Freikorps Oberland

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Bund Oberland ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu der gleichnamigen rechtsextremen Schweizer Organisation siehe Bund Oberland (Schweiz).

Das Freikorps Oberland (auch Bund Oberland oder Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland) war ein zur Schwarzen Reichswehr zählender Wehrverband in der Anfangsphase der Weimarer Republik. Der daraus hervorgegangene Bund Oberland bildete ab 1921 den Kern der Sturmabteilung (SA) in Bayern.

Die alten Freikorpskämpfer sammelten sich nach 1945 um Ernst Horadam und begründeten 1951 die bis heute bestehende Traditionsgemeinschaft Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland.

Historisch[Bearbeiten]

Das Freikorps Oberland wurde Anfang 1919 durch Rudolf von Sebottendorf, den Vorsitzenden der rechtsextremen Thule-Gesellschaft, mit Unterstützung des nach Bamberg geflüchteten Kabinetts des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann gegründet, um die sozialistische Münchner Räterepublik niederzuschlagen. Direkter Vorläufer war der innerhalb der Thule-Gesellschaft bestehende „Kampfbund“, der ebenfalls gegen die Räteregierung gerichtet war.

Eingesetzt wurde das Freikorps im Mai 1919 bei den Kämpfen gegen die Münchner Räterepublik und 1920 während des Ruhraufstands. Bei der Niederschlagung der Aufstände in Oberschlesien 1921 waren Einheiten des Freikorps an der Erstürmung des St. Annabergs in Oberschlesien beteiligt und sorgten durch ihre Brutalität international für Schlagzeilen. Mitglieder des Freikorps Oberland mordeten jedoch nicht nur bei Kampfhandlungen, sondern waren auch an zahlreichen Fememorden beteiligt. Neben einer Vielzahl von angeblichen „Verrätern“ wurden auch Politiker erschossen, wie beispielsweise Minister Matthias Erzberger (Deutsche Zentrumspartei).

Als 1921 die Freikorps aufgelöst wurden, änderte die Organisation ihren Namen in Bund Oberland. Zahlreiche Angehörige schlossen sich der im gleichen Jahr entstehenden SA an. 1923 bildete der Bund Oberland gemeinsam mit der NSDAP und verschiedenen weiteren nationalistischen Organisationen den Deutschen Kampfbund, der sich am 25. September 1923 unter die Führung von Adolf Hitler stellte. In diesem Zusammenhang war der Bund Oberland auch wesentlich am Hitler-Ludendorff-Putsch vom 8. November 1923 beteiligt.

Nach dem Hitler-Putsch teilte sich die Organisation in verschiedene Bünde, etwa den Bund Alt-Oberland unter Ludwig „Lulu“ Oestreicher und Treu-Oberland.

Bereits 1930 kam es zu Differenzen innerhalb des Bundes, da die relativ starke österreichische Fraktion den austrofaschistischen Heimwehrführer Fürst Ernst Rüdiger Starhemberg zum Bundesführer wählte. Dies veranlasste über Dreiviertel der reichsdeutschen Gruppen den Bund Oberland zu verlassen. Auch die Nationalrevolutionäre unter Führung von Sondermann, Drexel und Tröger traten geschlossen aus, unterstellten sich als „Oberlandkameradschaft“ geschlossen dem Nationalbolschewisten Ernst Niekisch und wandten sich gegen die dem Nationalsozialismus zugeneigten Gruppe um Dr. Weber.

Der ehemalige Stabschef des Freikorps und Planer des Sturms auf den Annaberg Josef Römer trat zum kommunistischen „Scheringerkreis“ über und wurde zum mit diktatorischen Vollmachten ausgestatteten Führer einer bereits 1920 gegründeten Geheimorganisation namens „Bund Oberland“. 1939/40 baute Römer mit alten Freikorpskameraden und ehemaligen Mitarbeitern des „Aufbruch-Arbeits-Kreises“ Widerstandsgruppen in München und Berlin auf. Mit seinen Leuten verbreitete er Flugblätter, die das Volk zum Aufstand gegen Adolf Hitler aufriefen, bis er 1942 verhaftet und 1944 hingerichtet wurde.[1]

Heute[Bearbeiten]

Die Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland besteht heute noch als Traditionsverband ehemaliger Freikorpsangehöriger, der von einigen Autoren[2] als rechtsextreme Vereinigung beschrieben wird. In Schliersee fand bis einschließlich 2006 jährlich im Rahmen eines Gottesdienstes ein Totengedenken für die Gefallenen des Freikorps von 1921 statt. Nach Aussagen des Vorstandes der Landsmannschaft der Oberschlesier ist die Veranstaltung in der Vergangenheit regelmäßig vom Landesamt für Verfassungsschutz Bayern beobachtet worden.[3] Es erfolgte jedoch weder eine Aufnahme in den Bundes- noch in den Landesverfassungsschutzbericht, da nach Aussagen des Pressesprechers des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz gegenüber dem BR-Magazin „Der Zeitspiegel“ am 16.  Mai 2007 weder die Veranstaltung, noch der Traditionsverband „Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland“ Beobachtungsobjekt seien. Zu den regelmäßig an der Veranstaltung teilnehmenden Organisationen gehörten die Landsmannschaft Schlesien, die Landsmannschaft der Oberschlesier und die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland. Des Weiteren beteiligten sich Einzelpersonen aus unterschiedlichen extrem rechten Organisationen wie beispielsweise der NPD, der JN und der Burschenschaft Danubia.[4][2] Seit 2007 findet das Gedenken in einem sehr kleinen Rahmen statt. Im Jahr 2008 versuchten unterschiedliche rechtsextreme Jugend- und Nachwuchsorgansationen erfolglos an die Tradition der Annaberg-Gedenkfeiern anzuknüpfen.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zum Freikorps und Bund Oberland
  • Hans Fenske: Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918. Verlag Gehlen,1969
  • Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland: Bildchronik zur Geschichte des Freikorps und Bundes Oberland. München 1974
  • Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland (Hrsg.): Für das stolze Edelweiß. Bild- und Textband zur Geschichte von Freikorps und Bund Oberland. Zusammengestellt und bearbeitet von Peter Schuster. Brienna Verlag, Aschau 1996. ISBN 3980387518
Zur Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Schuster: Für das stolze Edelweiß, Brienna, Achau 1995. ISBN 3980387518.
  2. a b Oliver Schröm, Andrea Röpke: Stille Hilfe für braune Kameraden, S. 180f; Andreas Angerstorf: Rechte Strukturen in Bayern 2005
  3. SPD-Kreisvorsitzender fordert Distanzierung vom Dritten Reich. In: Münchner Merkur, 21. Mai 2005
  4. Bundestags-Drucksache 14/6729 (PDF; 57 kB)

Weblinks[Bearbeiten]