Ingo Metzmacher

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Ingo Metzmacher (* 10. November 1957 in Hannover) ist ein deutscher Dirigent. Mit Aufführungen, Musikreihen und Schriften setzt sich Metzmacher vor allem für die Musik des 20. Jahrhunderts ein.

Leben[Bearbeiten]

Ingo Metzmacher ist der Sohn des Cellisten Rudolf Metzmacher und der promovierten Biologin Lore Schoen.[1] Nach seinem Abitur auf dem humanistischen Ratsgymnasium studierte er in seiner Heimatstadt sowie in Salzburg und Köln Klavier, Musiktheorie und Dirigieren. Eine erste künstlerische Heimat fand er in Frankfurt beim Ensemble Modern, wo er zunächst als Pianist, dann als Dirigent engagiert war, sowie an der dortigen Oper unter Michael Gielen. Sein Durchbruch gelang ihm 1988 mit der kurzfristigen Übernahme der Premiere von Franz Schrekers Der ferne Klang in Brüssel. Es folgten Einladungen an die Opernhäuser von Dresden, Hamburg, Stuttgart, Paris und Los Angeles.

1997 wurde er als Generalmusikdirektor an die Hamburgische Staatsoper berufen, wo er während acht Spielzeiten zahlreiche international beachtete Aufführungen leitete. Insbesondere seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur und seinem Freund Peter Konwitschny führte immer wieder zu herausragenden Produktionen. Zu seinen größten Erfolgen gehören Lohengrin, Wozzeck, Der Freischütz, Don Carlos sowie Moses und Aron. Die Zeitschrift Opernwelt kürte das Hamburger Haus im Jahr 2005 zum Opernhaus des Jahres.

Von 2007 bis 2010 war Ingo Metzmacher Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Als Nachfolger von Ferenc Fricsay, Lorin Maazel, Riccardo Chailly, Vladimir Ashkenazy und Kent Nagano war er der erste deutsche Dirigent in dieser Position.

Mit Produktionen von Tristan und Isolde sowie Saint François d’Assise im Mai und Juni 2008 verabschiedete sich Ingo Metzmacher von der Nederlandse Opera in Amsterdam, wo er während drei Spielzeiten Chefdirigent war. Zu den besonderen Verdiensten seines dortigen Wirkens zählen die Aufführungen von Henzes Die Bassariden in der Regie von Peter Stein, Die tote Stadt und Die Gezeichneten mit dem Concertgebouw-Orchester sowie der Da-Ponte-Zyklus mit dem Regieteam Jossi Wieler und Sergio Morabito.

Metzmacher ist seit 1989 verheiratet[1] und hat vier erwachsene Kinder.

Werk[Bearbeiten]

Innovative Programme und der konsequente Einsatz für die Musik des 20. Jahrhunderts zeichnen die Arbeit Ingo Metzmachers in besonderer Weise aus. Meilensteine seiner bisherigen Laufbahn waren die Hamburger Silvesterkonzerte von 1999 bis 2004 unter dem Titel Who is afraid of 20th Century Music, die als Livemitschnitte auf CD erschienen sind, seine Gesamtaufnahme der Sinfonien von Karl Amadeus Hartmann für EMI mit den Bamberger Symphonikern, deren Erster Gastdirigent er von 1995 bis 1999 war, seine Aufführung von Luigi Nonos Prometeo bei den Salzburger Festspielen im Jahr 1993, seine Residenz als artiste étoile beim Lucerne Festival 2003, wo er unter anderem Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter aufführte, sowie die Uraufführung von Hans Werner Henzes 9. Sinfonie mit den Berliner Philharmonikern, die gleichzeitig sein Debüt bei diesem Orchester darstellte und ebenfalls bei EMI als CD erschienen ist. Im Juli 2010 leitete Metzmacher bei den Salzburger Festspielen die Welturaufführung von Wolfgang Rihms Oper Dionysos nach Friedrich Nietzsches Dionysos-Dithyramben (mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin; Regie: Pierre Audi).[2] Bei den Salzburger Festspielen 2012 leitete er Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten.

In jüngster Zeit dirigierte Ingo Metzmacher die Wiener Philharmoniker in deren traditionsreichen Abonnementskonzerten sowie bei der Salzburger Mozartwoche, die San Francisco Symphony, das Concertgebouw-Orchester und die Bamberger Symphoniker. Am Opernhaus Zürich debütierte er im Oktober 2007 mit Engelbert Humperdincks Königskindern. Im Sommer 2008 war er als Pianist bei den Salzburger Festspielen sowie der Schubertiade Schwarzenberg zu erleben, wo er Christine Schäfer und Matthias Goerne begleitete. Außerdem leitete er eine konzertante Aufführung von Olivier Messiaens Saint François d’Assise bei den BBC Proms in London.

In die Kritik geriet er, als er 2007 in einem Konzert zum Tag der Deutschen Einheit Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate „Von Deutscher Seele“ ins Programm nahm. Zur Begründung seiner Ablehnung meinte Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden: „Mit der Aufführung des Konzerts ‚Von der deutschen Seele‘ des Komponisten Hans Pfitzner am Tag der Deutschen Einheit in der Berliner Philharmonie rehabilitiert Chefdirigent Ingo Metzmacher in skandalöser Weise einen Sympathisanten des Nationalsozialismus und selbsterklärten Antisemiten“.[3] Im Herbst 2008 erschien Von deutscher Seele mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin auf dem Label Phoenix, außerdem Éclairs sur l’Au-delà … von Messiaen mit den Wiener Philharmonikern beim Label Kairos.

Außerhalb seiner Arbeit mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin dirigierte Ingo Metzmacher in der Saison 2008/09 eine Neuproduktion von Tristan und Isolde am Opernhaus Zürich sowie Aufführungen von Die tote Stadt am Royal Opera House Covent Garden in London. Mit dem Gustav Mahler Jugendorchester ging er auf eine ausgedehnte Europatournee, und die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom lud ihn zu mehreren Konzerten ein. Im Sommer 2009 übernahm er die musikalische Leitung einer Neuproduktion von Luigi Nonos Al gran sole carico d’amore bei den Salzburger Festspielen. Es spielten die Wiener Philharmoniker, Regie führte Katie Mitchell. Auf dem Programm für die Saison 2009/10 standen nebst seinen Konzerten mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter anderem eine Neuproduktion von Schrekers Der ferne Klang am Opernhaus Zürich, sein Debüt beim Russian National Orchestra in Moskau, Konzerte mit den Bamberger Symphonikern und dem Orchester des Maggio Musicale Fiorentino sowie The Rake’s Progress am Royal Opera House Covent Garden in London. Im Oktober 2009 sprang Metzmacher kurzfristig, später als Triumph des Musikalischen rezensiert, für den erkrankten Kirill Petrenko als Dirigent von Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk an der Wiener Staatsoper ein.[4]

Ein weiteres erfolgreiches Plädoyer für wegweisende Komponisten wie Charles Ives, Olivier Messiaen, Arnold Schönberg, Edgard Varèse, Karlheinz Stockhausen und John Cage stellt sein im Jahr 2005 bei Rowohlt erschienenes Buch Keine Angst vor neuen Tönen dar. Sein Buch zum Thema Oper mit dem Titel Vorhang auf! erschien im Oktober 2009 ebenfalls bei Rowohlt.

Ingo Metzmacher verlängerte seinen Vertrag beim DSO Berlin nicht über die Spielzeit 2009/10 hinaus. Anlass war ein Abbau von sieben Solistenstellen im DSO.[5]

Schriften[Bearbeiten]

  • Keine Angst vor neuen Tönen. Eine Reise in die Welt der Musik. 4. Auflage, Rowohlt, Berlin 2005, 190 S., ISBN 3-87134-478-8.
  • Vorhang auf! Oper entdecken und erleben. Rowohlt, Berlin 2009, 222 S., ISBN 978-3-87134-576-0

Film[Bearbeiten]

  • Ingo Metzmacher. Ein deutscher Dirigent. Dokumentarfilm, Deutschland, 2010, 52 Min., Regie: Sigrun Matthiesen, Produktion: ZDF, Erstsendung, 21. März 2011, Inhaltsangabe von arte.

Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ingo Metzmacher im Munzinger-Archiv, abgerufen am 9. Februar 2010 (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Ljubiša Tošić: Eine Wanderschaft der Identitäten. In: Der Standard, 28. Juli 2010.
  3. Presseerklärung des Zentralrats der Juden vom 2. Oktober 2007.
  4. Manuel Brug: Metzmacher triumphiert mit Abgesang auf Stalin. In: Die Welt, 27. Oktober 2009.
  5. Ingo Metzmacher verlässt Berlin endgültig. In: dpa / Hamburger Abendblatt, 4. Mai 2009.