Frecce Tricolori
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Frecce Tricolori (italienisch: die dreifarbigen Pfeile) sind eine Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe, die 1961 als 313. Aerobatic Training Squadron aufgestellt wurde. Die Staffel ist auf dem Flugplatz Mario Visintini (⊙45.97833333333313.051388888889) in Rivolto bei Udine stationiert und erhielt am 1. Juli 1961 den heutigen Namen: 313º Gruppo Addestramento Acrobatico - Pattuglia Acrobatica Nazionale (PAN) "Frecce Tricolori".
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Der Ursprung des Kunstflugteams reicht bis in die 1920er Jahre zurück. Bei einem Besuch in Großbritannien hatten einige hohe Fliegeroffiziere die Anfänge des Formationskunstfluges kennen gelernt. Der Befehl zur Gründung einer Kunstflugstaffel ging an Oberst Rino Corso Fougier in Udine. Er gilt als Vater des italienischen Formationskunstflugs und prägte maßgeblich den Ausbildungsstandard der Militärpiloten.
Die erste Fünfer-Kunstflugstaffel seines 1. Geschwaders (1º Stormo) war in Campoformido stationiert. Die erste Staffel erschien am 8. Juni 1930 bei der 1ª Giornata Aerea dell’Ala in Rom als offizieller Repräsentant der italienischen Luftwaffe. [1] In dieser Geburtsstunde zeigten sie mit sieben Jagddoppeldeckern vom Typ Fiat CR.20 ihr erstes Programm. Die 2ª Giornata Aerea dell’Ala 1932 zeigte mit Doppeldeckern vom Typ Breda Ba.19 ihr Programm. 1936 erhielten die „Frecce“ die Fiat CR.32.
Nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg begannen sie erneut mit Düsenflugzeugen das Formationskunstflugtraining. Die Teams Cavallino Rampante („Rampling Horse“), Getti Tonanti („Thunderjets“), Tigri Bianche („White Tigers“), Lancieri Neri („Black Lancers“) und die Diavoli Rossi („Red Devils“) wurden bekannt.
Die erste wirkliche italienische Kunstflugstaffel wurde vom 4º Stormo aufgestellt. Als erste Einheit mit den Doppelrumpfjägern de Havilland D.H.100F.B.52 bildeten die Piloten des Geschwaders 1954 das erste italienische Kunstflug-Jet-Team mit dem Namen „Cavallino Rampante“. Mit der Republic F-84G starteten die „Getti Tonanti“ als Nachfolger der Staffel „Cavallino Rampante“. Der Fliegerfilm mit dem Namen I quattro del getto tonante („Die vier donnernden Jets“) wurde mit dem Team gedreht. Die 51ª Aerobrigata übernahm 1955 mit dem Team „Tigri Bianche“ die Funktion der offiziellen Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe, geflogen mit F84G Thunderjets. 1956 flog wieder das 4° Stormo mit neuen Canadair Sabre Mk4 [2]. Das 6° Stormo flog als „rote Teufel“ („Diavoli Rossi“) die Republic F84F Thunderstreaks erstmals am 19. Mai 1957 auf dem Flughafen Turin-Caselle. 1958 wurde die 2ª Aerobrigata mit dem Namen „Lancieri Neri“ aufgestellt. Die sechs Piloten flogen eine F-86 Sabre.
Das Generalstab der italienischen Luftwaffe entschloss sich Ende 1960, ein eigenes Kunstflugteam aufzubauen, das nur noch in der Nebenrolle als leichte Jagdbomberstaffel zur Verfügung stehen sollte. Mit dieser Aufgabe wurde die 313º Gruppo betraut.
[Bearbeiten] Die Staffel
Am 1. Juli 1961 wurde die Staffel auf den Namen „Frecce Tricolori“ getauft. [3] Zunächst flog die Staffel mit F-86 Sabre-Flugzeugen; 1963 wurde sie auf die Fiat G.91 umgerüstet. Die Staffel fliegt seit 1982 mit Aermacchi MB 339 PAN Flugzeugen, die normalerweise als Fortgeschrittenentrainer bzw. leichtes Erdkampfflugzeug eingesetzt werden. Heute besteht die Staffel aus zehn Flugzeugen und ist damit die größte Kunstflugstaffel der Welt. Die Zehnerformation teilt sich während des Flugprogramms mehrmals in eine Fünfer- und eine Viererformation plus den Solisten, der eine Art eigene Show absolviert und zwischen den Programmteilen der Formation alle Charaktereigenschaften und die Wendigkeit der Maschine demonstriert, auf. Pro Jahr fliegt sie auf rund 40 Airshows, jeweils beginnend am 1. Mai mit dem Startdisplay auf dem Heimatflughafen in Rivolto bei Udine.
Während der Saison 1986 traten die Frecce Tricolori von Juli bis September 22 mal bei ihrer Nordamerikatour in Kanada, sowie den USA auf 11 Shows auf. Insgesamt haben sie es jetzt auf über 2.000 Vorführungen gebracht.
Das Flugprogramm ist seit Jahrzehnten nahezu standardisiert und brachte – bis auf die Einschnitte nach dem Flugtagunglück von Ramstein - nur minimale Abänderungen. Eine der wirklich neu eintrainierten Figuren der letzten Jahre bildet z.B. die nach dem Sieg der italienischen Fußballmannschaft bei der FIFA Fußball WM 2006 geflogene Figur Berlino 2006. [4] Sie zeigt ein von unten nach oben geflogenes Herz der beiden Teilformationen mit den Nationalfarben im Rauch.
Ein so genanntes Fulldisplay, auch Complete Aerobatic Sequence genannt, dauert inklusive Start und Landung der beiden Fünferformationen ca. 30 Minuten. Es gibt, je nach Wetterlage und Wolkenuntergrenze am Vorführtag, drei verschiedene Programme. Das Fulldisplay als Schönwetter-Programm, bei dem alle Programmteile ohne Einschränkungen geflogen werden können, das Rollingdisplay bei Bewölkung, wo keine Loopings geflogen werden, und das Flatdisplay als Schlechtwetter-Programm, bei dem es nur Vorbeiflüge am Publikum gibt.
Die italienische Luftwaffe plant, die Staffel mit neuen Flugzeugen vom Typ Aermacchi M 346 auszustatten.
[Bearbeiten] Kritiken
Bereits vor dem Flugtagunglück von Ramstein stieß die Staffel, speziell in Großbritannien, bei manchen Flugshowveranstaltern mit der „Unglücksfigur“ Das durchstoßene Herz auf Ablehnung, da viele in diesem Programmteil ein großes Risikopotenzial witterten. Auf der anderen Seite galten die Frecce Tricolori weltweit als das spektakulärste Showteam, und waren der Publikumsmagnet auf Flugtagen in ganz Europa.
Auf Unverständnis stieß laut einem Zeitungsbericht von 1988 die angebliche Zusage der Staffel nur eine Woche nach Ramstein auf einem Flugtag in der Schweiz auftreten zu wollen. Das Kommen wurde, so war zu lesen, dankend abgelehnt.
In Deutschland wird die Staffel bis heute nicht zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung Berlin eingeladen.
[Bearbeiten] Flugtag Ramstein 1988
[Bearbeiten] Die Katastrophe
Am 28. August 1988 stießen beim Flugtagunglück von Ramstein, das bis heute von den Ausmaßen, Opferzahlen und Folgen schlimmste Vorkommnis für eine Kunstflugstaffel, in Deutschland drei Maschinen der Frecce Tricolori zusammen. Alle drei Piloten starben und eines der Flugzeuge stürzte in die Zuschauermenge. Die Trümmer und vor allem der aus sich entzündendem Kerosin entstehende Feuerball (Tankkapazität der Maschine ca. 1,4 Tonnen) tötete sofort 31 Besucher. In den folgenden Wochen und Monaten starben weitere 36 der Verletzten, so dass insgesamt 67 Zuschauer und die drei Frecce Tricolori-Piloten ums Leben kamen. Mehr als 1000 Personen wurden verletzt, die meisten erlitten Brandwunden durch das Kerosinfeuer.
[Bearbeiten] Folgen für die Staffel
Trotz heftigster Diskussionen – selbst in Italien – nach der Katastrophe blieb die Staffel der italienischen Luftwaffe bestehen und demonstriert bis heute das Können der italienischen Militärpiloten im größten derzeit vorkommenden Kunstflugverband der Welt. Das Vertrauen des flugbegeisterten Publikums musste in den Jahren nach dem Unglück erst wieder gewonnen werden. Einige Passagen des Flugprogramms, das bis zum 28. August 1988 geflogen worden war, wurden entschärft oder gar gestrichen. Ebenso legte sich die Staffel strenge Bestimmungen auf, was den Mindestabstand zum Publikum und auch die Mindestflughöhe während der Vorführung angeht. Nahezu ein Jahr brauchten die Frecce Tricolori, um sich von dem Schock der Tragödie zu erholen und die Staffel wieder aufzubauen. Im darauf folgenden Jahr 1989 wurde ein Flugprogramm ohne Solisten absolviert. Erst 1990 trat die Staffel wieder in alter Formation die Saison an.
[Bearbeiten] Interessantes
Während der International Bodensee Airshow (IBAS) im August 1998 waren die Frecce Tricolori gemeinsam mit den Red Arrows auf dem Flughafen Friedrichshafen am Bodensee in Deutschland stationiert, und flogen lediglich zu den Vorführungen über den Bodensee auf die Schweizer Seite. Ein Training des damaligen Solisten über dem Flugplatz wurde laut Augenzeugen unter dem Argument des Kunstflugverbots im militärischen Rahmen in Deutschland sofort wieder abgebrochen.
Am 24. Juni 2007 flog das Team mit rotem Rauch zum 60. Geburtstag von Ferrari über Fiorano Modenese (I).
[Bearbeiten] Tribut an Pavarotti
Am 8. September 2007 salutierten die Frecce Tricolori während der Trauerfeier um Luciano Pavarotti in Modena mit einem Überflug in Nationalfarben im Rauch. Auch wird die Staffel als Tribut an Luciano Pavarotti die Arie Nessun Dorma künftig auch weiterhin zum Finale ihrer Show einspielen.
[Bearbeiten] Literatur
AKROBATEN DER LÜFTE. Die Kunstflugteams der Welt, Bildband von Luigino Caliaro ISBN 1-40547-905-1 Parbon Books Ltd. UK
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Akrobaten der Lüfte, die Kunstflugteams der Welt, Luigino Caliardo Seiten 10-35
- ↑ Bild einer Sabre Mk4
- ↑ Airshow-Magazin: Frecce Tricolori
- ↑ „Berlino 2006“-Schemafigur
[Bearbeiten] Weblinks
- Homepage der Staffel (aeronautica.difesa.it)
- Video „Aircrash Ramstein 1988“
- Airshow-Magazin: Frecce Tricolori
- Frecce Tricolori vom Onlinemagazin Checksix.de
- Schematische Darstellung der Kunstflugfiguren
- Abbotsford Airshow 1986 - Erster Teil
Argentinien: Cruz del Sur | Australien: Roulettes | Belgien: Diables Rouges | Brasilien: Esquadrilha da Fumaça | Chile: Halcones | China: August 1st | Finnland: Midnight Hawks | Frankreich: Patrouille de France | Indien: Surya Kiran, Sagar Pawan; Sarang | Italien: Frecce Tricolori | Japan: Blue Impulse | Jordanien: Royal Jordanian Falcons | Kanada: Snowbirds | Marokko: Marche Verte | Neuseeland: Red Checkers | Niederlande: Solo Display Team | Polen: Orlik Aerobatic Team, Team Iskry | Saudi-Arabien: Saudi Hawks | Schweden: Team 60 | Schweiz: Patrouille Suisse | Spanien: Patrulla Águila, Patrulla ASPA (Helikopter) | Südafrika: Silver Falcons | Russland: Russian Knights, Strizhi, Sky Knights | Türkei: Türk Yıldızları | Ukraine: Ukrainian Falcons | Vereinigte Staaten: Blue Angels, Thunderbirds | Vereinigtes Königreich: Red Arrows; Blue Eagles, Black Cats (beide Helikopter)

