Helmut Oehring

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Helmut Oehring (* 16. Juli 1961 in Berlin) ist ein deutscher Komponist.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Oehring wurde als Sohn gehörloser Eltern in Ost-Berlin geboren. Sein Vater war Tormann in einer Profi-Mannschaft. Oehring erlernte zuerst die Gebärdensprache und danach mit 4 Jahren sprechen. Nach dem Abschluss der Schule erhielt Oehring eine Ausbildung zum Baufacharbeiter. Ab 1984 begann er sich mit der Musik der europäischen Moderne zu beschäftigen. Als Gitarrist und Komponist Autodidakt, war er nach freien Studien bei Andre Asriel, Helmut Zapf, Georg Katzer und Friedrich Goldmann zwischen 1990 und 1992 Meisterschüler von Georg Katzer an der Berliner Akademie der Künste. 1994/95 war er Stipendiat an der Villa Massimo in Rom. 1997 erhielt Oehring den Paul-Hindemith-Preis, 1998 den Schneider-Schott-Musikpreis Mainz sowie 2008 den internationalen Arnold-Schönberg-Preis. Im Jahr 2005 wurde er zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste gewählt.

Oehrings Kompositionen und Produktionen entstanden zumeist in engem Austausch mit anderen Künstlern. Dazu gehören die Regisseure Ruth Berghaus, Ulrike Ottinger, Till Nikolaus von Heiseler, Daniele Abbado, Claus Guth und Maxim Dessau, der Choreograph Joachim Schlömer sowie die Dirigenten Ingo Metzmacher, Lothar Zagrosek, Martyn Brabbins und Roland Kluttig.

Während im 20. Jahrhundert die Idee des geschlossenen Werks immer mehr durchbrochen wurde, wurde der traditionelle Begriff der individuellen Autorenfunktion kaum jemals ernsthaft in Frage gestellt. Insofern kommt der exemplarischen Zusammenarbeit mit seiner zeitweiligen Lebensgefährtin, der Komponistin Iris ter Schiphorst, in zahlreichen Koproduktionen Bedeutung zu.

Im Herbstsemester 2011/2012 ist er Gastprofessor für Komposition an der Hochschule der Künste Bern.

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Werke [Bearbeiten]

Projekte [Bearbeiten]

Musiktheater [Bearbeiten]

  • 1993 DOKUMENTATION I
  • 1994 Dokumentaroper, UA: Wittener Tage für neue Kammermusik, Kammerensemble Neue Musik Berlin, Witten 1995.
  • 1996 DAS D’AMATO SYSTEM
  • 1998 8CHT (aus: Der Riss)
  • 1998 7IEBEN (aus: Der Spalt)
  • 1999 Bernarda Albas Haus
  • 2000 6ECHS (aus: CRUISER/Das Opfer)
  • 2000 Als ob Suite
  • 2000 ETIUS (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 2000 EFFI BRIEST (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst), UA: musikFabrik, Oper Bonn, Bonn 2001.
  • 2001 BlauWaldDorf – weit-aus-ein-ander liegende Tage
  • 2002 WO-WER-EIT – die Katze, das Tier (aus: möchte ich nicht geschenkt kriegen)
  • 2003 WOZZECK kehrt zurück (UA: Theater Aachen, Ltg: Paul Esterházy, 26. Juni 2004
  • 2004 Im Dickicht der ZEICHEN (Die Poetik und der Eigensinn des RAUMES)
  • 2004 Kommander Kobayashi eine Opernsaga
  • 2005 UNSICHTBARLAND (oder: Der Sturm)

Filmtheater [Bearbeiten]

  • 1990 Video (aus: Koma)
  • 2001 Berlin: Sinfonie einer Großstadt Musik zum Film (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)

Werke mit Choreographie in Gebärdensprache [Bearbeiten]

  • 1993 Wrong (1995)
  • 1994 SELF-LIBERATOR
  • 1996 POLAROIDS Melodram (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 1998 MISCHWESEN (1999/2002) (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 2000 Der Ort ist nicht der Ort eine musik-theatralische Aktion
  • 2001 rumgammeln + warten
  • 2002 Furcht und Begierde Dramma in Musica
  • 2002 ER.eine She (aus: 5ÜNF/ Haare-Opfer)

Orchester mit Soloinstrumtent(en) [Bearbeiten]

Orchesterwerke ohne Solisten [Bearbeiten]

Ensemble mit Stimmen [Bearbeiten]

  • 1987 ... und alles schöne/Heiratsannoncen
  • 1988 Vorspiel und Gesang
  • 1997 LIVE (aus: Androgyn) (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 1997 Silence Moves II (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 1998 A.N. (evita-che guevara-madonna) (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 1998 REQUIEM (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)

Ensemble ohne Stimmen [Bearbeiten]

  • 1990 Nr. 1 (aus: Koma)
  • 1990 Nr. 3 (aus: Koma)
  • 1992 Nr. 2 (aus: Koma) – Rapid-Eye-Movement
  • 1995 Einfache Dinge/IRIS

Kammermusik [Bearbeiten]

  • 1987 Streichquartett No. 1
  • 1987 Trio I 3 Stücke
  • 1987 Trio II
  • 1988 Do you wanna blow job
  • 1989 wie immer ...
  • 1988 Nr. 1 (aus: Koma)
  • 1989 Nr. 3 (aus: Koma)
  • 1990 Nr. 2 (aus: Koma)
  • 1991 gestauchte WINKEL
  • 1992 LOSHEIT (2003)
  • 1992 Locked -in- (2003)
  • 1992 ASCHE
  • 1993 CAYABYAB (1994/1996/2001/2002/2003)
  • 1993 STRYCHNIN
  • 1993 STRYCHNIN II
  • 1994 LETHAL INJECTION
  • 1994 SUCK THE BRAIN OUT OF THE HEAD
  • 1994 LEUCHTER
  • 1996 DIENEL
  • 1996 ZUENDEL
  • 1997 PRAE-SENZ (Ballet blanc II) ( Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 1998 IM VORMONAT (Gemeinschaftsarbeit mit Iris ter Schiphorst)
  • 1998 Plath, S
  • 1999 Marie B.Seven Chambers) String Quartet No. 2 (2003)
  • 1999 STILLE.MACHT. (aus: Cruisen) from accident recorder
  • 1999 STILLE.MACHT. (aus: Cruisen) for saxophone quartett and CD
  • 2000 MICH.STILLE. (aus: Cruising/Opfer)
  • 2002 ICH.STILLE. (aus: Rehnebel/Opfer/Puderfinger)
  • 2002 Sex/Looser (aus: GESCHENKE)
  • 2003 Gottfried W.

Werke für Soloinstrument oder Solostimme [Bearbeiten]

  • 1986 Visionen
  • 1991 gestopfte LEERE
  • 1993 FOXFIRE EINS
  • 1993 FOXFIRE ZWEI
  • 1993 FOXFIRE DREI
  • 1996 4REAL
  • 1996 SEXTON A.
  • 1997 PHILIPP
  • 2000 2WEI (aus: SCHANDE/Das Opfer)

Elektronische Musik [Bearbeiten]

  • 2003 All hearing must die
  • 2003 Meineid

Schriften [Bearbeiten]

Bücher [Bearbeiten]

  • Mit anderen Augen. Vom Kind gehörloser Eltern zum Komponisten. btb Verlag, München 2011, ISBN 978-3-442-75296-6.

Artikel [Bearbeiten]

  • Anmerkungen zur Musik von Helmut Oehring. In: Corinna Dahlgrün (Hrsg.): Neue Musik in der Kirche III. Ein Gott, der tötet? Dokumentation und Auswertung. Interdisziplinäre Tage für Neue Musik und Theologie, 20. – 23. Juni 2002. Lang, Frankfurt am Main [u.a.] 2003, ISBN 3-631-51128-0, S. 194–197.

Literatur [Bearbeiten]

Sammelbände [Bearbeiten]

Aufsätze [Bearbeiten]

  • Stefan Amzoll: Doku-Drama versus Kunst. Helmut Oehrings Kompositionswelt. In: Musik-Texte 89 (2001), S. 5–11.
  • Herbert Glossner: Das Porträt. Musik drängt zum Herzen. Der Komponist Helmut Oehring. In: Musik & Kirche 73 (2003) 3, S. 186–187.
  • Daniel Kötter: Das Singen im Dunkeln. Einige Bemerkungen zur Audiovisualität in den Werken Helmut Oehrings. In: Dissonanz 74 (2002), S. 14–21.
  • Ulrich Mosch: Stadtmusik aus Bild und Ton. (K)ein Remake. Thomas Schadts Film „Berlin. Sinfonie einer Großstadt“ (2001/02) mit Musik von Helmut Oehring und Iris ter Schiphorst. In: Dissonanz 94 (2006), S. 4–9.
  • Gisela Nauck: „Komponieren interessiert mich nicht so sehr...“ Zur Musik von Helmut Oehring. In: Neue Zeitschrift für Musik 159 (1998) 1, S. 38–41.
  • Gisela Nauck: Verborgene Geschichten. Zu den Grundlagen der Musik von Helmut Oehring. In: Positionen 32 (1998), S. 12–15.
  • Gisela Nauck: Gebärden und Bewegung als Sprache im Raum. Zum Musiktheater von Helmut Oehring. In: Positionen 72 (2007), S. 40–44.
  • Gisela Nauck: Fremdsein Liebe Scheitern Utopie. Menschenbilder in der Musik von Dieter Schnebel und Helmut Oehring. In: Positionen 80 (2009) 8, S. 15–17.
  • Carlos Maria Solare: Helmut Oehring in profile. In: Tempo 213 (2000), S. 2–4.

Gespräche [Bearbeiten]

  • Christoph Metzger: Melodie in der Neuen Musik. Christoph Metzger und Ralf Hoyer im Gespräch mit Peter Ablinger, Erhard Grosskopf und Helmut Oehring. In: Musik im Dialog. Jahrbuch der Berliner Gesellschaft für Neue Musik. Pfau, Saarbrücken 1999, S. 42–48.
  • Jürgen Otten: Ich habe beim Komponieren immer ein schlechtes Gewissen. Vinko Globokar und Helmut Oehring im Gespräch. In: Neue Zeitschrift für Musik 169 (2008) 4, S. 38–41.
  • Gespräch mit Helmut Oehring. In: Karl-Heinz Blomann (Hrsg.): Hören - eine vernachlässigte Kunst? Wolke, Hofheim 1997, ISBN 3-923997-73-6, S. 145–157.

Weblinks [Bearbeiten]