preisträger an.[4]

Mitglieder[Bearbeiten]

Saar Berger (Horn), Eva Böcker (Violoncello), Uwe Dierksen (Posaune), Roland Diry (Klarinette), Valentín Garvie (Trompete), Christian Hommel (Oboe), Nina Janßen (Klarinette), Megumi Kasakawa (Viola), Michael M. Kasper (Violoncello), Hermann Kretzschmar (Klavier), Jagdish Mistry (Violine), Rumi Ogawa (Schlagzeug), Norbert Ommer (Klangregie), Rainer Römer (Schlagzeug), Johannes Schwarz (Fagott), Sava Stoianov (Trompete), Dietmar Wiesner (Flöte), Ueli Wiget (Klavier), Rafal Zambrzycki-Payne (Violine).

Diskographie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1990: Wolfgang Rihm, Peter Ruzicka: "umsungen" /"...der die Gesänge zerschlug" (Ars Musici 0825-2)
  • 1993: Heiner Goebbels: La Jalousie/Red Run/Herakles 2/Befreiung (ECM Records 1483 4377997-2); Heinz Holliger: Scardanelli-Zyklus (ECM Records 1472/73 437 441-2); Mauricio Kagel: Exotica (MusiKado AUL 66099); Conlon Nancarrow: Studies (RCA/BMG 09026 61180 2); Frank Zappa: The Yellow Shark (Barking Pumpkin Records 21160572)
  • 1994: Isang Yun: Mugung-Dong/Teile dich Nacht/Oktett/Impression (Ars Musici AM 0855-2)
  • 1995: Hans Zender: Schuberts Winterreise (RCA/BMG 09026 68067 2)
  • 1996: Mark-Anthony Turnage: Blood on the Floor (DVD) (Arthaus Musik 100 430)
  • 1997: John Cage: The Piano Concerts (mode 57)
  • 1998: Hanns Eisler: Roaring Eisler (RCA/BMG 74321 56882 2)
  • 1999: Charles Ives: Fourth Symphony (EM Medien EMCD-001); Kurt Weill, Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper (RCA/BMG 74321 6464 2)
  • 2000: George Benjamin: Sudden Time/Three Inventions/Viola, Viola (Nimbus Records NI 5732); Fred Frith: Traffic continues (Winter & Winter 910 044-2)
  • 2001: Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 (BMC Records BMC CD 063); Emmanuel Nunes: Quodlibet (Montaigne 782055)
  • 2002: Heiner Goebbels: Eislermaterial (ECM Records 1779 461 648-2); Helmut Lachenmann: Schwankungen am Rand (ECM Records 1798 461949-2); Steve Reich: City Life/New York Counterpoint/Eight Lines/Violin Phase (RCA/BMG 74321 66459 2)
  • 2003: Frank Zappa: Greggery Peccary & Other Persuasions (RCA Records 82876 56061 2 RCA Red Seal)
  • 2006: Morton Feldman: For Samuel Beckett (HatHutRecords hat[now]ART 142); György Kurtág: Complete Choral Works (Hänssler Klassik CD 93.174)
  • 2007: Helmut Lachenmann: NUN (EM Medien EMCD-004); Helmut Lachenmann: Concertini/Kontrakadenz (EM Medien EMSACD-001); Helmut Lachenmann, Richard Strauss: Ausklang/Eine Alpensinfonie (EM Medien EMCD-003); Steve Reich: City Life (DVD) (WMG B000O17184)
  • 2008: Heiner Goebbels: Schwarz auf Weiß (DVD) (WERGO NZ71); George Benjamin: Into the Little Hill (Nimbus Records NI5828); Portrait CDs von Michael M. Kasper, Hermann Kretzschmar und Johannes Schwarz (EM Medien EMCD-006, EMCD-005, EMSACD-002)
  • 2009: Portrait CDs von Valentín Garvie, Sava Stoianov, Ueli Wiget (EM Medien EMCD-009, EMCD-008, EMCD-007); Alva Noto + Ryuichi Sakamoto: utp_ (DVD) (Raster Noton r-n096)
  • 2010: Portrait CDs von Dietmar Wiesner (EM Medien EMCD-011), Rainer Römer (EM Medien EMCD-012), Jagdish Mistry (EM Medien EMCD-013), Uwe Dierksen (EM Medien EMCD-014 und EMSACD-004), Eva Böcker (EM Medien EMSACD-003), Rafal Zambrzycki-Payne (EM Medien EMCD-015)
  • 2011: Ensemble Modern - Ernest Bour (EM Medien EMCD-017)
  • 2012: Arnulf Herrmann: Wasser - Musiktheater in 13 Szenen (EM Medien EMCD-019)
  • 2013: Hans Zender: 33 Veränderungen über 33 Veränderungen (EM Medien EMCD-020)

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1985: Preis des französischen Außenministers zum Europäischen Jahr der Musik
  • 1987: Preis der Kritik, verliehen vom Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR für hervorragende interpretatorische Leistungen bei der XI. Musik-Biennale in Berlin
  • 1987: Schneider-Schott-Musikpreis Mainz[5]
  • 1989: Berliner Kritikerpreis des Verbandes deutscher Kritiker in der Sparte Musik, Verleihung in der Akademie der Künste
  • 1992: Hessischer Kulturpreis 1992, verliehen vom Land Hessen in der Sparte Kulturvermittlung dem Ensemble Modern für seine Interpretation moderner Musik
  • 1993: Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Vierteljahresliste 4/1993 für: György Kurtág: Song Cycles (Peter Eötvös, Dirigent). Die National Academy of Recording Arts & Sciences nominiert das Ensemble Modern und Ingo Metzmacher mit der Aufnahme: A Portrait of Charles Ives als beste orchestrale Einspielung.
  • 1994: Kunstpreis Berlin – Jubiläumsstiftung 1848/1948. Förderpreis Musik, verliehen von der Akademie der Künste, Berlin
  • 1996: Binding-Kulturpreis
  • 1997: Grammy Nominée (National Academy of Recording Arts & Sciences) Nomination for Best Small Ensemble Performance für die CD John Adams: Shaker Loops/Phrygian Gates/Chamber Symphony (Sian Edwards, Dirigentin); Echo: Deutscher Schallplattenpreis, das Ensemble Modern wird Ensemble des Jahres mit der Aufnahme Fighting the waves von George Antheil, Dirigent HK Gruber
  • 1998: Der Preis der Theaterkritiker Barcelonas 1998-1999 in der Kategorie Beste fremdsprachige Produktion für Schwarz auf Weiss von Heiner Goebbels.
  • 2000: Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Vierteljahresliste 1/2000 für die CD Die Dreigroschenoper von Kurt Weill unter Leitung von HK Gruber in der Kategorie Oper
  • 2004: ECHO Klassik[6] Das Ensemble Modern erhält die Auszeichnungen des Deutschen Schallplattenprises für die Kategorie Bestes Ensemble/Orchester und Beste Kammermusikeinspielung für die CD Ensemble Modern plays Frank Zappa’s Greggery Peccary & Other Persuasions
  • 2006: Auszeichnung des Beijing Music Festival Artist of the year
  • 2007: Deutschland – Land der Ideen, Ausgewählter Ort 2007: Ensemble Modern
  • 2009: Die Internationale Ensemble Modern Akademie erhält den Praetorius Musikpreis Niedersachsen in der Kategorie Musikinnovationspreis

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Gründung des ensemble modern [1]; [2]
  2. Zur Gründung der ensemble modern Akademie [3]
  3. Arbeit mit Nachwuchskünstlern [4]
  4. http://www.internationale-em-akademie.de/de/ausschreibungen.
  5. Schneider-Schott-Musikpreis Mainz#Preisträger 1987
  6. Insgesamt sieben Mal war ensemble modern ECHO Klassik Preisträger: [5]