Tegernsee

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Dieser Artikel beschreibt den See Tegernsee. Die gleichnamige Stadt wird unter Tegernsee (Stadt) beschrieben.
Tegernsee
Tegernsee II.jpg
Geographische Lage Mangfallgebirge, Bayerische Voralpen, 50 km südlich von München
Zuflüsse Weißach, Rottach, Alpbach, Söllbach, Breitenbach, Zeiselbach, Quirinbach, Grambach, Weidenbach
Abfluss MangfallInnDonauSchwarzes Meer
Inseln Ringseeinsel
Orte am Ufer Tegernsee, Gmund am Tegernsee, Rottach-Egern, Kreuth, Bad Wiessee
Daten
Koordinaten 47° 43′ 42″ N, 11° 43′ 57″ O47.72833333333311.7325726Koordinaten: 47° 43′ 42″ N, 11° 43′ 57″ O
Tegernsee (Bayern)
Tegernsee
Höhe über Meeresspiegel 726 m ü. NN
Fläche 8,9 km²[1]
Länge 5,72 km[1]
Breite 2,15 km[1]
Volumen 0,32309 km³[1]
Umfang 21,04 kmdep1f9
Maximale Tiefe 72,6 m[1]
Mittlere Tiefe 36,3 m[1]
pH-Wert 7,7-8,5
Einzugsgebiet 210,75 km²[1]
Erneuerungszeit 1,28 Jahre
Tegernsee osm.png

Der Tegernsee liegt rund 50 km südlich von München in den Bayerischen Alpen und ist ein Ausflugs- und Fremdenverkehrsziel. Er zählt zu den saubersten Seen Bayerns, da bereits in den 1960er Jahren eine durchgängige Ringkanalisation um den See (die erste ihrer Art weltweit) geschaffen wurde und lange Zeit Bauvorhaben an die Kapazitäten des Klärwerks gekoppelt waren (Einwohnergleichwerte). Im Jahr 2000 wurden durch Investitionen von über 20 Millionen DM in Sanierung und Verbesserung der Abwassertechnik knapp 6.000 weitere Einwohnergleichwerte geschaffen.[2]

Namensgebung[Bearbeiten]

Der Name des Sees ist erstmals in der Form Tegarinseo aus dem Jahr 796 überliefert. Seine Deutung ist ungewiss. Ein keltischer Wortstamm mit der Bedeutung Herr oder Fürst kommt in Frage, aber auch die bei benachbarten Ortsnamen wie Tegernbach oder Tegerndorf angenommene Herkunft von Lehm-Tiegel. Eine historische Quelle des 19. Jahrhunderts führt den Namen auf das Volk der Tiguriner zurück.[3]

Geographie[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Der See ist Teil des Stadtgebietes von Tegernsee. Auch die übrigen vier Gemeinden des Tegernseer Tals haben Anteil am Seeufer: Gmund am Tegernsee, Rottach-Egern, Kreuth und Bad Wiessee. Der See ist Eigentum des Freistaates Bayern, für dessen Verwaltung die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen zuständig ist.[4] Im Gegensatz zu vielen anderen oberbayerischen Seen sind die Ufer des Tegernsees fast vollständig öffentlich zugänglich. Häufig sind diese intensiv mit Schilf bewachsen. Der Tegernsee hat im Süden zwei größere Buchten, sowie eine Insel. Die Mangfall bildet bei Gmund am Tegernsee den Abfluss des Tegernsees.

Eine besondere Bedeutung hat der Tegernsee für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung der Landeshauptstadt München[5] und als Hochwasserrückhaltebecken für das untere Mangfalltal.[6] Schon vor über einhundert Jahren wurde ein Anstauen des Sees diskutiert.[7]

Entstehung[Bearbeiten]

Während der letzten, als Würm-Kaltzeit bezeichneten Eiszeit, reichte die Tegernseer Zunge des Inn-Gletschers mit einem Maximum vor etwa 20.000 Jahren bis weit nach Norden in die Ebene hinein. Durch seine erosiven Kräfte schuf der Gletscher ein Zungenbecken, das sich später mit Wasser füllte. Die langgestreckte Form des Tegernsees lasst diese glazialmorphologische Entstehung deutlich erkennen. Die flache Uferebene im Süden wurde durch Sedimente der Rottach und der Weißach aufgeschüttet, die Uferbereiche auf den Längsseiten bei Tegernsee und Bad Wiessee sind Schutthalden.

Zulauf und Ablauf[Bearbeiten]

Wichtigster Zulauf des Tegernsees ist die Weißach, welche im Südwesten des Sees in den Ringsee mündet. Die Weißach entwässert das Kreuther Tal. Das südöstliche Talende des Tegernseer Tals wird von der Rottach entwässert, dem zweitgrößten Zufluss des Tegernsees. Weitere bedeutende Zuflüsse sind der Alpbach im Osten und der Söllbach, der Breitenbach und der Zeiselbach im Westen des Sees. Alle größeren Zuflüsse des Tegernsees sind begradigt und zum Hochwasserschutz verbaut. Hochwasserdämme kennzeichnen die letzten Kilometer der größeren Zuflüsse.

Neben den genannten Zuflüssen mündet eine Vielzahl kleinerer Bäche direkt in den Tegernsee. Dazu zählen beispielsweise der Quirinbach und der Grambach bei Sankt Quirin und der Weidenbach im Nordwesten des Sees. Darüber hinaus wird das durch den Mühlbach, einem Kanal, von der Weißach abgezweigte Wasser direkt in den Ringsee geleitet.

Einziger Abfluss des Tegernsees ist die Mangfall, durch die das Wasser des Tegernsees bei Rosenheim in den Inn gelangt.

Gliederung[Bearbeiten]

An der Südseite des Sees befinden sich zwei Buchten, nämlich der Ringsee im Südwesten und die Egerner Bucht, früher Obersee genannt, im Südosten. Der übrige Teil des Tegernsees, einschließlich der Finnerbucht im Westen, wurde bis ins 19. Jahrhundert Weitsee genannt.[8]

Egerner Bucht (Egerer See, Malerwinkel)[Bearbeiten]

Der rund 40 Hektar große, durch die Halbinsel Point auf eine Breite von ca. 170 Metern abgeschnürte Seeteil im Südosten, wo die Rottach zufließt, heißt Egerner Bucht. Dieser Winkel wurde deshalb Malerwinkel genannt, weil früher sehr oft die Maler am Ufer saßen und das Kircherl von Rottach gemalt haben.

Ringsee[Bearbeiten]

Im südwestlichen Bereich des Tegernsees, nahe dem Ortsteil Ringsee der Gemeinde Kreuth, befindet sich die gleichnamige Bucht. Der Name Ringsee kommt von „gering" und macht den Gegensatz zum „großen" Tegernsee deutlich. Die Bucht mit einer Größe von ca. 300 mal 600 m (14,2 ha) liegt direkt im Mündungsbereich der Weißach.

Finnerbucht[Bearbeiten]

Eine weitere namentlich bezeichnete 200 Meter tiefe Einbuchtung ist die Finnerbucht am nördlichen Ortsausgang von Bad Wiessee, in der Nähe des kleinen Ortsteils Winner (Winnerhof, mit der Spielbank), jedoch benannt nach dem unmittelbar südlich davon gelegenen Finnerhof. Sie nimmt eine Fläche von rund 3 ha ein. Die Finnerbucht gehört zu den durch die Tegernseeschutzverordnung geschützten Seebereichen.[9]

Insel[Bearbeiten]

Dem Ringsee vorgelagert ist die kleine Ringseeinsel. Sie gehört ebenso wie der See zur Stadt Tegernsee.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Fischerei[Bearbeiten]

Der für Berufsfischer bedeutsame Bestand an Renken ist ebenso zurückgegangen wie der Bestand an Seesaiblingen. Sportfischer finden Hecht, Regenbogenforelle, Schleie sowie auch Karpfen, und Zander.

Freizeit und Tourismus[Bearbeiten]

Wichtigster Wirtschaftsfaktor des Tals sind der Tourismus und Gesundheitsdienstleistungen. Hierbei spielen neben dem Erholungstourismus vor allem auch der Kongress- und Seminar-Tourismus eine immer wichtigere Rolle. Eine Vielzahl von Hotels beherbergt große und kleine Konferenzen und Workshops für nationale und internationale Unternehmen. Insbesondere im Großraum München ansässige Firmen nutzen diese Angebote.

Die Kliniken im Tal haben sich im Wesentlichen auf Rehabilitation und benachbarte Felder der Medizin spezialisiert, Akutkliniken gibt es nicht mehr, seit 1998 das neue Kreiskrankenhaus in Agatharied eröffnet wurde.

Weiterhin spielen das Baugewerbe und das meist traditionelle Handwerk eine wichtige Rolle.

Trivia[Bearbeiten]

Während des „Dritten Reichs“ hatten mehrere nationalsozialistische Größen wie Heinrich Himmler oder Max Amann Anwesen am Tegernsee, so dass sich der Begriff Lago di Bonzo (in Anlehnung an Bonze) etablierte.[10] Da bis heute viele einflussreiche und wohlhabende Bürger rund um den Tegernsee wohnen, hat sich dieser Begriff im lokalen Sprachgebrauch erhalten.

Bekannte Bewohner des Tegernseer Tals sind bzw. waren u. a. Otto Beisheim († 2013) (Mehrheitsaktionär Metro Group), Thomas Enders (CEO Airbus), Uli Hoeneß (FC Bayern München), Thomas Stein (ehemals BMG Music), Antje-Katrin Kühnemann (ehemalige Fernsehärztin, u. a. Bayerischer Rundfunk), Alexander Schalck-Golodkowski (DDR-Staatssekretär), Wolfram Weimer (ehemaliger Focus-Chefredakteur) und Willy Bogner junior (ehemaliger Skiläufer und Modeunternehmer).

Im Tegernseer Tal spielt die Geschichte Der Brandner Kaspar von Franz von Kobell, die zuletzt 2008 als Die Geschichte vom Brandner Kaspar mit Franz Xaver Kroetz als Brandner Kaspar und Michael Bully Herbig verfilmt wurde.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tegernsee (See) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Teil 11 Bayern (PDF; 1,7 MB)
  2. Tegernseer Tal, Heft 133, S. 8
  3. Hans Halmbacher: Ortsgeschichte von Tegernsee. In: In: Hans Halmbacher (Hrsg.): Das Tegernseer Tal in historischen Bildern. Band 1. Fuchs-Druck, Hausham 1980, Seiten 63–186, 64
  4. Der Tegernsee auf der Website der Bay. Schlösserverwaltung
  5. Tegernseer Tal, Heft 144, S. 8 f
  6. Tegernseer Tal, Heft 145, S. 14 ff
  7. Stauung des Tegernsees
  8. Joseph Anton Eisenmann, Karl Friedrich Hohn: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern, oder alphabetische Beschreibung aller im Königreiche Bayern enthaltenen Kreise, Städte, Märkte, Dörfer, Weiler, Höfe, Schlösser, Einöden, Gebirge, vorzüglichen Berge und Waldungen, Gewässer usw: M - Z. Palm und Enke, 1832 Seite 813 in der Google-Buchsuche
  9. Tegernseeschutzverordnung (PDF; 23 kB)
  10. Der Tegernsee. In: Die Zeit, Nr. 22/1961