Fitzwilliam Virginal Book

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Das Fitzwilliam Virginal Book ist die umfangreichste historische Sammlung der Cembalo-Musik des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts in England. Sie wurde vermutlich vom Komponisten Francis Tregian (1574–1619) zusammengestellt.

Die Musiksammlung[Bearbeiten]

Die Entstehung der Kompilation zu Beginn des 17. Jahrhunderts (ca. 1610–1625) liegt weitgehend im Dunkeln. Die Urheberschaft Francis Tregians gilt als umstritten. Möglicherweise hat er sie in seinem letzten Lebensjahrzehnt zusammengetragen. Doch die Behauptung, der verfolgte Katholik habe die Noten-Kopien während seiner Haft im Fleet-Gefängnis angefertigt, konnte als fromme Geschichtsfälschung enttarnt werden. Auch der englische Musikhistoriker Charles Burney (1726–1814) sorgte am Ende des 18. Jahrhunderts mit seiner Identifikation des Werkes als Queen Elizabeth's Virginal Book für Verwirrung. Musikwissenschaftler wiesen später darauf hin, die musikbegeisterte Monarchin habe nicht über die technischen Fähigkeiten verfügt, um die virtuosen Tonschöpfungen zu spielen, und vor allem wurde ein Teil der Stücke erst nach ihrem Tod komponiert.

Auf nicht geklärte Weise gelangte die Manuskriptsammlung in den Besitz des englischen Komponisten deutscher Herkunft Johann Christoph Pepusch (1667–1752). Gemeinsam mit seiner gesamten Bibliothek wurde sie 1762 für 10 Guineen an den Musikverleger Robert Bremner (1713–1789) aus Edinburgh verkauft. Der kunstsinnige Adlige und Politiker Richard FitzWilliam, 7th Viscount FitzWilliam of Merrion (1745–1816), erwarb die Antiquität von Bremner. Der Mäzen vermachte sie mit seiner gesamten Bücher- und Kunstsammlung dem von ihm 1816 gestifteten Fitzwilliam Museum in Cambridge, wo sie sich noch heute befindet.

Die unhistorische Bezeichnung Queen Elizabeth's Virginal Book hielt sich hartnäckig bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts. Erst nach einer sorgfältigen Edition durch John Alexander Fuller-Maitland (1856–1936), Verfasser von musikalischer Fachliteratur und Musikkritiker von Times und Guardian, und den Musikbibliothekar des Britischen Museums William Barclay Squire (1855–1927), die im Jahr 1899 in London und Leipzig im traditionsreichen Musikverlag Breitkopf & Härtel erschien, setzte sich allmählich der Fachbegriff Fitzwilliam Virginal Book durch. Er leitet sich von seinem Aufbewahrungsort im gleichnamigen Museum ab.

Das Fitzwilliam Virginal Book enthält 297 Airs, Variationen, Fantasien, Toccaten, Pavanen, Gaillarden, Allemanden und Courantes auf 220 Folio-Seiten. Fast alle großen Komponisten der elisabethanischen Zeit und der Epoche Jakobs I., die für Tasteninstrumente komponiert haben, sind vertreten: John Bull (1563–1628), William Byrd (ca. 1543–1623) und Giles Farnaby stellen den größten Teil der Stücke. An vierter Stelle folgt Peter Philips (1561–1628). Auch Stücke unbekannterer Komponisten, wie Martin Peerson (ca. 1572–1650), John Mundy (1550–1630), Edward Johnson (ca. 1572–1601), William Tisdale (auch Tisdall) und William Inglott (1554–1621) sowie anonyme Tonkünstler hat Francis Tregian in seiner Sammlung aufgenommen. Manche Komponisten kennt man nur von Stücken aus diesem Werk. Einige Kompositionen werden auch Tregian selbst zugeschrieben.

Für manche Komponisten der späten Renaissance und des frühen Barock, wie William Byrd, John Bull, Giles Farnaby und Peter Philips ist diese Sammlung die heutige Hauptquelle ihrer Werke.

Klangbeispiel[Bearbeiten]

"Alman" von William Byrd

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • The Fitzwilliam virginal book / ed. from the original manuscript with an introd. and notes by John Alexander Fuller-Maitland and William Barclay Squire. Translated into German by John Bernhoff. - Wiesbaden : Breitkopf & Härtel. - (ursprünglich: London u. Leipzig : Breitkopf & Härtel, 1899). - In 2 Bänden:
    • Band 1: [Partitur]. - 1963. - XXVI, 436 S. (gleichzeitig auch in New York bei Dover Publications erschienen. Dort auch unveränd. Aufl. 1980 mit ISBN 0-486-21068-5)
    • Band 2: [Partitur]. - 1963. - IX, 502 S. (gleichzeitig auch in New York bei Dover Publications erschienen. Dort auch unveränd. Aufl. 1979 mit ISBN 0-486-21069-3)
  • Naylor, Edward Woodall: An Elisabethan virginal book : being a critical essay on the contents of a manuscript in the Fitzwilliam Museum at Cambridge. - London u.a. : J. M. Dent u.a., 1905. - XV, 220 S.
  • Neudenberger, Lucia: Die Variationstechnik der Virginalisten im Fitzwilliam Virginal Book. - Berlin, 1937. - 86 S. - (Berlin, Phil. Diss., 1937)

CDs[Bearbeiten]

  • Byrd, William: Pieces from "The Fitzwilliam Virginal Book" / Ursula Duetschler [Cembalo]. - Thun : Claves Records, 1990. - 1 CD (70 Min.) : Stereo, DDD. - (Enth.: Fantasia C ; The carmans whistle ; Pavan and Galliard F ; The woods so wild ; Fantasia G ; The Queen's alman ; Pavan and Galliard G ; The Bells ; Walsingham ; All in a garden green ; Lavolta ; Pavan and Galliard g ; Ut re mi fa sol la)
  • The Fitzwilliam Virginal Book : Transcriptions for a mixed consort / Charivari Agréable. - London: Signum Records, 1999. - 1 CD (70 Min.). - (Enth.: William Byrd: Walsingham ; Giles Farnaby: Loth to depart ; Thomas Morley: O Mystress Myne ; Giles Farnaby: Lord Zouches Maske ; John Bull: Ut re mi fa sol la ; William Byrd: Pavana ; William Byrd: Galiarda ; Giles Farnaby: Daphne ; Giles Farnaby: Up [T]ails All ; William Inglott: The leaves bee greens ; Martin Peerson: The Fall of the Leafe ; John Bull: The King’s Hunt ; Orlando Gibbons: The Lord of Salisbury his Pavan; William Byrd: Rowland ; Anonymous: Alman ; Jan Sweelinck: Praeludium Toccata ; Peter Philips: Amarilli di Julio Romano ; William Byrd: Gipsies Round)
  • The Fitzwilliam virginal book / Byron Schenkman, Cembalo ; Maxine Eilander, Harfe. - Louisiana : Centaur, 2003. - 1 CD (71 Min.) : Stereo, DDD. - (Enth.: William Byrd: O mistris myne ; Anonymus: Barafostus' dreame ; Edward Johnson: Johnson's medley ; Thomas Morley: Pavana (CLIII) and galiarda (CLIV) ; John Bull: Pavana (XIII) ; Jan Pieterszon Sweelinck: Praeludium toccata ; Thomas Tomkins: Worster braules ; William Byrd: Callino casturame ; Peter Philips: Amarilli di Julio Romano, Bon jour mon cueur di Orlando, Galliardo (LXXXVII) ; Giles Farnaby: The old spagnoletta, The L. Zouches maske ; Thomas Warrock: Pavana and galiarda ; John Bull: Praeludium (XLIII) ; Anonymus: Pakington's pownde ; Francis Tregian (attributed to): Heaven and earth ; William Byrd :Pavana lachrymae ; Giovanni Picchi: Toccata ; Giles Farnaby: For two virginals)

Weblinks[Bearbeiten]