Andechs (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen der Grafen von Andechs
Stammwappen der Grafen von Andechs, wie es um 1530 dargestellt wurde, mit goldenem Löwen und goldenem Adler auf blauem Grund - ursprünglich waren die Wappentiere silbern
Wappen der Grafen von Andechs

Die Grafen von Andechs zählten im 12. und bis Mitte des 13. Jahrhunderts neben den Welfen zu den bedeutendsten bayerischen Adelsgeschlechtern des Heiligen Römischen Reiches. Sie waren ein Zweig der vermutlich von den Diepoldinger-Rapotonen stammenden Grafen von Dießen am Ammersee, die mit einem Graf Berthold, ansässig an der oberen Isar bei Wolfratshausen im Jahr 990 erstmals nachweisbar sind und sich seit 1132 nach der allodialen Stammburg von Andechs (um 1060 von Andehsa) nannten.

Im 11. Jahrhundert griffen sie nach dem bayerischen Augstgau zwischen Lech und Ammersee und wurden Burggrafen von Wolfratshausen mit dem Kloster Tegernsee und dem Kloster Schäftlarn, erhielten die Grafschaft um den Würmsee (Starnberger See) und die Huosigrafschaft der Grafen Sigimar.

Die Grafen von Andechs erweiterten ihr Herrschaftsgebiet durch günstige Eheschließungen und Erbschaften. Sie erlangten Güter am oberen Main mit Kulmbach, errichteten 1135 die Plassenburg, gründeten Ende des 12. Jahrhunderts Bayreuth, waren Vögte des Klosters Banz und des Klosters Langheim und erwarben Landbesitz in Giech und Lichtenfels. Ende des 11. Jahrhunderts erhielten sie vom Hochstift Brixen die Grafschaften Unterinntal und Pustertal zu Lehen und gründeten 1180 Innsbruck in Nordtirol. Die bayerischen Grafschaften Neuburg am Inn, Schärding am Inn und Windberg an der Donau waren ein Erbe der Grafen von Formbach. Im Jahr 1173 übertrugen die Staufer den Grafen von Andechs für treue Dienst die Markgrafschaft Istrien zu Lehen. Im Jahr 1180/1181 wurden sie Herzöge von Meranien mit Istrien, Fiume (Rijeka), Kroatien und Dalmatien.

Im Jahre 1208 verloren die Grafen von Andechs, Herzöge von Meranien infolge angeblicher Beteiligung an der Ermordung des Königs Philipp von Schwaben durch Otto von Wittelsbach ihre oberbayerischen Güter an die wittelsbachischen Herzöge von Bayern, die Markgrafschaft Istrien an Aquileja und die Hochstiftvogtei Brixen an die Grafen von Tirol. Graf Otto I. von Andechs-Meranien († 1234), gewann allerdings nachfolgend durch die Heirat mit einer Enkelin des Kaisers Friedrich I. Barbarossa die Pfalzgrafschaft von Burgund. Mit Pfalzgraf Otto II. von Burgund, seinem Sohn, erlosch 1248 das Geschlecht im Mannesstamm. Das Erbe an Herrschaftsbesitz fiel an die Herzöge von Bayern, die Grafen von Tirol, die Burggrafen von Nürnberg, das Hochstift Bamberg und die Grafen von Orlamünde und Truhendingen.

Würdigung[Bearbeiten]

Die Andechser wurden schon früh als „Geschlecht der Heiligen und Helden“ gerühmt. Sie gelten als eine der bedeutendsten und mächtigsten Adelsfamilien des Heiligen Römischen Reiches im Hochmittelalter. Zunächst rund um den Ammersee in Dießen bzw. Andechs ansässig, weiteten sie ihr Besitztum auf das Land zwischen Staffelsee und Ammersee im Westen, Starnberger See im Osten und Karwendel mit Seefeld im Süden aus. Sie beherrschten wichtige Straßen nach Mitteldeutschland, saßen in bedeutenden Gebieten der Alpen und kontrollierten unter anderem den Brenner. Neben ihren Besitztümern in Südbayern zählte aber auch fast ganz Oberfranken (Raum Bamberg, Coburg, Hof an der Saale, Bernstein, Bayreuth, Kulmbach ) sowie Hirschberg und Sonneberg zu ihrem Herrschaftsgebiet.

Die Heiratspolitik der Familie verband sie mit dem französischen und dem ungarischen Königshaus sowie dem Herzog Heinrich I. von Schlesien. Durch die Verehrung zweier berühmter Familienangehöriger, der Heiligen Hedwig von Schlesien und der Heiligen Elisabeth von Thüringen, lebt die Erinnerung an die Familie weiter.

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen der Grafen von Andechs zeigt einen nach vorn schreitenden goldenbezungten und -bewehrten silbernen Löwen über einem gleich tingierten Adler auf blauem Grund; auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Busch von fünf silbernen Straußenfedern. (Der schreitende Löwe wurde auch als Leopard, also herschauend, dargestellt und später wurden beide Wappentiere auch golden tingiert.)

Überlieferungen zu Ursprung und Geschichte derer von Dießen-Andechs-Meranien[Bearbeiten]

Wappen der Grafen von Andechs Dießen

Die Anfänge des Hauses Andechs liegen im Dunkeln des 10. Jahrhunderts und boten Anlass zu einer umfangreichen Legendenbildung. So wurde von einem Grafen Rasso († 954) aus dem Frankenreich berichtet, der gleichzeitig Herzog von Bayern, Franken, Burgund, Meranien (=Istrien) und Kärnten gewesen sein soll; ebenso war er Markgraf von Österreich, Pfalzgraf bei Rhein und Graf von Görz und Andechs.

Durch Urkunden erwiesen ist, dass die Grafen von Andechs rund um den Ammersee mit der Burg Andechs ihren namensgebenden Stammsitz hatten. Übereinstimmend wird berichtet, dass die Grafen von Dießen das Augustiner-Chorherren-Stift Dießen gründeten. Mitte des 13. Jahrhunderts soll in diesem Stift ein Stammbaum der gräflichen Stifterfamilie erstellt worden sein, über den nichts Näheres bekannt ist. Das Stift Dießen wurde später dem Heiligen Stuhl übereignet. Den Grafentitel der Familie weiterhin an Dießen zu knüpfen erschien nicht mehr passend und so nannte sich die Familie seit Berthold II. nach ihrer Burg Andechs (auf einem Berg gegenüber von Dießen) „von Andechs“, während sich die andere Linie der Dießener Familie seit Otto (verheiratet mit Justicia von Babenberg) nach seinem Hauptsitz „von Wolfratshausen“ nannte. Auf dem Berg befindet sich das Kloster Andechs, das im Jahr 1080 erstmals als „Andehse“ urkundlich erwähnt wurde.

Die Grafen von Andechs und Herzöge von Meranien gehörten im 12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Adelsfamilien im Heiligen Römischen Reich. Als Höhepunkt kann die Hochzeit Ottos VII. von Meranien mit einer Enkelin von Friedrich Barbarossas angesehen werden.

Bald darauf gerieten die Andechser in den Verdacht, an der Ermordung von König Philipp von Schwaben beteiligt gewesen zu sein. Sie verloren in der Folge ihren gesamten bayerischen Besitz. Zwar sollte sich die Unschuld der Familie erweisen, doch gelang es ihnen nicht, den Besitz zu restituieren. Es folgten verschiedene Niederlagen gegen die Wittelsbacher und ihr Einfluss ging zurück. Mitte des 13. Jahrhunderts starb das Geschlecht der Andechs-Meranier aus.

Namen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stammliste von Andechs

Männer[Bearbeiten]

Die Nummerierung der Namen nimmt (meist) Bezug auf „Herzöge und Heilige“.

Andechser Linie:

Arnold (∞ Gisela von Schweinfurt)

Otto IV.
Berthold II. (Andechs) † 1151
Berthold III. (Markgraf von Istrien) † 1188
Berthold IV. (Herzog von Meranien) 1180/82–1204
Otto VII. von Andechs 1204–1234
Otto VIII. von Andechs 1234–1248
Heinrich IV. (Mgf. von Istrien) † 1228
Ekbert (Bischof von Bamberg) † 1237
Berthold V. (Erzbischof von Kalocsa, Patriarch von Aquileja) † 1251
Poppo (Bischof von Bamberg) † 1245
Otto VI. (Bischof von Brixen, Bischof von Bamberg) † 1196
Poppo I. (Andechs) † 1148
Heinrich III. (Abt von Millstatt)

Wolfratshausener Linie:

Friedrich I.

Berthold I.
Otto II.
Heinrich I. (Bischof von Regensburg) † 1155
Otto III. † 1127
Heinrich II. † 1157
Otto V. † 1136
Luitpold † 1102

Frauen[Bearbeiten]

  • Agnes * 1175, † 20. Juli 1201 (Tochter Bertholds IV.)
  • Gertrud † 1213 (Tochter Bertholds IV.)
  • Hedwig † 1243 (Tochter Bertholds IV.)
  • Agnes † 1263 (Tochter Ottos VII.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Bosl: Europäischer Adel im 12. und 13. Jahrhundert. Die internationalen Verflechtungen des bayerischen Hochadelsgeschlechts des Andechs-Meranier. In: Zeitschrift für bayerischen Landesgeschichte 30 (1967), 20 ff.
  • Karin Dengler-Schreiber: Spuren der Andechs-Meranier in Bamberg. Collibri, Bamberg 1998, Andechs (Grafen, Herzöge) S. 13 u. 14, ISBN 3-926946-61-X.
  • G. Herlitz: Geschichte der Herzöge von Meran aus dem Hause Andechs. Dissertation der Universität Halle, 1909.
  • Ludwig Holzfurtner: Die Grafschaft der Andechser. Comitatus und Grafschaft in Bayern 1000–1180. Laßleben, Kallmünz 1994, ISBN 3-7696-9690-5 (=Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Reihe II, Heft 4).
  • Josef Kirmeier, Evamaria Brockhoff (Hrsg.): Herzöge und Heilige. Das Geschlecht der Andechs-Meranier im europäischen Hochmittelalter. Pustet, Regensburg 1993, ISBN 3-7917-1386-8 (=Veröffentlichungen zur Bayerischen Kultur und Geschichte Nr. 24, Katalog zur Landesausstellung im Kloster Andechs 13. Juli–24. Oktober 1993).
  • Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - Die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 6. Auflage 1999, Andechs (Grafen, Herzöge), S. 13 u. 14, ISBN 3406443338 – mit weiteren Quellenangaben.
  • Jakob Lehmann: Zur Geschichte der Andechs-Meranier am Obermain. H.O.Schulze, Lichtenfels 1963, ISBN 3-87735-009-7.
  • Edmund von Oefele: Geschichte der Grafen von Andechs, Innsbruck 1877, Nachdruck dieser Ausgabe, Verlag für Kunstreproduktionen, Neustadt an der Aisch 1999, ISBN 3-89557-102-4.
  • Erich A. Reinlein: Der Letzte der Meranier, Herzog Otto II. 1248 – Ende einer Hoffnung. Schulze, Lichtenfels 1983, ISBN 3-87735-034-8.
  • F. Tyroller: Die Grafen von Andechs. In: Bayerische Streifzüge durch 12 Jahrhunderte, herausgegeben von H. Fink, 1971, 19 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andechs (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien