Falkenstein (Bayerisches Adelsgeschlecht)

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Dieser Artikel bezieht sich das bayerische Adelsgeschlecht. Ein Nebenzweig einer Schweizer Hochadelsfamilie nannte sich ebenfalls Grafen von Falkenstein, siehe Freiherren von Bechburg.

Die Grafen von Falkenstein (ab 1125 Grafen von Falkenstein-Neuburg) waren ein bayerisches Adelsgeschlecht, das zur Stauferzeit eine der bedeutenderen Dynastien darstellte.

Herrschaft und Besitz[Bearbeiten]

Besitzungen der Grafen von Neuburg-Falkenstein und des Klosters Weyarn im Inn- und Mangfalltal um 1200

Die Falkensteiner, die ihre ältesten Besitzungen im Tal der Großen Vils und im Inntal im Süden des heutigen Landkreises Rosenheim hatten, beherrschten in ihrer Blütezeit weite Ländereien bis hinein nach Tirol, in das Mangfalltal, nach Niederösterreich und den Chiemgau.

Eine ungewöhnlich detaillierte Momentaufnahme der Herrschaft und des Besitzes der Grafenfamilie bietet der 1166 zusammengestellte Codex Falkensteinensis. Damals besaß das Grafenhaus unter Siboto IV. die vier Burgen Falkenstein über dem Inn, Neuburg an der Mangfall, Hartmannsberg bei Hemhof am Chiemsee und Hernstein bei Baden in Niederösterreich. Um jede dieser Burgen gruppierte sich ein Herrschaftsraum mit verschiedenen Besitztümern (z. B. Grundbesitz) und Rechten (z. B. Vogtei und Gericht), der von einem Verwalter (Procurator bzw. Praepositus) im Auftrag der Familie verwaltet wurde.[1]

Hinzu kamen später auch Altenburg, Herantstein in Oberösterreich, Antwurt (heute Antwort) bei Endorf. Weitere Verwaltungsorte waren u. a. Aibling und Prien.

Geschichte[Bearbeiten]

Hofberg in Aibling, Burg und Verwaltungssitz der Falkensteiner
Ruine der Burg Unter-Falkenstein im Inntal

Die Falkensteiner gehen vermutlich auf den Anfang des 11. Jahrhunderts lebenden Patto von Dilching zurück.[2] Reginolt de Valchensteine ist der im Jahr 1115 erste urkundlich erwähnte Falkensteiner.

Der allodiale Besitz der Falkensteiner, auf den die Familie ihre adelige Herkunft zurückführte und der nicht durch Passivlehen erworben war, lag bei Geislbach (heute Teil der Gemeinde Taufkirchen an der Vils) im Tal der Großen Vils. Bei den Gütern am Inn soll es sich um später erworbenen Besitz handeln, der dem ursprünglichen Inhaber entfremdet worden sei, als er nach den Ungarneinfällen verlassen war.

Durch Heirat erfolgte im Jahre 1125 die Verschmelzung mit der Weyarn-Neuburger Grafenlinie. Kurz darauf gründeten die Falkensteiner das Kloster Weyarn (1133).[3]

Das 12. Jahrhundert war die Blütezeit des Adelsgeschlechts. Die Neuburg-Falkensteiner hatten damals weite Besitzungen, die Burgen, Orte und Ländereien in Oberbayern, Niederbayern, Tirol, Oberösterreich und Niederösterreich umfassten. Daneben nahmen sie Verwaltungsaufgaben im Auftrag des Erzbistums Salzburg wahr. Der Salzburger Erzbischof Eberhard I. hatte Siboto von Neuburg-Falkenstein[4] 1158 die Verwaltung der Propstei Chiemsee, über die erzbischöflichen Ländereien dieser Region sowie die Verwaltung des Stifts Weyarn übertragen.[5] Durch die enge Verbindung mit dem Kloster Weyarn befanden sich darüber hinaus auch zahlreiche bayerische Klöster und Kirchengüter im mittelbaren Einflussbereich der Falkensteiner.

Als nach der Absetzung Heinrichs des Löwen die bayerische Herzogswürde dem Wittelsbacher Otto I. verliehen wurde, verbündeten sich die Falkensteiner mit den Gegnern der Wittelsbacher, insbesondere den Andechs-Meraniern. Damit setzte allerdings der gewaltsame Niedergang des Adelshauses ein.

Das Geschlecht der Falkensteiner erlosch im Jahre 1272 mit Siboto IV., nachdem dessen Vater Siboto III. in einer Fehde zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Innozenz IV. alle Besitztümer verloren hatte. Nach anderen vorliegenden Quellen sollen die Neuburg-Falkensteiner erloschen sein, als Sigebothus VI. im Jahre 1272 im Bad erstochen wurde.[6] Der bayerische Schriftsteller und Arzt Julius Mayr verarbeitete dieses Ereignis in den 1930er Jahren in der Tragödie „Sigbot von Falkenstein“ unter Anspielung auf die Mordtaten der Nationalsozialisten.

Falkensteiner Codex[Bearbeiten]

Hauptartikel: Codex Falkensteinensis

1166 entstand durch Kanoniker des Stifts Herrenchiemsee im Auftrag Graf Sibotos IV. der bekannte, heute in München aufbewahrte Codex Falkensteinensis als Urbar und Lehensverzeichnis, aber auch als Memorialbuch der Familie. Das illustrierte Verzeichnis gilt als einzig erhaltenes Traditionsbuch einer weltlichen Herrschaft in Mitteleuropa aus dem Hohen Mittelalter.

Wappen[Bearbeiten]

Das redende Wappen der "Grafschaft Falkenberg" zeigte auf rotem Grund einen golden bewehrten silbernen Falken mit aufgehenden Flügeln auf einem schwarzen Dreiberg. Dieses Wappen wird heute in unveränderter Form von der oberbayerischen Marktgemeinde Markt Schwaben verwendet.

In einer anderen Version ist ein rot bewehrter goldener Falke mit rotem Halsband auf blauem Grund dargestellt. Diese Fassung, die auf die Darstellung im Codex Falkensteinensis zurückgeht, findet sich heute im Wappen der Gemeinde Oberaudorf.

Zahlreiche weitere Orte und Gebietskörperschaften führen als Zeichen ihrer historischen Verbindung mit der Grafschaft Falkenstein in ihrem Wappen einen Falken:

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Noichl: Codex Falkensteinensis. Die Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein. Beck, München 1978, ISBN 3-406-10388-X, (Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte N. F. 29).
  • Werner Rösener: Codex Falkensteinensis. Zur Erinnerungskultur eines Adelsgeschlechts im Hochmittelalter. In: Werner Rösener: (Hrsg.): Adelige und bürgerliche Erinnerungskulturen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35427-4, (Formen der Erinnerung 8), S. 35–55.
  • John B. Freed: The Counts of Falkenstein. Noble Self-Consciousness in Twelfth-Century Germany, Bd. 74, Philadelphia 1984.
  • Werner Rösener: Beobachtungen zur Grundherrschaft des Adels im Hochmittelalter, in: Rösener, Werner (Hg.): Grundherrschaft und bäuerliche Gesellschaft im Hochmittelalter, Göttingen 1995, S. 116–161.
  • Karl Ramp: Studien zur Grundherrschaft Neuburg-Falkenstein auf Grund des „Codex diplomaticus Falkensteinensis“, München 1925.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rösener, Werner: Beobachtungen zur Grundherrschaft des Adels im Hochmittelalter, in: Rösener, Werner (Hrsg.): Grundherrschaft und bäuerliche Gesellschaft im Hochmittelalter, Göttingen 1995, S. 116–161.
  2. J. B. Freed, The Counts of Falkenstein: Noble Self-Consciousness in Twelfth-Century Germany. The American Philosophical Society, Philadelphia 1984, ISBN 0871697467
  3. K. Weidemann, Hof, Burg und Stadt im östlichen Oberbayern während des frühen und hohen Mittelalters. In: Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz (Hrsg.), Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 18: Miesbach, Tegernsee, Bad Tölz, Wolfratshausen, Bad Aibling. Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein 1971
  4. Historische und topographische Darstellung der Pfarren, Stifte, Klöster, milden Stiftungen und Denkmähler im Herzogthume Oesterreich, Band 1, Wien 1826, S. 38.
  5. Historische und topographische Darstellung der Pfarr, Stifte, Klöster, milden Stiftungen und Denkmähler im Herzogthume Oesterreich, Band 5, Wien 1826, S. 179..
  6. J. H. Marbach, Die Gründung des Weyarner Chorherrenstifts und die Rolle der Neuburg-Falkensteiner (PDF; 116 kB), Vortrag im Rahmen der Weyarner Klosterwoche, 13. Dezember 2002 (archivierte Version (PDF; 161 kB) verfügbar auf archive.org)