Georg Friedrich von Reichenbach

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Georg Friedrich von Reichenbach, um 1825, Lithographie von Joseph Karl Stieler
Büste Reichenbachs in der Ruhmeshalle, München
Georg von Reichenbach (rechts) neben Joseph von Fraunhofer (Mitte, das Spektroskop demonstrierend), Gemälde von Rudolf Wimmer

Georg Friedrich von Reichenbach (* 24. August 1771 in Durlach; † 21. Mai 1826 in München) war ein bayerischer Erfinder und Ingenieur.

Leben[Bearbeiten]

Reichenbach war der Sohn eines Schlossers, er machte seine Lehre in Mannheim und durfte mit kurfürstlicher Förderung nach England reisen. Nach seiner Rückkehr konstruierte er Maschinen für eine Gewehrfabrik. 1802 baute er in München eine Kreisteilmaschine und entwickelte 1809 zusammen mit Joseph von Fraunhofer optische Geräte.

Gemeinsam mit Joseph Liebherr (1767–1840) und Joseph von Utzschneider gründete er das Mathematisch-Feinmechanische Institut.

Reichenbach gilt als Wegbereiter der Dampfmaschine in Bayern.

1810 wurde unter der Leitung von Reichenbach die Soleleitung von Bad Reichenhall nach Traunstein bis nach Rosenheim verlängert. Sie war bis 1958 in Betrieb und ist in Teilen heute noch (inaktiv) vorhanden.

1817 baute er eine 25 km lange Soleleitung von Berchtesgaden nach Bad Reichenhall. Um die 356 m Steigung zu überwinden, setzte er eine 1810 von ihm entwickelte Wassersäulenmaschine ein, um das Wasser für die Soleleitungen zu heben. Dafür wurde er vom Bayerischen König Max I. Joseph in den Adelsstand erhoben. Nach dem gleichen Prinzip entwickelte er auch Maschinen, die Wasser in Wassertürme förderten, von denen das Trinkwasser anfangs durch Holzleitungen, später durch Eisenrohre im Versorgungsgebiet verteilt wurde.

1808 ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften zum außerordentlichen Mitglied, 1808 folgte die Ernennung zum ordentlichen Mitglied.[1] Am 21. Mai 1826 verstarb er im Alter von 54 Jahren in München. Als Todesursache werden die Folgen eines 1824 im Augsburger Wasserwerk geschehenen Unfalls vermutet.[2] Sein Grab befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München [Alte Arkaden, AA-11] wo er unmittelbar neben dem seines Kollegen Joseph von Fraunhofer [Alte Arkaden, AA-12] liegt, der nur zwei Wochen nach ihm verstorben ist.[3]

Der Mondkrater Reichenbach erhielt ihm zu Ehren seinen Namen. In München wurden die Reichenbachbrücke, die Reichenbachstraße und der Reichenbachplatz nach ihm benannt.

Die ehemalige HOECHST AG in Burgkirchen/Gendorf erwarb eine Original Reichenbachpumpe und konnte sie (für Besucher und Interessenten) auch real betreiben – ohne elektrischen Fremdantrieb. Sie speist einen Springbrunnen im Freigelände am Pumpenhaus.

Literatur[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Vom "Industriespion" zum Erfindergenie. Georg Friedrich von Reichenbach. Dokumentation, Deutschland, 2005, 45 Min., Buch und Regie: Georg Antretter, Produktion: Bayerischer Rundfunk, BR-alpha, Reihe: Bayerische Industriepioniere, Erstsendung: 1. August 2005, Inhaltsangabe von themen-tv.de
    Reichenbachs Portrait als der „Bahnbrecher des Maschinenzeitalters“ und als „bedeutendster Ingenieur der Frühindustrialisierung in Deutschland“.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rückschau - verstorbene Mitglieder (R), BAdW
  2. Carola Zinner: Georg von Reichenbach und die Salzgewinnung in Berchtesgaden In: Bayern 2, PDF-Datei, S. 15
  3. Carola Zinner: Josef von Fraunhofer - "Das ist der Mann, den wir suchen!" In: Bayern 2, PDF-Datei, S. 15