Seebataillon

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Seebataillon
— See Btl —
Wappen
Internes Verbandsabzeichen (Wappen)
Aufstellung 1. April 2014[1]
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr Kreuz.svg Bundeswehr
Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Marine with lettering.svg Marine
Stärke 800
Unterstellung Coats of arms of None.svg Einsatzflottille 1
Stationierungsort Preusser-Kaserne, Eckernförde,Marinestützpunkt Eckernförde, Schleswig-Holstein
Spitzname „Multitool der Marine“
Motto „Vom Land zum Meer – Vom Meer zum Land“[2]
Führung
Kommandeur Fregattenkapitän Arne Björn Krüger
FKpt

Das Seebataillon (SeeBtl) ist ein Verband der Deutschen Marine und untersteht der Einsatzflottille 1 in Kiel. Es ist in Teilen auf dem Marinestützpunkt Eckernförde in Schleswig-Holstein stationiert. Auf Grund der noch nicht abgeschlossenen Infrastrukturmaßnahmen auf dem Marinestützpunkt Eckernförde ist der Verband des Weiteren in der Preusser-Kaserne in Eckernförde sowie in Alt Duvenstedt (LTG 63) untergebracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Seebataillone sind deutsche Marineinfanterieeinheiten in Bataillonsstärke. Den Verbandstyp Seebataillon gab es bei der Königlich Preußischen Marine, der Marine des Norddeutschen Bundes, der Kaiserlichen Marine, der Bundesmarine und seit 2014 auch wieder der Marine. Das diesen vorausgehende brandenburgische Marinier-Corps wurde am 1. Oktober 1684 etwa gleichzeitig mit der kurbrandenburgischen Marine gegründet und existierte bis 1744.

Königlich Preußische Marine, Norddeutscher Bund und Deutsches Reich[Bearbeiten]

Das erste Seebataillon Deutschlands ging am 13. Mai 1852 aus dem zwei Jahre zuvor in Stettin aufgestellten Königlich Preußischen Marinierkorps hervor. Es erfüllte u. a. die Aufgabe der Marineinfanterie an Bord der Kriegsschiffe. 1870 hatte das Seebataillon eine Stärke von fünf Kompanien mit 22 Offizieren und 680 Unteroffizieren und Mannschaften, Standort des Bataillonsstabs war Kiel. Nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 und der Umwandlung in die Kaiserliche Marine wurde das Seebataillon um eine sechste Kompanie verstärkt. Am 1. Oktober 1886 wurde das Seebataillon geteilt, Stab und I. Halbbataillon blieben in Kiel, während das II. Halbbataillon nach Wilhelmshaven verlegt wurde. Am 12. März 1889 wurden die beiden Halbbataillone in eigenständige Seebataillone zu vier Kompanien umgewandelt. Am 3. Dezember 1897 wurde ein drittes Seebataillon aus der 1. und 2. Kompanie des I. Seebataillons und der 3. und 4. Kompanie des II. Seebataillons gebildet und zum Schutz des Deutschen Pachtgebiets Kiautschou nach Tsingtau verlegt. Die 1889 errichtete Inspektion der Marineinfanterie Kiel unterstand dem Stationschef der Marinestation Ostsee. Das III. Stammseebataillon – der Verband, der den Personalersatz für die Verwendung in China ausbildete – wurde auf Grund allerhöchster Kabinettsorder vom 31. Mai 1905 aufgestellt.

Ab 1854 war die Marine-Stabswache bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1881 dem Seebataillon angegliedert bzw. unterstellt. Die Angehörigen der Marine-Stabswache hatten den Kommandanten bei der Aufrechterhaltung der Disziplin und Ordnung an Bord zu unterstützen.

Die Offiziere der Marineinfanterie ergänzten sich seit 1866 nur noch aus der Armee, wohin sie nach ihrer Dienstzeit (in der Regel zwei Jahre) wieder zurückkehrten. Die Unteroffiziere kamen zum Teil aus Armee-, zum Teil aber auch aus verschiedenen Marinelaufbahnen. Die Mannschaften kamen aus der nichtseemännischen Bevölkerung.

Standorte und Garnisonen[Bearbeiten]

1914 bestanden folgende Seebataillone:

Hinzu kam das Ostasiatische Marine-­Detachement (OMD) in Peking und Tientsin und eine Kompanie aus Soldaten des I. und II. Seebataillons als Marine-Detachement im international besetzten Skutari in Albanien.

Einsatz[Bearbeiten]

Angehöriger des Seebataillons in Tsingtau, 1912

Seit 1895 wurden Seesoldaten nicht mehr an Bord von Kriegsschiffen eingesetzt, sondern die Seebataillone als Interventionstruppe in den Kolonien. So wurde eine Kompanie 1894 gegen meuternde Kolonialtruppen nach Kamerun entsandt, 1904 ging während des Aufstands der Herero und Nama ein Verband in Bataillonsstärke zur Unterstützung der Schutztruppe nach Deutsch-Südwestafrika. 1905/1906 unterstützte ein Detachement Marineinfanterie die kaiserliche Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. Während der Intervention in China 1900/01 wurden das I. und II. Seebataillon unter Verstärkung durch eine Pionier­kompanie und eine Feldbatterie als Marine-Expeditionskorps nach Ostasien entsandt. Mit Ende der Belagerung von Tsingtau am 7. November 1914 kapitulierten die deutschen Truppen in Kiautschou. Dadurch kamen etwa 4700 Deutsche in japanische Kriegsgefangenschaft. 76 Schwerverwundete wurden den Briten überstellt.

Im August 1914 bildeten Teile der Seebataillone und Reservisten die Marine-Infanterie-Brigade unter Generalmajor Carl von Wiechmann, die am 23. August zur Marine-Division erweitert wurde und nur bis zum 28. November 1914 bestand. Bereits am 24. November war die 2. Marine-Division gebildet worden. Die ehemalige Marine-Division wurde dann als 1. Marine-Division neu aufgestellt. Beide Divisionen bildeten das Marinekorps Flandern unter Admiral Ludwig von Schröder (genannt der „Löwe von Flandern“). Am 3. Juni 1917 wurde die 3. Marine-Division aufgestellt, die dann ebenfalls dem Marinekorps Flandern unterstellt war. Die Stärke des Korps betrug 60.000 bis 70.000 Mann, von denen etwa 10.000 während des Ersten Weltkriegs gefallen sind.

Die Marinedivisionen kamen 1914 in Antwerpen, 1915 in Ypern, 1916 an der Somme, 1917 in Flandern und bei den Offensiven 1918 zum Einsatz. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 bildeten Freiwillige das FreikorpsSchwarze Jäger“, das teilweise in die Reichswehr übernommen wurde.

Bundesmarine[Bearbeiten]

Die Bundesmarine stellte am 1. April 1958 das Marinepionierbataillon auf, das zunächst dem Kommando der Zerstörer unterstellt war. Dieses Bataillon wurde am 10. Oktober 1958 der neu gegründeten Amphibischen Gruppe unterstellt und 1959 in Seebataillon umbenannt. Es gliederte sich in eine Stabskompanie, eine Strandmeisterkompanie, eine Strandpionierkompanie und eine Bootskompanie.

Am 1. Januar 1965 wurde das Bataillon in Borkum aufgelöst. Die meisten Aufgaben übernahm bis zu ihrer Auflösung 1993 die eigenständige Strandmeisterkompanie.

Vom 30. Dezember 1988 bis 30. September 1990 wurde das Seebataillon im Rahmen eines Truppenversuches für kurze Zeit wieder aufgestellt. Es bestand in dieser Zeit aus der Strandmeisterkompanie und der Kampfschwimmerkompanie. Die Amphibische Gruppe wurde 1993 aufgelöst.

Deutsche Marine[Bearbeiten]

Im Zuge der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde die Neuaufstellung eines 800 Mann starken Seebataillons für die Marine beschlossen. Es wird aus den bisherigen Marineschutzkräften, Boardingkräften und den Spezialisierten Kräften Minentauchern hervorgehen und seinen Standort in Eckernförde haben. Zusätzlich soll ein 42 Mann starker Küsteneinsatzzug in der Küsteneinsatzkompanie (KEK) als Verstärkungsreserve aufgestellt werden. In der KEK werden hauptsächlich Marineinfanteristen dienen, die Hafenanlagen und Schiffe schützen, oder die bei militärischen Evakuierungen eingesetzt werden.

Aufgaben[Bearbeiten]

  • Schutz von Seewegen, Schiffen, Häfen und strategisch bedeutsamer Positionen
  • Hilfs-, Rettungs- und Evakuierungseinsätze
  • Bekämpfung von Kampfmitteln unter Wasser und an Land
  • Schutz gegen terroristische Angriffe
  • Kampf gegen die Piraterie

Organisation[Bearbeiten]

  • Stab
  • Ausbildungszentrum
  • Gruppe Weiterentwicklung
  • Unterstützungskompanie

Einsatzkompanien

  • Bordeinsatzkompanie (BEK)
  • Küsteneinsatzkompanie (KEK)
  • Aufklärungskompanie (AufklKp)
  • Minentaucherkompanie (MiTaKp)

Kommandeure[Bearbeiten]

Nr. Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
1. Fregattenkapitän Arne Björn Krüger 1. April 2014[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Martin: Soldatische Radikalisierung und Massaker. Das deutsche Erste und Zweite Seebataillon im Einsatz im „Boxerkrieg“ in China 1900. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift. Bd. 69, 2010, S. 221–241.
  • Walter Nuhn: Kolonialpolitik und Marine. Die Rolle der Kaiserlichen Marine bei der Gründung und Sicherung des deutschen Kolonialreiches. 1884–1914. Bernard & Graefe, Bonn 2002, ISBN 3-7637-6241-8.
  • M. Bunge: In Kriegs- und Friedenszeiten beim III. Seebataillon 1898–1901. Erinnerungen eines ehemaligen Seesoldaten. Haupt in Kommission, Tsingtau 1914.
  • Alexander Heye: Die Marine-Infanterie vom 23. Dezember 1849 bis 1. Oktober 1890. Ein Beitrag zur Geschichte der kaiserlichen Marine. Mittler, Berlin 1891.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Presse- und Informationszentrum Marine: Das „Multitool“ der Marine - Seebataillon in Eckernförde aufgestellt. Bundeswehr, 1. April 2014, abgerufen am 5. April 2014.
  2. Strategie & Technik-Blog: Kommando Spezialkräfte der Marine und Seebataillon aufgestellt. 9. April 2014, abgerufen am 17. April 2014.
  3. Interview von reservistenverband.de mit Fregattenkapitän Krüger, dem Kommandeur des neuen Seebataillons