Eselsdistel

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Eselsdistel
Eselsdistel am Leipziger Auenwald.

Eselsdistel am Leipziger Auenwald.

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cynareae
Gattung: Eselsdisteln (Onopordum)
Art: Eselsdistel
Wissenschaftlicher Name
Onopordum acanthium
L.

Die (Gemeine) Eselsdistel (Onopordum acanthium), auch Krebsdistel, Wolldistel, Krampfdistel genannt, ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie der Carduoideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Es ist eine zweijährige, krautige Pflanze. Im ersten Jahr wird eine Rosette gebildet. Im zweiten Jahr wächst sie zu imposanten Wuchshöhen von 0,5 bis 3 Metern und Pflanzendurchmessern von 1,5 Metern heran. Sie ist mit lockeren und spinnwebigen Haaren bedeckt. Die bis über 1 Meter langen[1] Laubblätter sind eiförmig, kurz gezähnt oder fiederteilig, wellig und dornig. Ihre breit herablaufenden Ränder bilden am Stängel dornige Flügel.

Die endständigen, großen, über 5 cm breiten[1] Blütenkörbe sind kugelig. Sie sind von dornigen Hüllblättern umgeben.[1] Es sind nur Röhrenblüten vorhanden, die purpurrot sind. Nach dem Abblühen schwellen die Blütenkörbe an und produzieren 8.500 bis 40.000 Samen.

Der wissenschaftliche Namen Onopordum acanthium bedeutet „dornige Eselblähung“, abgeleitet aus der Wirkung der Pflanze auf Esel.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Gewöhnliche Eselsdistel ist ein zweijähriger Hemikryptophyt und bildet im ersten Jahr eine bis 1 m breite Rosette mit tiefreichendem Wurzelwerk aus. Die ganze Pflanze erscheint durch Totalreflexion des Lichts dicht grau-weißfilzig.[1]

Die Blattflügel der Stängel dienen der Stabilisierung der großen Pflanze im Sturm und auch der Wasserableitung direkt in den Wurzelbereich. Die Dornen halten Paarhufer vom Fressen ab. Alle diese Merkmale können als xerophytische Anpassungen an trockene Standorte gedeutet werden.[1]

Die Blütezeit reicht von Juli bis August. Die Blüten gehören zum „Korbblumen-Typ“. Wegen der bis 12 mm langen Kronröhre können nur langrüsselige Besucher an den Nektar gelangen. Die bis 5 mm langen Griffeläste spreizen nicht, sondern wenden zur Reife allein ihre mit Papillen besetzten Außenränder. Dieses abweichende Verhalten einer Asteracee führt zu geringerer Verdunstung im Narbenbereich.[1]

Besucher sind neben Bienen-Verwandten, Wespen und Schmetterlingen auch Schwebfliegen, die den Pollen von den aus der Blütenkrone ragenden Staubbeuteln sammeln.[1]

Die Früchte sind ölreiche Achänen, sie tragen einen wenigreihigen, gefiederten und hygroskopischen (nur bei Trockenheit spreizenden) Pappus und verbreiten sich deshalb als Schirmchenflieger. Dazu findet Adhäsionsausbreitung bei feuchtem Wetter statt, sowie Ausbreitung durch Ameisen und Ausbreitung als Kulturflüchter durch den Menschen. Die Samen sind langlebig.[1]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Eselsdistel stammt aus submediterranen, kontinentalen Gebieten in Europa und Kleinasien (Mittelmeerländern, asiatischen Regionen Russlands) und kommt neben ihren Ursprungsländern vereinzelt in ganz Europa vor. In den Vereinigten Staaten gilt die eingeschleppte (invasive Pflanze) Pflanze als Unkraut. Sie bevorzugt trockene Sommer auf sandigen Lehm- und Kalkböden. So kommt sie in Deutschland und angrenzenden Ländern als Ruderalpflanze z.  B. am Wegrand (daher „Wegdistel“ im Niederländischen), auf Verkehrsinseln, Trockenwiesen und Feldern vor. In Teilen ihres Lebensraumes ist sie eine gefährdete Pflanze. Eher Temperatur und Feuchtigkeit als der Nährstoffreichtum des Bodens bestimmen die ökonomische Leistung dieser Pflanzenart.[2]

Nach Ellenberg ist sie eine Volllichtpflanze, ein Wärmezeiger, subkontinental verbreitet, ein Schwachsäure- bis Schwachbasezeiger, ein ausgesprochener Stickstoffzeiger, und eine Verbandscharakterart Wärmebedürftiger Distelgesellschaften (Onopordion acanthii).[3]

Nutzung[Bearbeiten]

Achänen

Teile der Pflanze sind für den Menschen verwertbar, wie z. B. die Blütenkörbchen und deren Böden artischockenähnlich als Gemüse, die Stiele (geschält) wie Spargel oder Rhabarber in Wasser gekocht. Der Samen (25 % ölhaltig) lässt sich zu essbarem Öl (auch lampengeeignet) pressen. Die Blüten enthalten Onopordopikrin, Flavonglykoside und Gerbstoffe. Der der Droge zugeschriebene cardiotonische Effekt ist fragwürdig, neuere Untersuchungen liegen jedenfalls nicht vor.

Geschichte[Bearbeiten]

Diese Distel, in Schottland „Schottische Distel“ („Scotch / Scottish Thistle“) oder „Baumwolldistel“ („Cotton Thistle“) wegen des (baum)wollartigen Samens (daher auch schwed. „Ulltistel“ - „Wolldistel“) genannt, ist seit dem 13. Jahrhundert Wappenpflanze Schottlands und der Stewarts, da durch ihre Stacheln ein heimlicher Nachtangriff barfüßiger Wikinger entdeckt wurde und abgewehrt werden konnte. Der Distelorden (Order of the Thistle) ist Schottlands ältester und höchster Orden. Die Eselsdistel befindet sich auf der Rückseite der 1-Pfund-Münzen, die 1984 & 1989 geprägt wurden.

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Frey, Andrea Hauser: Onopordetum acanthii (Eselsdistel-Gesellschaft) im mittleren und unteren Unstruttal: Lebensstrategien in einer wärmeliebenden Ruderalgesellschaft. In: Haussknechtia. Beiheft. Band 6, 1996, 84 S.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.
  • Hans Braun (Begr.), Dietrich Frohne: Heilpflanzenlexikon: ein Leitfaden auf wissenschaftlicher Grundlage. 7. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsanstalt, Stuttgart 2002, ISBN 3-8047-1897-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7, S. 332–333.
  2. M. P. Austin, R. H. Groves, L. M. F. Fresco & P. E. Kaye: Relative growth of six thistle species along a nutrient gradient with multispecies competition. In: Journal of Ecology. 73, Nr. 2, 1985, S. 667–684.
  3.  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Grosse Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1996, ISBN 3-8252-8104-3.

Weiterführende wissenschaftliche Texte in Englisch und Französisch:

  • K. G. Beck: Biennial thistles. In: R. L. Sheley, J. K. Petroff (Hrsg.): Biology and Management of Noxious Rangeland Weeds. Oregon State University Press, Corvallis, Oregon 1999, ISBN 0-87071-461-9, S. 145–161.
  • R. H. Callihan, T. W. Miller: Idaho’s Noxious Weeds. Scotch Thistle., 1998, Zugriff am 6. Dezember 2011.
  • J. Davison, I. Hackett: Scotch thistle control in Nevada. Fact sheet – College of Agriculture, University of Nevada-Reno Cooperative Extension 1986.
  • Muad Grieve: A Modern Herbal: The Medicinal, Culinary, Cosmetic and economic Properties, Cultivation and Folk-Lore of Herbs, Grasses, Fungi, Shrubs & Trees with Their Modern Scientific Uses. Dover Publications, Inc., New York 1971.
  • J. F. Hooper, J. A. Young, R. A. Evans: Economic evaluation of Scotch thistle suppression. In: Weed Science. Band 18, Nr. 5, 1970, S. 583–586, JSTOR.
  • Ladislav Mucina: Syntaxonomy of the Onopordum acanthium communities in temperate and continental Europe. In: Vegetatio. Band 81, Nr. 1–2, 1989, S. 107–115, DOI: 10.1007/BF00045516.
  • H. A. Roberts, R. J. Chancellor: Periodicity of seedling emergence and achene survival in some species of Carduus, Cirsium, and Onopordum. In: Journal of Applied Ecology. Band 16, Nr. 2, 1979, S. 641–647, JSTOR.
  • A. Vezina, M. M. Grandtner: 1980. Nouvelle station d’Onopordum acanthium L. au Québec. In: Le Naturaliste Canadien. Band 107, S. 45–47.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eselsdistel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien