Karlheinz Stockhausen

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Karlheinz Stockhausen, 2005
Karlheinz Stockhausen, 2005

Karlheinz Stockhausen (* 22. August 1928 in Mödrath, jetzt Kerpen; † 5. Dezember 2007 in Kürten-Kettenberg) war ein deutscher Komponist. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Stockhausens Vater Simon Stockhausen, ein Volksschullehrer, fiel im Zweiten Weltkrieg. Seine als depressiv geltende Mutter Gertrud (geborene Stupp) wurde 1941 von den Nationalsozialisten im Zuge der nationalsozialistischen Krankenmorde getötet.[1] Aufgewachsen in ärmlichen, katholisch geprägten Verhältnissen[2] studierte er von 1947 bis 1951 an der Musikhochschule Köln Schulmusik mit Hauptfach Klavier sowie an der Universität zu Köln Musikwissenschaften, Germanistik und Philosophie. Seit 1950 war er als Komponist tätig, wobei er nicht nur neue Formen der Musik schuf, sondern auch auf dem Feld der Notation innovative Zeichen setzte. Von 1971 an war er Professor für Komposition an der Musikhochschule Köln, bis er dort 1977 gegen seinen Willen seines Amtes enthoben wurde.[3] Als Dozent und Verfasser zahlreicher musiktheoretischer Schriften und Essays, durch seine Tätigkeit für den Rundfunk sowie mit weit über 300 Eigenkompositionen, welche vielfach die Grenzen des technisch Machbaren verschoben, hat er die Musik des 20. Jahrhunderts deutlich mitgeprägt.

1951 heiratete er Doris Andreae, mit der er vier Kinder hatte, Suja (* 1953), Christel (* 1956), Markus (* 1957) und Majella (* 1961). 1967 heiratete er die Künstlerin Mary Bauermeister. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Julika (* 1966) und Simon (* 1967).

Seine frühen Kompositionen wie etwa Chöre für Doris sind noch eher traditionell. Ab den 1950er Jahren wendet sich Stockhausen z.B. mit Kreuzspiel oder Formel der seriellen Musik zu. Er gilt diesbezüglich insbesondere als Mitbegründer der sogenannten punktuellen Musik. Angeregt durch Olivier Messiaens serielles Werk Mode de Valeur et d’intensités (1949) nahm er an dessen Kompositionskursen (Rhythmik und Ästhetik) in Paris teil.

Zwischen 1953 und 1998 arbeitete er eng mit dem Studio für Elektronische Musik am Westdeutschen Rundfunk zusammen, zeitweilig auch als künstlerischer Leiter, und widmete sich dort verstärkt der elektroakustischen Musik. 1955 verwirklichte er in diesem Kölner Studio den Gesang der Jünglinge, das als eines seiner zentralen Frühwerke gelten kann. Er setzte mit dieser Produktion neue Maßstäbe auf dem Gebiet der Raummusik und realisierte mit – aus heutiger Sicht – spartanischen Mitteln elektronische Klänge und Klangtexturen, die man so vorher noch nie gehört hatte.

Fortan war Stockhausen national wie international als Dozent tätig, leitete über lange Jahre die „Kölner Kurse für neue Musik“. Bei der Expo '70, der Weltausstellung im japanischen Ōsaka war er 1970 mit seinen elektro-akustischen Kompositionen der Anziehungspunkt im eigens für seine musikalischen Vorstellungen errichteten deutschen Pavillon, der Kugelform hatte und eine Beschallung auch von unten und von oben ermöglichte. Ab 1977 konzentrierte er sich auf die Vollendung von Licht, der mit 29 Stunden Gesamtspieldauer, verteilt auf sieben Tage, umfangreichsten Oper der Musikgeschichte. In ihr wie auch in anderen Bühnenwerken wie beispielsweise Inori aus dem Jahre 1973 strebte Stockhausen die Verbindung von szenischer, visueller, raumakkustischer und musikalischer Idee zu einer Einheit an.

Nach Abschluss der Arbeit an Licht (die sieben Tage der Woche) widmete sich Stockhausen dem nächsten Großprojekt. Unter dem Titel Klang sollten die 24 Stunden des Tages in 24 Kompositionen für unterschiedliche Besetzungen vertont werden. Stockhausen ließ weiterhin verlauten, dass er plane, danach die 60 Minuten einer Stunde, sowie die 60 Sekunden einer Minute zu vertonen. Doch schon den Zyklus Klang konnte Stockhausen nicht mehr vollenden.

Seit 1991 gab der Stockhausen-Verlag eine preisgekrönte Gesamtausgabe seiner Werke sowohl in Partituren als auch auf CD heraus. 1995 wurde er mit dem Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg ausgezeichnet, 1996 wurde Karlheinz Stockhausen die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin verliehen, 2001 erhielt er den inoffiziellen Nobelpreis für Musik, den Polar Music Prize.

Neben der kompositorischen Arbeit war Stockhausen auch als Dirigent seiner eigenen Orchesterwerke aktiv. Die kompromisslose Ausführung und Planung seiner Werke wurden bewundert, aber auch kritisiert und führte dazu, dass seine Musik im normalen Musikbetrieb zuletzt kaum noch aufgeführt wurde, da Stockhausen deren Aufführung nicht autorisierte und somit verhinderte. Stockhausen komponierte bis zu seinem Tod. Anfang November 2007, vier Wochen vor seinem Ableben, nahm Stockhausen noch einen Kompositionsauftrag für ein neues Orchesterwerk für das Mozart-Orchester in Bologna an – anlässlich seines 80. Geburtstags, den er 2008 hätte begehen können. Diesen Auftrag beendete er am Tag vor seinem Tod.

Karlheinz Stockhausen starb am Morgen des 5. Dezember 2007 in Kürten-Kettenberg bei Köln. Sein Werk umfasst nach Angaben seines Verlags 363 einzeln aufführbare Werke. Die Information der Stockhausen Stiftung schließt Bearbeitungen des Hauptwerkes Licht in diese Summe ein, ebenso spätere Bearbeitungen früher Werke. Im Stockhausen Verlag erschienen bisher 139 Compact Discs mit seinen Werken. Publikationen von und über Karlheinz Stockhausen sind im Verlag der Stockhausen-Stiftung für Musik erschienen.

[Bearbeiten] Der Licht-Zyklus

Karlheinz Stockhausen vollendete 2005 seine 1977 begonnene Heptalogie Licht. Mit seinem Lebenswerk hinterließ er ein religiöse, mystische und autobiograhische Themen behandelndes, monumentales Opus. Die Opern bauen auf einer „Superformel“ (siehe Formelkomposition) auf, die drei Melodien zusammenfügt, welche die Hauptfiguren – Michael, Eva, Luzifer – charakterisieren. Diese von Stockhausen kreierte Formel basiert auf den Grundlagen der seriellen Musik, wurde aber von Stockhausen zu einer thematischen, die musikalische Form bestimmenden Gestalt erweitert, die auch in die visuelle Dimension übertragen wird (Gebetsgesten in Donnerstag und Freitag) und stellenweise freie Elemente zulässt (Synthesizer-Solo Synthi-Fou aus Dienstag).

Die ersten Opern erlebten an der Mailänder Scala ihre Uraufführung (Donnerstag, Samstag, Montag); in Leipzig wurden 1992 Dienstag und 1996 Freitag zum ersten Mal gespielt – an beiden Aufführungen war Johannes Conen als Bühnenbildner beteiligt. Auch drei der Kinder Stockhausens waren an den Aufführungen von Donnerstag, Samstag und Dienstag beteiligt, Majella als Pianistin in Donnerstag und Samstag sowie Markus als Trompeter und Simon als Sopransaxophonist und Synthesizer-Spieler in Donnerstag, Samstag und Dienstag. In Donnerstag aus Licht verarbeitet Stockhausen autobiographische Erlebnisse und präsentiert in dem Teil Michaels Jugend eindrücklich prägende Erlebnisse aus seiner Kindheit in abstrahierter Form, wie etwa den Tod seiner Eltern.

Dargestellte Personen oder Gruppen werden teilweise mehrfach besetzt (wie etwa die Eva-Figur in Montag durch drei Soprane verkörpert wird), mit einem Instrument oder einer Gruppe derselben assoziiert (Michael-Truppe in Dienstag: drei Trompeten, sechs Tutti-Trompeten, Schlagzeug, Synthesizer) oder durch Tänzer erweitert (Figur Luzipolyp in Montag: Bass und Tänzer treten als Doppelwesen auf).

Außergewöhnliche Einfälle bietet der Zyklus in Fülle – so werden vier Streicher in vier fliegende Hubschrauber gesetzt und spielen von dort ihre Musik. Zwei 35-minütige Stücke für Chor und Orchester werden simultan in zwei verschiedenen Räumen gespielt, der Hörer bekommt nur Ausschnitte davon zu hören. Die verschiedenfarbig gekleideten Chormitglieder singen in Sanskrit, Chinesisch, Arabisch, Englisch und Suaheli.

In seiner Gesamtheit wurde das insgesamt 29 Stunden Musik umfassende Werk LICHT noch nicht aufgeführt.

[Bearbeiten] Stockhausens Weltsicht

Trotz seiner künstlerischen Bedeutung war Stockhausen eine umstrittene Person. Seine exzentrische Selbstdarstellung stand in der Kritik. Äußerungen wie „Ich wurde auf Sirius ausgebildet, und dort will ich auch wieder hin, obwohl ich noch in Kürten bei Köln wohne“, sorgten für Widerspruch und Unverständnis. Vor allem aber seine Bemerkung im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001: „Also was da geschehen ist, ist natürlich - jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen - das größte Kunstwerk, was es je gegeben hat...“[4] Er führte dazu aus:[5]

„Dass Menschen in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen könnten, dass Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch für ein Konzert und dann sterben, stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Da sind also Leute, die sind so konzentriert für eine Aufführung und dann werden fünftausend Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts als Komponisten. Manche Künstler versuchen doch auch über die Grenze des überhaupt Denkbaren und Möglichen zu gehen, damit wir wach werden, damit wir uns für eine andere Welt öffnen … Ein Verbrechen ist es deshalb, weil die Menschen nicht einverstanden waren. Die sind nicht in das Konzert gekommen. Das ist klar. Und es hat ihnen niemand angekündigt, Ihr könntet dabei draufgehen.“

Seine Sichtweise stieß in den Medien und der Öffentlichkeit teilweise auf Unverständnis und Ablehnung. Er hatte am 19. September 2001 eine schriftliche Erklärung in englischer Sprache zu seinen umstrittenen Äußerungen abgegeben. Er widerrief seine Äußerung nicht, sondern verwies darauf im Sinne seiner Opern-Figur Luzifer, des gefallenen Engels, gesprochen zu haben. Das Zitat sei von den Journalisten entstellt und aus dem Zusammenhang gerissen worden. Er distanzierte sich von dem Terroranschlag und schrieb in der Erklärung, dass er die Opfer in seine Gebete einschließe.[6]

[Bearbeiten] Trivia

[Bearbeiten] Bedeutende Werke

  • 1951 Kreuzspiel (Oboe, Bassklarinette, Klavier und drei Schlagzeuger)
  • 1952 Kontra-Punkte (für 10 Instrumente)
  • 1952-55/61 Klavierstücke I-IX (für Klavier)
  • 1954/61 Klavierstück X (für Klavier)
  • 1956 Klavierstück XI (für Klavier)
  • 1956 Gesang der Jünglinge im Feuerofen (Elektronische Komposition)
  • 1957 Gruppen (drei Orchester)
  • 1959 Zyklus (für einen Schlagzeuger)
  • 1960 Carré (vier Chöre und vier Orchester)
  • 1960 Kontakte (Elektronische Komposition; 2. Version für Klavier, Schlagzeug und Tonband)
  • 1961 Originale (Musiktheater mit dem integrierten Stück Kontakte)
  • 1962–1964/69 Momente (Sopran, vier Chorgruppen und 13 Instrumente)
  • 1964 Mixtur (Orchester, vier Sinusgeneratoren und vier Ringmodulatoren)
  • 1966 Telemusik (Elektronische Komposition)
  • 1967 Hymnen (Elektronische und konkrete Musik)
  • 1968 Stimmung (sechs Vokalisten)
  • 1968 Aus den sieben Tagen (intuitive Musik)
  • 1968 Kurzwellen (vier Spieler mit Instrument und Kurzwellenempfänger)
  • 1968 Spiral (Solist mit beliebigem Instrument und Kurzwellenempfänger)
  • 1970 Mantra (zwei Klaviere und Live-Elektronik)
  • 1971 Sternklang (Parkmusik für 5 Gruppen)
  • 1974 Inori (ein oder zwei Solisten und Orchester; Inori = 'Gebet' auf Japanisch)
  • 1975 Tierkreis (zwölf Melodien der Sternzeichen für Spieluhren, bzw. ein Melodie- und/oder Akkordinstrument)
  • 1975 Harlekin (Klarinette)
  • 1975 Der kleine Harlekin (Klarinette)
  • 1977 Sirius (Elektronische Musik und Trompete, Sopran, Bassklarinette, Bass)
  • 1977-2003 Licht. Die sieben Tage der Woche, Zyklus von 7 Opern
  • 1977 Der Jahreslauf (1. Akt vom Dienstag aus Licht)
  • 1979 In Freundschaft (für Soloinstrument; verschiedene Fassungen)
  • 1980 Donnerstag aus Licht
  • 1983 Samstag aus Licht
  • 1988 Montag aus Licht
  • 1991 Dienstag aus Licht
  • 1994 Freitag aus Licht
  • 1996 Helikopter-Streichquartett (3. Szene vom Mittwoch aus Licht)
  • 1997 Mittwoch aus Licht
  • 2003 Sonntag aus Licht
  • 2003-2007 Klang. Die 24 Stunden des Tages (unvollendet)

[Bearbeiten] Auszeichnungen (Auswahl)

[Bearbeiten] Sonstiges

Karlheinz Stockhausen gehörte zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen,[8] die ein erster Schritt zu einem Weltparlament sein soll.[9]

[Bearbeiten] Quellen

  1. die tageszeitung: Zurück im All, 9. Dezember 2007
  2. WAZ: Am Himmel wandre ich, 7. Dezember 2007
  3. Claus-Steffen Mahnkopf, "Die Humanität der Musik", Hofheim 2007, ISBN 3-936000-42-5, S.13
  4. http://www.danskmusiktidsskrift.dk/doku/stockhausen-16sep2001.mp3 Stockhausen O-Ton während der Pressekonferenz am 16.09.2001 in Hamburg
  5. Times mager. Und dann: weg!, in: Frankfurter Rundschau vom 19. September 2001
  6. “Message from Professor Karlheinz Stockhausen”, 19. September 2001
  7. Christoph Schwarze: Bock gääg, auf: Plattentests Online
  8. Aufruf für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen
  9. Frankfurter Rundschau, 24. April 2007

[Bearbeiten] Weblinks

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