Festung Marienberg

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Festung Marienberg
Festung Marienberg, Südseite

Festung Marienberg, Südseite

Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Erhalten oder wesentliche Teile erhalten
Ort: Würzburg
Geographische Lage 49° 47′ 23″ N, 9° 55′ 17″ O49.7897222222229.9213888888889Koordinaten: 49° 47′ 23″ N, 9° 55′ 17″ O
Festung Marienberg (Bayern)
Festung Marienberg
Alte Mainbrücke und Festung Marienberg
Luftbild Festung Marienberg
Beleuchtete Festung mit einer Roten Schleife anlässlich des Welt-AIDS-Tags
Scherenbergtor

Die Festung Marienberg liegt oberhalb von Würzburg in Unterfranken. Sie trägt auch den Namen Festung Unser Frauen Berg.[1]

Lage[Bearbeiten]

Die Festung wurde auf einer Bergzunge auf der linken Seite des Mains etwa 100 Meter über dem Fluss errichtet. Die Westseite ist die einzige flache Seite des Berges. Auf der Nordseite befinden sich die Gärten und Kleingärten, die im Zuge der Landesgartenschau 1990 angelegt wurden. Die beiden anderen Berghänge sind Weinberge. Der kleine Hang an der östlichen Flanke der Burg ist der Schlossberg, an der südlichen Flanke die Innere Leiste.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in keltischer Zeit befanden sich hier eine Fliehburg und ein heidnischer Kultplatz. Nach der Völkerwanderung kamen im 6. Jahrhundert die Franken. Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wurde die Marienkirche, die älteste Kirche Würzburgs, errichtet, in der anfänglich die Würzburger Bischöfe bestattet wurden, wovon die Grabplatten zeugen. Unterhalb der Festung zum Main hin befindet sich die älteste Kirche der Stadt im Tal, St. Burkard.

Die Festung wurde im Laufe der Geschichte mehrfach umgebaut. Die ältesten noch erhaltenen Teile sind von 704 (kleine Marienkirche).

Um 1200 wurde bereits eine Burganlage mit Bergfried und tiefem Brunnen erbaut, das Palais des Konrad von Querfurt. Von 1253 bis 1719 war die Festung Marienberg die Residenz der Würzburger Fürstbischöfe.

Bauernkrieg[Bearbeiten]

Denkmal der Niederschlagung des Bauernaufstandes.

Im Jahr 1525, während des Bauernkriegs, wurde die Festung Marienberg erfolglos berannt. Für die Anhänger des Bischofs Konrad II. von Thüngen blieb die Festung Rückzugspunkt in einem sonst verwüsteten Bistum, bis schließlich Truppen des Schwäbischen Bundes und ein Heer des aus dem Exil zurückkehrenden Bischofs die militärisch schlecht organisierten Bauern besiegte. Die aufständischen Bauern erlitten eine schwere Niederlage vor den Toren der Stadt Würzburg.

Festungskommandant während der Belagerung durch die Bauern war Dompropst Markgraf Friedrich von Brandenburg (1497–1536). Er befehligte 18 Rotten, die planmäßig auf verschiedene Abschnitte der Festung verteilt waren, zusätzlich behielt er eine Eingreifreserve bei sich. Die Truppen waren rechtzeitig von Rotenhan aus den Burgbesatzungen von Werneck, Rothenfels, Homburg und Karlburg zusammengezogen worden. Insgesamt befanden sich 400 Personen auf der Festung, davon waren etwas über 240 waffenfähig. Zu den prominenten Personen gehörten Graf Wolf von Castell, der Domherr Hans von Lichtenstein, der Domherr Melchior Zobel von Giebelstadt, Hans von Grumbach, Otto Groß, Sigmund Fuchs, Hainz von Stein, Wolf von Fulbach, Matern von Vestenberg, Werner von Stetten, Sebastian Geyer, Lorenz von Hutten, Wendel von Lichtenstein, Andreas Stein von Altenstein, Georg Wemckdinger, Barthel Truchseß, Götz von Thüngen und Philipp Bernheimer. Zum Kriegsrat zählte der Hofmeister Sebastian von Rotenhan, Philipp von Herbilstadt, Eustachius und Bernhard von Thüngen, Carl Zöllner, Friedrich von Schwarzenberg, Hans von Bibra und Silvester von Schaumberg. Anwesend waren außerdem Dechant Johann von Guttenberg, Konrad von Bibra und noch weitere Würzburger Domherren.[2][3]

Ein kleines Denkmal bei der Tellsteige am Hang der Festung Marienberg erinnert an die Haufen der Bauern und ihre Anliegen. Tilman Riemenschneider soll sich als Mitglied des Stadtrates auf die Seite der Bauern gestellt haben und wurde deshalb auf der Festung Marienberg nach dem Zusammenbruch des Aufstandes für sechs Wochen inhaftiert. Das historische Gasthaus Hof zum Stachel in der Gressengasse war damals ein Treffpunkt der aufbegehrenden Bürger und Bauern und für Eingeweihte am Morgenstern (Stachel) als Wirtshausschild zu erkennen.

Maschikuliturm

Neuzeit[Bearbeiten]

Nachdem ein Brand (ausgelöst durch den Fürstbischof Friedrich von Wirsberg) am 22. Februar 1572 Teile der Burg mit der Hofbibliothek zerstört hatte, wurde ab 1573 unter dem neuen Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Umgestaltung zu einem Renaissanceschloss betrieben, das sich in der damaligen Form erhalten hat. Im Südflügel ließ Julius Echter 1579 seine neue Bibliothek einrichten.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberten die Schweden unter Gustav II. Adolf die Festung am 18. Oktober 1631. Der Umbau zur barocken Festungsanlage geschah erst durch die nach der Vertreibung der Schweden zurückgekehrten fränkischen Fürstbischöfe.

Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642–1673) und seine Nachfolger ließen zahlreiche weitere militärische Befestigungen und Bastionen errichten. Insgesamt wurden Mauern auf zwölf Kilometer Länge angelegt. Neben dem Bergfried im Inneren der Burg befindet sich ein Brunnenhaus, in dem sich der 105 Meter tiefe Brunnen der Festung befindet. Der Fürstengarten wurde in seiner heutigen Form um 1700, der Maschikuliturm ab 1724 errichtet.

Maria Renata Singer von Mossau wurde als Gefangene auf der Festung Marienberg festgehalten, sie gilt als letztes fränkisches Opfer der Hexenverbrennungen.

Im Mainfeldzug 1866 nahm die preußische Armee den Marienberg, der als königlich bayerische Festung diente, unter Feuer. Der Beschuss löste einen heftigen Brand auf dem Marienberg aus, doch konnte die bayerische Festungsartillerie das Feuer wirksam erwidern, und der Marienberg blieb bis zum Waffenstillstand, der am gleichen Tage wie die erste Beschießung geschlossen wurde (26. Juli 1866), unbezwungen.

Die Nationalsozialisten nutzten die Burg als „SA-Hilfswerklager, dessen wichtige soziale und erzieherische Aufgabe es ist, arbeitslose junge SA-Kameraden umzuschulen“. Der Hof der Marienberg sei zu „einer Feste des Gemeinschaftsgedankens geworden“[4].

Beim Bombenangriff auf Würzburg am 16. März 1945 wurde die Festung stark beschädigt und ab 1950 wieder aufgebaut.

Architektur[Bearbeiten]

Die Berghöhe war bereits um ca. 1000 v. Chr. von den Kelten bewohnt, im 6. Jahrhundert nahmen die Franken den Hügel in Besitz. Um 706 wurde eine erste Marienkirche errichtet, der merowingische Rundbau, der später mehrmals umgebaut wurde, ist eines der ältesten Gebäude Deutschlands. Die Kirche befindet sich im inneren Burghof, in dem sich auch der achteckige Brunnenbau und der runde, um 1200 erbaute Bergfried befindet. Damals begann Bischof Konrad I. von Querfurt die Burg zu befestigen. Die den Burghof umschließende Burg wird an drei Seiten von Türmen begrenzt, dem Randersackerer Turm (Sonnenturm) im Südosten, den Marienturm im Nordosten und den Kiliansturm im Nordwesten. Auf dem Marienturm befindet sich das gleiche Bild der Maria im Strahlenkranz wie auf dem Turm der Marienkapelle am Markt (in Sichtverbindung). Durch das Scherenbergtor erfolgt der Zugang zum inneren Burghof. Um 1500 wurde die Bibratreppe als Zugang zur Bischofswohnung im Fürstenbau errichtet. Ab 1572 veranlasste Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn große Neu- und Umbauten im Renaissancestil. Rund um den äußeren Burghof befinden sich weitere Gebäude, darunter das Zeughaus. Die Burg ist von mehreren Basteien und weiteren Toranlagen umgeben, an ihrer Südseite liegt in den Weinbergen der Maschikuliturm, ein viergeschossiger Batterieturm, der 1728 von Balthasar Neumann erbaut wurde. Eine seltene Perspektive der Festung zeigt das Bild von Erich Heckel: Blick auf die Veste Marienberg, das im Museum im Kulturspeicher bei den Würzburgbildern ausgestellt ist.

Nutzung heute[Bearbeiten]

Die Festung Marienberg beherbergt heute zwei Museen, das Mainfränkische Museum Würzburg und das Fürstenbaumuseum. Außerdem befinden sich auf dem Gelände mehrere Gastronomiebetriebe mit Veranstaltungsräumen sowie einige Wohnungen, die von der Bayerischen Schloss- und Gartenverwaltung vermietet werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Werner Hess: Martin Luther. Eine Einführung in sein Leben. Evangelisches Verlagswerk: Stuttgart, 1954, Seite 55
  2. Personenliste nach Dr. Karl Heinrich Freiherr Roth von Schreckenstein: Geschichte der ehemaligen freien Reichsritterschaft in Schwaben, Franken und am Rheinstrome, nach Quellen bearbeitet. Zweiter Band. Tübingen 1862. S. 265.
  3. Carlheinz Gräter: Der Bauernkrieg in Franken. Stürtz Verlag Würzburg 1975. S. 111.
  4. Zeitschrift Die Woche, Heft 21 vom 20. Mai 1936, Seiten 12-13.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Festung Marienberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien